Sind Österreicher "Deutsche"?

Dieses Thema im Forum "Österreich | Schweiz" wurde erstellt von freierbuerger, 16. Juli 2014.

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  1. Heine

    Heine Aktives Mitglied

    Mir ging es nicht um ein wie auch immer geartetes Klassen- oder höheres Bewusstsein, sondern um das Selbstverständnis eines durchschnittlichen Menschen. Ich vermute, dass man sich außer in den Hochzeiten des Nationalismus vor allem über andere Dinge identifizierte als den Eintrag im Pass.
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Mir scheinen die Ähnlichkeiten zwischen Krainern und Österreichern nicht größer zu sein als zwischen Schweizern und Österreichern, von der Sprache mal abgesehen.
     
  3. freierbuerger

    freierbuerger Neues Mitglied

    Die Sprache ist ein ganz wichtiges Kriterium. Viele Krainer konnten auch deutsch, aber ihre Muttersprache war und ist slowenisch.
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Dann sind die Österreicher möglicherweise mit den Spaniern ethnisch näher verwandt als mit den Ungarn?
    Und die Graubündner sind dabei, ihre ethnische Verwandtschaft zu wechseln?
     
  5. freierbuerger

    freierbuerger Neues Mitglied

    ...jetzt kann ich nicht mehr folgen:grübel:
     
  6. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Na, wenn aus sprachlicher Verwandtschaft ethnische Verwandtschaft folgt...
     
  7. freierbuerger

    freierbuerger Neues Mitglied

    Ethnische Verwandtschaft?

    Noch ein Definitionsversuch:

    Nehmen wir als Beispiel die drei skandinavischen Völker, die Dänen, Schweden und Norweger. Kann man da nicht sagen, dass diese ethnisch verwandte Völker sind, wegen einer sehr verwandten Sprache, wegen einer sehr verwandten Kultur und Mentalität? Das gleiche kann man dann auch von der Deutschen und Österreichern sagen. Das wäre dann "ethnische Verwandtschaft".
     
  8. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Wie "sehr verwandt" ist denn die Mentalität?
    Schweden haben es in Norwegen schwer - Nachrichten DIE WELT - DIE WELT
     
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  9. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Naja, ethnische Verwandtschaft ist ja bei den Deutschen im allgemeinen nicht gegeben.
    Ein Saterfriese und ein Oberbayer sind sich nun mal ethnisch nicht so nah wie ein Schwede und ein Norweger, Deutsche sinds aber zweifelsfrei.

    Löst man sich von dem Gedanken des Nationalstaats, dann sind Österreicher , deutsche Südtiroler, Ost und Nordfriesen, Sorben und viele andere ganz sicher Deutsche. Alle verwenden den Duden als Grundlage für ihre Rechtschreibung, halten Carl Zuckmayer, Hebbel , Thomas Mann und Ingeborg Bachmann für deutsche Schriftsteller und sind, wenn sie schreiben, nicht von einander zu unterscheiden.

    Beim Sprechen kann man zwar eine Zugehörigkeit zu Österreich o.ä. vermuten, aber sicher ist auch das nicht.

    Damit sind das eben alles Deutsche, auch wenn sie verschiedenen Nationen angehören.

    Die anderen können schließlich nichts dafür, das der Begriff "Deutscher" verkürzt für Bürger der Bundesrepublik Deutschland angewendet wird. Die ja nun auch nicht eine homogene Nation bilden und auch nie gebildet haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Juli 2014
  10. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Österreicher haben sich einer so genannten "deutschen Kulturnation" längst entfremdet. Sie bildeten eine eigene österreichische Identität aus, was man zur Kenntnis nehmen sollte. Geschichte bleibt schließlich nicht stehen und wir erleben mit Blick auf Österreich einen ähnlichen Abnabelungs- und Entfremdungsprozess, wie er bei der Schweiz oder den Niederlanden längst eingetreten ist. - Ein kleines deutschnationales Lager lebt in Österreich fort und hat sich vorwiegend hinter der FPÖ versammelt, in deren Parteiprogramm es heißt, dass „von der Rechtsordnung denklogisch vorausgesetzt wird, dass die überwiegende Mehrheit der Österreicher der deutschen Volksgruppe angehört.“

    Der Begriff der "deutschen Kulturnation" wurde nach 1945 nur noch in Verbindung mit der DDR gebraucht: Die bundesdeutsche Staatsführung bestand in der Regel auf einer solchen Kulturnation, die die staatlich und ideologisch getrennten Teile DDR und BRD umfasen sollte. Ansonsten war der Begriff dadurch diskreditiert, dass die Nazis völkische und rassistische Ziele damit verbanden.
     
  11. freierbuerger

    freierbuerger Neues Mitglied

    Das ist nicht richtig. Zur Zeit der Teilung bestand die alte Bundesrepublik darauf, dass es weiterhin eine einzige deutsche Staatsbürgerschaft gäbe, die die Bewohner der DDR mit einschlösse. Das war eine völkerrechtliche Position und weit mehr als der Hinweis auf die "Kulturnation". Mir ist neu, dass die Nationalsozialisten den Begriff Kulturnation diskreditiert haben. Ihre Position war rassistisch, sie postulierten die Überlegenheit der "arischen Rasse" und die ging weit über das Deutsche Volk hinaus.
    Der Begriff der gemeinsamen Kulturnation spiele aber im Verhältnis zwischen Deutschland und Österreich nach dem Krieg eine Rolle. Er wurde und wird als Begriff benutzt, um die besondere Zusammengehörigkeit unabhängig von der Staatsangehörigkeit auszudrücken.
     
