Übergang eine Demokratie in eine Diktatur

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von cherryboyv, 12. November 2007.

  1. cherryboyv

    cherryboyv Neues Mitglied

    Hallo Geschichts-Gemeinde,

    folgende Frage stelle ich mir seit einigen Tagen:

    Was für ,,formale und psychische" Voraussetzung ergaben sich für
    den Übergang eine Demokratie in eine Diktatur, speziell bezogen auf die
    Weimarer Rupublik und die NS-Zeit?

    Gruss
    cherryboy
     
  2. Scarlett

    Scarlett Neues Mitglied

    ich verstehe deine frage nicht, was meinst du genau mit formalen und psychischen voraussetzungen? zusammenhang?
     
  3. cherryboyv

    cherryboyv Neues Mitglied

    tut mir Leid wenn ich mich etwas ungenau ausgedrückt habe.
    mit formal sind gesetzliche Regelungen gemeint, wo konkret Schwächen
    aufweisen, sodass es zu einem Übergang überhaupt kommen konnte?
    mit psychisch ist gemeint, wie die Menschen damals das Nazi-Regime mit Begeisterung annahmen konnten?
     
  4. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Die Weimarer Republik leidete mehrmals unter Weltwirtschaftskrisen. Geldentwertung, Hunger, Armut, Arbeitslosigkeit --->
    Sinnsuche, Hoffnungen, Auswegsuche bei persönliche/familiäre sozialen Krisen --->
    Heilsbringer, Führungspersönlichkeiten, gesellschaftspolitische Märchenerzähler hatten Hochkonjunktur.

    Ein weiteres Defizit war die unzureichende gesellschaftspolitische Bildung in der jungen Demokratie. Der damit einhergehende gesellschaftspolitische Fortschritt stand still.

    Gesetzliche Schwächen gab es keine. Die Weimarer Republik hat sich per Wahlentscheid mehrmals ab Ende der 1920er Jahre für die Diktatur bereits entschieden.
     
  5. chrdidt

    chrdidt Mitglied

    Die Demokratie hatte denkbar schlechte Voraussetzungen in Deutschland dank des Versailers Diktats. Erstellt durch demokratische Mächte, unterschrieben von der neuen deutschen Demokratie.
     
  6. Ricco

    Ricco Neues Mitglied

    Hallo zusammen:winke:

    Der Versailer Vertrag spielt eine sehr große Rolle, wenn mam betrachtet wie die Weimarer Republik zu einer Diktatur wurde. Dieser "Schandfrieden" passte vielen Deutschen nicht. Die überzogenen Reparationszahlungen, die Gebietsabtrettungen und die alleinige Kriegsschuld trugen ihren Teil zu Unzufriedenheit bei.

    Die Weimarer Republik wurde von zwei Leuten ausgerufen: [FONT=Arial,Helvetica,sans-serif]P.Scheidemann und K. Liebknecht. Hier machte sich schon der Zwiespalt bemerkbar. Es standen sich nun 3 Gruppierungen gegenüber: die Konservativen (Armee, Verwaltung etc), Sozialdemokraten und die Linksliberalen. Die einen glaubten weiterhin an den Kaiser, die anderen an eine Demokratie und wiederum die anderen an den Sozialismus. (ch würde behaupten die Weimarer Republik war von Anfang an zum Scheitern verurteilt.).
    Die Dolchstoß-Legende besagte das Deutschland nicht aufgrund der militärischen Leistung , sondern aufgrund der politischen Oposition im Lande veloren hatte. Somit wurde die KLuft zwischen Rechten Kräften und demokratischen immer größer.
    Spartakuss-Aufstand, Kapp-Putsch und der Hitler-Putsch zeigten, das immnoch Kräfte im Land gab die versuchten die Republik zu stürzen und die Bevölkerung verlor das Vertrauen in die Regierung, da sie machtlos gegen die Putschversuche war. Der Märzaufstand und die Ruhrbesetzung von 1923 verschärften die Fronten.
    Ein weiterer wichtiger Faktor, der damals das Leben prägte war die Inflation.
    Die hohen Kriegskosten und damit verbundenen Schulden, dazu die Reparationszahlungen brachte Deutschland dazu immer mehr Geld zu drucken. Dies spizte sich soweit zu (1923), das man mit der Schubkarre täglich sein Geld abholen musste.
    Dazu kam, dass in den 14 Jahren Republik 16 Regierungen an der Macht waren. Das bedeutet druchschnittlich aller 8 Monate eine neue Regierung.

