Sozialdarwinismus

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von gameweb, 12. März 2014.

  1. hatl

    hatl Premiummitglied

    Auch der Antisemitismus wird sozialdarwinistisch begründet und zwar so:
    Der Jude als Rasse sei als solche ein Parasit anderer Völker und habe diesem Wesen (und einem angeborenen besonders hohen Selbsterhaltungswillen) seine Erfolge zu danken.
    Gleiches Kapitel.
    Der Antisemitismus Hitlers ist nicht nur einfacher Ausdruck sozialdarwinistischer Ansichten, sondern ein hervorgehobenes Zentrum dieser Vorstellungswelt.
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Der zentralste Punkt im Weltbild von Hitler ist Volk und Rasse (vgl. Jäckel, S. 97ff). Von diesem Aspekt heraus entwickelt Hitler über eine fehlerhafte Fundierung zentraler biologischer Begriffe seine "sozialdarwinistische" Sicht auf die Entwicklung von Rassen. Dabei ist dieser "Rassebgriff" noch zusätzlich stark durch "Kultur" determinisert und somit in sich bereits mehrdeutig. Hitler bettet dieses Konzept in die historische Entwicklung Europas ein.

    Hitlers Weltanschauung - Eberhard Jäckel - Google Books

    Dabei geht Hitler von der grundsätzlichen Prämisse des Kampfes des Menschen gegen den Menschen aus und propagiert die Überlegenheit des Siegers (vgl. Nolte, S. 505, Natur und Widernatur).

    Der Faschismus in seiner Epoche: Action française, Italienischer Faschismus ... - Ernst Nolte - Google Books

    Die unterschiedlichen Rassen erhalten dabei Eigenschaften, die sich unterschiedlich "wertvoll" machen. Und den "Ariern" weist Hitler in besonderem Maße die Fähigkeit zur "Kulturschöpfung" zu und dieses unterscheidet sie angeblich in deutlichem Maße von den "Juden", die aus der Sicht von Hitler keine Glaubensgemeinschaft sind, sondern eine "Rasse".

    Aufgrund der angeblichen, einzigartigen Fähigkeit der Arier, dem "Opfersinn, sind sie in der Lage gesellschaftlich und kulturelle Leistungen zu erbringen, die sie über andere Rassen angeblich erhöhen soll (vgl. Zentner, S. 141 ff, Kapitel: Weltanschauung und Völkermord)

    Adolf Hitler: Texte, Bilder, Dokumente - Christian Zentner - Google Books

    Aus der Sicht von Hitler, und hier kommt die sogenannte "Rassereinheit" ins Spiel, besteht die angebliche Gefahr in der Durchmischung von Rassen. Aus der Sicht von Hitler würde es bedeuten, dass die arische Rasse daduch ihre überlegenen Eigenschaften einbüßt.

    In diesem Sinne formuliert Zehnpfennig die Frage, warum Hitler die Juden ausrotten wollte: "Siegen die Juden, so hat es mit dem Kampf auf Erden ein Ende; alles ist dem Untergang geweiht. So sind sie der töglichste Feind der Menschheit." (Zehnpfennig, S. 242)

    Adolf Hitler: Mein Kampf: Weltanschauung und Programm - Studienkommentar - Barbara Zehnpfennig - Google Books

    Und Hitler radikalisiert aus dieser Überzeugnung heraus seine Haltung gegenüber den Juden bis hin zur Durchführung der "Endlösung" als finale sozialdarwinische Maßnahme.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. März 2014
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  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Bei Wehler findet sich eine sehr hilfreiche Darstellung der Bedeutung des Sozialdarwinismus im DR (DGG, Bd. 3, S. 1081). Er ordnet diese Sicht zum einen einem naturwissenschaftlichen modernen Weltbild zu, eingebettet in einen tendenziellen säkularen Trend, aber spricht ihr ebenso eine gesellschaftspolitische Relevanz in der wilhelminischen Klassengesellschaft zu.

    Der Sozialdarwinismus diente dabei primär der ideologischen Stigmatisierung der "Arbeiterklasse", die anders als die Mittel- oder die Oberschicht den sozialen Aufstieg noch nicht geschafft hat. Und wurde als Beleg interpretiert, für ihre politische Unreife für politische Verantwortung.

    In diesem Sinne schreibt Wehler: "Dass der Sozialdarwinismus an erster Stelle die Oberklassen ideologisch gestützt hat, wird auch durch den internationalen Vergleich, etwa mit England und den Vereinigten Staaten, bekräftigt." (ebd, S. 1085).

