Sex im Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Ella71, 25. Mai 2007.

  1. Ella71

    Ella71 Neues Mitglied

    Ich war diese Woche das Wasserschloß Heidenreichstein besichtigen - sehr beeindruckend da Burgfried aus 1100 und alle Möbel ( aus dieser und späterer Zeit ) erhalten

    Was mir besonders auffiel - die Menschen hatten bloß Einzelbetten - auch wenn sie bedeutend kleiner waren, bitte wo und wie hatten die Sex?
    In den Betten nämlich offensichtlich nicht, das kann sich nie ausgegangen haben
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Von wann waren denn die Betten genau und wo standen sie?
    In Dienstbotenkammen kenne ich auch, verständlicherweise, eher bloß Einzelbetten, da man sich als Dienstbote selten vermählte bzw. das erst nach seinem Dienstbotenverhältnis tat.
    Aus Kammern von bäuerlichen Paaren (16.Jh.) kenne ich, wenn ich mich recht entsinne, auch Doppelbetten.
    Wenn ich meine Literatur (ähem;)) nicht falsch interpretiere dürfte aber das Beisammensein auch unter dem Gesinde in den Einzelbetten möglich gewesen sein, geschlafen haben dürfte man dann allerdings wieder getrennt... (Ist das jugendfrei ausgedrückt?:red::D)
     
  3. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Beim erlauchten Burgherren könnt ich mir vorstellen, dass er es sich auch mit seiner Holden auf einem Bärenfell in der Kemenate gemütlich gemacht hat.:)

    Na aber, wir sind doch keine Puristen.:yes:
     
  4. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Alter Romantiker... =)

    Im Ernst: Irgendwie wird es schon geklappt haben, schließlich haben wir es im Mittelalter mit kinderreichen Familien zu tun. Selbstredend sind über solche pikanten Details keine schrifltichen Quellen erhalten, zumindest bin ich noch nicht über eine gestolpert. Allerdings kann ich mich entsinnen, öfter schon mal bei einem mitelalterlichen Bericht über ein Schäferstündchen "bei ihr gelegen" oder ähnliches gelesen zu haben. Es war daher wohl so, dass der Mann seine Angebetete zum Beglücken besucht hat und danach wieder gegangen ist.

    In Ministerialienburgen oder denen des niedrigeren Adels war ja zumindest bis zum Spätmittelalter meist nur ein Schlafraum für die Familie des Burgherrn vorhanden. Da wird es wohl auch größere Betten gegeben haben - eins für Mutter und Vater und eins für die Kinder.
     
  5. Ella71

    Ella71 Neues Mitglied

    es waren verschiedenste Zimmer des Adels, in Heidenreichstein gabs sogar sehr zeitig Kachelöfen und sogar Uhren ( 400 Jahre alt)
    also gesichert Zimmer der Herrschaft, nicht der Dienerschaft

    Die Wasserburg Heidenreichstein wurde 12.-16. Jhd. ausgebaut, verändert wurde sie auch in späteren Jahrhunderten.
    Genützt wird sie heute noch ( allerdings nur der Wirtschaftstrakt als Wohntrakt)


    Bärenfell hab ich gesehen, auch diese langen, aber eher schmalen
    " Gelager" - Latratzen zum Ausnüchtern
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    1. Könnte auch beschönigend gemeint sein, man saß ja bei einfachen Betten mehr als man lag. (Daran muss ich mich auch endlich mal in alten Betten gewöhnen.) Wirklich alte Doppelbetten (Renaissance), die ich kenne, sind zumindest recht schmal, wobei die Bezeichnung Doppelbett ja schon fast spekulativ ist, wenn man über die Herkunft und exakte Verwendung des Bettes keine genaueren Details kennt. (Es können auch breite Einzelbetten sein.)
    2. Meine Rede. Oder umgekehrt.
     
  7. Ella71

    Ella71 Neues Mitglied

    natürlich wird es schon " irgendwie" geklappt haben :D

    Mich hätte das Wie interessiert, weil ich es spannend finden würde, ab wann Paare den Sex in die Betten "verlegt" haben oder ob das immer schon so war

    Bei der Burgführung gabs - auf dieses Thema angeschnitten - aber keine Antwort
    Wir wissen so vieles über den Alltag, aber das Thema Sex ist irgendwie ausgeklammert
     
  8. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Sehr mysteriös! =) :friends: :respekt:

    Jo, und ich habs auf Männerbesuch und Mittelalter ausgedehnt.
     
