Suche Bücher über Napoleons Strategie

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von NoCP, 11. September 2016.

  1. NoCP

    NoCP Gast

    Hallo :)
    Ich muss für die Schule eine 40.000 Zeichenarbeit mit freier Themenwahl erstellen. Das Thema welches ich mir ausgedacht habe soll die Unterschiede und Überschneidungen von Nepoleons und der Kriegstheorie von Sun Tsu beinhalten. Um diesbezüglich Vergleiche anstellen zu können brauche ich natürlich Bücher die die Kriegsstrategie(en) Napoleons behandeln.
    Ich wäre dankbar für Vorschläge und Tipps wie ich solche Werke am besten finden kann :).
    Schonmal danke im Voraus ^.^
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Ambitioniertes Projekt mit ein paar gravierenden Hürden:

    Die Literatur zur Militärhistorie und zu strategischen Problemen ist zu einem hohen Prozentsatz in englisch geschrieben. Das ist die erste Hürde.

    Die zweite formuliert Chandler in seinem Referenzwerk zu Napoleon:
    "The chief difficulty which every would be commentator meets in his research is the fact that Napoleon never really formulated a precise system of war - at least not on paper."

    Ein wenig Licht bieten dagegen die Darstellung des "zeigenössischen" Jomini, der versuchte, die zentralen Ideen von Napoleon zu formalisieren und zu interpretieren.

    Zwei "formidable" Militärhistoriker, die ebenfalls eine Darstellung bzw. Interpretation vornehmen, ist zum einen Chandler, der im "Part Three" die "The Master`s Words" kommentiert.

    Von Heuser liegt ebenfalls eine - für meine Begriffe - sehr gute Darstellung zentraler Elemente des strategischen Denkens von Napoleon vor.

    Anzumerken ist natürlich auch, dass sich Clausewitz direkt und indirekt sehr stark hat beeinflussen lassen durch die Erfahrungen im Rahmen der napoleonischen Kriege.

    Zu Sun Tzu gibt es eine umfangreiche Literatur, deren zentrale Stratagem leicht zu extrahieren wären. Im zweiten Schritt, der deutlich schwerer wäre, müßtest Du das strategische Denken von Napoleon kontrastieren und im dritten Schritt - am Besten - nch ein Beispiel für eine Schlacht finden, in der es angewendet wurde.

    Insgesamt ein sehr ambitioniertes Projekt für die Schule. Man sollte sehr motiviert sein und sich für das Thema sehr interessieren, dann wirst Du mit dem Ergebnis auch sehr zufrieden sein können.


    Chandler, David G. (1995): The campaigns of Napoleon. New York, NY: Scribner (Volume I).
    Heuser, Beatrice (2010): The evolution of strategy. Thinking war from antiquity to the present. Cambridge, UK, New York: Cambridge University Press.
    Jomini, Antoine Henri; Cocroft, Horace E. (2007): The art of war. Reformatted ed. Rockville, MD: Arc Manor.
    van Creveld, Martin (2015): A history of strategy. From Sun Tzu to William S. Lind. Kouvola, Finland: Castalia House.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. September 2016
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wie thanepower schon sagt: ambitioniert!

    In der "Totalperspektive" erscheint mir das kaum zu bearbeiten, ich würde eine Eingrenzung anraten, um das Thema "operational" zu gestalten.

    Ein Vorschlag wäre, sich zB hierauf als Ausschnitt zu konzentrieren:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Kunst_des_Krieges_(Sunzi)#Theorien

    "Sunzi mahnte, dass der Krieg und der Kampf möglichst vermieden werden sollte, da er den Staat und das Volk ruiniert. Dies wird oftmals so interpretiert, dass für Sunzi gewaltlose Strategien zentral gewesen seien. Als Quelle hierfür dient unter anderem sein berühmter Satz, dass es am besten sei, die Strategie des Feindes zu vereiteln, am zweitbesten, die Bündnisse des Feindes aufzubrechen, erst an dritter Stelle folgen kämpfen und siegen. Dies wird oftmals so gelesen, dass für Sunzi die beste Strategie eine gewaltlose sei, und Gewalt nur als letztes Mittel angewendet werden sollte. Diese Interpretation war jedoch in der Vergangenheit Anlass zur Kritik. ...

    Im Gesamtzusammenhang seien die entsprechenden Aussagen (auch etwa, der Widerstand des Feindes solle kampflos gebrochen werden) eher so zu interpretieren, dass durch kluges Handeln Bedingungen geschaffen werden sollen, in denen man den Feind mit möglichst geringem Gewalteinsatz besiegen kann. Die Angriffe auf Strategien und Bündnisse des Feindes dienen demnach der Verringerung seiner Widerstandskraft, der Sieg wird aber dennoch gewaltsam errungen."

