Skandinavien ist das beste?

Dieses Thema im Forum "Nordeuropa | Skandinavien" wurde erstellt von MLHalloween1981, 1. März 2020.

  1. MLHalloween1981

    MLHalloween1981 Neues Mitglied

    Die skandinavischen lander (Norwegen, Schweden, Finnland, Danemark und Island) preisen sich als reich das demokratischste nationen der welt. Sind sie korrekt? Das sich hier um eine rein subjektive Frage.
    Ja, mein deustch ist schlecht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. März 2020
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    So ist es. Die sozialstaatliche Ausrichtung von Demokratien bindet die Bürger ein. Und vermittelt ihnen ein Gefühl, dass der Staat sich um die Anliegen und die Bedürfnisse der Bürger kümmert. Gleichzeitig ist ein organsierter parlamentarischer Mechanismus vorhanden, über den es zu einem Interessenausgleich der unterschiedlichen Gruppen kommt. Der ermöglicht Problemlösungen, die - in der Regel - keine klaren Verlierer erzeugen. Aus diesem Grund ist die Zufriedenheit u.a. in Skandinavien besonders ausgeprägt.

    https://www.bennettinstitute.cam.ac...9e7oz0aR7x8Fbit0tSOwLkSVoqnZ_y2I4sI6Wh6zUQRSc
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. März 2020
  3. Arnaud28

    Arnaud28 Aktives Mitglied

    Man darf bei Skandinavien auch nicht vergessen, es sind große Flächenländer mit wenigen großen Metropolen und die Länder haben unter den Weltkriegen wenig gelitten und waren auch nicht kommunistisch. Das unterscheidet sie von anderen europäischen Ländern.
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    ....und daraus folgt was? Die skandinavischen Länder schneiden bei internationalen Vergleichen etwa beim Schulsystem in der Regel gut ab, und die Einwohner fühlen sich in der Mehrheit von ihrem Staat fair behandelt.

    Eigentlich spricht nicht wirklich etwas dagegen, Teile des skandinavischen Modells zu übernehmen, selbst wenn ein Staat eher kleinflächig ist, mehrere Metropolregionen hat, unter den Weltkriegen schwer gelitten hat oder in Teilen von einem kommunistischen Regime regiert wurde.

    Auch die BRD war in den 1960er und 1970er Jahren ein Hochlohnland, das seinen Bürgern ein relativ hohes Maß an Lebensplanung ermöglichte. Nach der Einheit wurde die Bundesrepublik nach hinten durchgereicht. Das Jobwunder fand im Niedriglohnsektor statt. Ein nicht unerheblicher Teil der Bundesbürger fühlt sich von seinem Staat nicht (mehr) fair behandelt.
     
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  5. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Hierzu ergänzend etwas von >Maike van den Boom< (geb. 1971 in Heidelberg/Deutschland).

    Sie ist Bestsellerautorin, Medienpartner, Glücksforscherin und verliebt in die Zukunft.
    Ihre Mission Possibile ist es, dem Glück der Deutschen auf die Sprünge zu helfen.

    Das „BusinessPortal Norwegen“ veröffentlichte am 17.12.2018 ein Interview das mit ihr Dr. Jutta Falkner (Falkner Business Publishing GmbH) führte.
    Der Titel des Interviews: „Vertrauen als Voraussetzung für Glück":

    https://businessportal-norwegen.com/2018/12/17/vertrauen-als-voraussetzung-fuer-glueck/#more-7838
     
  6. Arnaud28

    Arnaud28 Aktives Mitglied

    Wobei auch viele DDR Bürger in der Retrospektive davon sprechen, dass der Zusammenhalt früher deutlich besser war. Das mag unterschiedliche Gründe haben, Leistungsdruck, Erwartungshaltung, inhomogenere Gesellschaft, durch mangelnden Patriotismus fehlendes Gemeinschaftsgefühl etc etc..
     
  7. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Du machst Gemeinschaftsgefühl abhängig von Patriotismus? Nachträglich auch für die DDR?
     
  8. Arnaud28

    Arnaud28 Aktives Mitglied

    Ein Unterschied zu Skandinavien ist ja wohl nicht zu bestreiten:
    Quelle:
    Steen Bo Frandsen: Schleswig: Ein Erinnerungsort für Deutsche und Dänen? In: Bernd Henningsen, Hendriette Kliemann-Geisinger, Stefan Troebst (Hrsg.): Transnationale Erinnerungsorte: Nord- und südeuropäische Perspektiven. (= The Baltic Sea Region. Band 10). Berlin 2009, S. 46.
     
