"Teufel" in polytheistischen (vielgötter) Religionen

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von lilolung, 24. Oktober 2014.

  1. lilolung

    lilolung Mitglied

    Liebe Community,

    ich schreibe eine Arbeit über polytheistische Religionen und die Frage, warum es dort nicht den "einen, bösen" Teufel gibt.

    Klar ist, dass sich in Religionen, wo es viele Götter gibt, auch solche gibt, die Eigenschaften (List, Tücke, Bösartigkeit, Aussehen) vom christlichen Teufel aufweisen.

    Ich habe nun schon:

    Pan/Hades? (Griechen)
    Pluto (Römer)
    Mara (Buddhismus)
    Kelten ?
    Seth (Ägypten)
    Loki (Skandinavien)

    Fallen euch spontan noch weitere ein & zudem, warum denkt ihr, gibt es in vielgötter Religionen keinen Teufel an sich wie im Christentum/Judentum/Islam?

    DANKE vielmals für eure Ideen und Antworten :)
     
  2. Anthropos

    Anthropos Neues Mitglied

    Spontan würde mir noch Kali bei den Hinduisten einfallen.

    Mit Pluto und Hades scheinst du Teufel als Hüter der Unterwelt zu sehen, oder?
    Während Seth, Pan, Mara und Loki und auch, die von mir genannte, Kali eher ambivalente Kreaturen sind.
    Welche Eigenschaften für einen Teufel siehst du denn?
    Ich habe gerade gesehen, dass diese Frage schon gestellt wurden ist von Scabbedcrow.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Oktober 2014
  3. Scabbedcrow

    Scabbedcrow Neues Mitglied

    Hallo lilolung!

    Hm....deine bisherige Liste irritiert mich ein bisschen. Wie genau definierst du "Teufel"? Als Symbol des Bösen, als den Gegenspieler der Gottvater-Figur oder in welche Richtung geht das?
    Denn Eigenschaften wie Bösartigkeit, Gewalt, List und Tücke weisen auch reihenweise an sich "gute" Götter auf. Die griechische Her z.B. ist eine Muttergöttin (grob gesagt) und Gemahlin des Zeus. Sie hat sehr viele gute Eigenschaften und wird wohl auch allgemein als eine "von den Guten" angesehen. Zugleich aber kann sie auch böse und rachsüchtig sein.

    In deiner Liste taucht auch Loki auf. Allerdings ist Loki nicht allein negativ besetzt. Er hat den Göttern auch oft aus der Patsche geholfen.

    Ich glaube, damit wir dir ein paar gute Beispiele geben können, müsstest du deinen Begriff von "Teufel" erstmal genauer umreißen.
    Was willst du in deiner Arbeit aufzeigen und herausarbeiten?

    Ich habe selbst mal eine Belegarbeit über Religionen und Kulte geschrieben und kenne daher die Fallstricke der Vieldeutigkeit nur zu gut ;)

    Hast du den Wiki zum Teufel schon gelesen? Teufel ? Wikipedia

    lg!
    -Crow
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  5. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    So klar ist das nicht, mit dem Bösen bei polytheistischen Religionen. Da gibts meist keine nur guten oder nur schlechten Götter.
    Medb ? Wikipedia ist so was...
     
  6. Anthropos

    Anthropos Neues Mitglied

    Wenn man vom griechischen Begriff diabolus ausgeht, was so weit ich weiss ungefähr der Verwirrer[/] heisst, dann würden viele Götter diesem Begriff mehr oder minder entsprechen. Allem voran Loki, welchet als Illusionist seine Götterfamilie oft in die Irre führte.
     
  7. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Die nordische Unterwelt/Todesgöttin Hel würde mir einfallen, va wegen der ethymologischen Nähe zum Lieblingsrefugium des Teufels, der Hölle.
     
