Sinan

Dieses Thema im Forum "Das Osmanische Reich" wurde erstellt von lynxxx, 23. April 2008.

  1. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Hi,
    ich habe mal einen Wikipedia-Artikel stark erweitert. Erst wollte ich nur hier diesen genialen Architekten vorstellen, aber ich dachte mir, dass ich dann gleich den rudimentären Wiki-Artikel erweitern kann.
    Hier können wir nun über ihn und seine Bauwerke diskutieren, Tipps austauschen, Fragen stellen, was man wieso anschauen sollte, usw.

    Übrigens habe ich zu fast jedem Gebäude einen Link zu einer Satellitenkarte gesetzt, vorzugsweise googlemaps, da kommt man am dichtesten dran, und kann dann das Kuppelsystem wunderbar betrachten.

    Viel Spass. LG lynxxx.

    Koca Mimar Sinan Ağa (Osmanisch: خوجه معمار سنان آغا‎) oder Ḳoca Miʿmār Sinān bin Abdülmennān (ʿAbd al-Mennān) Āġā
    (* ca. 15. April 1489 in Ağırnas bei Kayseri; † 17. Juli 1588 in Istanbul [1]), kurz Mimar Sinan (= Architekt Sinan), war der bedeutendste osmanische Architekt zu Zeiten der Sultane Selim I., Süleyman I., Selim II. und Murad III.. Darüber hinaus wirkte er als Bauingenieur und Städtebauer [2]. Sein Werk gilt als Höhepunkt der klassischen osmanischen Architektur. Seine Bedeutung wird durch Bezeichnungen wie „Michelangelo der Osmanen“ [3] und „Euklid seiner Epoche“ [4] durch Zeitgenossen und der Fachliteratur deutlich: Er gilt als einer der größten Architekten aller Zeiten.[5] Einige seiner Moscheen werden in ihrer Kongruenz und Harmonie von Innen- und Außenwirkung unter Kunsthistorikern als die vollkommensten der vorindustriellen Zeit angesehen.


    Inhaltsverzeichnis

    [Verbergen]
    Leben


    Sinan wurde vielleicht als Sohn von griechisch- [6] oder armenischstämmigen [7] türkisch-sprachigen [8] Eltern christlichen Glaubens eventuell mit dem Namen Joseph/Yusuf im kappadokischen Dorf Ağırnas bei Kayseri geboren. Dort wurde er möglicherweise Steinmetz. Er kam als junger Mann 1512/13/14 durch die Knabenlese nach Istanbul und wurde zum Zimmermannsmeister sowie in der Rekrutentruppe (acemi ocağı) militärisch ausgebildet. Der Grund für seine ungewöhnlich späte Einberufung mag in seiner Sprachkenntnis und seinem schon erlerntem Beruf gegründet liegen. In den folgenden Jahrzehnten nahm er an den meisten Feldzügen unter Sultan Selim I. und Sultan Süleyman I. teil (Çaldıran, Damaskus, Kairo, Belgrad, Rhodos, Mohács, Wien, Täbris, Bagdad, Korfu, Apulien, Moldawien, usw.) und lernte somit die verschiedensten Architekturtraditionen kennen. Dies mag einer der Gründe für seinen schöpferischen Genius sein.
    Bei der Einnahme Belgrads erlangte er 1521 den Rang des Janitscharen. Von 1523 bis 1526 war er Atlı Sekban (oder Atlı Seğmen = berittener "Hündewächter"; berittener Jäger; Janitscharenoffizier) und nach 1526 wurde er zum Yayabaşı (Infanteriehauptmann) befördert. Danach befehligte er als Zemberekçibaşı (= Kommandant der Bogenschützen/Artillerie - so genannt, obwohl sie Feuerwaffen trugen) das 82. Korps (ocak) und wurde nach dem Irakfeldzug 1535 zum Haseki (Oberst der kaiserlichen Leibgarde) ernannt. Er diente dabei gleichzeitig ab den 20er Jahren zunächst als Militäringenieur, später trug ihm sein Talent beim Bauen von Festungen, Brücken, usw. in den 1530er Jahren den Posten als Chef der Mechaniker ein. Zwischen den Feldzügen errichtete er auch einige zivile Gebäude, so dass er 1537/38/39 [9] [10] nach dem Tode seines Vorgängers Acem Ali den Titel „Ser-Mimâr-ı Mimârân-ı Hassâ“ (= Oberhaupt der Hofbaumeister) erhielt. Mit dem Bau oder der Fertigstellung der Haseki-Hürrem-Sultan-Moschee (1538/39) begann eine der bemerkenswertesten Karrieren in der Architekturgechichte. Sein erstes großes Werk war die Şehzade-Moschee in Istanbul (erbaut 1543-1548), die er selbst als sein „Lehrlingsstück“ bezeichnete. Weitere Hauptwerke sind die Süleymaniye-Moschee in Istanbul (1550-57), die er als sein „Gesellenstück“ sah und die Selimiye-Moschee in Edirne (1567/68–1574/75), welche er als sein „Meisterwerk“ beschrieb. Doch auch zwischen diesen großen Hauptwerken entstanden zahlreiche profane und religiöse Bauten von exquisiter Qualität und Originalität. So schuf er nach seinem absoluten Meisterwerk der Selimiye-Moschee noch zahlreiche Moscheen die wieder neue Lösungen der Überkuppelung auf hexagonalem oder oktogonalem Stützsystem zeigten.
    Sinan war als Chefarchitekt des Hofbauamtes nicht nur für die Baustruktur zuständig, sondern gestaltete oft auch den Innenraum, z.B. durch akzentuierte Platzierung von Fliesenpanelen. Während seiner 50jährigen Amtszeit erhöhte sich aufgrund der enormen Bautätigkeiten die Anzahl der Architekten unter ihm von 17 auf über 30[11] - mehr als ein Drittel waren nicht konvertierte Christen. Zudem bildete er im Laufe seiner 50jährigen Chefarchitektenzeit 250 Schüler aus, wovon ein Schüler, Yusuf, unter dem Mogulherrscher Akbar dem Großen in Indien diente.

