Seminararbeit über das Scheitern in der Geschichte - Bearbeitungsgegenstände gesucht

Dieses Thema im Forum "Schulprojekte" wurde erstellt von Momo13, 10. Februar 2020.

  1. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Hallo Momo13,

    da Stalingrad für dich offensichtlich ausgeschieden ist, könntest du dich bei (falls nach wie vor) schwieriger Entscheidungsfindung nun ja auf einen Münzwurf einlassen. ;o)
    Meine Frage, hast du dich grundlegend und unverrückbar auf ein Scheitern in militärischen Kontexten “eingeschossen“?
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Februar 2020
  2. Divico

    Divico Aktives Mitglied

    Sollte die Wahl auf Napoleon fallen, wäre diese wie eine moderne Infografik erscheinende französische Karte ein guter Angelpunkt.

    (Der Bruder eines meiner Vorfahren überlebte die Schlacht an der Beresina und konnte sich schließlich bis in die Niederlande durchschlagen, wo er einen neuen Familienzweig gründete — das nur am Rande.)
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Februar 2020
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Das interessante am "Scheitern" ist seine dialektische Beziehung zum Erfolg. Eine Beziehung, die man sehr schön bei "erfolgreichen" Unternehmen beobachten kann als Erklärung für ihr späteres Scheitern.

    In diesem Fall steht auch vor dem Scheitern ein grandioser militärischer Erfolg, den FdG bei Leuthen errang, indem er eine disziplinierte, in Linie kämpfende - gepresste - Armee in "schiefer Schlachtordnung " gegen die Österreicher kämpfen ließ. Und einen "bedeutenden" militärischen Erfolg errang.

    Jahre später als sich Preußen bei Jena und Auerstedt gegen die Franzosen zur Schlacht stellte, sollte ein Prinzip, die schiefe Schlachtordnung, mit einer ähnlich aufgebauten Armee wie zu Zeiten FdG die Schlacht gewinnen.

    Das Ergebnis ist bekannt. Und die preußische Armee wurde einer Reorganisation unterworfen und war wenige Jahre später erneut ein effektives Heer.

    Eine ähnliche Dialektik von Erfolg und Scheitern kann man über die Zeit im Verhältnis der Süd- und Nordstaaten während des Sezessionskrieges erkennen. Das spannende ist also nicht das isolierte Erkennen der Gründe und die Beschreibung des Scheitern, sondern die Reaktion darauf ist das eigentlich interessante.

    Ein interessanter Beitrag zum Thema "Niederlage" kommt dabei von Afflerbach, der die Bedingungen diskutiert, unter denen eine Partei zum Sieger ernannt wird und die andere Seite zum Verlierer. Wann wird also das Weiterkämpfen zu einer höheren Belastung wie die Belastung aus den - nicht selten - auch harten Bedingungen eines Friedensvertrags. Und welche Faktoren sind das und wer bestimmt die Gewichtung der Faktoren in der gesellschaftlichen Diskussion. Speziell auch für den WW1 eine ähnliche Arbeit von Goemans.

    Afflerbach, Holger (2013): Die Kunst der Niederlage. Eine Geschichte der Kapitulation. München: Beck
    Goemans, H. E. (2000): War and punishment. The causes of war termination and the First World War. Princeton, N.J., Oxford: Princeton University Press
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Februar 2020
  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Mit Scheitern kennt man sich in der neueren deutschen Geschichte generell gut aus.

    1. Die Märzrevolution von 1848 ist gescheitert.
    - sie konnte keinen bürgerlichen Nationalstaat errichten
    - sie konnte sich von der aristokratischen Herrschaft nicht befreien

    2. Mit der preußischen Lösung zur Gründung eines deutschen Nationalstaats ist die großdeutsche Lösung zusammen mit Österreich - Ungarn 1871 gescheitert.

    3. Mit dem Ende des WW1 und dem Abdanken von Kaiser Wilhelm II. ging das Zeitalter der Monarchien in Deutschland zu Ende und zeigte deutlich auf, dass die Monarchien an der Aufgabe gescheitert sind, moderne Staats- und Gesellschaftsstrukturen zu entwicklen.

