Sklaverei im antiken Rom / Sklavenhandel

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von kirtap, 9. Januar 2005.

  1. kirtap

    kirtap Neues Mitglied

    Salve !!

    Interessiere mich zur Zeit sehr für die Sklaverei im Antiken Rom.
    Nur... Ich finde nicht wirklich viele Daten!
    Zum Beispiel:
    Wann begann Sie? Warum?
    Mich interessieren vor allem die Einzelheiten wie: Wie viele Sklaven besaß man zu der Zeit? Was verdienten Sklaven? Wie sah ein Sklavenleben aus?

    Freue mich über jede Hilfe!!!!




     
  2. Qerasija

    Qerasija Neues Mitglied

    hi kirtap

    deine Fragen lassen sich alle nicht ohne weiteres beantworten. Schon die Etrusker dürften Sklaven gehabt haben. Bei den Römern ging das mit der Sklaverei richtig los, als man begann das Territorium systematisch zu erweitern. Die Sklaven ergaben sich zum einen aus Kriegsgefangen und zum anderen aus Leuten, die wegen Verarmung in Schuldknechtschaft gerieten. Auch ein Nebenprodukt der Expansion, denn die Leute mußten in den Kampf ziehen und konnten ihre Äcker nicht mehr bestellen. Das ist alles sehr gut bei Livius nachzulesen.
    Das klärt zumindest vage das wann und warum.
    Die anderen drei Fragen kann man nicht pauschal beantworten, da gab es große Unterschiede. Wie viele Sklaven man besaß hing vom Reichtum ab. Was die Sklaven verdienten hing von ihrer Position ab. Hier die Nebenfrage an unsere Romexperten:
    Verdienten Sklaven schon immer etwas oder begann das erst in der Kaiserzeit?
    Es gab zumindest in der Kaiserzeit Sklaven die zu unermeßlichen Reichtum gelangt waren, sich dann freikauften und auch hohe Ämter bekleideten. Unter Kaiser Claudius gab es ein regelrechtes Freigelassenenproblem.
    Wie ein Sklavenleben aussah hängt von ihren Fähigkeiten und Einsatzgebieten ab. Sklaven im Silberbergbau und in der Landwirtschaft hatten sicher keine allzu hohe Lebenserwartung. Ich glaube von Cato gibt es eine Schrift die besagt, wie man mit Sklaven in der Landwirtschaft umzugehen hat - nicht sonderlich nett (wie hieß die gleich?)
    Aber es gab auch qualifizierte Handwerker oder Verwalter, Schreiber, Lehrer etc. deren Leben (abhängig vom Herren) besser ausgesehen haben dürfte.

    Das war mal, was ich im Kopf hatte, für alles andere müßte ich recherchieren.
    Gruß Qe
     
  3. Sklaverei gab es von Anfang an, sie begann bevor es Rom als Staat gab.

    Eine sehr schwierige Frage, häufig hat sich die Sklaverei aus einer besonderen Verpflichtung von Personen wegen Schulden die sie bei anderen Personen hatten entwickelt, die andere Ursache sind Kriegsgefangene die man erbeutete, nicht töten wollte, die man aber auch nicht wieder frei lassen wollte. Der wichtigste Grund aber: man konnte es und die Mehrheit fand nichts falsches daran. Ein wichtiger Punkt ist sicher noch die Möglichkeit solche Menschen nach belieben sexuell gebrauchen zu können, der einen starken Antrieb bildete andere zu versklaven. In diesem einen Punkt sind wir heute immer noch nicht besser. Der Schritt von einer erbeuteten Frau zur Sklavin ist sehr gering.

    Höchst unterschiedlich. Die von dir genannte Zeit ist sehr sehr lang. In der frühen Republik waren Sklaven noch selten, erst durch die punischen Kriege änderte sich das, mit den immer größeren Mengen an Kriegsgefangenen und erbeuteten Zivilisten gab es dann immer mehr Sklaven. Als Rom sich in der Kaiserzeit konsolidierte und dann langsam niederging ging auch die Sklaverei zurück und wurde bei den einfachen Arbeiten von der Leibeigenschaft (Kolonat) abgelöst.