    Unter anderen inspirierten Sinan folgende Bauten:
    In Istanbul die Hagia Sophia, Hagioi Sergios und Bakchos (Küçük Ayasofya Camii), Sultan-Beyazıt-Moschee, Moschee Mehmed des Eroberers und die Zincirlikuyu-Moschee.
    In Bursa die Ulu-Moschee.
    In Edirne die Üç-Şerefeli-Moschee.

    Charakteristisch an den Bauten Sinans ist unter anderem die Einbeziehung der Umgebung, sowohl in die Baugestaltung des Komplexes, als auch in die Gestaltung der Außenwirkung der Fassaden.
    Wenig ist über seine Familie bekannt, immerhin soviel, dass er verheiratet war, einen (zu Lebzeiten verstorbenen) Sohn und zwei Töchter hatte, einen Enkelsohn, einen Neffen, zwei Großnichten und einen zum Islam konvertierten Bruder hatte.
    Er starb im Jahr 1588 und ist direkt nördlich außerhalb der Mauern der Süleymaniye-Moschee in Istanbul in einer schlichten, von ihm selbst entworfenen Türbe begraben.
    Zur Erinnerung an den großen Baumeister gibt es heute in der Türkei die Mimar-Sinan-Universität.


    Bauwerke Sinans

    Es gibt fünf Autobiographien bzw. Werksverzeichnisse [12] in denen die Bauwerke Sinans aufgeführt werden: Tezkiretü'l-Ebnîye, Tuhfetü'l-Mi'mârîyye, Adsız Risâle, Risâletü'l-Mi'mâriyye und Tezkiretü'l-Bünyân (Osmanisch: تذكرة البنيان‎). In diesen werden nicht nur die Bauwerke aufgelistet, die Sinan entworfen und erbaut hat, sondern auch Werke, bei denen er die Verantwortung der Renovierung übernommen hatte, z.B. dem Felsendom in Jerusalem.
    Insgesamt beinhalten diese Verzeichnisse ein Œuvre von 471-477 Bauwerken.[13] [14] Von diesen 477 Bauten sind 29 nicht feststellbar oder ihm zuzuordnen, 172, meistens Bauwerke aus Holz, sind aufgrund von Feuer, Erdbeben, Überbauung, Entosmanisierungen, usw. vernichtet, 49 wurden grundlegend renoviert, so dass Sinans Bausubstanz kaum mehr vorhanden ist, 23 existieren nur noch als Ruine (Stand: 1985) und 204 von Sinans Bauten sind originär erhalten.[15]
    Von den 477 Bauten befinden sich 319 in Istanbul und mindestens 50 weitere im Umkreis von 250 km. Einige seiner Bauwerke dürften nur auf Plänen von Sinan beruhen, die Ausführung vor Ort überließ er seinen Assistenten. Diesen Rückschluss kann man ziehen, wenn man bauliche Details untersucht, die manchmal eine etwas unbefriedigende Lösung zeigen (z.B. die Molla-Çelebi-Moschee). Deren Ausführung kann Sinan kaum zugeschrieben werden, da er für diese Details in anderen wichtigen Bauten für ihn typische architektonische Antworten gibt. Andere Bauten hingegen wurden nicht durch ihn persönlich vor Ort beaufsichtigt, weil er kaum Zeit für sämtliche Reisen zu den Grenzen des Weltreiches gehabt haben dürfte (z. B. die Tatar-Khan-Moschee/Ukraine) oder es bekannt ist, dass Assistenten aus Istanbul geschickt wurden bzw. lokale Baumeister die Ausführung übernahmen. Man weiß hingegen, dass Sinan z.B. nach Mekka reiste, wo er Arbeiten beaufsichtigte.
    Einige kleinere Bauten finden sich nicht in den Listen, z.B. Brunnen, bestimmte Schulen, Läden, usw., andere größere, die nicht in den Listen verzeichnet sind, scheinen aber sicher von Sinan errichtet worden zu sein (z.B. zwei der Minarette der Hagia Sophia, Armenküche der Haseki Hürrem Külliye, etc.), so dass man insgesamt festhalten muss, dass er "im Umfang seines Œuvres von keinem anderen Architekten irgendeines Landes oder irgendeiner Kultur übertroffen [wurde], und kaum einer hat so konsequent seine Ideen zu verwirklichen vermocht wie er, keiner fand so großzügige Bauherren wie die Sultane und Staatsmänner des osmanischen Weltreichs." [16]
    Die enorme Anzahl der Bauten rührt neben den schier endlosen finanziellen Mitteln auch daher, dass die osmanischen Stifter neben einer Freitagsmoschee meistens gemeinnützige Bauten errichten ließen. So entstand ein ganzer sozio-ökonomischer Baukomplex, Külliye genannt.

