"Störtebeker" (ARD)

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Mittelalter" wurde erstellt von Pirat, 17. April 2006.

  1. Pirat

    Pirat Gast

    Lohnte es sich, den Film aus historischer (!) Sicht anzusehen ??
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nein, definitiv nicht. Selbst die gängigen Legenden wurden nur unvollständig wiedergegeben, dafür neue Geschichten hinzuerfunden. Und außerdem... seit wann gehörte Bruder Tuck zu den Vitalienbrüdern?
     
  3. daimos

    daimos Neues Mitglied

    DAS hat die ARD gesendet?! Den sollte man wirklich die GEZ-Gebühren streichen. Dafür sollen sie gefälligst mal was Ordentliches senden und keine Telenovelas. :fs:
     
  4. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Bin ich froh, dass ich mir diesen Film nicht angetan habe.
     
  5. Roxane

    Roxane Neues Mitglied

    Ich auch, soll ja ziemlich schlecht gewesen sein, hat mir zumindest ein Bekannter erzählt, mit der Bemerkung, "hätte meine Zeit auch sinnvoller verbringen können!" Sagt ja wohl alles.

    Habe dafür gestern den "göttlichen Michelangelo" gesehen. Das war mit Sicherheit eine bessere Entscheidung.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Naja, ich hab´s halt nur am Rande verfolgt, beiden Folgen nur teilweise gesehen. Wie "Bruder Tuck" in der Störtebekerverfilmung hieß, weiß ich nicht, aber es war eben eine entsprechende Rolle: ein den erlaubten fleischlichen Genüssen nicht abgeneigter Mönch (wie die Körperform verriet) und dabei recht kampftüchtig.
     
  7. Arne

    Arne Premiummitglied

    Ich habe in der Fernsehzeitung gelesen, daß so gut wie gar nichts historisch belegt ist und sich die ganze Handlung somit zwischen "frei erfunden" und "Legende" gewegt. Also hätte man genauso ET angucken können.
    Allerdings schlimmer als "Brothers Grimm", den ich mir heute antat, konnte der Störtebecker auch nicht gewesen sein. Der hatte mit den historischen Brüder Grimm auch nichts zu tun. Nur Namen, Handlungsort und -zeit. :autsch:
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ja. Aber genau das wenige, was belegt ist und die traditionellen Erzähllinien der Störtebeker-Legenden wurde(n) entweder gar nicht, oder total verzerrt wiedergegeben.
     
  9. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Es ist sehr schön, dass wir alle der gleichen Meinung sind.:yes: Warum ist es den Filmschaffenden nicht möglich einen historisch korrekten Film herzustellen. Ist die Wirklichkeit so wenig unterhaltsam?:confused:
     
  10. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Naja, vielleicht weil es den TV-Machern nur um die Quote geht.

    Action, Abenteuer, Herzschmerz - das ist schon seit jeher der Stoff, aus dem die Träume sind.

    Historische (oder besser: Pseudohistorsche) Filme haben für die Filmschaffenden den gravierenden Nachteil, dass sie sich an geschichtliche Fakten halten müssen. Naja, sagen wir besser: "müssten".

    Bei Störtebeker kommt da natürlich der für die TV-Leute unbezahlbare Vorteil hinzu, dass wenig über ihn bekannt ist und sie sich deshalb jede Menge Quatsch selbst ausdenken und hinzufügen können.

    Zudem richtet sich der Zweiteiler auch nicht an Historiker und Mitglieder des Geschichtsforums, sondern an eine breite Masse, die unterhalten werden möchte. Also sollten wir dieses "Kunstwerk" auch entsprechen bewerten und nicht zu ernst nehmen - das ist es nicht wert.

    Grüße,

    Jacobum
     
  11. Marbod

    Marbod Neues Mitglied

    Jetzt mal völlig losgelöst von der historischen Authentizität des Zweiteilers, der war auch vom Rest her einfach nur schlecht!