    Kurz und knapp:

    Versailer Vertrag
    Putschversuche von Links und Rechts
    Inflation
    keine Dauerhafte Regierung

    Das ist die Ausgangssituation auf die Hitler aufbaute.
    Hitler nutze die Hass auf den Versailer Vetrag um sich Industrielle, Verwalter und Soldaten auf seine Seite zu holen. Somit hatte er finaziell viele Möglichkeiten seine Propagande ans Volk zu bringen.
    Die Menschen, die nicht wussten an wen sie glaubten sollten, waren für Hitler "gefundes Fressen". Er nutzte die allgemeine Hass gegen den Versailer Vetrag und die dauerthaft wechselnden Regierungen zu seinem Gunsten aus. Er versprach den Menschen vieles und durch die Weltwirtschaftskrise glaubten ihnen die Menschen zu gern.

    So ich hoffe, ich konnte dir einw enig weiterhelfen.
    Ist zwar nicht komplett aber sollte vom Prinzip her das Problem erklärt haben.
    Kleiner Buchtipp zum Thema: "Anmerkungen zu Hitler".
    Da findest du auch einige Gründe wieso die Republik unterging.

    Grüße
    [/FONT]
     
  7. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Ein wenig Geschichtsunterricht täte dir gut:
    Schubkarren-Geld
    Deutsche Inflation 1914 bis 1923 - Wikipedia

    Die Besetzung des Rheinlandes durch Frankreich
    Rheinische Republik - Wikipedia

    Ich hatte bereits geschrieben, dass die Weimarer Republik noch jung war. Was nicht verwundert, vorher gab es in Deutschland keine Demokratie!!!
    Erst die Allierten des 2.Weltkrieges schufen ab 1945 in Deutschland die Rahmenbedingungen für eine langlebige und intakte Demokratie. Eigentlich beschämend für uns Deutsche, dass wir es nicht allein hin bekommen haben.
     
  8. Ricco

    Ricco Neues Mitglied

    Du solltest nicht voreilig schlussfolgern, was du vielleich nicht begründen kannst.
    Ich kann dir gerne meine Quelle zu kommen lassen (sofern ich sie noch finde).
    Weiß ja nicht was der Link zu Wikipedia soll, aber ich wollte nicht ein extra Referat über die Besetzung des Rheinlandes halten. Ich wollte lediglich die Faktoren erwähnen.

    Wieso beschämend?
    Die Deutschen hatten ja kaum eine Möglichkeit etwas zu ändern. Erst am Ende des 19. Jahrhundert wurden die Ersten größeren demokratischen Interessen laut. Wenn aber ein Land Jahrzehnte lang durch eine Monarchen geführt wurde, ist es schwer, demokratische Grundformen durch zu setzen. Vorallem da Deutschland noch keine Erfahrungen mit der Demokratie hatte.
    Meiner Meinung nach, konnte man den Deutschen nichts vorwerfen.

    Grüße
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. November 2007
  9. chrdidt

    chrdidt Mitglied

    Ich stelle mal die Behauptung auf dass unsere heutige Demokratie auch damals versagt hätte. Nur das die Nazis eben unter Umgehung dieser dann zur Macht gekommen wären, oder eben die Kommunisten. Die Rahmenbedingung die schliesslich zu unserem heutigen Erfolgsprojekt der Demokratie führten waren doch eher der terror der Nazis, 2.Weltkrieg, totale Zerstörung, Stunde Null.
     