     
    Zuletzt bearbeitet: 23. April 2008
  2. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Die 477 Bauwerke schlüsseln sich wie folgt auf (in Klammern Sinans Bauten, welche heute in ihrer originären Bausubstanz erhalten sind) [15]:Insgesamt: 477 (204 heute noch erhalten)



    Bauwerke in und um Istanbul
    • Haseki-Hürrem-Sultan-Komplex (Haseki Hürrem Sultan Külliyesi) - Moschee fertiggestellt 1538/39 [17] - Sinans wohl erster größerer Auftrag als Hofbaumeister. Später wurde die Ein-Kuppel-Moschee erweitert um eine Hochschule (1539/40), einer Armenküche (1550) und ein Krankenhaus (Darüşşifa. 1557 (?); jedenfalls nach 1550) - letzteres ein einzigartiges sehr originelles Gebäude mit achteckigem Innenhof, welche als Reminiszenz an antike römische Gebäude gedeutet wird. Karte
    • Barbaros-Hayrettin-Paşa-Mausoleum - 1541/42. Karte
    • Mihrimah-Sultan-Moschee (İskele Camii, Mihrimah Sultan Camii) in Üsküdar - 1543/44-1547/48. Der hier verwendete doppelte Portikus wird von nun an in Variationen bei zahlreichen Moscheen vorkommen. Vier-Pfeiler Moschee mit drei Halbkuppeln. Karte
    • Şehzade-Moschee (Şehzade Mehmet Camii, Prinzenmoschee) – 1543-1548. Ein frühes Meisterwerk, von Sinan selbst als sein „Lehrlingsstück“ bezeichnet. Die Moschee ist der erste Monumentalbau Sinans, wohl als eigentliche erste „Sultan-Süleyman-Moschee“ geplant. Sie markiert einen Wendepunkt in der osmanischen Architektur durch das modellhafte zentralsymetrische Vier-Pfeiler-System mit vier Halbkuppeln. Hier erscheint erstmalig die später so typische Kuppelkaskade aus Hauptkuppel, Halbkuppeln und Drittelkuppeln. Der Hof wird architektonischer Bestandteil des Ganzen. Sie bewahrt neben aller Monumentalität einen menschlichen Maßstab, erzielt z.B. durch die äußeren Galerien. In der Şehzade-Moschee experimentiert Sinan mit einer Ornamentik der Fläche, die an selschukische Ornamentik erinnert. Einige Jahre später wiederholt er diesen Bauschmuck nicht mehr. Karte
    • Sultan-Selim-I.-Medrese (Yenibahçe Selim Medresesi, Halıcılar Köşkü) - 1548/49. Typische U-förmige Medrese.[18] Karte
    • Rüstem-Paşa-Medrese - 1550. Bemerkenswerte Hochschule mit achteckigem Innenhof. Karte
    • Rüstem-Paşa-Karawanserei (Rüstem Paşa Kervansarayı, Kurşunlu Han) - 1544-1550. Interessanter schmaler Han in dessen offenem Innenhof eine Treppe zu dem oberen Stockwerk führt. Karte
    • Hadim-Ibrahim-Paşa-Moschee (Hadim Ibrahim Paşa Camii) - 1551. Ein-Kuppel-Moschee. Karte41.00619928.9226637
    • Sinan-Paşa-Moschee (Sinan Paşa (Beşiktaş) Camii) - 1554-1555/56. Sechs-Pfeiler-Moschee mit vier diagonalen Kuppeln und zahlreichen starken Anleihen der Üç-Şerefeli-Moschee in Edirne. Karte
    • Haseki-Hürrem-Sultan-Hamam (Ayasofya Hamamı) - 1556/7 Interessanter Zwillingbäderkomplex, gespiegelt an der West-Ost-Achse und 75 Meter lang. Karte
