Shdanow in Bezug zu Truman und Marshall ...

Dieses Thema im Forum "Blockbildung und Kalter Krieg" wurde erstellt von ichbingeradeda, 6. April 2011.

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  1. ichbingeradeda

    ichbingeradeda Neues Mitglied

    Hallo zusammen!
    Ich habe eine Frage...

    Und zwar bearbeite ich zur Zeit das historische Dokument "Die Welt ist in zwei lager geteilt" und würde gerne wissen, weshalb Shdanow mit seinen Ausführungen quasi auf die Truman-Doktrin und Marshall-Plan antwortet.

    (Besonders hilfreich wären Antworten in Bezug zum Marshall-Plan...)

    Vielen lieben Dank!

    Liebe Grüße.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. April 2011
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Mit dem Tod von Roosevelt (FDR) ging die außenpolitische Verantwortung auf Truman über. In dieser Phase veränderten sich die Beziehungen zwischen der US und der SU deutlich.

    Die Truman-Doktrin (die seine Mitarbeiter formuliert hatten und nicht er selber!) ) systematisierte die um sich greifende Einsicht in der US-Diplomatie, dass eine Beziehung zur SU nach dem Ende des WW2 im wesentlichen durch Härte definiert sein sollte und wich damit deutlich von den Prämissen aus der Zeit von FDR ab.

    Zwei-Lager-Theorie ? Wikipedia

    Die Rede von Shdanow spiegelt demgegenüber die Wahrnehmung der westlichen Welt aus der Sicht der SU wider.

    Diese Sichtweise basiert auf einer Mischung sehr widersprüchlicher Einstellungen. Zum einen ging man davon aus, dass die kapitalistischen Länder, nicht zuletzt durch den gerade beendeten Weltkrieg, vor so gravierenden wirtschaftlichen Problemen standen, dass ihr Weg in den Sozialismus geradezu vorgezeichnet sei.

    Zum anderen fühlte man sich subjektiv potentiell herausgefordert durch die westlichen Staaten und entwickelte eine "Lagermentalität". In diesem Sinne wurde das Ende des WW2 in der SU bewußt durch Stalin deutlich hinausgezögert bzw. in seinen Auswirkungen künstlich verlängert.

    Ein Aspekt, den man auch an der weiterhin vorhandenen hohen Truppenstärke der RKKA erkennen kann und der Verselbständigung der Militarisierung der sowjetischen Gesellschaft.

    Das rationale Kalkül, dass Stalin zum Teil auch durch westliche Theoretiker zugeschrieben wird ist, dass er die äußere Bedrohung benötigte, um die Unfähigkeit zu kaschieren, im Inneren angemessen zu regieren und in den Bereich einer Friedensordnung zu gelangen.
     
  3. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    In Ergänzung zu meinem Mitdiskutanten Thanepower.

    Lies in Vorbereitung auf Dein Thema die Rede von Churchill in Fulton im März 1946:

    Churchill: The Sinews of Peace Address, 10.03.2011 (Friedensratschlag)

    Dann versuche die Frage zu beantworten, warum reagierte der unbestrittene sowjetische Alleinherscher, Stalin, nicht auf die Rede Trumans in 1947? Sondern ließ eine "Marionette" die "Zwei-Lager-Theorie" begründen. Vllt. die diplomatische Möglichkeit, die auf der Gründungsversammlung der Kominform begründete Theorie von den "Zwei-Lagern" eventuell bei passender Gelegenheit kassieren zu können, ohne eigenen "Gesichtsverlust"?

    Dann würde ich für die Beurteilung der Rede von Shdanow auch noch das in 1947 bestehende Atomwaffenmonopol der USA berücksichtigen sowie die noch nicht stattgefundene Entkolonialisierung.

    Zur Theoriegeschichte.

    Da würde ich hier beginnen:

    Lenin: Der Imperialismus ... [6. Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte]

    Dann hier weiter "Sozialismus in einem Land", letztlich war die "Zwei-Lager-Theorie" nur eine Weiterentwicklung dieser stalinistischen Theorie, welche die tatsächlichen Ergebnisse des II. WK (Besetzung Osteuropas) gleichsam theoretisch aufgriff.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialismus_in_einem_Land

    Zum Marshall-Plan.

    Der Marshall-Plan zementierte die amerikanische Vorherrschaft in Westeuropa, die UdSSR konnte diesem weder wirtschaftlich noch politisch etwas vergleichbares entgegensetzen, außer Bajonette. Die kommunistische Weltbewegung mußte aus sowjetischer Sicht auf diese neue weltpolitische Situation "eingeschworen" werden. Die "Zwei-Lager-Theorie" ist m.E. gleichsam die kommunistische Antwort auf den "Kalten Krieg".

    Wenn Dir was unklar ist, frag einfach.


    M.
     
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  4. ichbingeradeda

    ichbingeradeda Neues Mitglied

    Vielen, vielen Dank für die hilfreiche Information! So umfangreich habe ich es gar nicht erwartet. Dankeschön!
     
  5. ichbingeradeda

    ichbingeradeda Neues Mitglied

    Falls ich weitere Fragen habe, werde ich mich erneut an Sie wenden!
    Ein großes Danke!
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Nur eine Ergänzung zu den Wurzeln:

    "2. Die Befreiungsbewegung der unterdrückten Völker und die proletarische Revolution.

    Bei der Lösung der nationalen Frage geht der Leninismus von folgenden Sätzen aus:

    Die Welt ist in zwei Lager geteilt: in das Lager einer Handvoll zivilisierter Nationen, die über das Finanzkapital verfügen und die die gewaltige Mehrheit der Bevölkerung des Erdballs ausbeuten, und in das Lager der unterdrückten und ausgebeuteten Völker der Kolonien und der abhängigen Länder, die diese Mehrheit bilden;
    die Kolonien und die abhängigen Länder, die vom Finanzkapital unterdrückt und ausgebeutet werden, bilden eine gewaltige Reserve und eine überaus wichtige Kraftquelle des Imperialismus;
    der revolutionäre Kampf der unterdrückten Völker in den abhängigen und kolonialen Ländern gegen den Imperialismus ist der einzige Weg zu ihrer Befreiung von Unterdrückung und Ausbeutung"

    (Stalin, 1924)

    Das war natürlich 1941/45 in Bezug auf die Westalliierten kein Thema.
     

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