  10. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich behaupte, dass die Rahmenbedingungen für das Funktionieren des "Erfolgmodels" BRD das "Wirtschaftswunder" und die rasche Erholung der Wirtschaft waren. Die machten dann die "freiheitlich demokratische Grundordnung" auch für die unzähligen Altnazis und Aparatschiks annehmbar, die in der BRD dann sehr schnell wieder in Amt und Würden waren. Der "Terror der Nazis" wurde doch in der jungen BRD systematisch ausgeblendet und unter den Teppich gekehrt. Ein Briefträger in der KPD erschien der jungen BRD jedenfalls ein grösseres Sicherheitsrisiko, als Nazijuristen, die es immerhin zum Staatssekretär bzw. zum Ministerpräsidenten brachten.
     
  11. Demoiselle

    Demoiselle Neues Mitglied

    Ich finde diese Frage überaus wichtig und bin froh über diese Fragestellung.

    Bezogen auf die Weimarer Republik muß man leider sagen, das daß deutsche Volk damals für die Democratie offensichtlich noch nicht bereit war, weil es die nötige Reife dafür nicht erreicht hatte. Man beobachtet es auch heute noch, daß junge Democratien recht bald wieder umkippen, weil sie eben nicht stabil sind.
    Und so bedurfte es in der Geschichte leider meist mehrerer Anläufe, ehe einer Nation gelang, eine stabile Democratie zu erreichen. Der Mensch wird bekanntlich aus Schaden klug und nach einigen Bruchlandungen findet er endlich den für ihn richtigen Weg.
    Bei all den Kräften, welche sich während der Weimarer Republik redlich um die Democratie bemühten, war doch die breite Masse eher dagegen. Die Dolchstoßlegende war ja keine Minderheitenmeinung einzelner Ideologen, sondern eine weit verbreitete Erklärung der Deutschen für den verlorenen 1.Weltkrieg. Und die Democratie empfand man weitgehend als von außen aufgezwungen. - Erinnern wir uns an 1848 : zwar war man schnell bei der Hand zu revoltieren, doch wenn es wirklich daran ging, Nägel mit Köpfen zu machen, kam in der Breite das sentimentale Gefühl wieder durch, dem Kaiser in Treue ergeben sein zu müssen. Das ist ein Zeichen für mangelnde Emancipation einer Bevölkerung und nach 1919 sah es nicht wesentlich besser aus.

    Die andere Frage ist, ob eine bislang bewährte Democratie, wie die der heutigen BRD, theoretisch auch umkippen könnte ...
    Nun, ich hoffe nicht; aber auf dem Wege einer politischen Decadentisierung wäre dies vorstellbar. Wenn der "Souverän Volk" des Herrschens müde wird, zu bequem und zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist: Politikverdrossenheit, Vorliebe für geistigen Trash - wenn das überhand nimmt, vergrößert sich die Gefahr, daß einzelne ihre Macht ungehindert mißbrauchen wollten.
    Eine gesunde Democratie wird niemals Militär in ihren Grenzen dulden, von dem Putschgefahr ausgehen könnte. Das wäre in der BRD schwer vorstellbar. Es gibt aber junge Democratien, in denen eine solche Militärputschgefahr schwelt.
    Ich meine dazu, daß das Militär eines Landes immer die eigene Bevölkerung widerspiegelt. Je verbreiteter totalitäre Vorstellungen unter Officieren ist, desto verbreiteter werden sie auch in der Bevölkerung sein. Auf jeden Fall fehlt hier in der Breite das nötige Problembewußtsein, die Wachsamkeit, die Critikfähigkeit.