    Der Sozialdarwinismus und auch der Antisemitismus (vgl. Dreyfuss-Affäre) sind empirisch absolut keine spezifisch deutschen Ideologien. Aber sie stellten bereits 1933 wirksame Sichtweisen dar, auf die Hitler effektiv aufbauen konnte.

    Hitler hat, wie bei vielen anderen Themen oder Ideologien, lediglich bereits vorhandene Ideologien zu einem Amalgam zusammengefaßt. Wobei es unter Historikern und Politologen strittig ist, ob sein "Gedankengebäude" aus "Mein Kampf" als Ideologie zu bewerten ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. März 2014
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  4. michaell

    michaell Aktives Mitglied

    Wichtiger Punkt. Für die Verbreitung sozialdarwinistischer Ideen im angelsächsischen Raum kann man auf Herbert Spencer und Francis Galton verweisen.

    Spencer war wohl der populärste Philosoph des viktorianischen England und war überzeugt, dass die Entwicklung menschlicher Gesellschaften denselben evolutionären Gesetzmäßigkeiten folgten wie die Entwicklung biologischer Syteme.

    Galton, ein Cousin Charles Darwins, prägte 1883 den Begriff Eugenik und propagierte u.a. eine Gesetzgebung, die (durch finanzielle Anreize) die Fortpflanzung "hochwertiger" Individuen fördern sollte.
     
  5. JanH

    JanH Gesperrt

    Eugenik ist eine globale und immer noch aktuelle Denkweise, nur hat sie mittlerweile andere Formen.

    Angefangen hat es mit Linné und populär wurde es durch Darwin. Zunächst fand es Anwendung in der Kriminologie (da gab es bspw. das Museum von Cesare Lombroso), jedoch wurde der Wunsch der Wissenschaftler aus aller Welt immer stärker, den Lauf der Evolution mit den sozialen Entwicklungen zu synchronisieren. Die damaligen Genetiker waren der Auffassung, dass man den Eingriff in die Natur, die Stärkung der Schwachen (darunter kann man z.B. medizinische Errungenschaften, aber auch helfende Toleranz für geistig Behinderte verstehen), wieder durch "soziale" Maßnahmen (deswegen Sozialdarwinismus) zu "korrigieren".

    In den '20er Jahren fingen die ersten Politisierungen, in Form von neuen Arbeitsmethoden in der Krimologie an; Verurteilte wurden akribisch auf ihre somatischen Eigenschaften hin vermessen und eingerastert.

    Die Genetiker-Kongresse in Edinburgh zeigen sehr deutlich, dass diese Ideologien alles andere als "typisch Deutsch" oder "typisch Nazis" sind/waren. Es war vor allem der damalige Geist der Naturwissenschaften.

    Das, was die Nazis mit der Eugenik bzw. dem Sozialdarwinismus anstellten, gefiel den anderen Ländern.


    Und heutzutage? Ich behaupte, wir befinden uns in einem neuen Zeitalter der Eugenik. Unsere technologischen und medizinischen Bestrebungen tendieren allesamt zu der Schaffung einer perfekten Spezie, frei von gänzlichen Mängeln. Unsere gesamte Gesellschaft befindet sich in einem immanenten Optimierungswahn - sei es nun in sozialen Netzwerken, im Aussehen, in der Industrie durch effizientere Prozesse und Prozessmittel, in der Gesundheit durch bessere medizinische Versorgung, bei den Geburten durch PID/IVF oder in Lebens-fundamentalen Bereichen wie unserem Gehirn, Herz, Genen oder gar dem Wetter und Klima durch Elektronisierung, Synthese und/oder Chemie. Die Devianz soll nicht mehr vorhanden sein - von Dissidenz bei der immer greifbareren Überwachung und Kontrolle mal nicht gesprochen...

    Menschen lernen aus Fehlern, wenn sie geschehen sind - nicht jedoch haben sie gelernt, diese zu vermeiden.

    Wir rollen da auf etwas sehr Unangenehmes zu, blind in unserem ständigen Belangen nach Mehr, Perfektion und Komfort. Wir spielen Gott.



    PS: Diese PowerPoint-Präsentation regt zum Nachdenken an, egal, ob man ihr zustimmt/versteht, was sie meint oder nicht → http://panindigan.tripod.com/depopmotives.ppt
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Mai 2014
  6. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Welche Gedanken zur Eugenik hat Linné veröffentlicht?
     