  12. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Ich sagte ja, dass der Begriff der Kulturnation staatlicherseits nach 1945 nur noch in Verbindung mit der DDR verwendet wurde. Österreich oder gar die Schweiz wurden davon nicht mehr erfasst und ich denke mal, die hätten kräftig gegen eine solche Vereinnahmung protestiert.

    Er wird genutzt von einigen rechtsextremen und deutschnationalen Gruppen, die hinter der FPÖ versammelt sind.
     
  13. freierbuerger

    freierbuerger Neues Mitglied

    Die Sache ist kompliziert und die Begriffe sind in ihrem Bedeutungsgehalt nicht immer eindeutig. Schauen wir uns die Begriffe an:

    Ethnie (oder auf deutsch Volk) und Nation.

    Schon der Begriff Nation wird unterschiedlich gesehen. In Frankreich und in Einwanderungsländern ist er völlig unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit. In Deutschland und auch in Polen, Ungarn und vielen mittel- und nordeuropäische Staaten folgte man einer eher ethnischen Definition von Nation. Besonders in Deutschland meinte man, wenn man vom deutschen Volk sprach auch Menschen die keine deutsche Staatsbürgerschaft hatten, aber als Deutsche betrachtet wurden. Nur so ist zu erklären, warum man an der einheitlichen deutschen Staatsbürgerschaft während der Teilung festhielt und warum Volksdeutsche die in die Bundesrepublik einwanderten ohne Mühe die deutsche Staatsbürgerschaft erhielten.
     
  14. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    "Deutscher ist, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt", heißt es lapidar im Grundgesetz. Sie bilden zusammen das deutsche Staastvolk. Ethnische Kategorien haben ausgedient.

    Allerdings gibt es nach § 116 GG noch die "Flüchtlinge und Vertriebene deutscher Volkszugehörigkeit", die sogenannten "Statusdeutschen".
     
  15. freierbuerger

    freierbuerger Neues Mitglied

    Genauso ist es. Das interessante im Zusammenhang mit dieser Diskussion ist eben, dass es bei uns, im Gegensatz z.B. zum französischen Verständnis von Nation, traditionell immer auch eine ethnische Komponente gab. Dies ist bis heute noch so, bei den Statusdeutschen. Und die ganze Diskussion ob die Österreicher nun "Deutsche" waren oder vielleicht sogar noch sind, ist nur vor diesem Hintergrund überhaupt zu verstehen. Im engen Zusammenhang dazu steht auch die deutsche Tradition, die Staatsbürgerschaft nach dem Abstammungsprinzip zu vergeben. Dies wurde erst vor kurzem geändert.
     
  16. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das "ius sanguinis" als juristische Definition des deutschen Staatsbürgers hat ganz offensichtlich ausgedient. Die Existenz von "Statusdeutschen" ist biologisch limitiert.
     
  17. freierbuerger

    freierbuerger Neues Mitglied

    Richtig, aber zum Verständnis dieser ganze Frage ist es wichtig, diese Tradition zu verstehen.
     
  18. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Wieso denn?

    Hätte sich zB ein Österreicher auf die Definition des deutschen Staatsbürgers berufen können?
     
  19. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ist das tatsächlich so? Ich frage, weil ich es wirklich nicht weiß. Ich dachte, dass auch Auslandsdeutsche und deren Nachkommen automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit zusteht, auch wenn sie als Nachfahren von Deutschen bereits Bürger Mexikos, der USA, Neuseelands oder Namibia sind. Wer weiß mehr?
     
  20. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Wenn Kinder /Nachkommen deutscher Staatsangehöriger keine Möglichkeit hatten, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen, ist diese ihnen zu gewähren.
    Also auch Nachkommen von schwarzen Beamten in Afrika u.ä.
    Dabei scheint es egal zu sein, wie lange es her ist, das ein Deutscher dabei war und ob nun die Vorfahren heute eigentlich Österreicher wären. Dies trifft ja nun für etliche "Rußlanddeutsche" zu.
    Wie das jetzt für Österreich ist???? Die ganzen Sudetendeutschen und andere aus der ehemaligen Tschechoslowakei sind ja eigentlich Österreicher ...
    Die Siebenbürger Sachsen sind von der Sprache her eindeutig Niedersachsen, ansonsten von der Region her Österreicher, Banater Schwaben sind zwar Süddeutsche, gehörten aber auch zur KuK Monarchie.

    Nun kann man aber auczh nicht alle Österreicher zu den Deutschen zählen, da haben denn die Slowenen was gegen. Die sind im Selbstverständnis Österreicher, aber keine Deutschen.

    Es beißt de Maus keinen Faden ab, die Deutschen sind und waren nie ein Volk und werdens wohl auch nie. Und daran krankt die ganze Diskussion.

    Dazu sind schon die Unterschiede z.B. in Baden-Würtemberg , Bayern oder Niedersachsen viel zu groß. Selbst das kleine Schleswig -Holstein hat ja seine Minderheiten bzw besteht nur aus solchen.
    Und auch die doch kleinen Bundesländer der Bundesrepublik Österreich haben ja so ihre Minderheiten. Man sehe sich mal Kärnten oder die Steiermark an...

    Die ganze Diskussion derübigt sich dann, wenn man akzeptiert, das es Deutsche gibt, und das diese eben kein Staatsgebiet haben und nirgends Staatsvolk sind.
     
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