    Hier könntest Du Vergleiche mit Napoleon ansetzen.

    Aber auch mit dieser Eingrenzung erscheint das noch "uferlos".
    Vielleicht bietet sich eine weitere Eingrenzung an, etwa auf einen bestimmten Zeitraum (Konfrontation mit Russland etc.)

    Zur Rezeption siehe als Einstieg:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph-Marie_Amiot
    (und die Vermutung, Napoleon hätte eine Übersetzung bzw. einen Ausschnitt gelesen)
     
  4. NoCP

    NoCP Gast

    Danke für die Antworten :) Ja ambitioniert...... ehrlich gesagt dachte ich mir das Thema wäre interessant und habe es vor einigen Monaten eingereicht und kann es jetzt auch nichtmehr so einfach ändern :/ . Trotzdem interessiert es mich und ich hoffe es ist schaffbar ! Wie gesagt danke für die Antworten und Vorschläge ^.^
    Die größte Hürde aus meiner Sicht ist im Moment sowieso noch der Aufbau weil es tatsächlich so umfangreich ist, dass ich nicht genau weiß wo ich anfangen soll.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Dann wäre es zu überlegen, mit dem Themensteller ein Gespräch zu führen, um es einzugrenzen.

    Das sollte mit dem Begriff "Kriegsstrategie" - wie zu interpretieren? - möglich sein.
     
  6. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Muss man "strategisches Denken im Kriege" nicht in 3 Ebenen teilen, in

    1. Wie gewinne ich einen Krieg gegen meine(n) Gegner?

    2. Wie gewinne ich einen Feldzug?

    3. Wie gewinne ich eine Schlacht?

    Da ich die Schriften von Sun Tzi nicht gelesen habe, frage ich mal in die Runde, ob er diese 3 Teilaspekte komplett abdeckt. Vielleicht kann oder muss man sich einen oder zwei Teilaspekte herausgreifen.

    In Bezug auf Napoleon sehe ich einen Meister was die Teilaspekte 2 und 3 anbelangt, jedenfalls bis zum Russlandfeldzug:
    Als Paradebeispiel gilt ja der Feldzug von 1804, der in der Kapitulation von Ulm und der Schlacht von Austerlitz mündete.
    Einschrænkend muss man vielleicht auch sagen, dass er m.E. auf der 3. Ebene in spæteren Jahren immer einfallsloser und brachialer wirkt, wenn man sich z.B. Borodino, Leipzig und Waterloo anschaut.
    Es mag aber auch der immer schlechter werdenden Qualitæt seiner Soldaten, insbes. der Kavallerie, geschuldet sein.

    Auf der 1.Ebene sehe ich zwar einerseits Kreativitæt und Phantasie (in spæteren Jahren vielleicht schon Grøssenwahn, ja), Bsp. England in Ægypten treffen, geplante Landung auf den brit. Inseln, Kontinentalsperre als "Ersatzløsung" usw.
    Auf der anderen Seite vermisse ich doch ein komplettes, langfristiges Konzept einschliesslich einem diplomatisch-strategischen Rahmen, England in die Knie zu zwingen.
    Es wirkt ein bisschen wie "Ich kann Schlachten gewinnen, natürlich auch Feldzüge, und damit kriege ich das Hauptziel, einen/den wichtigsten Gegner auf Dauer zu besiegen, schon hin. Er scheint eher als ein von der gesamteuropæischen Lage Getriebener, ein Unstetiger, der stændig reagieren muss, nicht einer, der seine Gegner dazu zwingt, auf ihn zu reagieren.

    Gruss, muheijo
     
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  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Von Silesia kam die Anregung einer Einschränkung und muheijo weist in seiner Äußerung in eine praktikable Richtung, indem er die Genese der operativen und taktischen Kriegsführung bei Napoleon beschreibt.

    Die zentrale Frage, die sich daraus ergeben könnte wäre, welche Ideen von Sunzi (vgl. Link auf das Werk) erklären den Erfolg in dem Feldzug / Schlacht bei Austerlitz? Und welche Aspekte hat Napoleon nicht berücksichtigt bzw. nicht berücksichtigen können, die die Niederlage bei Waterloo erklären helfen.