  8. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Hel und ihr Reich werden wohl erst in den christlichen Nacherzählungen der Isländer zum Schreckensreich, vorher war das ganze eben ambivalent, wie die anderen Orte für die Toten (Walhalla, Folkwang und andere), Höfe der Götter eben. Der Belohnungscharakter des nahöstlichen Paradieses fehlt ja genauso wie der Strafcharakter.
    Legt man die 10 Gebote an die isländischen Götter und ihre Taten, landen die alle in der Hölle. So mit Vatermord, Betrug, Brudermord, Raub, Diebstahl usw.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Man kann es wohl die Formel runterbrechen, dass der "Widersacher" in den monotheistischen Religionen mit ihrem asymmetrischen Dualismus* sich in den polytheitischen Religionen so nicht widerfindet. In den monotheistischen Religionen ist er eine von einem allmächtigen Schöpfergott abhängige Figur, die sich zwar von Gott emanzipiert hat, aber nur deshalb existieren kann, weil Gott es zulässt. In den polytheistischen Religionen, in denen es diverse Formen von Göttern und Dämonen gibt (wobei auch im mittelalterlichen Christentum, Judentum und Islam die Existenz von Dämonen für real gehalten wurde), die eine unterschiedliche Machtfülle haben, wird das Böse häufig von mehreren Gestalten kombiniert bzw. vereinigen insbesondere Göttergestalten gute und schlechte Elemente in sich. In der griechischen und römischen Religion sind die Götter selbst ein Teil der Schöpfung, wohingegen in den aus dem Judentum entspringenden Religionen Gott über der Schöpfung steht und eben nicht Teil von ihr ist.

    *Das Bogomilen und das Katharertum kannten einen echten Dualismus, ein Gut und ein Böse, beides gleichmächtig.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Oktober 2014
  10. lilolung

    lilolung Mitglied

    Definition Teufel

    Erst mal vielen Dank für die Antworten. Nun zum Verständnis:

    Meine Frage zur Arbeit lautet, warum es in polytheistischen Religionen zwar viele Götter gibt, aber nicht einen Teufel. Dass es viele Götter gibt die auch negative Eigenschaften aufweisen oder sogar auch viele Gemeinsamkeiten mit dem christlichen Teufel haben, habe ich nun schon mal heraus gefunden.

    Dies impliziert für mich, dass es in jeder Religion das Böse- sprich den Teufel gibt, auch wenn er auf den ersten Blick nicht klar erkennbar ist.

    In vielerlei Literatur wird zudem darauf eingegangne, wie viele Masken der Teufel besitzt und sich auf eine klar bestimmte Definition nicht reduzieren lässt.

    Zur Definition: Der Teufel ist für mich also keine konkrete Gestalt, er besitzt viele Masken und Formen steht jedoch für das Böse. Also im Gegensatz zum Gott.

    Daher schon meine Beispiele, der heidnischen Religionen, worin ich den Teufel wiedererkenne (Sei es nur durch KLeinigkeiten) Daher bin ich auf der Suche nach weiteren, die mir noch kein Begriff sind. Die besten "picke" ich dann raus :)
     
  11. lilolung

    lilolung Mitglied

    warum denkst du, "wird das Böse häufig von mehreren Gestalten kombiniert" und nicht einfach eine "Figur" dafür genommen?
     
  12. lilolung

    lilolung Mitglied

    Hast du den Link zu Scabbedcrow? Danke!
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    In den polytheistischen Religionen sind Götter nicht nur gut oder nur böse, ihr Verhalten ist fehlerhaft, ambivalent, menschlich. Im Christentum dagegen gibt es die Grundvorstellung, dass Gott die Liebe ist. Das Böse bedarf einer Erklärung. Wenn Gott allmächtig und die Liebe ist, warum gibt es dann das Böse? Da gibt es zwei Dinge: Die komplizierte Theodizee-Problematik und die simple Personifikation des Bösen. Der Teufel christlicher Vorstellung kann zwar sehr charmant sein, aber letztlich setzt er diesen Charme nur ein, um zu verführen.
     
  14. lilolung

    lilolung Mitglied

    @ Wilfried: Das ist ein guter Gedanke, den man weiter ausbauen kann :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Oktober 2014
  15. lilolung

    lilolung Mitglied

    In polytheistischen Religionen existiert die "komplizierte Theodizee-Problematik" meiner Meinung nach nicht, weil man die ambivalenten "Taten" der Götter gut oder böse hinnimmt ohne sie weitestgehend zu hinterfragen. Man sieht es eher als Bestrafung und sucht die Schuld bei sich selbst (zu wenig Opfergaben/Beten/ etc.)