    Ich hab mir mit meiner Frau aus Ermangelung eines erträglichen Filmprogramms am Samstag tatsächlich den ersten Teil vom "(ver)störten Becher" angeschaut. Die Kulissen und auch die Kostüme waren ja noch nett anzuschauen, aber wahrscheinlich hat man da soviel Geld ausgeben müssen, dass man sich anständige Schauspieler nicht mehr leisten konnte!
    Geschweige denn einen guten Drehbuchautor, oder einen anständigen Waffenlehrer und Choreographen. Da macht der junge Störtebecker doch tatsächlich in Jackie Chan Manier einen Salto über seinen dicklichen Bruder Tuck... muß sowas sein? Ist das gute Unterhaltung? Will der Zuschauer sowas wirklich sehen?
    Abgesehen davon waren einige Dialoge bzw. Szenen im ersten Teil ziemlich offensichtlich von anderen Filmen abgekupfert, sogar vor Braveheart scheute man nicht zurück. Es war einfach nur grauselig, da sind ja sogar die peinlichen RTL-Produktionen besser!
     
    El Quijote gefällt das.
  12. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Jacobum,

    ich glaube schon, dass die Wirklichkeit so interessant ist, auch bei Störteker, dass man eigentlich nichts dazudichten muß und man erhält doch eine interessante Geschichte.
    Meiner Ansicht nach stehen die historischen Begebenheiten und eine spannende Geschichte nicht im Gegensatz. :grübel:
     
  13. Gast

    Gast Gast

    Man darf die Störtebeker-Verfilmung nicht allzu harsch beurteilen, denn sie sollte doch nur leichte Unterhaltung für ein breites Publikum sein, keinesfalls aber eine historische Dokumentation. Das ginge auch nicht, denn die reinen Fakten sind überaus dürftig. Störtebeker taucht urkundlich kaum auf und man weiß eigentlich nur, dass er bei den Vitalienbrüdern war, in Friesland Unterschlupf fand, eine Seeschlacht gegen die Hansestädte vor Helgoland verlor und schließlich in Hamburg mit weiteren 70 Piraten geköpft wurde. Alle weiteren Daten – Herkunft, Familienstand, Aussehen usw. – sind gänzlich unbekannt und nur sagenhaft. Einen echten historischen Film kann man daraus nicht machen, jedenfalls keinen, der auf Einschaltquoten kommt.

    In diesem Sinn muss man den Drehbuchautoren allerdings vorhalten, dass sie noch nicht einmal bekannte Störtebeker-Legenden thematisiert haben, abgesehen von der Schlussszene, wo der geköpfte Klaus noch mehrere Meter weit läuft.
     
  14. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Hallo Heinz,

    ich stimme Dir voll und ganz zu. Leider haben die Filmemacher eben vorwiegend Unsinn hineingedichtet. Mit etwas Mühe hätte man eine gute Geschichte daraus machen können - gerade weil es so wenig Überliefertes zu KS und damit wenig Beschränkungen gegeben hat.

    Dass historische Begebenheiten und spannende Geschichten nicht im Gegensatz zueinander stehen sieht man ja daran, dass es auch gut gemachte historische Filme gibt.

    Grüße,

    Jacobum
     
  15. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Hallo miteinander,

    dann kommen jetzt auch noch meine 2 Cent dazu... :fs:

    Wie einige bereits aus Diskussionen im Unterforum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wissen, kann ich Argumente wie "Unterhaltung für ein breites Publikum", "zu wenig bekannt" oder "kaum jemand weiß etwas drüber" nicht mehr hören bzw. lesen.

    Ich konnte mir die beiden Teile nicht ganz antun, weil ich es schon nach wenigen Minuten einfach nur haarsträubend fand...
    Bezüglich der Korrektheit bin ich ganz auf Seiten El Quijotes, der bemerkt

    Frage zwischendurch, da ich nicht alles gesehen habe: Kam der Deutsche Orden in der Filmhandlung überhaupt vor? Schließlich vertrieben die Ordensritter die Vitalienbrüder ja "nur" von der Insel Gotland...