  9. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Bitte nicht Dänemark pauschal mit Skandinavien gleichsetzen.

    Dänemark hat in seiner Geschichte, was den heutigen Kern, also Jütland, Inseldänemark und Nordschleswig angeht, nicht allzu viele einschneidende Erlebnisse durch dauerhafte Teilungen und Besatzungen etc. gehabt.

    Abtrennungen dieses Raumes waren (Nordschleswig) entweder Ereignisse, die nur einen sehr kleinen Teil der Gesamtbevölkerung betrafen oder sie waren nur von sehr kurzer Dauer (Deutsche Besatzung während des 2. Weltkriegs).

    Die Geschichte Schwedens, Norwegens, Finnlands und Islands, spielte sich aber etwas anders ab. Auch sind die demographischen Voraussetzungen andere.
     
  10. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Dem Verlust von Skåne (Schonen) an Schweden 1658 trauern heute noch einige dänische (Ultra-)Nationalisten nach.
     
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  11. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Das mag sein.
    Die Ideen von Ultranationalisten sind ja für gewöhnlich etwas ........ sagen wir speziell.
    Aber welche Auswirkung hat das auf die Mehrheitsgesellschaft und ihre Narrative?

    In erster Linie dürfte sich die spätere Zugehörigkeit dieser bis ins 17. Jahrhundert zu Dänemark gehörenden und dänisch geprägten Region im Nachgang auf die schwedische Gesellschaft ausgewirkt haben, im Rahmen eines regionalen Sonderbewustseins.
    Und selbiges mag wahrscheinlich auch für Gotland gelten, für das bis ins 17. Jahrhundert zu Norwegen gehörende Bohuslän, für Jämtland, dass über die Jahrhunderte immer mal wierder hin und her ging, und für den schwedischen Teil Lapplands sowiso.

    Mit Finnland will ich erst gar nicht anfangen.
    Jahrhundertelang von Stockholm und St. Petersburg beherrscht, mit einer starken schwedischsprachigen Minderheit, die in einzelnen Provinzen sogar Bevölkerungsmehrheiten stellt und mit den Samí im Norden.

    Ich bin kein Experte für Skandinavien, aber gemessen daran, dürfte die Konstruktion und Konservierung (nationaler) identitätsstiftender Narrative in Dänemark wesentlich einfacher sein, als in den übrigen skandinavischen Ländern.
     
  12. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Dito dem Rest von Schleswig und Holstein...

    Dänen und Schweden waren in der Frühen Neuzeit Konkurrenten und keine friedlichen Nachbarn. Neben den Konflikten im heute südlichen Schweden, das die Schweden den Dänen mühsam wegerobert haben, ging es insbesondere um Norwegen. Dieses konnte im Zuge der Neuordnung Europas mit dem Wiener Kongress dann endlich von dänischer in schwedische Obhut übergehen. 1801 z. B. hatten die Dänen mehr militärische Ressourcen zur Sicherung gegen ihren "Verbündeten" Schweden vorgehalten als zur Verteidigung ihrer Flotte und Hauptstadt gegen die mit unklaren Absichten im Anmarsch befindliche britische Flotte. Und die Schweden hatten es auch nicht fürchterlich eilig, diese ihre "Verbündeten" im Øresund zu verstärken.

    Ich war vor ca. 20 Jahren in Kopenhagen in einer dänisch-schwedischen Ausstellung, die anhand von Alltagsgewohnheiten und -gegenständen die Botschaft vermitteln sollte "die Schweden sind gar nicht so grundlegend anders als die Dänen". Da scheint es also durchaus noch Befindlichkeiten und Ressentimente zwischen beiden Nachbarn gegeben zu haben.
     
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  13. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich bewundere das Sozialsystem der skandinavischen Länder, sehe aber Schweden und Norwegen auch sehr kritisch. Es ist zwar eine Marginalie, die die meisten Menschen nicht betrifft, die nicht auf übermäßiges öffentliches Interesse stößt.

    Die Betäubungsmittelgesetze in Norwegen und Schweden waren sehr repressiv, Substitutionsbehandlungen inflexibel und kaum möglich.

    Amsterdam und Rotterdam waren Ende der 1970er und 1980er Jahren von einer Methadon-Tourismus-Kolonie bevölkert. Die pure Verzweiflung hatte diese Leute nach Amsterdam gespült. Die meisten stammten aus Deutschland und Frankreich, es waren aber auch viele Schweden und Norweger darunter. Was sie von Zuhause erzählten, ließ einen die Haare zu Bergen stehen. Berichte von völlig unzureichender ärztlicher Versorgung, Berichte von Haftaufenthalten wegen relativ geringfügiger "Vergehen", Berichte von Blockaden von Reformen, Berichte von Polizeigewalt.

