Schweizer in fremden Diensten im 18.Jh.

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Brissotin, 28. November 2014.

Schlagworte:
  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich hätte mal eine Frage.

    Im Wikipediaartikel heißt es, dass sich nach der Schlacht bei Malplaquet die Schweizer geeinigt hätten, nicht mehr gegeneinander zu kämpfen. Schlacht bei Malplaquet ? Wikipedia
    Da wirft sich mir schon die Frage auf wie das funktionieren sollte. Woher sollten die einfachen Soldaten denn mit Sicherheit wissen, dass auf der Gegenseite Schweizer anwesend waren oder nicht? Und wie hätten sie das durchsetzen sollen, dass sie deswegen nicht an der folgenden Schlacht teilnahmen? Der General hätte sich wohl leicht erzürnt, wenn mal so mir nichts Dir nichts 3-4 Regimenter einfach nicht mitmachten. Im 16. Jh. stelle ich mir das noch einfacher vor, als die Schweizer riesige Verbände innerhalb des Heeres einer Partei gebildet hatten. Aber dann im 17./18. Jh. waren sie ja in ihren Regimentern auf die ganze Armee verteilt. Z.B. die Schweizer Garde bei den französischen Garden focht dann in einer Brigade neben der Französischen Garde.
    Bei Fontenoy gibt die Ordre de Bataille auch Aufschluss darüber, dass massiv Schweizer Regimenter auf beiden Seiten waren.
    Auf französischer Seite gab es 2 Schweizer (Régiment de Bettens und Régiment de Diesbach) Linien- d.h. Fremd- und ein Garderegiment. Auf Alliierter Seite befanden sich 3 Schweizer Fremdregimenter und das Schweizer Garderegiment in niederländischen Diensten. Ordre de bataille lors de la bataille de Fontenoy ? Wikipédia
    Wie wollte man da verhindern, dass Eidgenossen auf Eidgenossen feuerten?
     
  2. beresina

    beresina Neues Mitglied

    Indem die gegnerischen Feldherren dafür sorgen, dass die Schweizerregimenter in der Schlacht nicht aufeinandertrafen. Das erreichte man bspw. dadurch, dass man sie an verschiedenen Positionen an der breiten Front aufstellte, sodass damit zu rechnen war, dass sie im Verlauf der Schlacht nicht aufeinandertrafen.

    Bei Malplaquet ging das schief, wiederholte sich aber nicht mehr mit Ausnahme der Schlacht von Baylén, wobei die dort eingesetzten spanischen Schweizerregimenter zwar eine schweizerische Inhaberschaft hatten, aber aufgrund der personellen Zusammensetzung nicht mehr als nationale Schweizerregimenter angesehen werden konnten.

    Die Schweizerregimenter in Fremden Diensten bestanden (i.d.R., es gab Ausnahmen) gestützt auf öffentlichrechtliche Verträge zwischen einem oder mehreren Kantonen und einem Dienstherr (z.B. der französische König, die niederländischen Generalstaaten usw.), den sogenannten Kapitulationen, und es war ganz grundsätzlich verboten, dass diese somit "nationalschweizerischen" Verbände gegeneinander kämpften.

    Es war also im Interesse des Feldherrn, dass er in seiner Schlachtaufstellung dafür sorgte, dass seine Schweizerregimenter nicht auf gegnerische Schweizerregimenter trafen, weil diese Regimenter sonst - völlig vertragsgemäss - den Kampf verweigerten.

    Bei Malplaquet haben die Schweizerregimenter aufgrund des starken Pulverdampfs erst auf wenige Dutzend Meter Entfernung erkannt, dass sie sich gegenüberstehen und dann muss irgendetwas vorgefallen sein, dass es den beiden Regimentskommandeuren verunmöglichte, einzuschreiten und den Abbruch des Kampfes zu veranlassen. Das holländische Schweizerregiment war im Vormarsch nicht mehr zu halten, griff an, es kam zur Verzahnung der beiden Regimenter und zum äusserst blutigen Nahkampf zwischen dem französischen Regiment May und dem holländischen Regiment May.
     
