Spanisches Namensrecht

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Kassia, 23. Januar 2008.

  1. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Angeregt durch den Thread zur Inquisition / Integration durch Konvertierung, kam ich auf die Ursprünge des spanischen Namensrechtes. Quijote und ich haben das schon etwas per PN erörtert, kommen aber nicht ganz weiter.
    Heute ist es so, daß die Spanier / innen jeweils einen Namen vom Vater und einen von der Mutter bekommen, einer davon wird dann jeweils an die Kinder weitergegeben. Stammt dieses Verfahren aus Zeiten der Rechristianisierung Spaniens, als man Jüdische Vorfahren kenntlich machen wollte? Wenn hier zu Lande jemand Rosenthal heiß (nur so als Beispiel) denkt man schnell an jüdische Vorfahren, ähnlich war das in Spanien auch. Allerdings wollte man verhindern, daß man sich durch Heirat davon befreit, indem man einfach nur den Namen des Mannes annimmt, so habe ich mal gehört, weiß aber nicht mehr genau in welchem Zusammenhang und in welche Zeit das gehört.
    Wer hat welches Recht gesetzt?
    Wann war das?
    Warum / wozu war das so?

    LG Kassia
     
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  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Um das im fiktiven Bsp. zu verdeutlichen:
    Gemeinsame Kinder von Manuel García Gómez und Isabel Urbano Velázquez würden den Nachnamen García Urbano tragen. Bei außergewöhnlichen Namen macht man auch Ausnahmen. Da kann dann schon mal der zweite Nachname des Elternteils anstelle des ersten Nachnamen des Elternteils in den Nachnamen des Kindes übergehen.

    Mit dem einen Unterschied: während die askenasischen Nachnamen meist in jiddischer Sprache (also eigentlich einem mittelhochdeutschem Dialekt) geformt waren, trugen die Sepharden (von Sefarad, dem hebräischen Wort für die iberische Halbinsel) meist einen hebräischen Namen und manchmal zusätzlich einen arabischen bzw. romanischen Namen.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    In der spanischen Wikipedia steht folgendes:

    Apellido - Wikipedia, la enciclopedia libre

    En el portugués se usa el mismo sistema, pero los apellidos se invierten... - im Portugiesischen benutzt man das gleiche System, aber die Namen werden umgekehrt (also statt erster Vaternachname + erster Mutternachname erster Mutternachname + erster Vaternachname).

    Es werden noch weitere Nachnamensbildungen erwähnt, nach Toponymen etc. aber das stellen wir hier mal ad acta.
    Speziell zum Thema hier heißt es:

    Einige zusammengesetzte Nachnamen, wie San Basilio, San Huan etc., im allgemeinen alle Nachnamen die mit San, Santa oder Santo beginnen, entstanden unter anderem in den Zeiten der Spanischen Inquisition, als Sepharden, Zigeuner und andere Ethnien fliehen mussten und ihre Nachnamen ändern mussten.

    Es ist logische, dass solche Kryptonamen nur funktionieren, wenn sie nicht direkt wieder darauf verweisen, dass es sich hier um Nichtkatholiken handelt, daher steht wohl im Text auch die Abschwächung "entre otros casos" was ich mit "unter anderem" übersetzte.
     
  4. Sandrinha

    Sandrinha Neues Mitglied

    Wie ist es den alten Namen wieder anzunehmen.rechtlich jetzt als sephardin?
     
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  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es gibt ja praktisch keine jüdische Kontinuität in Spanien. Nach 1492 wurden alle Juden zwangsausgewiesen und danach sukzessive die Christen mit jüdischen Wurzeln verfolgt und ausgewiesen oder ermordet. Es gibt zwar die These, dass Menschen, deren Namen auf [de + Stadt] lautet, jüdische Vorfahren haben, so ist z.B. aus Schlomo ben Jitzchaq ha-Levi nach der Taufe Pablo de Santa María geworden (als solcher war er Bischof von Cartagena und Burgos), sein Sohn war Al(f)onso de Cartagena, Bischof von Burgos. Aber die beiden lebten vor der Zwangsausweisung der Juden und der Verfolgung der Neuchristen als Kryptojuden. Der Name [de + Stadt] war immer ein gutes Indiz (Indiz, nicht Beweis) für die Inquisitoren, dass jemand jüdischer Herkunft war. Rodrigo de Triana, der Mann, der am 12. Oktober 1492 im Ausguck von Kolumbus' Flagschiff Santa María saß, wird aufgrund seines Nachnamens auch immer mal wieder als Jude gehandelt. Aber es kann auch einfach sein, dass seine Eltern unbekannt waren. (Triana ist heute ein Stadtteil von Sevilla). Sprich, es müssten wenn, Leute aus Nordafrika, Griechenland oder der Türkei, die Ladino/Ḥākītiyā sprechen, bzw. seit etwa 1820 nach Lateinamerika oder seit 1848 nach Israel ausgewandert wären und ihre "Nachnamen" behalten hätten, in Spanien einwandern. Es dürfte sehr unwahrscheinlich sein, dass von in Spanien geblieben Nachkommen jüdischer Familien noch irgendwelche Erinnerungen an den sephardischen "Nachnamen" existierten, sofern den entsprechenden Familien überhaupt ihre sephardische Herkunft bekannt wäre.
     
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  6. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Vor einigen Jahren gab es in Spanien eine Diskussion, ob man den Nachfahren der nach 1492 ausgewiesenen Juden die spanische Staatsbürgerschaft auf Antrag verleihen sollte. Wie der derzeitige Stand der Diskussion oder Rechtslage ist, habe ich noch nicht nachgesehen. Aber es gibt einen Artikel in einer spanischen Tageszeitung, ind eine Liste mit 5220 Nachnamen erscheint. Das sind die Nachnamen der damals ausgewiesenen Juden, deren Nachfahren die spanische Nationalität wieder beantragen können.

    Si su apellido está en el siguiente listado, usted podría obtener nacionalidad española | ELESPECTADOR.COM
     
  7. Sandrinha

    Sandrinha Neues Mitglied

    Die Liste beinhaltet beide meiner Nachnamen...aber in der Familie ist überliefert das wir vorher Levi hiessen.aber ich weiss nicht wie ich jetzt vorgehen sollte.Danke fuer die antworten.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du kannst ja zum Standesamt oder zum Padrón Municipal gehen und einen Antrag auf Namensänderung stellen. Die Namen in der Liste sind aber nicht spezifisch jüdisch, es sind spanische Namen, die sich wahrscheinlich in den Registern wiederfinden, welche vermutlich bei Ausweisung angelegt wurden. Manche sind noch heute in Spanien üblich, andere wirken eher muslimisch inspiriert. Die Namen sind also kein Beweis dafür, dass du jüdischer Herkunft wärest. Nach orthodox jüdischer Auffassung wärest du natürlich nur dann jüdisch, wenn du in ungebrochener Linie mütterlicherseits jüdische Vorfahren hast.
     

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