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Willst Du bildliche Quellen? ;) :red: (Aus dem 18.Jh., da spielte sich fast alles um das Bett herum ab, gibt es einiges in (ähem) einschlägigen Büchern der Zeit als Illustration.)
    Es stimmt allerdings, dass viele Sachbücher, die groß mit Geheimnissen des Sex im Mittelalter tönen (oder werben?:D) eher Eheverhalten in Bezug auf Scheidungen etc. meinen.
    Zum Thema Betten sind mir aber auch Doppelbetten im Hinterkopf auf spätmittelalterlichen Malereien, also das gab es duchaus, vielleicht war die Burg eine Ausnahme oder man beließ die Räume im Zustand, als der Burgherr ein Junggesellenleben führte.:grübel:
     
  10. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Das hängt damit zusammen, daß darüber nichts niedergeschrieben worden ist. Dazu mußt Du Dir einerseits vor Augen halten, daß bis ins 12. Jh. schriftliche Aufzeichnungen hauptsächlich von Mönchen und Klerikern gemacht wurden, die sich mit solchen Dingen nur sehr bedingt befaßten, und andererseits es in früheren Zeiten (übrigens bis weit nach dem Mittelalter) auch nicht gerade ein Thema war, über das so offen gesprochen wurde wie heute.
    Was den Alltag betrifft, so wissen wir auch da gar nicht so viel; und das was wir wissen, betrifft dann wiederum größtenteils den Adel - ergo einen prozentual kleinen Teil der Gesellschaft.

    Bildliche Darstellungen von Paaren in Betten - z.B. auch von Nichtverheirateten, also beim Ehebruch - existieren mW ab dem 14. Jh., also seit dem Spätmittelalter.

    Hierbei ist jedoch auch folgendes zu bedenken:
    1. Aus welcher Zeit stammen die betreffenden Betten? Wirklich aus dem 12./13. Jh. oder doch erst - wie mW gewöhnlich auf Burgen - aus dem 16./17. Jh.?
    2. Die Körpergrößen waren im Hochmittelalter zwar nicht so hoch wie heute, kamen aber doch an unsere Größen durchaus nahe heran. Der "Einbruch" kam aufgrund weniger Fleischanteil in der Ernährung erst nach 1300. Vgl. dazu auch folgenden Thread: http://www.geschichtsforum.de/f76/koerpergroesse-der-menschen-der-renaissance-oder-frueher-10771/
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. November 2007
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  11. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    In der Beschreibung von Walter von der Vogelweide
    Kulturregister Hochmittelalter - Walter von der Vogelweide: Unter den Linden
    findet das Schäferstündchenzwar im Grünen statt, jedoch wird zwei Mal erwähnt, dass eigentlich das Bett der korrekte Ort wäre.
     
  12. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das Bett, das Wikipedia liefert, sieht auch nicht so alt aus, leider: Bett - Wikipedia Bild:Vianden Burg Himmelbett.JPG - Wikipedia
    Auf jeden Fall scheinen sich die einfachen Formen des Bettes, wenn ich mir Holzschnitte anschaue, seit dem Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit kaum geändert zu haben, was auch die Breite betrifft.
     
  13. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Erfahrung zeigt, daß Sex nicht nur im Bett und innerhalb der Ehe, vollzogen wird. Eine Burg stelle ich mir auch nicht gerade als passende romantische Kulisse vor, um erotische Gefühle aufkommen zu lassen. Romantisch wirkt so etwas nur in der Retrospektive: Eiskalt, Gestank nach Hunden und allem möglichen Getier, dazu jede Menge Dreck und feindlich gesinnte Zeitgenossen, brrr! Ein solides Badehaus mit freundlichem Personal oder ein gepflegter römischer oder venezianischer Puff, das war schon eher etwas für verwöhnte Zeitgenossen. Übrigens gab es im Mittelalter auch durchaus so etwas wie erotische Literatur, wie einige recht freizügige Verse aus der Carmina Burana beweisen.
    circa mea pectora multa sunt suspiria
    de tua pulchritudine qui me ledunt misere, ah!
    Tui lucent oculi, sicut solis radii,
    sicut splendor fulguris lucem donat tenebris, ah!
    Vellent deus, vellent dei,
    quod mente proposui,
    ut eius virginea resesseram vincula
    In meiner Brust sind viele Seufzer über deine Schönheit, die mich ganz krank macht
    Deine Augen leuchten wie der Glanz der Sonne, so wie ein Blitzstrahl die Dunkelheit erhellt.
    Es gebe Gott, es geben die Götter, daß mir gelingt, was ich im Sinn habe: Die Ketten ihrer Jungfräulichkeit zu lösen.
     