    2 Person(en) gefällt das.
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @ beresina
    Danke für die Erläuterung.

    Der Aspekt, dass der Pulverdampf eine Rolle spielen könnte, ist mir auch eingefallen. Außerdem kam es ja auch vor, dass ein Feldherr einen Teil seiner Truppen hinter einem Wald, einem Dorf, einem Wall oder einem Hügel kaschierte, dass der Feind keine Kenntnis davon bekam, wie stark man tatsächlich war. Daneben mussten ja durch den Kampfverlauf auch individuelle geänderte Dispositionen getroffen werden.

    Das fairste wäre es wahrscheinlich gewesen, jede Seite hätte vor der Schlacht eine Ordre de Bataille gezeichnet, einige wichtige topographische Punkte markiert und davon eine Kopie dem Gegner zugeschickt, dass dieser entsprechend seine Truppen v.a. in Bezug auf die Schweizer positionieren konnte. :rofl:
    Nee, aber im Ernst: das kann ja nur funktionieren, wenn beide Armeen recht übersichtlich für die jeweilige Seite Aufstellung nehmen. Und wer richtet sich dann nach wem? Richtet sich der Angreifer nach dem Verteidiger? Wer darf zuerst aufstellen? (Klingt jetzt ein bisschen nach Tabletop.)
    Immerhin galten die Schweizer prinzipiell als enorm zuverlässig und dürften, auch weil sie oft als Gardetruppen dienten an den Brennpunkten eingesetzt worden sein. (Dass die Garde als reine Reserve zurückgehalten wurde, scheint mir eher eine Entwicklung der Napoleonischen Kriege zu sein.)
    Wer also zuerst aufstellte, wäre gewissermaßen in einem Vorteil gewesen.
     
  4. beresina

    beresina Neues Mitglied

    Die Bewegungen auf dem Gefechtsfeld des 18. Jahrhunderts liefen langsam ab und die verschiedenen Regimenter waren aufgrund ihrer Uniformen und Fahnen identifizierbar. Es war also durchaus erkennbar, wer wen angriff (ausser es geschah wegen des Pulverdampfs ein "Unfall" wie bei Malplaquet). Desweiteren waren die Frontbreiten der Regimenter gering.

    Die ursprüngliche Aufstellung zur Schlacht konnte selbstverständlich durch den Feldherren dadurch abgeändert werden, dass er im Angriff ein Schweizerregiment etwas nach links oder rechts verschob, damit es nicht direkt auf gegnerische Schweizerregimenter traf.

    Bei Fontenoy griffen jedenfalls die drei holländischen Schweizerregimenter Stürler (nicht: "Stusler" wie im Wiki-Artikel, ein Bernerregiment), Constant-Rebecque (nicht: "Constant-Redeque", ebenfalls ein Bernerregiment) und Salis (nicht: "Salisch", ein Bündnerregiment) eben gerade nicht die beiden französischen Schweizerregimenter Bettens (auch dies ein Bernerregment) und Diesbach an. Vielleicht war das direkte Aufeinandertreffen aber auch nur ein Zufall; ich weiss es nicht. Jedenfalls standen sie sich in der 2. Phase der Schlacht, beim holländischen Angriff auf den rechten Flügel der Franzosen, sehr nahe. Ob man bei Fontenoy knapp an einem zweiten Malplaquet vorbeigeschrammt ist oder ob man die holländischen Schweizerregimenter mit Absicht nicht direkt auf die französischen Schweizerregimenter losschickte, weiss ich nicht.

    Zumindest bei Fontenoy wurden weder das französische noch das schweizerische Garderegiment als Reserve zurückgehalten, sondern standen im Zentrum der Front und hatten durch den Angriff der britisch-hannoveranischen Truppen horrende Verluste.
     

Diese Seite empfehlen