    Wieder wie gesagt äußerst unterschiedlich: ein Sklave in einer wichtigen Position oder ein gebildeter Griechischer Lehrer konnten sehr gut verdienen, demgegenüber Landsklaven die sogar in Arbeitsgefängnissen gehalten wurden nichts verdienten.

    Wie sah ein Sklavenleben aus?

    Und wieder die gleiche Antwort, höchst unterschiedlich: Mal zwei Extrembeispiele vom entgegengesetzten Ende der Skala:

    Ein gebildeter Grieche findet in Griechenland keine rechte Stellung und als freier Philosoph lebt er recht kärglich und hat selbst wenn er im Moment ein Einkommen hat eine unsichere Zukunft. Er verkauft sich also selbst als Sklaven an einen reichen Römer der befristet in der Provinz als Steuereintreiber einer der privaten Steuerfirmen unterwegs war. Dieser möchte ihn als Hauslehrer für seine Kinder. Er geht mit ihm nach Rom und erlangt im Verlauf der Zeit fast den Status eines Familienmitgliedes, als er alt geworden ist stirbt sein Besitzer und läßt ihn dann testamentarisch frei, der Grieche nimmt den Namen seines Besitzers als Freigelassener an und zieht in ein kleines Häuschen in Tibur wo er seinen Lebensabend mit seiner inzwischen angesammelten Bibliothek verbringt.

    Andersherum: ein Keltiberischer Jugendlicher so um die 12 wird im endlosen Krieg Roms gegen die Iberer gefangen genommen, bei der Einnahme seiner Hügelfestung werden vor seinen Augen seine Mutter und seine minderjährigen Schwestern vergewaltigt und dann getötet. Er wird am Leben gelassen um als Kriegsbeute verkauft zu werden. Er kommt in ein unter römischer Kontrolle stehendes Bergwerk in Iberien in dem er wegen seiner Statur und Jugend ein idealer Sklave ist. Er bricht geistig total zusammen und funktioniert nur wegen der ständigen Schläge mit denen man ihn vorwärts treibt. Da er nicht genug isst verfällt er körperlich rasch und stirbt nach einem Jahr. Da wegem dem Krieg ein endloser Nachschub von geeigneten Sklaven kommt und das Ziel nicht zuletzt die Ausrottung einige dieser Stämme ist, ist es seinen Besitzer völlig egal, seine Leiche wird irgendwo hin geworfen und von den Wachhunden gefressen.
     
  4. Germanicus

    Germanicus Neues Mitglied

    Sklaven im Antiken Rom - Principat

    Pers. Anmerkung: Das Thema Sklaven im Römischen Reich ist eigentlich zu umfangreich, um es in diesem Rahmen zu behandeln. Hier verweise ich auf die Fachliteratur.

    Sklaverei im Principat:
    Zuerst die Feststellung von Kreissig, der unterstrich, dass der Begriff Sklave zunächst ein primär juristischer Begriff ist. "Er stellt fest, dass ein Mensch Eigentum eines anderen Menschen oder juristischen Person ist, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Er sagt nichts über seine Stellung im Rahmen der Produktionsverhältnisse, nichts über seine soziale Position, seine Bildung, seinen Einfluss, seiner Vermögen." (Kreissig, Wirtschaft und Gesellschaft im Seleukidenreich).

    Juristische Stellung der römischen Sklaven nach Florentius (2. Jahrhundert n. Chr.): "Die Sklaverei ist eine Einrichtung des Völkerrechts, durch die jemand [entgegen der Natur] einer fremden Herrschaft unterworfen wird".

