Ständeordnung im Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Gast, 19. März 2009.

  1. Gast

    Gast Gast

    hallo zusammen, ich schreibe morgen eine geschichtsklausur und habe folgendes problem:

    unser lehrer hat gesagt es gab im mittelalter 2 verschiedene ständegesellschaften einmal auf dem land und einmal in der stadt.

    ich habe im internet nachgeschaut und keine klare antwort gefunden. einmal wird der klerus als erste schicht dargestellt und einmal der adel:(

    ich bitte um klarheit

    vielen dank für eure hilfe mfg marco
     
  2. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Zunächst zwei Threads als Orientierungspunkte:
    http://www.geschichtsforum.de/f77/klerus-adel-und-landesherr-hilfe-25584/
    http://www.geschichtsforum.de/f51/sozialgruppen-einer-mittelalterlichen-stadt-14034/

    Grundsätzlich ist die dreigeteilte Ständeordnung wie folgt:
    Betende - Klerus - 1. Stand
    Kämpfende - Adel - 2. Stand
    Arbeitende - gemeines Volk - 3. Stand

    Wichtig ist dabei aber, daß der 3. Stand bereits im Mittelalter äußerst differenziert war: ein Bauer auf dem Land unterschied sich von Fall zu Fall deutlich von einem anderen Bauern, und von beiden wiederum unterschied sich bspw. wieder der Stadtbürger, wobei andererseits auch Stadtbürger nicht gleich Stadtbürger war.
     
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  3. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    In der Stadt ist die Schicht der Handwerker zu nennen. Auch wenn die meisten von ihnen - vor allem vor Gründung der Gilden - kaum Rechte hatten, so waren es keine Leibeigenen, was sie grndsätzlich von den meisten Bauern des Landes unterschied.

    mfg
     
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  4. Molinarius

    Molinarius Neues Mitglied

    Da in diesem Thread die Ausgangsfrage geklärt ist und die Arbeit des Fragenstellers auch vorbei ist,würde ich hier gerne eine neue Frage aufwerfen (bisschen off topic)!
    Mir ist nämlich aufgefallen,dass die mittelalterliche Ständeordnung(siehe Zitat) der indischen Kastenordnung stark ähnelt!
    Hier die Kastenordnung:
    1.Brahmanen= Vertreter des Geistlichen
    2.Kshatriyas= weltliche Macht,Adel,Krieger
    3./4. Vaishyas=Nährstand / Shudras=Knechte
    Mich würde interessieren,ob es da doch grössere Unterschiede gibt,die man beachten sollte?:winke:
     
  5. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Die Bauern kannst du im wesentlichen in zwei Gruppen unterteilen; die mit Land und die ohne, also all die Taglöhner und Knechte...

    Gruss Pelzer

    .
     
  6. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Eben so einfach nicht nur:
    Mein Beitrag zu Bauern, Freien, Unfreien, Grundherrschaft etc.
    Mein Beitrag zu Unfreien, Minderfreien, Leibeigenen u.ä.

    Wie in den Textstellen der verlinkten Beiträge angesprochen, waren alle mittelalterlichen Schichten und Stände äußerst inhomogen - man denke nur an den Ministerialadel im HRR, der sich aus dem Stand der unfreien Dienstmannen entwickelte, die zeitliche Entwicklung der Verknüpfung von Adel und Ritterbürtigkeit u. dgl. mehr, aber bspw. auch an die Differenzierung zwischen hohem Klerus (geistliche Reichsfürsten) und dem einfachen Priesterstand auf dem Land o.ä.

    Oder zielte Deine Frage eher auf die Unterschiede zwischen dem mittelalterlichen Europa und dem indischen Kastensystem?
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. März 2009
  7. Molinarius

    Molinarius Neues Mitglied

    Die Frage war eigentlich eher im Bezug auf die Unterschiede zw. Indien und Europa gemeint!Aber wie es aussieht herrscht anscheinend doch noch Gesprächsbedarf zum Thema mittelalterliche Ständeordnung in Europa!
     
  8. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Um dennoch kurz darauf einzugehen...

    1. Vaishyas und Shudras sind dabei voneinander zu trennen.
    2. Die vier Kategorien bezeichnen die Varna (svw. Hauptkasten); für die Kastenordnung sind die Jati (svw. Unterkasten) noch stärker relevant. Insgesamt spricht man mW von etwa 2000 Kasten (brit. Erfassung von 1881 zählte fast 2000 Kasten)
    3. Daraus ergibt sich zudem eine starke regionale Differenzierung, da die Handhabung nicht einheitlich ist.
    4. Die Bezeichnung "Kaste" ist mW eine Fremdbezeichnung - von portugiesisch casto ("keusch", "züchtig", "rein") -, welche gebraucht wurde, um eine Gesellschaftshierarchie zu beschreiben, welche man selbst (die Portugiesen) von zuhause nicht kannte.