    Bei der Durchsicht des Textes von Sunzi wird schnell ersichtlich, dass er eine Vielzahl von Punkten benennt, die man dem strategischen Denken, dem operativen oder dem taktischen Denken zuordnen kann.
    Die wohl allgemeinsten Kriterien, auf die Sunzi hinweist formuliert er zu Beginn: (Clavell-Version: S. 21)

    https://hdms.bsz-bw.de/files/357/Sunzi.pdf

    Sunzi schreibt: „Die Kunst des Krieges wird von fünf konstanten Faktoren bestimmt, die alle berücksichtigt werden müssen. Es sind dies: das Gesetz der Moral; Himmel; Erde; der Befehlshaber; Methode und Disziplin. Das Gesetz der Moral veranlaßt die Menschen, mit ihrem Herrscher völlig übereinzustimmen, so daß sie ihm ohne Rücksicht auf ihr Leben folgen und sich durch keine Gefahr erschrecken lassen. Himmel bedeutet Nacht und Tag, Kälte und Hitze, Tageszeit und Jahreszeit.Erde umfaßt große und kleine Entfernungen, Gefahr und Sicherheit, offenes Gelände und schmale Pässe, die Unwägbarkeit von Leben und Tod. Der Befehlshaber steht für die Tugenden der Weisheit, der Aufrichtigkeit, des Wohlwollens,des Mutes und der Strenge. Methode und Disziplin müssen verstanden werden als die Gliederung der Armee in die richtigen Untereinheiten, die Rangordnung unter den Offizieren, die Behauptung der Straßen, auf denen der Nachschub zur Armee kommt, und die Kontrolle der militärischen Ausgaben.

    Diese fünf Faktoren sollten jedem General vertraut sein. Wer sie kennt, wird siegreich sein; wer sie nicht kennt, wird scheitern
    .“

    Und Sunzi formuliert dann auch schon gleich die Analysekriterien dazu, wie ein erfolgreicher von einem nicht erfolgreichen General zu unterscheiden ist:

    Sunzi schreibt: "Wenn du also die militärischen Bedingungen bestimmen willst, dann treffe deine Entscheidungen auf Grund von Vergleichen in folgender Weise: Welcher der beiden Herrscher handelt im Einklang mit dem Gesetz der Moral? Bei wem liegen die Vorteile, die Himmel und Erde bieten? Auf welcher Seite wird die Disziplin strenger durchgesetzt?

    Allerdings und das ist m.E. sehr wichtig, dass es keinen Dogmatismus in der Kriegsführung gibt, der sich schematisch anwenden ließen.

    Sunzi schreibt: „Doch bedenke: Während du ausmeinem Rat Nutzen ziehst, solltest du nicht versäumen, dich aller hilfreichen Umstände, die über die üblichen Regeln hinausgehen, zu bedienen und deine Pläne entsprechend anzupassen.“

    Vor dem Hintergrund des Gesagten ergibt sich folgendes – mögliche – Vorgehensweise:

    - Formulieren der Erfolgskriterien auf der strategischen, der operativen und der taktischen Ebene anhand der Ideen von Sunzi. Und er formuliert eine Vielzahl sinnvoller Kriterien.

    - Anwenden der Kriterien auf die Schlachten bei Austerlitz und Waterloo. Dazu must Du Dich mit den Schlachten intensiver beschäftigen. Bei Duffy gibt es eine sehr gute Darstellung, Cornwell kenne ich nicht, aber vermutlich ist sie brauchbar.

    Cornwell, Bernard (2016): Waterloo. Eine Schlacht verändert Europa. Unter Mitarbeit von Karolina Fell und Leonard Thamm. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch.
    Duffy, Christopher (1979): Die Schlacht bei Austerlitz. Napoleons grösster Sieg. München: Heyne

    - Resümee: Stelle dar, wie man durch die Anwendung der Kriterien von Sunzi, den Erfolg bei Austerlitz und den Mißerfolg bei Waterloo erklären kann.

    - Lernerfolg: Du hast Dich mit den Ideen von Sunzi beschäftigt. Du hast ein Verständnis für die zentralen Ideen von Napoleon zur Anlage seiner Schlachten Dir erarbeitet. Und Du hast ein selbtständiges Ergebnis gefunden und die Übertragbarkeit der Ideen von Sunzi auf Napoleon gezeigt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Waterloo

    Solltest Du noch keine Vorstellung haben, was bei den Schlachten passiert ist, eine der m.E. besten Simulationen kam von Empire Interactive zu dem Thema. Die Simulation zu spielen hilft, ein „inneres Verständnis“ für die Probleme der Schlacht zu erhalten.

    Ist gebraucht zu erhalten: PC-Software: Empire Interactive Die große Schlacht von Waterloo
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. September 2016

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