    Die Gefahr, daß man auch in der BRD irgendwann nachlässiger werden könnte, ist nicht von der Hand zu weisen ... - Deshalb ist die unpolitische Haltung moralisch auch nicht zu verantworten. Und Politikverdrossenheit ist immer Überdruß am eigenen Leben. In der Bevölkerung dürfen sich jederzeit neue Parteien bilden - niemand steht dem entgegen! Wenn also der Souverän Volk etwas Besseres wüßte, als unsere gegenwärtigen Acteure, würde sich dies formieren und durchsetzen. In Wirklichkeit ist das BRD-Volk aber ein etwas launischer Souverän, der seine Lakaien zuweilen, neue Zerstreuungen zu organisieren scheucht, ohne seinen Lebensüberdruß wirklich bekämpfen zu wollen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. November 2007
  12. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Kannst du dich bitte in den historischen Themen an die offizielle Schreibweise halten? Es heisst heute Demokratie und nicht Democratie usw.
    Wir haben Schüler, die hier lesen. Wenn die dann Democratie schreiben, ist es falsch.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 15. November 2007
  13. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Zu allererst ein Mal: Die Hinweise auf den Versaller Vertrag erinnern mich immer sehr an die antidemokratische Propaganda in der Weimarer Republik und man sollte sich mit dem Thema nicht allzu lange aufhalten, dazumal ich meine, im Geschichtsunterricht gelernt zu haben, daß die wirtschaftlichen Belastungen Anfang der 30er Jahre längst reduziert waren.

    Wie dem auch sei, nun zu einem der Beiträge:

    Entschuldige bitte, daß ich erst jetzt nachfrage, wie du das eigentlich meintest. Ws meinst du eigentlich mit "Gesellschaftspolitik"? Mir ist der Begriff nicht geläufig. Er kommt ja noch zwei Mal im nächsten Absatz vor:

    Schließlich schreibst du kategorisch zum Schluß:

    Mir ist ebenfalls nicht ganz klar, was du du mit "Wahlentscheid" meinst: "Volksentscheid" oder "Reichtagswahl"? Vermutlich letzteres und damit die bezeichnenden Wahlerfolge der NSDAP? Allerdings stimme ich dir durchaus insofern zu, als daß die Vorstellung einer zukünftigen Diktatur durchaus als eine politische Option galt! Für die nach 1945 geborenen Generationen ist das schwer vorstellbar. Die negative Konnototation des Begriffs hat ja erst die deutsche Geschichte gelehrt!

    So weit ich mich an meinen Geschichtsunterricht erinnere gab es durchaus zwei Schwächen, allerdings durch die Weimarer Verfassung:
    1. Die politische Macht des Präsidenten (Artikel 48)
    2. Das sog. Verhältniswahlrecht

    Das wären denn aber auch nur formale Gesichtspunkte. Oben versuchst du eine Herleitung und landest vom wirtschaftlichen Elend bei den Märchenerzählungen der Republik.
    Das ist natürlich ein Erklärungsmodell: Aufgrund ihrer schlechten wirtschaftlichen Situation waren die Deutschen anfälliger für ideologische Verblendungen. Aber mich hat es nicht überzeugt und darauf zielt glaube ich auch die Ursprungsfrage

    Er präzisierte seine Frage diesbezüglich:

    Als Element einer Erklärung ließe sich z. B. die Auffassung von Alice Miller erwähnen, die mit dem Begriff der "Schwarzen Pädagogik": Sie meint, grob gesagt, daß die Nationalsozialisten letztendlich genauso gewaltsam und autoritär erzogen worden seien wie Hitler selbst. Die Schwäche ihres Ansatzes ist allerdings, daß sich ihre Theorie schwer ins Verhältnis zu anderen geschichtswissenschaftlichen Ansätzen ins Verhältnis setzen läßt. Am nächsten ist ihr noch der psychogenetische Ansatz: Untitled Document
     
  14. Hurvinek

    Hurvinek Gast


    Zu Gesellschaftspolitik


    Wahlentscheid heisst Reichstagswahlen. Die Bürger haben per Wahl entschieden. Einen Volksentscheid, wie wir ihn heute verstehen, gab es zur NSDAP nicht.
     