  7. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Mir fällt es nach Recherche gerade schwer, dir bereits in der Einleitung zu folgen: Bei Wikipedia zum Stichwort wird Carl von Linnée nicht unter den Vordenkern aufgeführt (Eugenik ? Wikipedia), obzwar er wohl auch eine Art Rassentheorie entwarf: Rassentheorie ? Wikipedia. Aber daß VonLinnée deswegen eine eugenische oder zunächst sozialdarwinistische Denkweise vertritt, halte ich für kurzschlüssig und anachronistisch. Rassistische Theorien mögen älter sein, aber Eugenik definiert sich durch Maßnahmen zur "Erhaltung & Verbesserung der Erbanlagen einer bestimmten Fortpflanzugsgemeinschaft" (Monika Löscher, S.221).*
    Und auch wenn in "Sozialdarwinismus" der Name des als für die Evolutionstheorie bedeutenden Charles Darwin steckt, so habe ich mich persönlich noch nicht so sehr davon überzeugen können, daß Darwins Theorie einen Sozialdarwinismus nahelegen muß (vgl. Sozialdarwinismus ? Wikipedia).

    * Vorreiter der Vernichtung?: Eugenik, Rassenhygiene und Euthanasie in der ... - Google Books

    Der Hinweis auf die Kriminologie ist durchaus weiterführend. In einer historischen Anthologie zum Borderlinesyndrom bin ich auf folgende Bemerkung gestoßen: "Lombroso (1870) found it useful to describe certain cases of criminality as occupying the border between madness & normality, since the idea of considering a criminal to be normal, simply because he was not delusional, was repugnant to Lombroso" (Michael Stone, 1986, pg.5 f) - es mag abstoßend (repugnant) erscheinen, aber Tatsache ist wohl, daß Kriminalität letztlich ein Problem der Legalität ist und diese nicht immer konform mit Normen verlaufen; mögen Gesetze auch Normativität explizieren, so ist mindestens soziohistorisch betrachtet doch immer eine gewisse Ungleichzeitigkeit zu berücksichtigen. Das Zitat von Caesare Lombroso aus dem 19. Jh. markiert in gewisser Weise die Medikalisierung dieses Problems, wenn mit ihm die konzeptuelle Einführung der Vorstellung des "geborenen Kriminellen" verbunden werden kann (z. B. Richard Wetzell, 2009, S.275). Solche Auffassungen zur Soziopathologie fanden auch außerhalb Deutschlands anklang.

    Michael H. Stone, Essential Papers on Borderline Disorders: One Hundred Years at the BorderState. University of New York Press, 1986
    R. Wetzell, Psychiatry & Criminal Justice in Modern Germany, 1980-1933. Journal of European Studies 39 (2009),pp.270-289


    Welchen Kongreß meinst du? Ich finde Informationen zu einem 7. Internationalen Kongreß in Edinburgh für 1939 ( Eine kurze Geschichte der Genetik - Rolf Knippers - Google Books) oder ansonsten über einen Kongreß "für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik" in Berlin von 1927 (ebd., S.52). Du meinst wahrscheinlich erst genannten, wo ein Manifest veröffentlicht wurde: Trug die Evolutionstheorie zur NS-Ideologie bei? | hpd
    Es wäre aber verharmlosend, die Tatsache der rassenhygienischen Maßnahmen, die in Dritten Reich erfolgten, herunterzuspielen.
    Die deutsche Psychiatrie arbeite durchaus der Eugenik zu:
    So war ich kürzlich auf die Arbeit von Charlotte Junk gestoßen, die nicht nur Verbindungslinien von Kraeplins Lehrbuch "Rassenhygiene" als unübersehbar ansieht (S.65). Sie referiert auch wenig bekannte Hintergrundinformationen über eine nationalsozialistische Maßnahme direkt im Anfang der 1940er Jahre zur "T4" genannten Eutanasiezentrale, die in kürzester Zeit das Ziel ihrer Tötungskapazität von 70 tausend lebenunwerten Belastungsexistenzen (in sozialhygienischer Terminologie formuliert) erreichte (S.70), deren Effizienz fast als vorbereitende Voraussetzung für die Beschlüsse der Wannseekonferenz zum eliminativen Antisemitismus angesehen werden könnten. Tatsächlich entnehme ich Charlotte Jung die an späterer Stelle (S.74) nicht näher ausgeführte Information, daß Kurt Schneider bis 1945 im "Geheimauftrag der SS" arbeitete und der den Lehrstuhl der Heidelberger Uniklinik "erbte", nach dem sein Lehrer Carl Schneider, wiederum Obergutachter des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms, nach WK II sich in Haft umgebracht hatte.