    • Süleymaniye-Komplex (Sultan Süleyman Külliyesi) - 1550-1557. Ein weiteres Meisterwerk, auch in städtebaulicher Hinsicht, da der Komplex die Topographie mit dem Hügel und Strassen als Herausforderung annimmt und mit originellen Lösungen aufwartet. Von Sinan selber als sein „Gesellenstück“ bezeichnet. Meisterlich ist auch die dritte und vierte Medrese (râbi und sâlis medresesi), 1558/59 fertiggestellt, mit ihren Terrassierungen zum Goldenen Horn hin. Die monumentale Külliye hat einen ähnlichen städtebaulichen und imperialen Anspruch wie die Moschee Mehmed des Eroberers. Sie ist eine Vier-Pfeiler-Moschee mit zwei Schildwänden und zwei axialen Halbkuppeln, ähnlich der Sultan-Beyazıt-Moschee und der Hagia Sophia. Sinan kommt allerdings hier zu einem völlig anderem Modell eines Zentralbaus und einer Kongruenz von Außen- und Innenwirkung. Im Inneren wird erstmalig das berühmte Bolus-Rot in den İznik-Fliesen verwendet. Direkt außerhalb der Moscheemauern liegt das Grabmal Sinans. Karte
    • Molla-Çelebi-Moschee (Fındıklı Camii, Molla Çelebi Camii) - 1561 (?) oder ca. 1570-84. Sechs-Pfeiler-Moschee mit vier diagonalen Kuppeln. Beispiel einer Moschee von Sinan, deren Ausführung er wohl nicht persönlich überwachte, wie einige bauliche Details erkennen lassen. [19] Karte41.03227828.9905827
    • Rüstem-Paşa-Moschee (Rüstem Paşa Camii) – ca. 1561-63. Eine erste meisterliche Acht-Pfeiler-Moschee mit vier diagonalen Halbkuppeln. Die Moschee erhebt sich auf Substruktionen über ihre Umgebung und bietet damit Platz für Läden unter dem Betraum. Sie ist untypischerweise verschwenderisch mit Iznik-Fliesen ausgestattet, die zu den schönsten Exemplaren des Beginns der Hochblüte der osmanischen Keramikproduktion gehören. Karte
    • Mağlova-Aquädukt (Mağlova/Moğolağa/Muğlava Kemeri) - 1553–1564. Wohl schönster Aquädukt des Wasserversorgungssytems Sinans. 36 Meter hoch, 258 Meter lang. Die typische zweidimensionale bogige Mauerfront wird durch horizontale Strukturen um eine dritte Dimension in expressionistischer Weise erweitert womit die Statik des Baus mit seinen Zugkräften auf originelle Art sichtbar wird. Dieses Meisterwerk der Ingenieurbaukunst ist Teil eines neuen Wasserversorgungssystems mit Aquädukten, Leitungen, Staudämmen, Zisternen, etc., von Sultan Süleyman für die schnell wachsende Hauuptstadt in Auftrag gegeben, mit Gesamtkosten von 40.263.063 Akçes. [20] Karte
    • Langer Aquädukt (Uzun/Petnahor Kemer) - 1553-1564. 711 Meter lang, 26 Meter hoch. Karte
    • Geknickter Aquädukt (Eğri/Kovuk Kemer) - 1553-1564. 342 Meter lang, 35 Meter hoch. Karte
    • Mihrimah-Sultan-Moschee (Mihrimah Sultan Camii) in Edirnekapı - 1562/63–1565 oder 1570 (?). Dieses lichtdurchflutete Meisterwerk einer Vier-Pfeiler-Moschee ist mit vier Schildwänden ausgestattet. Karte
    • Sultan-Süleyman-Mausoleum - 1566/67. Bemerkenswertes Mausoleum, welches vom Felsendom in Jerusalem, dem Mausoleum vom römischen Kaiser Diokletian in Split (Kroatien) und rum-seldschukischen Turmgräbern inspiriert ist. Es hat eine zweischalige Kuppel, welche äußerst selten in der osmanischen Architektur Verwendung findet, sowie einen Splitter des schwarzen Meteoriten aus der Kaaba (Mekka) im Eingangsbereich. Karte
    • Sokollu-Mehmet-Paşa-Medrese in Eyüp - 1568/69 Karte
    • Kara-Ahmed-Paşa-Moschee (Kara Ahmet Paşa Camii) - nach 1558, vielleicht 1565-71/72. Sie ist eine Sechs-Pfeiler-Mosche mit vier diagonalen Halbkuppeln, um den querrechteckigen Raum zu überspannen, ähnlich dem Modell der Üç-Şerefeli-Moschee in Edirne, allerdings mit völlig anderer Wirkung. Karte
     