    Da der Sklave nach traditioneller römischer Auffassung immer rechtlos war, und da er einerseits stets der potestas seines Herrn unterstand und andererseits als dessen Eigentum betrachtet wurde, war seine Stellung immer durch die Dialektik zwischen Person und Sache bestimmt worden. Während der Republik überwog noch die Stellung als Subjekt, während des Principats die des Eigentumsobjekts. Die Behandlung der Sklaven allgemein verbesserte sich unter dem Principat im Vergleich zur späten Republik. In erster Linie auf Grund der eigenen Interessen der Sklavenbesitzer, die längst die Erfahrung gemacht hatten, dass sie von einem korrekt behandelten (vielleicht sogar motivierten) Sklaven langfristig einen größeren Gewinn hatten als von einem mit Gewalt schikanierten (Vergleich der drei Schriftsteller Cato, Varro und Columella).
    Die gedultete Sklavenehe (contubernium) war privatrechtlich ohne Bedeutung. Ein von einer Sklavin geborenes Kind ging stets in das Eingetum des Herren der Mutter über. Jeder Erwerb von Sklaven fiel dem Herren zu. Sklaven konnten nicht als Partei in Zivilprozessen aufreten, es stand ihnen lediglich zu, die Kognition des princeps anzurufen.
    Für dem Principat liegen über den zahlemäßigen Anteil der Sklaven an der Gesamtbevölkerung keine Zahlen vor. Es wird meistens davon ausgegangen, dass sich die Relationen in Italien (laut Brunt in augusteischer Epoche 40% der Gesamtbevölkerung) wie auch den einzelnen Provinzen gegenüber den Verhältnissen der augusteischen Epoche wenig veränderten. Jedoch gibt es einige Indizien, die zumindest Regional für einen Rückgang der Sklaverei sprechen, dennoch bildeten die Sklaven weiterhin die Grundlage und einen entscheidenden Faktor der Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung des römischen Reiches. Sklaven waren in vielen Bereichen tätig: als landwirtschaftliche Arbeiter, als verurteilte Verbrecher in Bergwerken, als Vertreter in Handwerksbetrieben mit Geschäften auf eigene Rechnung, als Hausdiener bei reichen Bürgern, als Aufseher über freie Lohnarbeiter, als Polizisten, als Schildträger der Legionäre, als Prostituierte und einflussreiche Hetären, als Lehrer, Ärzte, kaiserliche Räte und Schreiber, als Bankiers, Grundbesitzer, als Eigentümer von Sklaven. Sklavenhalter waren Kaiser, Würdenträger, Bürger, Bauern, Soldaten, Großgrundeingentümer, Kleineigentümer, abhängige Bodenbesitzer, Bankiers, Ergasterienbesitzer, Kleinhandwerker und sogar Sklaven. (Auflistung nach Kreissig). Ein Hauptproblem, das sich von Beginn an in diesem Bereich stellte, war die Sorge um die Ergänzung des Sklavenpotentials. Im Principat ist mit dem Rückgang der Gesamtsklavenzahl zu rechnen, der jedoch keineswegs so dramatisch war, wie in der älteren Forschung (u. a. Max Weber) festgestellt worden war. Als Beispiel dienen die nach wie vor stabilen (je nach Qualifikation, Alter und Gesamtangebot) dokumentierten Sklavenpreise zwischen etwa 800 und 2.500 Sesterzen. Ein Großteil der Sklaven zu dieser Zeit stellte der hellenistische Osten und Griechenland, Thrakien und Dakien, aber auch Nordafrika wie die keltischen Gebiete im Westen nach wie vor einen Großteil der neu eingesetzten Sklaven. Ingesamt ist mit einem Rückgang von Sklaven aus den Gebieten jenseits der Reichsgebiete zu rechnen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Januar 2005
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  5. Germanicus