    Bezüglich der Choreographien etc. kann ich Marbod nur beipflichten, wenn er konstatiert

    Unterhaltung schön und gut - aber müssen deswegen die Zuschauer gleich für dumm verkauft werden?
    Und es mag ja sein, daß sie denn nichts wissen oder falsche Bilder im Kopf haben - aber müssen solche Defizite denn noch weiter vertieft werden?
    Wenn es mit den Historienfilmen in dem Stil weitergeht, können wir uns ja in Zukunft auf "interessante" Fragen und Diskussionen hier im Forum "freuen"...

    In diesem Sinne

    Timo
     
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Also ich hab keinen deutschen Orden gesehen - und die Vertreibung von Gotland wurde nicht dirket gezeigt. Als die Vitalier ankame, lag schon alles in Trümmern, und nur der zurückgelassene "beste Freund" Störtebekers konnte noch berichten, was vorgefallen war.

    Was ich mich immer wieder frage: warum drehen in schlechten Filmen bei Schwertkämfen, die Kämpfer ihren Gegnern immer wieder den Rücken zu? :nono:
     
  17. Ringkrieger

    Ringkrieger Neues Mitglied

    Ich habe mich längst damit abgefunden das es keine Historien Filme gibt, die den Historischen Vorgaben gerecht werden.

    Ich finde aber diese Filme werden weiterhin gebraucht!
    Sie könnten aber in der Qualität noch um 1000% steigen, aber es ist besser als garnichts.

    Viele Menschen, fangen z.B. an sich durch solche Filme mit Historischen Themen zu befassen. Sie schnappen sich Bücher, und fangen irgend wan mal mit
    Reenactment/Living History an :D

    Auch Jugendliche lassen, sich durch sowas begeistern.
    Mich sprach heute eine Schulkamaradin an, ob ich nicht Bücher zu dem Thema kenne. Ich habe ihr nartürlich gesagt, was im Film nicht korreckt war. Aber ich wollte das gerade endstande Interesse auch nicht, gleich wieder zerstören. Sie wird es ja sowieso später in den Büchern lesen, was ausgedacht und gewesen seinen könnte.

    Ich bin mit dem Film auch nicht einverstanden. Aber unter dem oben gennaten Aspekt, ist es meiner Meinung nach annehmbar. Besser wärs nartürlich, wenn man sich mehr an die Historischen Fakten, gehalten hätte, aber was will man machen. :fs:

    Valete

    Ringkrieger
     
  18. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Wie schon erwähnt, ist das auch ein relativ unwichtiges Ereignis in der Geschichte der Vitalienbrüder :ironie:

    Rhetorische Gegenfrage: Weil die Choreographen zu wenig Ahnung vom Schwertkampf haben?

    ... und merken dann, daß der Film Humbug ist; ging mir auch so :fs:

    ... und sich dann auch ärgern und an den Kopf greifen; ich kenne das aus eigener Erfahrung :pfeif:
     
  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich hab auch keine Ahnung vom Schwertkampf, trotzdem würde ich meinem Gegener nie den Rücken zudrehen, nur um Schwung zu holen, oder besser auszusehen ;)
     
  20. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    @ El_Quijote: Das mit dem Rücken ist leider in vielen Schwertkampffilmen so, z.B. auch Troja. Die Choreographen achten eher darauf, was gut aussieht. Soundsoft sieht man ja auch, wie Schauspieler beim Fechten eigentlich mehr auf die Schwerter einhauen als auf den Gegner. Anders ist es wohl nicht spannend genug. Ein wenig anders ist da der japanische Samuraifilm. Zwar sind die Schwertkämpfe da auch nicht stets realistisch, aber es werden eher kurze, tödliche Hiebe als das sinnlose Geplänkel gezeigt.
     

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