  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Nicht nur die Betten wären interessant, auch die dabei vorhandene oder nicht vorhandene Nachtbekleidung ...:grübel:

    Waren nicht auch getrennte Schlafzimmer üblich (was auch heute beim verbreiteten Schnarchen :betthupferl: nicht so selten verbreitet sein soll)?
     
  15. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Aus der Renaissance sind mir spezielle Nachthemden bei Herren bekannt, aber zuvor?:grübel: (Da scheitert es für präzise Antworten an Originalen, auch die Rekonstruktion vieler Wämser etc. vor 1500 beruht zumeist auf Abbildungen (!!).)
     
  16. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Grundsätzlich: Wo ein Wille ist, findet sich auch ein Gebüsch.


    Im Detail: Ich empfehle das Decamerone von Boccacio, oder auch die Zimmersche Chronik. Sehr deftige Geschichten. Kann man auch unter heutigen lockeren Moralvorstellungen in manchen Passagen durchaus als "Jugendgefährdend" einstufen. (Hatten wir in Deutsch die Novelle, eine amüsantere Pflichtlektüre als das Decamerone ist mir eigentlich nie mehr untergekommen)


    Kostverächter waren die Weiblein und Männlein damals bestimmt nicht.
    Die Geschichte mit der Erzherzogin (Mitgründerin der Unis Tb. und Fr.) am Fenster, die sich empört umdreht ... ach du bist es, mach weiter..............
    Der Apotheker der das Potenz mit dem Abführmittel verwechselt.....und die Wirkung beim Besteller des Potenzmittels....

    Das Pärchen, das bei eiinem Erdbeben auf die Gasse flüchtet, und vor Schreck "nicht mehr voneinander kamen"
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Mai 2007
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  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wobei der Übersetzer ziemlich frei übersetzt:


    und ein kleinez vogellîn!
    tandaradei!
    daz mag wol getriuwe sîn.


    und die kleine Vögelei -
    Tandaradei -
    die wird wohl verschwiegen bleiben
     
  18. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Ich erlaube mir an dieser Stelle noch einen "Nachschlag" zum Thema...

    Richtig; und wir dürfen davon ausgehen, daß es neben den genannten Einzelbetten auch im Mittelalter - zumindest im Hoch- und Spätmittelalter - ebenso Doppelbetten gegeben hat.
    Bildliche Darstellungen - wenn auch wiederum den Adel betreffend - zeigen dieses (vgl. Beispiele unten)...

    In dem Falle wohl die nichtvorhandene Kleidung, denn obwohl die Männer gewöhnlich als Unterkleidung Leibhemd (hemede/chemise), Unterhose (bruche/brouche) sowie Beinlinge und die Frauen Leibhemd (hemede/chemise) und knielange Strümpfe (aus Wollstoff oder später auch Seide) trugen, sind Paare auf den entsprechenden Abbildungen im Bett stets unbekleidet und nur im Freien bekleidet (dann jedoch zumeist vollständig, was mE aber eher aus Gründen der Schicklichkeit geschah).
    Anm.: Mir ist übrigens bei der weiblichen Unterkleidung keine Auslassung unterlaufen; Frauen - gleich welchen Standes - trugen keine Unterhosen o.ä., nur für den Umgang mit der monatlichen Regelblutung kann man davon ausgehen, daß die eine Art Windelhose trugen...

    Zu den Bildbeispielen - interessanterweise alles übrigens Darstellungen zum Thema "Ehebruch":
    Bett
    Maciejowski Bibel, vor 1250 (also Hochmittelalter) "David und Bathseba begehen Ehebruch"
    http://www.medievaltymes.com/courtyard/images/maciejowski/leaf41/otm41vc.gif
    Bildepos zu Tristan und Isolde, Anfang 15. Jh. (also Spätmittelalter) Szenenbeschreibung (habe leider keine Onlineversion gefunden): Der Sohn tötet seine Mutter, die Ehebruch begangen hat. Der neben ihr liegende Ritter wird verschont, weil man einen unbewaffneten Mann nicht töten darf.
    Im Freien
    Wiener Weltchronik-Handschrift, um 1470 (also ausgehendes Spätmittelalter) "Pinhas ermordet ein ehebrecherisches Paar"
    http://www.hist.unizh.ch/gilomen/NFProjekt/images/ehebruch2.jpg
     
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  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Bevor jetzt aber weitere Bilder, vor allem aus der Neuzeit eingestellt werden, muss Daniel noch ein "Ab 18"-Forum einrichten...:D
     
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    A pro pos: hier werden gleich mehrere Freuden bedient: im Badehaus
     

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