    Es war und ist ein großes Verdienst der Niederlande auch der Stadt Amsterdam, dass sie unbürokratisch Tausende von sehr unbequemen Leuten geduldet haben, dass sie Substitutionsmittel auch an "Ausländer" ausgeben haben-dass sie im Grunde das an Prävention, Prophylaxe und nicht zuletzt auch an medizinischer Minimalversorgung und Humanität geleistet haben, worum sich vor allem die BRD, F, Schweden und Norwegen einzig aus ideologischen Gründen gedrückt haben.

    Auch den Anwohnern von Vierteln wie dem Zeedijk gebührt Respekt. Sie haben weit über 10 Jahre menschliches Strandgut aus ganz Europa geduldet-und so unbequem, unangenehm, zuweilen schockierend das Ganze auch für sie gewesen sein muss-die überwältigende Mehrheit hat sich nicht für mehr Repression ausgesprochen, hat nicht vermeintlich simplen Lösungen Beifall gespendet und mit privaten Spenden von Kleidung, Lebensmitteln sicher in vielen Fällen auch schlimmste Not verhindert.

    Respekt verdient auch die unglaublich pragmatische Arbeit der Polizei Amsterdams, die sich mit sprunghaft steigender "Beschaffungskriminalität" beschäftigen musste. Dafür haben die Niederlande wenig Dank und heftige Kritik bekommen-Die Niederlande hätten vor der Drogenflut kapituliert, dabei haben sie etlichen Deutschen, Franzosen und Skandinaviern zumindest eine neue Perspektive und medizinische Grundversorgung geboten, die diese im eigenen Land nicht bekommen konnten.

    Die alten Zeiten sind zum Glück vorbei, wenn man von manchen "Fällen" spricht, schüttelt man heute ungläubig die Ohren, es wirkt das alles wie ein Relikt aus einer barbarischen Vergangenheit.

    Auf diesem Gebiet hat sich vor allem in der Bundesrepublik doch einiges zum Besseren verändert. Die Bundesrepublik ist darin in vielem inzwischen weit liberaler, als Schweden und Norwegen.
     
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  14. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    nun ja,versuch mal in Norwegen Sonntags in einem ffenen Supermarkt ein Bier zu kaufen,da wirst du dein blaues Wunder erleben bzw. mit so grotesken Vorschriften konfrontiert werden, wie man sie eigentlich nur aus den Prohibitionszeiten in den USA kennt.
    Was ich dami sagen will ist,dass sich skandinavische Gesellschaften gerne liberal geben ,aber in der realitt ihren Bürgern mehr Regeln auferlegen,als dies bei uns der Fall ist.
     
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  15. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Stimmt, dass muss man am Samstag vor 18.00 Uhr erledigt haben.
    Da gibt es Kassensystem-bedingt auch keine Ausnahme, 18.01 ist zu spät! Ich habe aber schon erlebt, dass die Angestellten die Bier-Käufer tatsächlich vorlassen, damit keiner leer ausgehen muss.

    Und zaphodB. hat Recht: Der norwegische Staat hat eine ausgeprägte Neigung, seine Bürger vor sich selbst beschützen zu müssen.

    Gruss, muheijo
     
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist in GB im Übrigen ähnlich. Ab Gründonnerstag bekommt man keinen Alkohol mehr. Und morgens auch nicht. Die entsprechenden Abteilungen in den Supermärkten sind abgesperrt und Kassen geben beim Scannen der Artikel Warnungen ab, dass die nicht verkauft werden dürfen.
     
  17. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    In den USA gab es trotz Prohibition die Möglichkeit, sich Alkohol legal als Medizin verschreiben zu lassen. Das war mit sehr hohem Aufwand und bürokratischen Hürden verbunden. Die meisten Amerikaner zogen es aber vor, im nächsten Speakeasy einen zur Brust zu nehmen. Polizeibeamte mussten auch an Familie denken, die Prohibition wurde nicht sehr drakonisch durchgesetzt- wirklich trocken wurden die USA nie.
     
  18. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    tja,wo ein Wille ist ist halt auch ein Weg - vom jugendlichen Komasaufen , das ich zum ersten Mal da oben erlebt hab bis um schwedischen Schwarzgebrannten bei dem du schon vom dran riechen blind wirst:Do_O
    Der Effekt staatlicher Übereglementierung war hier .wie so oft, ein gegenläufiger.
     
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