Staatsschulden und Modern Monetary Theory.

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von thanepower, 26. Februar 2021.

  1. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Hätte da eine "spontane" Frage. Im Forum "Freiburger Diskurse" findet sich folgende Darstellung.

    freiburger diskurse: freiburger diskurse

    "die Aufregung war groß, als Kanzleramtsminister Helge Braun vorschlug, die Schuldenbremse für ein paar Jahre auszusetzen. Er musste zurückrudern und twitterte eine Liebeserklärung an die schwarze Null. Trotzdem war es ein bemerkenswerter Vorstoß. Findet ein Umdenken in unserem Land statt - weg von den starren Schuldenregeln? Ist dies notwendig? Oder ist es gefährlich?

    Viele Menschen sind verunsichert und besorgt. Was machen wir bloß mit den gigantischen Corona-Schulden, fragen sie sich.

    Diese Sorgen sind unbegründet, sagt die „Modern Monetary Theory“ (MMT). Denn im Zweifel werden die Staatsschulden von der Zentralbank übernommen, ohne dass es je zu einer Rückzahlung der Schulden kommen muss – zum Schaden von niemand."


    Ist diese Darstellung korrekt und umgehen wir so einer drohenden Inflation? Welche Sichten gibt es dazu? Mir erscheint diese "Problemlösung" durch die Zentralbank ein wenig zu einfach.
     
  2. schaf

    schaf Mitglied

    Eine Inflation der Vermögenswerte haben wir schon. Die Dinge des täglichen Bedarfs werden überwiegend nicht hier hergestellt. Da wird es keine Inflation geben. Die Zentralbank vergibt schon seit 2008 Kredite die niemals zurück gezahlt werden können. Sie müssen irgendwann erlassen werden. Vielleicht werden sie in eine Badbank übertragen, zinslos gestellt und irgendwann vergessen. Die Coronakrise spielt betragsmäßig keine wesentliche Rolle sondern ist nur "Peanuts".
    Wie lange das noch so weiter gehen kann ist eine interessante Frage ohne plausible veröffentlichte Antwort (der Wirtschaftsweisen oder von Professoren) ?
    Liste der Länder nach Vermögen pro Kopf – Wikipedia
    21 [​IMG] Deutschland 216.654 35.313 6.14
    13 [​IMG] Frankreich 276.121 101.942 2.71

    Das Medianvermögen in Frankreich ist wegen des Immobilinvermögens bereits dreimal so hoch wie in Deutschland.
     
  3. hacege

    hacege Mitglied

    Als bezüglich MMT bestenfalls interessierter Laie:

    Jein, weil zumindest etwas verkürzt.

    Ja, weil MMT im Kern eine alternative Geldtheorie ist, die Geld im wesentlichen als staatliches bzw. staatlich kontrolliertes Medium sieht. Staatliche Verschuldung ist in diesem Sinne auch nur ein Rädchen im Sinne einer ökonomischen Globalsteuerung, die - je nachdem welche Zwecke damit erfüllt werden können - eingesetzt werden kann. "Parken" von Schulden bei der eigenen Nationalbank - wie beschrieben - ist damit natürlich auch eine einsetzbare Option.

    Nein, weil diese "Refinanzierung über die Nationalbank" immer auch an Bedingungen gebunden ist. Auch in der MMT ist staatliches Finanzhandeln immer an die innerstaatlichen Ressourcen geknüpft (Anlagen, Rohstoffe, Arbeitskräfte). Mehr als diese hergeben, kann man auch mit unendlichen finanziellen Mitteleinsatz nicht aufkaufen. Versucht man es dennoch, erleidet die eigene Volkswirtschaft Schaden. Insofern ist auch im MMT-Rahmen einer "endlosen" Verschuldung Grenzen gesetzt.

    Nein, weil MMT Staaten als souverän über die von ihnen herausgegebene Währung sieht. Eine Tatsache, die seit Einführung des € allerdings in Europa für viele Staaten nicht mehr gilt.
     
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  4. schaf

    schaf Mitglied

    Aufgekauft wird erstmal nichts.
     
  5. hacege

    hacege Mitglied

    Dunkel scheint mir der Sinn...

    oder einfach:

    ?
     
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  6. schaf

    schaf Mitglied

    Die Zentralbank kauft nichts auf.
     