  3. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    • Sokollu-Mehmet-Paşa-Komplex (Kadırga Sokollu/Sokullu Mehmet Paşa Külliyesi) in Kadırga - ca. 1567/68-1571/72. Es handelt sich hier um eine Sechs-Pfeiler-Moschee mit vier diagonalen Halbkuppeln und eines der schönsten Beispiele von gelungener Kombination der Baustruktur mit der Dekoration durch Fliesen und Malereien. Einige der schönsten Fliesen und einige der schönsten osmanischen Steinglasfenster verzieren dieses Meisterwerk Sinans ebenso, wie zwei Splitter des schwarzen Meteoriten aus der Kaaba in Mekka. Sinan bezieht die Anhöhe auf dem der Komplex steht in seinen Bauplan ein, indem er den Eingang mit einer Treppe versieht auf dem der Hörsaal thront. Hier zeigt sich die zunehmende Komplexität der gefundenen Lösungen, eine hohe räumliche Homogenität, bei der der querrechteckige Grundriss erhalten bleibt, die Vertikalität jedoch betont wird: Eine Neuerung der islamischen Architektur. Karte
    • Piyâle-Paşa-Moschee (Piyâle (Mehmet) Paşa (Tersane) Camii) – ca. 1565-1573/74 (?), jedenfalls vor 1578. Sinans Experiment mit dem Ulu-Moschee-Typ mit mehreren kleineren Kuppeln. Hier finden wir einige der schönsten Iznik-Fliesen aus der Blütezeit der Produktion. Karte
    • Sultan-Selim-II.-Mausoleum - 1576/77 Hier wiederholt Sinan vereinfacht den Plan der Selimiye Moschee. Karte
    • Sokollu-Mehmet-Paşa-Moschee (Azapkapı Camii, Sokollu/Sokullu Mehmet Paşa Camii) in Azapkapı - ca. 1573-1577/78. Eine Variation der Selimiye-Moschee in kleinem Maßstab. Die Acht-Pfeiler-Moschee wurde über Substruktionen errichtet, direkt am Goldenen Horn gelegen, mit Anklängen an Palastarchitektur in der Außenwirkung. Innen zieren einige der schönsten Iznik-Fliesen dieses kleine Meisterwerk. Karte
    • Schlafgemach Sultan Murad III. (Sultan Murad Köşkü) im Topkapı-Palast - 1578/79. Einer der schönsten Säle des Palastes mit erlesensten Iznik-Fliesen. Karte
    • Kılıç-Ali-Paşa-Moschee (Tophane Camii, Kılıç Ali Paşa Camii)- 1578-1580/81. Obwohl diese Vier-Pfeiler-Moschee mit zwei axialen Halbkuppeln in den Werklisten Sinans aufgeführt wird, ist es aufgrund der Architektursprache umstritten, ob der Plan von ihm selber stammt. Die vielfältigen Zitate von der Hagia Sophia wirken fast so, als nahm er den Plan der Hagia Sophia, um die darin enthaltenen Unzulänglichkeiten mit dieser Moschee zu korrigieren. Karte
    • Şemsi-Ahmed-Paşa-Komplex (Şemsi Ahmed Paşa Camii) in Üsküdar - 1580/81. Pittoreske Ein-Kuppel-Moschee direkt am Ufer des Bosporus. Karte
    • Valide-Sultan-Komplex (Valide (Nurbânu) Sultan Külliyesi, Atik Valide Camii) in Üsküdar - 1571-1583. Erweitert 1584/85-86. Diese Sechs-Pfeiler-Moschee mit vier diagonalen Halbkuppeln bildet das Zentrum von Sinans zweitgrößtem Komplex nach der Süleymaniye-Moschee in Istanbul. Mit seiner Staffelung der verschiedenen Bauten und den Höfen erinnert dieser Komplex an den Topkapı-Palast. Karte
    • Kazasker-İvaz-Efendi-Moschee ((Kazasker) Ivaz Efendi Camii) - 1586. Ein Beispiel einer Moschee, die zwar nicht in den Werkslisten erwähnt wird, jedoch "atmet der Bau ganz den Geist Sinans [...]" [21] und wird daher oft ihm persönlich zugeschrieben. Lage an der Landmauer wird durch byzantinisierendes Mauerwerk zitiert. Sechs-Pfeiler-Moschee. Karte
    • Zal-Mahmut-Paşa-Komplex (Zal Mahmut Paşa Külliyesi) - ab 1580, oder 1577-90 (?). Eines der experimentellsten Werke Sinans, die nahe Landmauer inspirierte ihn wohl zu der Gestaltung der äußeren Wände mit ihrem Wechsel von Ziegeln und Stein, sowie die hügelige Lage zu der asymmetrischen Verteilung der Bauten des Komplexes. Vier-Pfeiler-Moschee. Karte