    Germanicus Neues Mitglied

    Die härtesten Bedingungen hatten die Sklaven, die in Steinbrüchen und Bergwerken eingesetzt wurden. Trotz reglementierend Gesetzgebung, Aufsicht von Prokuratoren über die (häufig) verpachteten Gruben, blieb dieser Bereich jener Sektor, in dem immer noch eine große Zahl von Sklaven ihre Gesundheit ruinierte und ihr Leben verlor.
    Sklaven in der Landwirtschaft: Die Lage des einzelnen Sklaven hing von der Größe des Betriebs, in dem er eingesetzt war, von dessen Arbeitsorganisation und seiner Funktion ab. Noch im 1. Jahrhundert n. Chr. gab es den gefesselten Sklaven, der im ergastulum verwahrt wurde und nur zu einfacher, schwerer körperlicher Arbeit eingesetzt werden konnte. Daneben gab es aber auch die vielseitigen und erfahrenen Hirten und Kleinviehzüchter, die Spezialisten für Obst, Weinbau, Olivenölgewinnung, Aufseher von Sklavenarbeitsgruppen und die Verwalter. Trotzdem blieb die Lage der landwirtschaftlichen Sklaven ingesamt, trotz Verbesserungen gegenüber der späten Republik hart und schwierig. Nich zu erwähnen wäre im agrarischen Sektor, dass schon nach der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. die Überzeugung deutlich wird (siehe Columella), dass der Sklave eine sehr kostspielige Abreitskraft war, und er deshalb vermehrt durch Kolonen ersetzt wurde.
    Wesentlich differenzierter hingegen war die Tätigkeit der städtischen Sklaven.
    Haussklaven: Die Zahl qualifizierter und disziplinierter Haussklaven (hierzu zählen Ammen, Pädagogen, Rechnungsführer, Sekretäre, Kammerdiener, Küchenmeister, Servier- und Bedienungspersonal bei Tische, Pförtner und Gehilfen/Gehilfinnen; siehe Seneca Briefe an Lucilius, 47) das Sozialprestige eines reichen Mannes. Die Gesamtzahl der im jeweiligen Stadthaushalt eines römischen Aristrokraten eingesetzten Sklaven war sehr verschieden. So hatte z. B. der Stadtpräfekt Pedanius Secundus im Jahre 61 n. Chr. 400, während T. Statilius Taurus Corvinus (cos. 65 n. Chr.) nur über acht verfügte. Eine einfache Bürgerfamilie dürfte dagegen lediglich einen oder zwei Sklaven besessen haben.
    Sklaven in der gewerblichen Produktion: Hier konnte ein Sklave als ungelernter, auszubildender, einfacher Gehilfe oder als angesehner spezialist, dessen Fertigkeiten oft größer waren als die seines Besitzers, tätig sein. Außerdem konnte er in den mittelfroßen Betrieben Aufsichtsfunktionen ausüben oder (selten) einen kleinen Betrieb als Geschäftsführer leiten. Meistens jedoch wurden solche vertraulichen Stellungen von Freigelassenen wahrgenommen.
    Zur Rolle der Sklavinnen gibt es nur wenig zuverlässige Quellen. Offensichtlich wurden sie für ihre speziellen Tätigkeiten im Haushalt und Gewerbe erst ausgebildet. Im Haus wirkten sie insbesondere als Dienerinnen, Friseusen, Kammermädchen, Bedienstete für die Kleidungspflege, als Botinnen und als Ammen. Auch weite Teile des Textilgewerbes lagen in ihren Händen, so verabreiteten sie nicht nur Wolle, sondern wirkten auch als Spinnerinnen, Weberinnen, Schneiderinnen und Stopferinnen. Weites gab es auch Ärztinnen und Hebammen. Kaiser Hadrian schritt gegen die Mißbräuche beim Verkauf von jungen Sklavinnen zum Zwecke der Prostitution ein (Sklavinnen wurden damals auf Auktionen von Bordellbesitzern gekauft, zur Prostitution gezwungen und anschließend wieder verkauft).

    @Admin: Könntet ihr bitte diesen Beitrag an meinen vorhergehenden anhängen? Danke.
     
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  6. kirtap

    kirtap Neues Mitglied

    Hi,

    Also erst einmal danke!!!

    Sind schon gute Infos drin!

