'Stupor mundi' Friedrich II. von Hohenstaufen - ein Muslim?

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Mittelalter" wurde erstellt von lynxxx, 17. Januar 2009.

  1. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

  2. Beetlebum

    Beetlebum Neues Mitglied

    Es handelt sich um ein unseriöses Pamphlet, das von Wunschdenken und Weltanschauung des Autors Knapp geprägt ist. In manchen Passagen wird das ganz deutlich: So spricht er von den "Absurditäten des christlichen Dogmas von Jesu Gottsohnschaft" (S. 28), die vom "den genialen Denker Friedrich" selbstverständlich genauso durchschaut worden sind wie von Knapp selbst. (Mit dieser Methode kann man jedem Genie jede beliebige "Erkenntnis" unterschieben: Archimedes war genial, also hat er natürlich auch erkannt, dass an der Relativitätstheorie kein Weg vorbeiführt.) Weitere Beispiele: "Jene wahrhaft kuriose Theologie, die Vater und Sohn gemeinsam einen dritten Gott zeugen läßt, gestattet tiefe Einblicke in die Psyche der zölibatären christlichen Theologen" (S. 28), "tritheistisches Christentum - wahrhaftig ein Opium des Volkes" (S. 30), "der Atheismus der Liberalen und Linken - die Droge weißer Intellektueller der Gegenwart" (S. 30), "das Beispiel Friedrichs II. sollte uns Mut machen, für den Islam und sein Weltmodell der Gerechtigkeit einzutreten" (S. 30) usw.
    Die Streitschrift (anders kann man es kaum nennen) bietet überhaupt Musterbeispiele für eine verfehlte Argumentation: Friedrichs Kreuzzug ging kampflos über die Bühne, weil der Kaiser (laut Knapp) den Islam schützen wollte. Knapp verschweigt, dass Friedrich zuvor den Aufstand der Muslime Siziliens mit großer Härte niedergeschlagen hatte und sich der "Diplomatenkreuzzug" gut aus den konkreten politischen Umständen erklären lässt. Es sind solche einseitigen und verzerrenden Interpretationen, die seine These stützen. Teilweise sind die Argumente wirklich an den Haaren herbeigezogen: Friedrich II. soll kein Muslim, sondern ein Skeptiker gewesen sein? Niemals! "Es muß befremden, dass dieser klar denkende Charakter die grundlegende Schwäche des Skeptizismus nicht hätte durchschaut haben sollen!" (S. 27). Wenn Kant und Knapp sich in ihrem Urteil über die philosophische Skepsis einig sind, dann kann der geniale Friedrich doch nicht anders gedacht haben...
     
    1 Person gefällt das.

Diese Seite empfehlen