    Bauwerke in Edirne
    • Saray-Brücke (Kanuni-Brücke, Fatih-Brücke) - 1554–1560. Karte
    • Rüstem-Paşa-Karawanserei - 1560/61 (?). Karte
    • Sokollu-Mehmet-Paşa-Hamam - 1568/69. Karte
    • Semiz-Ali-Paşa-Basar - 1568/69. Han mit 126 Läden und 300 Metern Länge. Karte
    • Selimiye-Komplex, (Selimiye Külliyesi) - 1567/68–1574/75. Diese Acht-Pfeiler-Moschee mit vier diagonalen Halbkuppeln bezeichnete Sinan als sein „Meisterwerk“. Hier hat Sinan ein raffiniertes Stützsystem entworfen, welches ohne Vorgänger ist, weder in der römischen, byzantinischen oder iranischen Architekturtradition. Die Anlage ist erstmals unter Sinans größeren Komplexen in axialer Richtung symmetrisch gruppiert. Hier ist der Endpunkt der lebenslangen Suche Sinans nach dem perfekten Zentralbau erreicht. Alle strukturellen Elemente ordnen sich der gewaltigen Kuppel unter. Es herrscht eine perfekte Einheit von Innen- und Außenwirkung in diesem höchstentwickeltem Werk Sinans. Zudem schmücken erlesenste innenarchitektonische Zutaten den Betsaal, wie z.B. Iznik-Fliesen aus der künstlerischen und handwerklichen Blütezeit der Manufakturen. Karte

    Bauwerke in Europa
    • Bosnali-Mehmed-Pascha-Moschee in Sofia, (Bulgarien) - 1547/48. Ein-Kuppel-Moschee. 1903 in eine Kirche umgewandelt und innen wie außen stark umgebaut. Karte
    • Tatar-Khan-Moschee] (Cuma Cami, Dzuma-Dzami, Dzhuma Dzhami) in Jewpatorija, (Ukraine) - 1552 (?). Vier-Pfeiler-Moschee mit einer Halbkuppel über dem Mihrab. Karte45.1961133.3774997
    • Karađozbeg-Moschee (Karagöz Mehmed Paşa Camii) in Mostar, (Bosnien-Herzegowina) - 1557/58. Ein-Kuppel-Moschee. Karte43.34125717.8138687
    • Sultan-Süleyman-Brücke (Büyükçekmece-Brücke)in Büyükçekmece, (Türkei) - 1565-1567/68. 638 Meter langes Meisterwerk der Ingenieurbaukunst. Errichtet auf schwierigem sumpfigem Terrain, verteilt Sinan bei dieser Brücke das Gewicht auf eine große Fläche und unterteilt sie in vier Brückenabschnitte mit einer technischen Raffinesse, dass die Brücke fast unbeschädigt 400 Jahre überdauerte. Karte41.02182328.5705137
    • Sokollu-Mehmet-Paşa-Komplex in Lüleburgaz, (Türkei) - 1565-1569/70. Diese Vier-Pfeiler-Moschee ist Teil eines strategisch an einer der Verkehrsadern des Reiches errichteten Komplexes, der vor allem den Reisenden und dem Handel dienen sollte. Die einzelnen Bauwerke sind nicht sehr spektakulär, aber der Bauplan ist beachtlich, denn hier sind das erste mal die Gebäude um die beiden Hauptachsen gruppiert. Karte
    • Semiz-Ali-Paşa-Moschee in Babaeski, (Türkei) - ab 1560er. Vielleicht 1569-1575. In dieser Sechs-Pfeiler-Mosche mit vier diagonalen Halbkuppeln vervollkommnet Sinan das hexagonale Prinzip, der Raum und die strukturellen Elemente bilden eine Einheit. Karte
    • Drinabrücke (Sokollu-Mehmet-Paşa-Brücke) in Višegrad, (Bosnien-Herzegowina) - 1571-1577/78. Anders als in der Sultan-Süleyman-Brücke wirken hier starke horizontale Kräfte des Flusses auf die Brücke, die Sinan mit schiffsbugänlichen wasserteilenden Vorsprüngen begegnete. 185 Meter lang.
     