    Aber ich muss ein Referat über das Thema schreiben.... habt ihr da irgendwelche Quellen, Internetseite etc.?

    Mir hilft alles weiter was mit Sklaverei zu tun hat!!!

    Suche natürlich auch Bilder und so.... Einfach alles was man in ein Referat über Sklaverei reinpacken kann.

    Danksche.......
     
  7. sakk

    sakk Neues Mitglied

    1. www.google.de
    dann erhälst du ergebnisse wie hier:

    http://www.meinebibliothek.de/Texte/html/sklaverei.html
    http://www.meinebibliothek.de/Texte/html/sklaverei.html

    2. www.wikipedia.de

    -> http://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei

    3. forensuche hier im forum.

    -> http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=4231&highlight=sklaverei

    das sollte für den anfang schon mal helfen ;)..


    sakk :)


    ps: habe jetzt erst gesehen, dass du einen neuen thread aufgemacht hast....
    schreibe doch lieber noch mal in den alten....
     
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  8. kirtap

    kirtap Neues Mitglied

    Hi,
    Hab noch ne Frage!
    Wer kann mir was über die Gladiatorenschule in Capua erzählen? Hilfreich wären auch Links zu Seiten mit vielen Informationen.
    Danke
     
  9. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

    Eine sehr anschauliche, historisch korrekte Beschreibung des Sklavenlebens (u.a. in einem thrakischen Bergwerk) findest du in Howard Fasts Roman "Spartacus". Dort kannst du auch etwas über Capua erfahren. :cool:
     
  10. Lathyrus

    Lathyrus Mitglied

    Möchte diesen Thread noch einmal aufwärmen.

    Wie sah es eigentlich mit der "Verteilung" der Sklaven im Reich aus? Die meisten werden wohl in Italien gelebt haben. In den Randprovinzen, zumindest habe ich das mal über Obergermanien gelesen, seien weit weniger zu finden gewesen. Man bediente sich hier, auch in der Landwirtschaft, eher freien Arbeitern. Aber das ist ja auch schon eine spätere Epoche.

    Durften eigentlich die Provinzbewohner ohne römisches Bürgerrecht auch Sklaven besitzen/erwerben?
     
  11. elysian

    elysian Neues Mitglied

    Eine Anmerkung zu bisher Gesagtem:

    Einer der Ausgangspunkte der Sklaverei war die umfassende Personalhaftung in altrömischer Zeit.
    Man hat, über die Zeit betrachtet, Leute versklavt, weil sie Kriegsbeute waren, sich verschuldet hatten, etc. Zwar gab es sexuellen Mißbrauch von Sklaven, doch läßt sich das Warum nicht mit der Möglichkeit eines sexuellen Mißbrauchs erklären. Das paßt nicht zu den Sklavenmassen in den Steinbrüchen, das paßt nicht zu den Sklavenhändlern, für die die Sklaven überwiegend schlichtes Handelsgut waren. Vergleichbar mit mehr oder weniger kostbaren Tieren. Und nicht zu dem Gedanken hinter der Personalhaftung. Dabei geht es um eine Ersatzleistung für gewährte Vermögenswerte.
    In diesem Zusammenhang sollte man dann auch erwähnen, daß in der Republik die Censoren über die Sittenaufsicht und später die Kaiser sexuellen Mißbrauch unter Umständen sanktionierten. Schwerer sexueller Mißbrauch war schon bei den Griechen ein Thema und dort konnte sich ein Sklave befreien, wenn er Schutz in den Tempeln der Gottheiten suchte.

    @Lathyrus

    Wirklich sichere Zahlen gibt es zu der Frage, wie die Prozentsätze aussahen, nicht. Man kann heutzutage nur schätzen. Allerdings wird gemeinhin angenommen, daß in Italien die höchste Konzentration herrschte.
    Andererseits hat es wohl auch ganze Landstriche gegeben, in denen es keine Sklaven gab. Ich müßte das nochmal nachlesen, meine mich aber zu erinnern, daß dieses Phänomen besonders den Osten betraf.
    Peregrine konnten Sklaven grundsätzlich erwerben und besitzen, jedoch z.B. kein quiritisches Eigentum an ihnen erlangen.
     