    http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2006/2711/pdf/JurkCharlotte-2006-02-13.pdf - Dissertation (2005)
    ________________

    Deine Rede zum "neuen Zeitalter der Eugenik" fällt in die Zeitgeschichte und ist kein Diskussinsthema in diesem Forum, auch wenn sich darauf hinweisen läßt, daß bioethische Theorien oder Soziobiologie durchaus in sozialdarwinistischer Tradition stehen dürften. Aber was du schreibst klingt doch sehr nach meinungspolitischem Statement ohne historische Perspektive.
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Smalltalk und Trollereien von JanH gelöscht. Thema ist wieder offen.
     
  9. JanH

    JanH Gesperrt

    Die Löschung des irreführenden Kollektiv-Geschwurbels ist absolut berechtigt, nicht aber meine außergewöhnlichen Zitierungen... wenn man - als Beitragender in einem Thread zum Thema Sozialdarwinismus - nicht einmal weiß, was die Edinburgh-Kongresse sind (und ich würde mich damit nicht einmal Experte nennen), dann sollte man lieber dem anderen zuhören, anstelle auf sein Profil zu pochen...
     
  10. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Warum kann ich nicht so klug sein wie Du Dich fühlst ?:rofl:
     
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  11. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Nicht nur deine Beiträge wurden gelöscht, auch ein ziemliche längerer, wofür ich gar in einer Bewertung mit "sachlich geblieben" gelobt wurde, und ich jetzt nur einen blassen Schimmer von habe, wie mir das gelungen war. (Ich erinnere mich, daß ich auf das Überlebenden-Syndrom hinwies, daß dt. Gerichtsgutachter trotz Wiedergutmachungsgesetzen nicht anerkennen wollten.) Ich hatte auch gerade, als der Thread geschlossen worden war, eine weitere Antwort abschicken wollen, die ich mir ebenfalls nicht als Kopie gespeichert habe. Sowenig mich die Löschung erfreute, so wenig bin ich glücklich damit, daß der Thread dann doch wieder geöffnet wurde ...

    Wie dem auch sei, um die Gefahr erneuten "Kollektivgeschwurbels" zu reduzieren und die inhaltliche Diskussion oder Bereitstellung von Informationen anzustoßen, und du es denn auch ansprichst, stelle ich meine Frage:

    Edinburgh-Kongresse oder der eine Edinburgh-Kongreß im Jahr 1939?
    Wie gesagt, ich hatte Informationen zu dem einen Kongreß in Edinburgh finden können:
    Ursprünge, Arten und Folgen des Konstrukts "Bevölkerung" vor, im und nach ... - Google Books
    In Berlin fand er 1927 statt.

    Es gab auch Int. Eugenik-Kongresse: 1. 1912 (London), 2. 1921 & 3. 1932 (New York)

    Was den Kongreß in Edinburgh betrifft: dt. Wissenschaftler waren wegen des bevorstehenden Kriegsausbruchs zurückberufen worden, näheres dazu auch hier:
    Die Internationale der Rassisten: Aufstieg und Niedergang der ... - Stefan Kühl - Google Books
     
  12. JanH

    JanH Gesperrt

    Okay, lasst es uns friedlicher angehen. :)

    @Dieter: Bzgl. meiner Absicht. Es geht mir erst einmal um nichts weiter als darum, die Rolle der Deutschen bei der Ideologie (!!) des Sozialdarwinismus zu relativieren. NICHT - und hier fett markiert, weil das so verstanden wurde - darum, die Rolle der Deutschen bei der Ausübung bzw. Politisierung der Ideologie des Sozialdarwinismus zu relativieren. Niemals würde ich "unsere" Taten anzweifeln wollen, aber um zu verstehen, was hinter den Taten steckt, sollte man m.E. wissenschaftlich und nicht emotional vorgehen; was unweigerlich dazu führt, bei der Ideologie nicht primär die Deutschen, sondern die Verbündeten der dt. Wissenschaftler zu sehen.

    @Muspilli: Ich meine die internationalen Genetiker-Kongresse, die aber nicht nur in Edinburgh, sondern auch u.a. in NY, Stockholm, Berlin, Moskau stattfanden, bei denen "eine Elite von etwa 600 Forschern und Denkern" (Wissenschaftlicher Rassismus, Seite 369) beiwohnte.