  4. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Bauwerke in Asien
    • Tekkiye Süleymans (Takiyya Sulaymaniyya, Sultan Süleyman Moschee, Tekkiye-Moschee, Sultan-Süleyman-Derwischkloster) in Damaskus (Syrien) - 1554/55 oder 1554-1558/59. Medrese 1566/67 fertiggestellt. Der Schichtwechsel aus hellen und dunklen Steinen dieser Ein-Kuppel-Moschee zeigt den Einfluss der lokalen Bautradition. Der 100 mal 150 Meter große Baukomplex diente unter anderem Reisenden und Pilgernden, lag er doch an einer der wichtigen Transitstrecken. Karte33.51250536.2913427
    • Sultan-Selim-II.-Moschee in Karapınar - 1560-1563/64. Ein-Kuppel-Moschee mit großzügig dimensioniertem Komplex. [22] Koordinaten: Karte37.71473933.5479867
    • Behram-Pascha-Moschee in Diyarbakır - ca. 1564/65-1572/73 - Farbwechsel der Steinreihen dieser Ein-Kuppel-Moschee zeigen lokale Bautraditionen.
    • Sokollu-Mehmet-Pascha-Komplex in Yakacık (Payas) ca. 1567-1574/75. Seltener kreuzförmiger Plan einer Moschee.
    • Sultan-Murad-III.-Moschee in Manisa - 1583-1586/87. Bau wahrscheinlich nicht von Sinan vor Ort beaufsichtigt, sondern von seinen Schülern Mahmud Ağa und Mehmed Ağa. T-förmige Moschee mit drei geschwungenden Dächern, statt Kuppeln.
    • Lala-Mustafa-Pascha-Karawanserei in Ilgin - 1584 (?). Eine seiner interessantesten Karawansereien. Die angrenzende Ein-Kuppel-Moschee wurde 1576/77 eingeweiht.
    Einzelnachweise
    1. Encyclopædia Britannica (Englisch)
    2. Attilio Petruccioli (Hrsg.): Mimar Sinan: The Urban Vision. Environmental Design. in: Journal of the Islamic Environmental Design Research Centre 1-2 1987. auf archnet.org
    3. Sinan - A Great Ottoman Architect and Urban Designer. S. 7.
    4. Doğan Kuban: The Style of Sinan's Domed Structures. in: Muqarnas IV: An Annual on Islamic Art and Architecture. Oleg Grabar (Hrsg.). Leiden 1987. S. 77.
    5. Sheila S. Blair und Jonathan M. Bloom: The art and architecture of Islam - 1250-1800. New Haven u.a. 1995. S. 218.
    6. Mimar Sinan: Master Builder of the 16th Century Ottoman Mosque
    7. Will Sinan's Armenian Origin Finally Be Publicly Acknowledged?, The Armenian Reporter vom 24. Februar 2001 (Englisch)
    8. J.M. Rogers: Sinan. (Makers of Islamic Civilization). New York/London 2007. S. 11.
    9. Stéphane Yerasimos: Konstantinopel. Istanbuls historisches Erbe. Köln 2000. S. 253.
    10. Dr. Oylar Saguner: Die Selimiye-Moschee und das Erscheinungsbild des osmanischen Hofbaumeisters Sinan - eine kulturgeschichtliche Betrachtung der Entwicklung der osmanischen Architektur des 16. Jahrhunderts. Dissertation. Duisburg/Essen 2005. S. 23.
    11. Aptullah Kuran: Ottoman Classical Mosques in Istanbul and in the Provinces. In: Theories and Principles of Design in the Architecture of Islamic Societies. Margaret Bentley Sevcenko (Hrsg). Cambridge, Massachusetts 1988.
    12. Howard Crane, Esra Akin und Gülru Necipoğlu: Sinan's Autobiographies: Five Sixteenth-Century Texts. Leiden 2006.
    13. Stéphane Yerasimos: Konstantinopel. Istanbuls historisches Erbe. Köln 2000. S. 280.
    14. Encyclopaedia of Islam. Brill, Leiden 1997. S. 629.
    15. a b Aptullah Kuran: Sinan: The Grand Old Master Of Ottoman Architecture. Washington D. C. und Istanbul 1987.
    16. John Freely: Istanbul. München 1986. S. 585.
    17. 945 n. d. Hidschra. Es wird hier bei einem Komplex immer das Datum der Einweihung der Moschee genommen
    18. Semesterarbeit Yavuz Sultan Selim Medrese
    19. Henri Stierlin: Türkei. Von den Seldschuken zu den Osmanen. Köln 1998. S. 178.
    20. Brunnen in der osmanischen Hauptstadt İstanbul auf der Kultur- und Tourismusministeriumsseite der Türkei
    21. Heinz Jürgen Sauermost und Wolf-Christian von der Mülbe: Istanbuler Moscheen. München 1981. S. 198.
    22. Karapınar Sultan Selim Külliyesi'nde yolculara mahsus mekanlar ve vakıfları auf Osmanlı Araştırmaları (türkisch)
    Literatur
    • Ernst Egli: Sinan. Der Baumeister osmanischer Glanzzeit. Erlenbach-Zürich, Stuttgart 1976. ISBN 3-7249-0476-2
    • Ulya Vogt-Göknil: Sinan. Tübingen 1993. ISBN 3-8030-0156-0
    • Heinz Jürgen Sauermost und Wolf-Christian von der Mülbe: Istanbuler Moscheen. München 1981.
    • Stéphane Yerasimos: Konstantinopel. Istanbuls historisches Erbe. Köln 2000.
    • John Freely: Istanbul. München 1986.
    • Henri Stierlin: Türkei. Von den Seldschuken zu den Osmanen. Köln 1998.
    • Aptullah Kuran: Sinan: The Grand Old Master Of Ottoman Architecture. Washington D. C. und Istanbul 1987.
    • Metin Sözen: Sinan - Architect of Ages. Bd. 1. Istanbul/Ankara 1988.
    • Gülru Necipoğlu: The Age of Sinan: Architectural Culture in the Ottoman Empire. Princeton 2005.
    • Metin Sözen und Suphi Saatçı: Mustafa Sai Çelebi: Mimar Sinan and Tezkiret-ül Bünyan. Istanbul 1989.
    • Wolfgang Müller-Wiener: Bildlexikon zur Topographie Istanbuls. Tübingen 1977.
    • Howard Crane, Esra Akin und Gülru Necipoğlu: Sinan's Autobiographies: Five Sixteenth-Century Texts. Leiden 2006.
    Weblinks
     