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  12. elysian

    elysian Neues Mitglied

    Nachtrag:

    Zur Sklaverei konnte auch verurteilt werden, wer sich schwerer Vergehen schuldig gemacht hat. Terminus war in alter Zeit "trans tiberim vendere".
    Wer zum Tod, zum Tierkampf oder zur Bergwerksarbeit verurteilt wurde, fiel damit auch in den Sklavenstand.
    Auch wurde z.B. eine Frau unfrei, wenn sie mit einem in fremdem Eigentum stehenden Sklaven sexuell verkehrte.
     
  13. Lathyrus

    Lathyrus Mitglied

    Das ist mir klar, ich wollte auch nur auf eine grobe Schätzung hinaus. Man darf wohl davon ausgehen, daß in größeren Städten und in Gegenden, in denen große Landgüter oder Bergwerke existierten, auch viele Sklaven gelebt haben dürften.

    Interessant ist allerdings, um nochmal auf Obergermanien zurückzukommen, daß einige der hier existierenden (allerdings kleineren) Steinbrüche, von Legions- oder Auxiliarangehörigen betrieben wurden. Das beweisen Inschriften der Arbeiter. Möglicherweise erhielten diese aber auch Unterstützung durch Sklaven; Germanicus schreibt weiter oben, daß Legionäre Sklaven besessen haben.
     
  14. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Es gab Sklavenhalter, die Hunderte von Sklaven besassen. So tut in Petronius Satyricon der reiche Freigelassene Trimalchio so, als wüsste er überhaupt nicht genau, wie viele es seien und will natürlich auch nicht die Namen seiner Leute kennen. Sklaven arbeiteten natürlich nicht nur in der Landwirtschaft oder in Berwerken. Zu einem mittelständischen Unternehmen, zu einem Handwerksbetrieb, zu einer Kneipe, einem Puff, einer Färberei, einem Verlag, gehörten in der Regel einige Sklaven. Es gab Unternehmer, die ihren Sklaven eine wertvolle Ausbildung zugute kommen liessen. Im Bauwesen,bei der Produktion von Luxusgütern, aber auch im Verlagswesen und in der Unterhaltungsbranche war es üblich, Trupps von hochqualifizierten Experten zu beschäftigen.

    In den Grenzprovinzen, etwa in Germanien, dürften Sklaven noch weit billiger gewesen sein, als in Italien, denn die Römer sassen ja direkt an der Quelle.
     
  15. elysian

    elysian Neues Mitglied

    Jain. Theoretische Abhandlungen über die Landwirtschaft ("de agricultura" z.B.) zeigen, daß man nicht immer mit Sklaven gearbeitet hat und teils aus Kostengründen (!) lieber auf Tagelöhner (die späteren Kolonen) zurückgriff.
    Sklaven waren günstiger als Maschinen, aber dennoch nicht billig.
     
  16. Lathyrus

    Lathyrus Mitglied

    Man mußte in den Randprovinzen vielleicht auch mit einer höheren Ausreisserquote rechnen. Der Weg nach Hause war ja nicht weit, und eine Flucht über den Limes bei Nacht oder einmal den Rhein durchschwimmen lag sicher im Bereich des Möglichen.

    Aber noch eine andere Frage. Sklavenaufstände deuten doch auf eine gewisse Konzentration dieser armen Menschen in bestimmten Landstrichen hin?

    @ elysian

    Vielleicht auch nicht. Die Römer hatten ja eine Mähmaschine (vallus). Die hätten sie doch nicht entwickelt, wenn die menschliche Arbeitskraft noch billiger zu haben gewesen wäre?
     