    Anm.: Der Vollständigkeit halber wären übrigens als "Unterständische" für das mittelalterliche Europa noch die sogenannten Unehrlichen und die von der Ständegesellschaft Ausgeschlossene das "herrenlose Gesindel" (zeitgenössische Bezeichnung bspw. für Sinti und Roma) sowie als "Kastenlose" für das indische Kastenwesen die Parias/Dalits ("Unberührbare") zu nennen. Wichtig ist hier, um Unehrliche von Parias/Dalits zu unterscheiden, daß Erstgenannte ihre Stellung dem Beruf verdankten, welchem sie nachgingen, während Letztgenannte aufgrund ihrer Stellung nur als unrein angesehene Berufe ausüben durften bzw. z.T. dies noch heute gilt.

    Da ich zum indischen Beispiel aber bestenfalls einen Grobüberblick geben kann, mag einiges vereinfacht und/oder nicht endgültig korrekt sein.
     
  9. Molinarius

    Molinarius Neues Mitglied

    Danke timo für diesen kurzen Überblick!
    Doch mich würden wirklich markante Punkte interessieren,die die Hauptkasten in Indien von den Ständen Europas unterscheiden(falls es diese Punkte gibt)!
    Drei oder vier Punkte,die einen erheblichen Unterschied aufzeigen,würden mir schon reichen!
    Bis jemandem was einfällt heisst es wohl warten.:fs:
     
  10. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Wie bereits geschrieben, ist mein Wissen bzgl. des indischen Kastenwesens da eigentlich zu begrenzt.

    Auf die Schnelle deswegen lediglich folgende Charakteristika, soweit ich das alles verstanden habe:
    1. Die mittelalterliche Ständeordnung war in Europa doch relativ einheitlich - sprich: ein Adliger in Frankreich war auch bspw. im HRR als Adliger standesgleich anerkannt. Im indischen Kastenwesen kann es je nach Region differieren, ob bspw. ein Kshatriya andernorts ebenso als solcher anerkannt ist.
    2. Die mittelalterliche Ständeordnung markiert - was Adel und Gemeine angeht - einen Geburtsstand, der - trotz der nachweislichen Fälle sozialer Mobilität - oftmals nicht verlassen wurde, bzw. - im Fall des Klerus - einen erworbenen Stand. Im indischen Kastenwesen ist nicht Varna die "Geburtsgruppe" bzw. die soziale/familiäre Gruppe, welcher man angehört, sondern Jati - und innerhalb dieser ist die soziale Mobilität nicht hoch (wiewohl es bspw. während der britischen Kolonialherrschaft soziale Aufstiege ganzer Jatis gab).
    3. In der mittelalterlichen Ständeordnung war diese Ordnung sowohl als ideale Ordnung wie auch im Alltag immanent; im indischen Kastenwesen stellen die Varna die Idealordnung - die so in der Geschichte Indiens nie nachweisbar ist - dar, während die Jatis das tägliche Leben bestimmen.

    Von suedasien.info : Kaste und Kastensystem
     
  11. Molinarius

    Molinarius Neues Mitglied

    Danke timo!
    Du hast mir schon weitergeholfen,meine Frage wäre insofern beantwortet.
    Doch wenn es noch Diskussionsbedarf gibt,schreibt mich nur so mit eurem Wissen voll!:D
     
  12. savehistorie

    savehistorie Neues Mitglied

    Grundsätzlich ist die dreigeteilte Ständeordnung wie folgt:
    Betende - Klerus - 1. Stand
    Kämpfende - Adel - 2. Stand
    Arbeitende - gemeines Volk - 3. Stand

    so kenne ich dass auch und so haben wir es auch gelernt.

    was anderes kenne ich nicht.

    ich hoffe, es hilf dir weiter

    lg
     
  13. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Wenn soziale Mobilität zwischen den Unterkasten kaum möglich ist, dann müsste sie zwischen den 4 Hauptkasten doch noch unwahrscheinlicher sein. Damit wäre doch wieder eine starke Ähnlichkeit zu den Ständen gegeben. Oder liegt bei mir ein Denkfehler vor?
     
  14. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Wieder unter der Einschränkung "soweit ich es richtig verstanden habe"...

    1. Die soziale Mobilität der Jatis ist durchaus möglich, nur nicht allzu häufig oder gar regelhaft.
    2. Varna ist ein Status, welcher bspw. durch den sozialen Aufstieg einer Jati beeinflußt wird, aber eben bspw. von einer Jati, welche diesen Status bereits besitzt, zurückgewiesen werden kann.
    3. Was den mittelalterlichen Ständen ähnelt, sind also nicht die Varna, sondern die Jatis - und auch dies eher im Sinne von Großfamilie, Clan o. dgl.
     
  15. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

  16. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    So habe ich es jedenfalls verstanden - was wie erwähnt aber nicht endgültig stimmen muß.
    Die Seite bpb.de - Indien - Größte Demokratie der Welt - Das Kastenwesen deckt sich inhaltlich übrigens mit der von mir bereits zitierten Seite suedasien.info : Kaste und Kastensystem
     
  17. AndreasMeyer

    AndreasMeyer Mitglied

    In Plato's Politeia finden sich auch Ansaetze von Staenden - Waechter, Helfer und diejenigen, die sich wirtschaftlichen Taetigkeiten hingeben. Begruendet wird das mit der Dreiteilung der Seele:
    - Waechter / Verstand
    - Helfer / Wille-Mut
    - wirtschaftliche Taetigekeiten / Appetit
     

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