  15. chrdidt

    chrdidt Mitglied

    Ich lese heraus Fehler der Verfassung, unreife der Bürger etc.
    Aber nicht mit einbezogen wird die beinahe völlige Isolation des Reiches, die durch Versailes vorsätzlich geschürte Krise an den Ostgrenzen, die politische Realität grosser Teile Europas die eben nicht demokratisch waren, die "kommunistische Gefahr" usw.
    Nach 1945 war Westdeutschland hingegen fest eingebunden in den westlichen demokratischen Block, wirtschaftlich wie militärisch.
    Zwar gab es die kommunistische "Bedrohung" weiterhin aber die Konflikte spielten sich weitgehend Ausserhalb Europas ab, die Gefahr eines kommunistischen Umsturzes eines Westeuropäischen Landes sehr unwahrscheinlich, die Grenzen abgesteckt.
    Ein weiterer Punkt welcher politische Radikalität förderte war die Existenz der Klassengesellschaft, ein wichtiger Grund dieses Klassenbewusstsein in Zukunft nicht entstehen zu lassen, hier sehe ich persönlich die grösste Gefahr unserer heutigen Demokratie.
     
  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Bei (1) bis (6) würde ich zunächst inhaltlich Fragezeichen in Bezug der Auswirkungen setzen, einzig die Krise an den Ostgrenzen durch die Staaten- bzw. Gebietsregelungen des Versailler Vertrages sind mir auf Anhieb verständlich.

    Wobei mir alle 6 Punkte unklar sind bzgl. des behaupteten ursächlichen und wesentlichen Beitrags zum Übergang von der Weimarer Demokratie zur nationalsozialistischen Diktatur. :fs:
     
  17. chrdidt

    chrdidt Mitglied

    Ich glaube eine aussenpolitische Isolation wirkt sich nicht gerade vorteilhaft auf eine junge Demokratie aus die durch die Folgen eines Weltkrieges entstanden ist. Ein Punkt den Hitler mit ganz nach oben gestellt hatte war eben die aussenpolitische Gleichberechtigung die dank der Isolation,ich wage zu behaupten, einer Aufrüstung Deutschlands vorschub leistete. Unter anderem ist er mit diesen Zielen an die Macht gekommen.
    Zu Punkt 3, ich denke ein wesentlicher Vorteil, den Deutschland in der Demokratie anfangs gesehen hatte war der Gedanke und die Hoffnung zu einem anderen Verhältnis mit den westlichen Demokratien zu kommen wenn es selbst in einer Demokratie lebe und auf gleicher Augenhöhe verhandeln könnte. Speziell durch Frankreich teils verständlich,teils unverständlich wurde dieser Bonus kaum beachtet.
    Zu Punkt 4, einen Vorteil den alte Demokratien meisst haben ist oft eine geographische Sonderstellung, siehe England als Insel, USA als weitentfernte "Exkolonie", Schweiz inmitten von Bergen (wenn man vom Frauenwahlrecht absieht). Einen Vorteil der sich nicht nur auf die Bedrohung der eigenen Grenze auswirkt sondern auch auf eine gewisse Stabilität im Inneren. Wenn wir heute sagen das fast ganz Europa demokratisch ist (ausser Weissrussland und teils Russland) dann gibt das doch automatisch ein Gefühl von einer gewissen Stabilität.
    Zu Punkt 5. Der Kommunismus war auf dem Vormarsch und ich glaube viele haben für sich das nach ihrer meinung kleinere Übel entschieden. Für mich bleibt der Nationalsozialismus untrennbar vom Kommunismus wenn man den doch recht grossen Zuspruch in der Masse beachtet.
    Zu Punkt 6. Ich bin zwar nicht einer Klassengesellschaft gross geworden kann mir aber durchaus vorstellen was diese Klassen voneinander gedacht haben. Ohne Klassen keinen Klassenkampf, ohne Klassenkampf keine Strassenkämpfe usw.
     
  18. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Durch die Antwort glaube ich nun etwas besser zu verstehen, worauf Du eigentlich hinauswillst.