    Meiner Meinung nach sind in den polytheistischen Religionen nicht alle Götter "fehlerhaft" und menschlich. Einige haben ein gutes Wesen und weisen keine bösen Eigenschaften auf. Es sind immer nur eine handvoll. Und diejenigen, die auch böse Eigenschaften aufweisen, finden sich in anderen religiösen Figuren wieder. Bsp.: Aussehen, "Wohnort", Charakter

    ----> und genau dies zeigt auf, dass es in polytheistischen R. doch den Teufel in irgendeiner Form gibt, oder sehe ich das zu oberflächlich?
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Oktober 2014
  16. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    nö, lilolung, lies mal , was christliche Mönche über die alte isländische Relion geschrieben haben. Oder noch besser, forsche mal bei isländischen Goden nach, wie es in dem Glauben mit gut und böse geht. Das gibts da nämlich soo nicht.Da gehts denn eher um "Ehre" bzw "Beleidigung" und Rache. Wobei denn meines Wissens nach alle Götter auch ungerecht, gemein und hinterlistig sein können, ohne das sie dabei gut oder böse sind.

    Aber wie das mit Religionen so ist, es gibt nicht nur eine, sondern viele, auch und gerade polytheistische. Und jede hat ihre Eigenheiten. Auch und gerade bei "gut und böse"

    Also , wenn nach dem Glauben Dich ein Gott "in die Pfanne haut" meint der das 1. nicht unbedingt persönlich und 2. liegt es nicht unbedingt an Dir, das Du zu wenig "gegeben " hast. Kann natürlich sein, muß aber nicht. Manchmal erlaubt sich eben einer auch nur nen bösen Scherz mit Dir. Darfste auch "drüber sauer sein und den ne Weile nicht grüßen". Also , wenn Dir der Blitz ne Herde Schafe erschlägt, kann sein , das Du Thor erzürnt hast, oder ihm war da mal nach. Vermehrt sich die Herde danach aber besonders gut und die Weide wird besonders üppig, naja, da ist es denn "ehrenhaft", ihm wieder zu opfern, vorher nicht. Sei sicher, um die Einschlagstelle wächst das Gras besonders üppig und grün;-). (Erhöhter Nitratniederschlag nach Erzeugung von Stickoxiden durch den Blitzschlag)
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das habe ich auch nicht geschrieben. Die Theodizee-Problematik erfordert die Vorstellung von einem allmächtigen und liebenden Gott. In polytheistischen Religionen sind die Götter schon aufgrund des Polytheismus nicht allmächtig und durch ihre Charaktervielfalt bestimmt.

    Das ist keine Meinungsfrage sondern eine Frage der Fakten. Wobei Fakten jetzt nicht so zu verstehen ist, dass diese Götter existieren würden sondern was die jeweiligen Religionen, die ja zum Teil auch inkonsistent in ihrem Mythenschatz sind, zu ihren Göttern sagen.

    Butter bei die Fische. Wen meinst du konkret?


    Ich denke, du überträgst hier einfach Vorstellungen aus dem präsenteren Christentum auf die heidnischen Religionen.
     
  18. lilolung

    lilolung Mitglied

    Es lassen sich viele Parallelen zum monotheistischen Teufel finden, dies sind nur einige Beispiele. Sie müssen nicht zu 100% übereinstimmen, wäre auch unmöglich.

    Dies ist ja auch meine Aufgabe: Den monotheistischen Teufel in polytheistischen Religionen ausfindig machen...oder Spuren von ihm

    Hel: (nordische Mythologie)
    - Göttin sowie Herrin der Unterwelt
    - Die Unterwelt befindet sich unter den Wurzeln des Weltenbaums Yggdrasil. Diese Welt kann nur über den Todesfluss Gjöll erreicht werden. Eine Rückkehr aus dieser Welt ist kaum möglich.
    - Mörder, Diebe und Lügner werden dort auf ewig in Kälte, Schmerz und Hunger leiden.
    - Hel wird als eine sehr widersprüchliche und auch verborgene Göttin gesehen. Sie ist nicht bösartig, lediglich gerecht. Den einen erscheint sie nett und liebenswert, anderen jedoch unerbittlich und grausam.

