Serbien/Russland

Alexander187

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Warum stand Russland im ersten Weltkrieg auf der Seite von Serbien?

Mit dem Rückzug des osmanischen Reiches vom Balkan sahen Russland, wie auch Österreich-Ungarn eine Möglichkeit ihren Machtbereich zu erweitern. Beide Länder wollten sich Gebiete sichern, wobei Russland vor allem nach einem gesicherten Zugang zum Mittelmeer strebte. Die Interessen beide Mächte stießen hier aufeinander.

Dies war sicher ein Grund für Russland, Serbien zu unterstützen, da Serbien auch ein Feind von Österreich-Ungarn war. Aber war dies da einzige Grund? Welche Gründe gab es noch für Russland Serbien zu stützen?

Dankeschön für eure Antworten

Alex
 
Für die meisten Russen sind die Serben, ihre "kleinen Brüder" . Der Hauptgrund wird wohl nationalistische Sentimentalietät sein.
 
Und wie verhält sich das Verhältnis dieser beiden Länder bis in die Gegenwart?In meiner Hausarbeit, die ich abliefern muss, ist ein Gliederungspunkt, dass ich die Tradition der beiden Länder mit einem kurzen Bezug bis in die Gegenwart erläutern soll. Diese Aufgabe finde ich sehr schwer und bitte deswegen um ein wenig Hilfe.

Dankeschön für die Links, die hab ich mich durchgelesen, aber da würd auch nichts genaues zum dem Verhältnis zwischen Russland und Serbien erläutert.
 
Warum stand Russland im ersten Weltkrieg auf der Seite von Serbien?

Mit dem Rückzug des osmanischen Reiches vom Balkan sahen Russland, wie auch Österreich-Ungarn eine Möglichkeit ihren Machtbereich zu erweitern. Beide Länder wollten sich Gebiete sichern, wobei Russland vor allem nach einem gesicherten Zugang zum Mittelmeer strebte. Die Interessen beide Mächte stießen hier aufeinander.

Dies war sicher ein Grund für Russland, Serbien zu unterstützen, da Serbien auch ein Feind von Österreich-Ungarn war. Aber war dies da einzige Grund? Welche Gründe gab es noch für Russland Serbien zu stützen?

Dankeschön für eure Antworten

Alex

Ein paar wenige Zeilen zu der Fragestellung:

Das Osmanische Reich hat sich nicht vom Balkan zurückgezogen; es wurde, zum guten Teil durch militärische Gewalt, hierzu gezwungen.

Inn Serbien fand im Jahre 1903 ein brutaler Staatsstreich statt, bei dem die regierende Dynastie Obrenovic´ abgeschlachtet wurde. Die Leichen wurden schließlich wie Müll über dem Balkon geworfen. Der britischen Botschafter Bonham berichtet hierzu, das die Morde von der Bevölkerung mit Befriedigung begrüßt worden und das völlige Fehlen des gebührenden Bedauerns.

Neuer König wurde Peter Karadjordjevic´. Er lehnte sich außenpolitisch stark an Petersburg an. Das war bis dato anders gewesen. Die Obrenovic orientierten sich mehr in Richtung Wien.

Dieser Wechsel der Dynastie in Belgrad hatte für die europäische Geschichte Folgen.

Serbien stand in der Folge im Gegensatz zu Österreich-Ungarn und forderte dieses mehrfach heraus; das ging hart bis an die Grenze des Krieges. Serbien war seine begehrlichen Blicke auf die österreichischen Provinzen Bosnien und die Herzegowina und wollte diese an Serbien anschließen. Aus Serbien sollte ein Großserbien werden. Belgrad schickte immer wieder Agenten über die Grenze nach Österreich, um dort die Loyalität der Bevölkerung zur Monarchie zu untergraben. Die Österreicher waren natürlich wenig begeistert.
Russland war dabei stets an der Seite der Serben zu finden; es waren ja die slawischen Brüder und der Panslawismus war in Russland sehr ausgeprägt.
 
Im Zuge des Abschiediners Aehrenthals, er war vom Botschafter zum Außenminister der Monarchie befördert worden, kam es auch zu einem Gespräch.
Der Zar wollte wissen, wie sich der Zollstreit zwischen der Monarchie und Serbien entwickelte. Nikolaus drückte ziemlich unvermittelt die Erwartung aus, "das ich als Minister des Äußeren den Umstand nicht aus dem Gesicht verlieren möge, das die Slawen Glaubensgenossen Russlands seien und das letzteres in diesen Ländern eine traditionelle Politik verfolgt habe."(1) Aehrenthal war über diese Bemerkung erstaunt und fragte dem Zaren, wie er diese Bemerkung aufzufassen hätte, ob als Ankündigung einer aktiveren Politik Russlands auf dem Balkan oder als Schutzmaßregel gegen die Bedrückungen von irgendwelcher Seite.




(1)Aufzeichnung des Gesprächs Aehrenthals mit Zar Nikolaus II. in Zarskoe See im November 1906
 
Das Osmanische Reich hat sich nicht vom Balkan zurückgezogen; es wurde, zum guten Teil durch militärische Gewalt, hierzu gezwungen.
Es ist sogar so, dass ab dem 14. Jhd. der europäische Teil mindestens so prägend war wie der asiatische.
Und am Wendepunkt zum Untergang des OR war das europäische Mazedonien die Heimat der Jungtürken (CUP), und Salonika (heute Thessaloniki) die heimliche Hauptstadt. Denn da befand sich die Zentrale des CUP (Jungtürken) die ab 1908 zunehmend die Staatsgewalt erwarb.
Der Verlust des Europäischen Teils des Osmanischen Reiches durch die Aggression der Bulgaren, Serben, Griechen und Montenegriner drückt die radikalen Reformer in die Hauptstadt. Als der amtierende Großwesir Januar 1913 Kompromissbereitschaft im Balkankrieg erkennen lässt, wird er von den aus Europa (Salonika) in die Hauptstadt getriebenen Jungtürken in einem Putsch abgesetzt.
Diese erschießen zur Bekräftigung ihres Ansinnens bei dieser Gelegenheit den Kriegsminister.
Der daraufhin als Großwesir eingesetzte Shevket Pascha wird nicht mehr lange leben.
Anfang Juni fällt er einem Mordanschlag zum Opfer.
Die daraufhin folgenden 'Säuberungen' machen die Jungtürken (CUP) nun tatsächlich zu den Herrschern des nun schon verstümmelten Reiches.

(..und auch auf dieser Bühne entfaltet sich die Liman-von-Sanders-Krise Ende 1913)

Ich lese gerade:
Gingeras, Ryan (2016): The fall of the Sultanate. The Great War and the end of the Ottoman Empire, 1908-1922. First edition. Oxford: Oxford University Press (The Greater War, 1912-1923).
 
Zuletzt bearbeitet:
Nach dem Ende des Ersten Balkankrieges drückten beispielsweise Österreich-Ungarn auf Konstantinopel, damit die Osmanen doch Bitteschön Adrianopel, heute Edirne, an die Bulgaren rausrücken, damit es denen "leichter fällt" den Rumänen Silistra anzutreten.

Auch wollte Bulgarien von dem Osmanischen Reich ernsthaft Reparationen haben. Das wird die Putschstimmung der Jungtürken sicher entsprechend befeuert haben.
 
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