    4. Mit dem Fall des NS-Systems im April 1945 ist Hitler und seine menschenverachtende Ideologie gescheitert.

    In allen Fällen lassen sich die Entwicklungen gut aufzeigen. Die falschen Beurteilungen der Realität, die zunehmenden Widersprüche und die Machtstrukturen und Koalitionen, die das Scheitern begünstigt haben.

    Derartige Themen gehören ohnehin in die historische Allgemeinbildung, zumindest eher wie die Frage des Scheiterns vor Stalingrad oder Napoleon in Russland. Themen, die eher von Militärhistorikern bearbeitet werden. Wenngleich sie im Forum bereits ausführlich diskutiert worden sind.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Napoleon selbst meinte ja, sein Scheitern sei im spanischen Aufstand begründet gewesen.
     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Um das "Scheitern" in der Historie sinnvoll für die europäische Geschichtsschreibung zu benutzen, ist es hilfreich, den Zusammenhang zwischen Krieg, Scheitern und sozialem Wandel sprich Modernisierung herzustellen.

    Die politischen und sozialen Konsequenzen aus dem Scheitern im Rahmen eines Krieges, so die zentrale These von Langewiesche, sind wichtige Meilensteine bzw. auch Voraussetzungen für den folgenden sozialen Wandel. Durch das Scheitern eines politischen Regimes im Kontext von Kriegen kommen neue politische Akteure, nicht selten revolutionäre Bewegungen an die Macht, und verändern die ursprüngliche Gesellschaften bzw. das politische System in ihrem Sinne. Prägnante Beispiele sind der Zusammenbruch des Zarismus und des monarchischen Systems in Deutschland nach 1917 bzw. 1918.

    Erst mit der friedlichen Revolution im Ostblock um 1990 wurde dieses - revolutionär-kriegerische - Muster des soziopolitischen Wandels gravierend durchbrochen. Und das Scheitern eines politischen Regimes im Ostblock erfolgte im Rahmen einer friedlichen Revolution und einem anschließenden - mehr oder minder - evolutionären sozialen Wandel.

    Vor diesem Hintergrund bekommt ein so vages Verständnis von "Scheitern" einen sinnvollen Kontext und wird in brauchbare Konstrukte im Rahmen einer Erklärung eingebettet. Das interessiert zwar keinen (wenige), aber auch die Arbeiten in der Oberstufe sind - oder sollten nicht - frei von einem systematischen historischen Verständnis sein.

    Langewiesche, Dieter (2019): Der gewaltsame Lehrer. Europas Kriege in der Moderne. München: Verlag C.H. Beck
     
    El Quijote gefällt das.
  7. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Hallo

    Es böte sich auch an die span. Armada vs. England.Das ganze Unzternehmen ist eine Reihe von verpaßten Gelengenheiten und militärischen zaktischen Fehlentscheidungen auf span. Seite, die Engländer hättem eigentlich keine Chance gehabt.
    Aber wie hat es einmal v.Moltke sinngemäß gesagt "planen ist alles, Pläne sind nichts".

    mfg
    schwedenmann
     
  8. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Hm, bei einer Arbeit für die Schule vielleicht etwas mit gut zugänglicher Literatur und Quellen?
    Nur um zu zeigen, dass es anderes gibt, was genauso interessant ist:

    Die Katastrophe des Varus? Mit fast allen Quellen in einem Reclambändchen. (Und unserem Riesenthread.)
    Das Scheitern des jüdischen Aufstands mit Josephus Flavius als Hauptquelle?

    Weniger militärisch:
    Das Scheitern der Gracchen?
    Das Scheitern Ciceros?
    Die Ehen Eleonores von Aquitanien?
    Das Scheitern des byzantinischen Reichs, die Kreuzfahrer für seine Zwecke einzuspannen?
    Das Scheitern der Schiffsbau- und Kolonialunternehmungen Brandenburg-Preußens unter dem Großen Kurfürsten?
    Die schon erwähnte Märzrevolution 1848 mit vielen schulischen Quellensammlungen?
    Der Zusammenbruch der Börsen am schwarzen Freitag?
    Natürlich gab es auch etliche gescheiterte Entdecker und Forscher.

    Oder auch von vornherein vergebliche Versuche:
    Das Scheitern der Alchimisten?
    Das Scheitern der Suche nach einer nutzbaren Nordwestpassage?
     

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