Schuhsohlen

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Legat, 1. April 2015.

  1. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Wann kamen eigentlich die ersten Schuhsohlen mit Profil auf? Waren die direkt aus Gummi? Ledersohlen waren immer ohne Profil und man musste sich mit Nägeln behelfen, damit man damit nicht rutscht?
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    das ist eine gute Frage, die weitere Fragen nach sich zieht - ich hab´ beim schnellgooglen nichts dazu gefunden...

    Seumes Spaziergang nach Syrakus stelle ich mir im Schuhwerk des frühen 19. Jhs. ziemlich anstrengend vor! Schuh ? Wikipedia (im Bayreuther Lisztmuseum (sic) sind Liszts Sandalen in einer Vitrine, rechts-links unterschieden)
     
  3. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Wahrscheinlich sind stark ausgeprägte Sohlenprofile ein modernes Phänomen. Gummiabsätze kamen langsam um 1900 auf, aber immer noch rar und ohne Profil.

    Suche aber nach Stiefeln aus dem 1. WK…!

    Jedenfalls waren früher die Ledersohlen glatt, höchstens mal eingeritzt, wie bei den Ballettschuhen, damit sie mehr Kolofonium aufnehmen; solche Rillchen sonst aber ohne viel Sinn bei härteren Materialien, da sie deswegen (wegen der fehlenden Elastizität) nicht griffiger werden – das Leder wird beim Gehen eh aufgerauht. Gummi hat aber auch ohne Profil den immensen Vorteil einer besseren Haftung, weshalb es relativ schnell auf die Sohlen kam.

    Bei Schnee und vereisten Straßen benutzte man bis ins 20. Jh.(und mancherorts sicher noch heute) Eiskrallen, die entweder bei Bedarf aufgeschraubt, oder vor der Ferse fix auf die Schuhsohle montiert waren und aufgeklappt werden konnten.

    Früher aber waren seit dem späten Mittelalter sowohl in Europa, als auch in Asien Holzsohlen sehr verbreitet. Ob da auch mal Rillen reingemacht worden sind, weiß ich nicht. Auch diese Sohle war jedenfalls schnell aufgerauht.

    Ein anderes Problem war aber die Lautstärke der Holzsohlen, als lautlose Gummisohlen noch nicht verfügbar waren. So wurden z.B. die Plateauschuhe der Renaissance, die sog. Chopines in Venezia, unten mit Stoff bespannt, damit ihre Trägerinnen in der Nacht diskreter agieren konnten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. April 2015
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Mir hängt der Name Goodyear im Ohr, der Rennsportfans ein Begriff sein müsste.
     
  5. enrico

    enrico Mitglied

    Die Schuhe vom Ötzi hatten auch schon ein Profil. An der Sohle wurde ein überkreuzender Ledersteifen angebracht. Vermutlich hat der Schuh dann mehr halt gegeben.
    "Experimente mit rekonstruierten Schuhen zeigten, dass dieser Lederstreifen tatsächlich ein Ausrutschen auf steinigem Gelände verhindert."
    Die Schuhe | Ötzi - Südtiroler Archäologiemuseum
     
  6. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Ich stelle mir glatte Ledersohlen gerade für Soldaten/Krieger im Schlachtengetümmel als sehr nachteilig vor. Gerade auf einer Wiese ist das doch ein gerutsche und geschliddere?
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Kann ich nicht bestätigen. Du versinkst eh mehr im Schlamm als alles andere. Gut, wir haben auch Absätze, was einen Unterschied machen könnte. Ansonsten denke ich, dass die Schuhnägel für sich haben, dass v.a. auf gepflasterten Straßen und ähnlichem Untergrund die Sohlen weniger rasch abgenutzt wurden.
     
  8. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Das können auch diese arg beschlagenen Haferlschuhe bestätigen (in denen man auf’s Haferl ging… :nono:)

    Apropos Hochleistungssohle: Sohlen aus Bronze mit ›Spikes‹ aus Eisen, im Archäologischen Nationalmuseum von Athen.
     
  9. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Ab wann und wie oft wurden Schuhnägel benutzt? Ich kann mir schlecht vorstellen,dass die in den nur 5mm dicken Schuhsohlen mittelalterlicher Schuhe genügend Halt finden um nicht nach einigen hundert Schritten den ersten Nagel schon wieder zu verlieren.
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  11. enrico

    enrico Mitglied

    Ich denke, die Nägel unter der Schuh- Sohle wurden im Form eines Profile beim römischen „caligae“so angeordnet, dass man eine optimale Standfestigkeit erreicht hat. Die Nägel dienten auch zum Schutz vor Abnutzung der Schuhsohle. Zudem haben sie mehr halt beim laufen gegeben. Das war keine Präsentation der neusten Schuhmode vl. durch römische Offiziere, sondern die Nägel dienten dem besseren Vorwärtskommen auf schlechten Wege. Es muss nicht gerade bequem gewesen sein mit Metallnägeln unter der Sohle zu laufen. Und dann noch das ständige geklimbere dabei zu hören, war auch sicherlich nicht angenehm. Die Vorteile haben aber den Ausschlag gegeben. Vielleicht hatten sie auch Vorteile im Kampf, indem man den Gegner mal kräftig ins Schienbein trat. Schuhnägel hat man sicherlich auch beim laufen verlieren können und haben sich beim schlürfen aus den Schuh gezogen, allerdings bei leichteren Sandalen weniger.
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Allenfalls auf Pflaster/Fels.
     
  13. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Wie dick war die Sohle der Caligae?
     
  14. enrico

    enrico Mitglied

    Wie auf den Bildern von dieser Wiki-Seite zu sehen, wird die Dicke ungefähr 1cm betragen haben.
    Caliga ? Wikipedia
     
  15. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Klar… und vielleicht war auch ein Springmesser eingebaut, wie in einem Bond-Film.

    Die von mir oben geposteten Sohlen aus dem Athener Museum scheinen jedenfalls bei friedlichen Gängen eingesetzt worden zu sein. Das Museums zum Exponat: »8414: Soles of sandals, probably woman's with thick iron nails on the periphery. After the 3rd c. BC.«

    Könnte mir vorstellen, dass das Gestell von der Sandale abnehmbar war, und es z.B. bei nassen, glitschigen Böden angezogen wurde. Ob auch der stolze Herkules bei der Besichtigung der Ställe des Augias solche Dinger trug, als er beschlossen hatte, das Ganze lieber zu überschwemmen?
     
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