    Zu 1:
    Die außenpolitische Isolation der Weimarer Republik ist in den Zwanziger Jahren vor Aufstieg des Nationalsozialismus und somit vor der Machtübernahme weitgehend beseitigt worden. Die Probleme der Reparationen, der Entmilitarisierung des Rheinlandes und der Rüstungsbeschränkung haben nichts mit einer außenpolitischen Isolierung zu. Vielmehr gab es in den westeuropäischen Staaten einzelne Bestrebungen, diese Reste des Versailler Vertrages zu beseitigen.

    2. und 3. "Vorsatz" und "geschürt" verstehe ich unverändert nicht in Kausalität zum Untergang der Republik. Keiner der Urheber des Versailler Vertrages hatte im Blick, der deutschen Demokratie das Ende zu programmieren. Gleichwohl haben einige Beteiligte die Krisen der Ostgrenzen prognostiziert (ob das aber deswegen nun zwingend war?).

    4. Ausnahme Italien in den Zwanziger, wo liegen ansonsten die Probleme der Umgebung? Es gibt zB Stellungnahmen Hitlers (im Zweiten Buch 1928), wonach die "kommunistische" SU wegen ihrer Machtlosigkeit nicht als Bedrohung des restlichen Europas im "Machtkampf/Lebenskampf der Völker" gesehen wird, anders als zB die USA. Die wird man aber wohl kaum in das europäische Umfeld Ende der Zwanziger als Bedrohung der Weimarer Republik einbeziehen können, im Gegenteil. Im übrigen gab es "weit größer bedrohte" Nationen wie Rumänien und Polen. Wieso also Kausalität?

    5. Wieso und wo in der Weimarer Republik war der Kommunismus systemgefährdend auf dem Vormarsch, insbesondere im direkten Vergleich zum anderen erklärten Systemfeind, dem Nationalsozialismus? Das sind unterschiedliche Proportionen. Das Gefährliche ist vielmehr die Kombination von Beiden im informellen Zusammenwirken gegen die Republik, die nach 1930 das Weimarer System aufgrund der Mehrheitsverhältnisse paralysiert haben.

    6. Im Endstadium der Weimarer Republik muss man nicht das marxistische Bild des Klassenkampfes bemühen. Den blutigen Kampf an sich führten die Gegner KPD und NSDAP, Kleinbürger, Landwirte, Arbeiter, Arbeitslose u.a. Betroffene der Wirtschaftskrise. Zugleich entschieden diese Schichten die Wahlen aufgrund ihrer Zahl. Die NSDAP ließ sich in ihrem Streben zur Machtübernahme herzlich wenig von industriellen Kreisen beeinflussen oder gar steuern, auch wenn man in klammer Lage gerne Gelder annahm, aber Hitler als Marionette ist wohl eher ein zu schlichtes Bild. Auch die Kaltstellung Strassers in der linken Ecke der NSDAP würde ich eher dem Machtkampf mit Hitler, vielleicht dem weiteren ungestörten Geldfluß zuordnen. Um dieses Verhältnis der NSDAP/Hitlers "nach oben" und aus ihrer Sicht zu klären, ist ein Blick auf die ersten Sitzungen des Wirtschaftsrates und die Befehlsempfänge für die Industrie interessant.

    Die falsche Analyse des 7. Komintern Anfang der Dreißiger hatten wir hier schon einmal:
    http://www.geschichtsforum.de/f66/faschismus-als-ideologie-des-kapitalismus-17434/#post273246
     