    Hades: (griechische Mythologie)
    - Totengott und Herrscher über die Unterwelt
    - Die meisten Griechen fürchteten diesen Gott und wagten nicht einmal, seinen Namen zu nennen. Und so besonders angenehm stellten sich die Griechen das Leben in der Unterwelt auch nicht vor. Denn dort gab es schreckliche Wesen, die Erinnyen, geflügelte Ungeheuer mit Schlangenhäuptern, die ihre Opfer quälten.

    Pan:

    - äußerliche Gestalt des Mischwesens aus Menschenoberkörper und dem Unterkörper eines Widders oder eines Ziegenbocks

    Mara (Buddhismus): Okay, vorab...schwierige Religion, da weder mono- noch poly....eher atheistisch.

    Der Buddismus sieht in Mara eine Zentralfigur des Negativen.


    Kali (Hinduismus):

    - Göttin des Todes und der Zerstörung, aber auch der Erneuerung.
    - Künstler stellen die Göttin Kali als schwarz, drastisch, mit heraustretenden roten Augen und herausgestreckter Zunge dar.

    Das erstmal als kleine Anregung. Wäre für weitere Beispiele dankbar!
     
  19. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    naja, Hel als Göttin der Unterwelt in den isländischen Überlieferungen ...
    Wie alle Götter ist sie mal unerbittlich grausam oder nett und lieb...

    Hades als Herrscher der Unterwelt/Hölle hat wohl hauptsächlich beim christlichen Teufel "Pate gestanden" und Pan als Hirtenott eben bei der äußeren Vorstellung. Wobei ich an Pan nichts schlechtes sehen kann. Auch Kali hat so nichts "schlechtes " an sich, denn ohne Tod kein Platz für´s Leben. Aber da rutschen wir in´s philosophische ab.

    Speziell Judentum, Christentum und Islam haben eben den Gegensatz gut-böse gemeinsam. Das liegt aber im Ursprung begründet, so religonshistorisch sind das ja Sekten des Judentums. Wobei eben der Widersacher im Judentum wohl nicht sooo ist wie im Christentum und Islam..

    Statt der schwarz-weiß Malerei gibts eben sehr viele Grautöne/Farben in den anderen Religionen.
     
  20. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Hades ist zwar eine düstere Gestalt, hat aber wenig wesensgleich mit dem Teufel. Er verlässt sein Totenreich fast nie und nimmt auch keinen Einfluss auf das irdische Leben. Die Menschen fürchteten den Tod und deshalb auch seine Verkörperung ,den Gott Hades. Im Leben der Menschen spielt er aber, anders als der Teufel keine Rolle. Er ist auch nicht der Gegenspieler des Zeus, der selbst genügend unangenehme Eigenschaften hat.

    Pan hat mit dem Teufel gar nichts zu tun, er ist eine Naturgottheit und wird von Hirten verehrt. Er erschreckt zwar manchmal die Menschen ,ist aber nicht die Verkörperung des Bösen. Hörner und Bocksfüße haben Künstler, in der christlichen Zeit einfach von der antiken Figur übernommen und dem Teufel zugeordnet, ebenso wie aus den lüsternen Putten plötzlich Engel wurden.

    In der griechischen und römischen Mythologie kann man kein Wesen dem Teufel gleichsetzen, da die ganze Götterwelt ein Spiegelbild der menschlichen Gesellschaft ist. Alle Götter haben vollkommen menschliche Eigenschaften. Sie sind zänkisch, hinterhältig, eifersüchtig, neidisch und wolllüstig, haben aber auch durchaus positive Eigenschaften. So ist z.B. Hermes (Mercurius) gleichzeitig der Schutzpatron der Wissenschaft, der Händler aber auch der Diebe und Betrüger. Ein positives Idealwesen, wie den Gott im Monotheismus gibt es in der Antike nicht, folglich braucht es auch nicht den großen Gegenspieler, der das absolut Böse verkörpert.
     

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