  17. Marcus Cicero

    Marcus Cicero Neues Mitglied

    Ja .. ich würde gerne in diesem Zusammenhang mich noch bei lathyrus "einhaken" und gleich noch eine Frage stellen.. die vielleicht jemand gleich mitbeabntworten kann:winke:
    Zum Thema Verschuldung:

    Nach der Plünderung Roms durch die Germanen um 410 v Chr. wurde ja ein Gesetz verabschriedet, das vorsah das ein römischer bürger nicht durcht die verschuldung versklabt werden kann . Wie sah dieses gesetz genau aus und wie lange hielt dieses an ?

    Danke
     
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  18. elysian

    elysian Neues Mitglied

    @Cicero

    Ich weiß nicht, welches Gesetz Du meinst, aber soweit ich informiert bin, geriet diese alte Personalhaftungsfolge sehr schnell in Vergessenheit und wurde später auch nicht erneuert.

    @Lathyrus

    Das widerspricht sich meiner Meinung nach nicht. In der Antike wurden bereits Techniken entwickelt, die eine Dampfmaschine durchaus ermöglicht hätten. Daß Maschinen zum Einsatz kamen, bedeutet ja nicht, daß sie kostengünstiger als Sklaven oder Kolonen waren. Eigentlich ging es mir ja um das Verhältnis Sklave - Kolone, aber wenn Du die Maschinen schon ansprichst: die Maschinen zogen sich nicht selbst. Da mußte wenigstens ein Zugtier schuften. Und das lief sicher auch nicht alleine, wie sich der Eigentümer das vorstellte. Also muß da nochmal ein Sklave oder Kolone dran. Es geht somit beim Einsatz von Maschinen hier in erster Linie um die Steigerung der Produktivität des Sklaven/Kolonen.
    Was den vallus betrifft, so wird teilweise berichtet, dieses Gerät habe es nur in Gallien gegeben. Auch wenn diese Begrenzung nicht zutreffen mag, so scheint er nicht weit verbreitet gewesen zu sein.
     
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  19. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Guter Einwand, @elysian! In der Vespasianbiographie schreibt Sueton, dass der Kaiser den Erfinder einer Maschine zwar belohnte, deren Bau aber verhinderte, weil sonst zu viele arbeitslos geworden wären.
     
  20. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Dazu muss man sagen, dass das Rom Vespasians eine der größten Baustellen der Welt war: einerseits wuchs das Amphitheatrum Flavium in die Höhe, andererseits wurde der Iuppitertempel wieder aufgebaut (für den man die fettesten Säulen ausersehen hatte, deshalb auch der hoffnungsvolle Ingenieur mit seiner Maschine) sowie das "Forum Pacis".
    Bei diesen Baumaßnahmen wurden auch und vor allem jüdische Kriegsgefangene eingesetzt. Für die Nicht-Sklaven der Stadt auch ein Exempel was passieren kann, wenn man sich gegen den Kaiser auflehnt.



    Übrigens, zur Frage über die Gladiatorenschule des Lentulus Batiatus und den Aufstand des Spartakus: das ist wirklich eine interessante Geschichte, vor allem, wenn man sie in den Kontext der Entwicklung der Gladiatur setzt. So, wie es aussieht, war Lentulus Batiatus aus Capua einer der ersten tatsächlichen "Unternehmer" in Sachen Gladiatorenschulung; zeitgleich fällt die Errichtung der ersten steinernen Amphitheater in Capua und Pompeji ... und offensichtlich zeigt sich fast sofort die Schwäche des Konzepts, Sklaven zu kaufen, zu erstklassigen Kämpfern auszubilden und bis zum Tod kämpfen zu lassen. Die Entwicklung vollzieht sich nun ziemlich schnell hin zu einem rentablen und relativ risikofreien System der Überlebenschancen, saftiger Belohnungen und letztlicher Freiheit.

    Literatur hierfür: M. Junkelmann, "Das Spiel mit dem Tod" (Standardwerk zur Gladiatur)
    Karl A. Weber, "SKlaverei im Altertum" (ein etwas älteres, aber gutes Buch)
     

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