  19. chrdidt

    chrdidt Mitglied

    Zu 1. : Was Reparationen angeht hast du sicher Recht, aber in Hinblick auf die Ostgrenzen, Danzigfrage und Minderheitenschutz in den von Deutschen besiedelten Gebieten war es weitgehend isoliert. Der Status Quo, sprich Garantie der Westgrenze bedeutete noch lange nicht das ein deutscher Politiker ( auch Streesemann nicht) jemals selbiges im Osten vornehmen würde.
    Zu 2. : Nach erster Lektüre des V-Diktats bemerkte Brockdorf- Rantzau Zit:"Der Vertrag steht in schroffstem Widerspruch mit der vereinbarten Grundlage für einen dauerhaften Rechtsfrieden. Nahezu keine einzige Bestimmung des Vertragsentwurfs entspricht den vereinbarten Bedingungen, und der Entwurf fordert in territorialer Hinsicht die Annexion rein deutschen Gebietes und die Unterdrückung des deutschen Volkstums. Er bringt die völlige Vernichtung des deutschen Wirtschaftslebens. Er führt das deutsche Volk in eine in der Weltgeschichte bisher nicht gekannte finanzielle Sklaverei. Die Verwirklichung dieses Vertragsentwurfs würde für die ganze Welt ein neues Unglück bedeuten"(in Diwald, S.243)
    Wladimir Iljitsch Lenin Zit:
    "....Der Krieg hat ihnen durch den V.Vertrag auf viele Generationen hinaus gebundenund in Verhältnisse versetzt, unter denen noch kein zivilisiertes Volk gelebt hat...Der V.Vertrag hat für Deutschland und eine ganze Reihe anderer Länder verhältnisse geschaffen, unter denen eine wirtschaftliche Existenz materiell unmöglich ist; Verhältnisse völliger Rechtlosigkeit und Erniedrigung" (Lenin Bd.31, S 205)
    John Maynard Keynes Zit:
    "... Es ist nicht üblich, dass zivilisierte Länder Gewalt anwenden, um Verbrecher, selbst wenn sie von deren Schuld überzeugt sind, zu zwingen, ein Geständnis abzulegen; es scheint noch barbarischer , gewalt nach Art der Inquisitoren anzuwenden, um die Annahme eines Glaubensartikels zu erzwingen nur deshalb, weil man selbst daran glaubt. Trotzdem haben die Verbündeten anscheinend gegenüber Deutschland diese niedrige und schädliche Prinzip zur Anwendung gebracht und ein Volk mit dem Bajonett zu der tiefen Erniedrigung gezwungen, durch seine Vertreter etwas zu wiederholen, was sie für unwahr hielten" (Keynes; S. 42/43)
    Nur ein paar Beispiele wie Menschen dachten deren Weltbild bestimmt extrem unterschiedlich war. Zahlreiche Nobelpreisträger, Kleriker, Professoren, Zeitungen usw sahen es ähnlich, mitnichten eine weltweite Mindermeinung. Zwar wurde nicht direkt die Demokratie Deutschlands versucht zu zerstören, aber der Vorsatz Deutschland an sich und damit auch die Demokratie zu schwächen kann man durchaus sehen. Die Tatsache das durch den Vertrag kein wirklicher Frieden zugelassen wurde lässt andere Gedanke hochkommen.
     
  20. chrdidt

    chrdidt Mitglied

    zu 4. Die Komintern ging immernoch von der Möglichkeit der Weltrevolution aus und agierte auch entsprechend. Erst mit der beginnenden Kommunistenverfolgung in Deutschland haben sie sich zur Volksfront mit demokratischen Parteien zusammengeschlossen. Das Demokratieverständis von heute unterscheidet zudem von damals, zB Kolonialreiche oder Imperialsimus, auch die Frage wann ein Staat als Demokratie angesehen wurde obwohl es autoritär gelenkt wurde oder einer grossen Minderheit das Wählen verboten wurde usw.
    zu 5. Ich sehe den Nationalsozialismus als direkte Reaktion auf den Kommunismus, die Kombination hat gerade in Bezug auf Deutschland mit seiner breiten Mittelschicht eine verheerende Wirkung auf die Demokratie gehabt.
    Zu 6. Jo da hab mich zu einseitig ausgedrückt, ich meine jetzt nicht unbedingt nur den durch Kommunisten propagierten Klassenkampf in Theorie und Praxis, sonder Existenz der Klassen an sich und dem nach heutigem angewanten Verhalten der Schichten zueinander. Relikte wie zb das es einem Daimler-Bnz-Vorstandsmitglied untersagt sei in dörflichen Gaststätten zu essen sind ja nur noch recht selten.
     

Diese Seite empfehlen