  7. hacege

    hacege Mitglied

    1.
    Meine Aussage bezog sich in diesem Falle auf den Staat - nicht die Zentralbank.

    2.
    Wenn die Zentralbank nichts aufkauft, was ist dann "Quantitative Easing"? Oder: Wie außer durch Kaufen ist dann z.B. die Fed in den Besitz US-amerikanischer Staatsanleihen gekommen?
     
  8. Clemens64

    Clemens64 Aktives Mitglied

    Der Staat, wenn er denn anders als im Euroraum die direkte Kontrolle über seine Zentralbank hat, kann nicht pleitegehen, weil die Bank seine Schuldtitel immer aufkaufen kann. Aber kann er deshalb beliebig viel, sagen wir, "unendlich" viele Schulden machen? Dadurch kommt ja beliebig viel, im Extrem "unendlich" viel Geld in die Hände von Unternehmen und Haushalten. Die werden einen Teil des vielen Geldes für reale Güter ausgeben wollen, und wenn die Produktion diese Güternachfrage nicht decken kann, gibt es Inflation. Eine Frage ist, wie schlimm das ist. Ich würde sagen: wenn die Inflation so hoch wird, dass Geld nicht mehr seine Funktion als Transaktionsmittel erfüllen kann, ist das schon schlimm. Eine andere Frage ist, ob das nicht ein Extremfall ist, von dem wir noch meilenweit entfernt sind. Mag sein, aber wenn die Leute denken (was sie im Moment überhaupt nicht tun), dass wir schön langsam auf diesen Extremfall hinsteuern, kann es schon recht früh passieren, dass sie lieber nicht das ganze Geld halten wollen, und dann gibt es schon recht bald eine kräftige Inflation.
     
  9. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Irgendwann kommt nach dem Gelddrucken die Inflation, aber das Problem ist zu wissen, ,wann es zu viel des Guten ist.

    Heutzutage haben wir freilich auch ein Phänomen, welches es nach der Neoliberalen Wirtschaftstheorie gar nicht geben und nach Keynes nur wenige Jahre, nämlich sparende Unternehmen. Nach Keynes muss der Staat die Schulden aufnehmen, wenn es die Unternehmen nicht tun. Nach der neoklassischen Theorie kommt dies nie vor, sondern der Staat nimmt den Unternehmen, jenes Geld weck welches diese investieren wollen.

    Jetzt haben wir die Situation, dass die Unternehmen seit Jahrzehnten nicht mehr Kredite aufnehmen und irgendwer muss das Ersparte aufnehmen. Entweder der Staat, die Unternehmen, die Privathaushalte oder das Ausland. In Deutschland macht es seit 2 Jahrzehnten das Ausland, ja bis diese bankrotieren, alles nicht sehr nachhaltig.
     
  10. Clemens64

    Clemens64 Aktives Mitglied

    Ich denke nicht, dass es irgendwelchen Annahmen der neoklassischen Theorie widerspricht, wenn Unternehmen ihre Verschuldung über längere Zeit immer weiter zurückführen, es ist halt nur untypisch.
    Übrigens ist das Ausland groß und wird sogar immer größer relativ zu Deutschland, das bankrottiert nicht so schnell.
    Aber es ist natürlich kein gutes Zeichen für die Perspektiven deutscher Unternehmen, wenn ihnen keine neuen Incestitionsprojekte einfallen.
     
  11. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    In immer mehr Ländern sparen die Unternehmen und wenn Bevölkerung und Staat das auch machen, haben wir eine Megawirtschaftskrise.

    Deswegen find ich, die Schwarze Null Ideologie der deutschen Regierung für gefährlich.
     
  12. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Diese Form der Darstellung existiert siet langem und ist letztilich nur einen eiteren Versuch dar, Informationen zu verschleisern, hier die Aufstellund des Nettokapitsals, d.h. inkl. von Ansprüchen auf Sozialleisstungen gegen den Staat. Dise Anspüche sind da, lasen sich aber ggf. nicht kaitalisieren.
     
  13. schaf

    schaf Mitglied

    Zwischen Frankreich und Deutschland gibt es keine signifikanten Unterschiede.
    Revenu de solidarité active
    Das Sozialrecht und die Sozialversicherung in Frankreich
    "Arbeitnehmer und ihre Arbeitgeber zahlen Beiträge für die Rente der Arbeitnehmer. Das französische Rentensystem beruht auf einem Umverteilungsprinzip: Die Beiträge der Berufstätigen dienen dazu, die den Rentnern überwiesenen Rentenbezüge zu bezahlen."
     

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