  5. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied


    Übrigens habe ich alle Werke in Istanbul und Edirne, die ich aufgeführt habe, mal besichtigt. Ich habe hier aus seinem Werk eine Auswahl von vielleicht 20% der wichtigsten Werke genommen, sowie Werke, die seine Entwicklung gut nachvollziehen lässt. Vielleicht gibt es ja mal einen Kunstgeschichtsstudenten, der diesen Thread zum Anlass nimmt, ein Seminar zu besuchen oder eines beim Prof. anzuregen. In Hamburg war es möglich, also warum nicht auch woanders?
    (Es war übrigens ein Super-Seminar gewesen)

    Ciao, und LG lynxxx
     
  6. Rest-Romane

    Rest-Romane Neues Mitglied

  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Kleiner Tipp zum Zitieren: An den Schluss des Zitates [/quote] schreiben.
    Gleiches gilt für Links [/url]. Mit der Zitatfunktion (viereckige Sprechblase) funzt das auch automatisch.
     
  8. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Dem kann ich mich nur anschließen!!

    Ich verstehe von der Sache nichts, habe jedoch noch eine Fundstelle, die dem einen oder anderen zugänglich ist: In Kapitel "Die Osmanen" von "Die Kunst des Islam" (= Band 4 der Propyläen Kunstgeschichte, Berlin: Propyläen 1973) wird Sinan ebenfalls als "einer der bedeutendsten [Baumeister] der Weltgeschichte überhaupt" gewürdigt. Das Werk enthält 4 Schwarzweiss- (Nr. 383-387) und eine Farbtafel (LXII) nebst Erläuterungstexten (S. 371-374).
     
  9. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Herzlichen Dank für das Lob. :)

    Mir fällt bei Corbusier ad hoc nicht so viel ein, nur soviel, dass er glaube ich in Istanbul war, ich mich jedenfalls 100%ig daran erinnere, dass ich mal Zeichnungen von ihm von Moscheen gesehen habe. Könnte man nochmal nachgehen... :)

    (komischerweise haben die bei Wiki die Links stark reduziert, dabei aber grade die besten gelöscht...)
     

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