    Diesen Aspekt sollte man einfach beachten bei der Sozialdarwinismus-Debatte - eine Missachtung dessen läuft in Gefahr, hier zu kurz zu fassen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Mai 2014
  13. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Bedeutung lt. Duden: relativieren - zu etwas anderem in Beziehung setzen und dadurch in seinem Wert o. Ä. einschränken

    Das bedeutet, Du möchtest sozialdarwinistischen Ansichten der Deutschen verharmlosen oder herunterspielen (Siehe Bedeutung relativieren), obwohl genau diese Ansicht über den deutschen Sozialdarwinismus für die meisten Neonazis international von wichtiger Bedeutung sind?

    Welche Ideologie meinst Du eigentlich?
     
  14. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Daß du anscheinend einen Edingburgh-Kongreß meinst, nicht mehrere, das hast du jetzt zugegeben, inhaltlich noch nicht - da schließe ich mich Köbis an.
    Der Artikel von Karl-Heinz Roth, auf den du hinweist, heißt: Paradigmenwechsel der klassischen Genetik und seine Auswirkungen auf die Bevölkerungsbiologie des 'Dritten Reiches'.
    Welche Auswirkungen diese Ideologie in der deutschen Geschichte hatte, worauf ich mit meinem Beitrag #31 hinwies, sollte man bei der Diskussion beachten. Eine Mißachtung dieser Tatsachen liefe Gefahr, zu kurz zu fassen oder worum es auch geht: liefe darauf hinaus, diese zu relativieren.
     
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  15. Maelonn

    Maelonn Gesperrt

    Es hat niemand behauptet, dass die Deutschen den Sozialdarwinismus "erfunden" hätten. Im Sinne der Ausgangsfrage ist das auch völlig irrelevant. Es geht um die Frage, ob Sozialdarwinismus ein kennzeichnendes Merkmal der deutschen Ausprägung des Faschismus ist. Die Antwort auf diese Frage muss lauten: Ja!

    Dass auch Theorien, die in anderen Weltgegenden entwickelt wurden, "sozialdarwinistische" Merkmale aufweisen (oder aufzuweisen scheinen), besagt nichts über den Nationalsozialismus. Ein Beispiel ist weiter oben genannt worden:

    Gegen die so zitierte Aussage von Spencer ist nichtmal etwas einzuwenden. Gegenwärtig hoffen zum Beispiel viele Menschen in aller Welt, dass sich die Demokratie mittelfristig als leistungsfähiger und überlebensfähiger erweist als die vielen Formen von Diktatur.

    Hier tut sich allerdings der zentrale Unterschied zwischen Spencer und den Nazis auf:

    Spencer hat zwar irgendwann auch irgendwelchen Unsinn über "Degeneration" als Folge von ethnischer Mischung geschrieben, er ist aber letztlich immer entschieden dagegen eingetreten, dass der Staat in den Prozess der "Evolution von Gesellschaften" eingreift.

    Die Nazis haben das ganz anders gesehen: Sie haben sich selbst zum Selektionsinstrument aufgeschwungen, um in direkter Konfrontation zwischen Individuen und Gesellschaften das von ihnen pervertierte Darwin´sche Prinzip "Survival of the fittest" durchzusetzen.

    Die Nazis waren so ziemlich die einzigen, die das zur Legitimation für ungezügelte kollektive Gewalt erhoben haben. Welchen Erkenntnisgewinn bringt es also, wenn jemand nachweist, dass anderswo irgendwelche Denker Dinge gesagt haben, die sozialdarwinistisch oder rassistisch waren?

    MfG
     
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  16. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Am theoretischen Fundament des Sozialdarwinismus haben zahlreiche internationale Wissenschaftler über eine lange Zeitspanne hinweg mitgewirkt. Es blieb allerdings den Nationalsozialisten überlassen, die Ideen zu pervertieren und daraus ihre menschenrechtswidrige Rassenideologie zu zimmern, mit allen bekannten Folgen.

    Was an diesen sattsam bekannten Tatsachen noch "issenschaftlich" zu klären wäre, erschließt sich mir nicht ganz. Es gibt eine gewaltige Zahl von Publikationen, die ausführlich dargestellt haben, dass zentrale Elemente der NS-Ideologie aus Quellen stammen, die sich auf den Darwinismus berufen (Gobineau, Chamberlain u.a.).
     

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