Übergewicht im Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von MacX, 4. Januar 2013.

  1. Isleifson

    Isleifson Gesperrt

    Sind das nicht die Thesen von Heinsohn?
     
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  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Bacci zitiert nur die älteren Überlegungen von Abel, der wiederum stützt seine "Fleischkonsum-"Betrachtungen auf die Studie von Schmoller:
    JSTOR: An Error Occurred Setting Your User Cookie
    Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft Bd. 27, H. 2. (1871), S. 284-362

    Das ist von 1871. Deshalb die wohl naheliegende Frage, ob das überhaupt einer Überprüfung standhalten kann. Schlussfolgerungen aus punktuellen Betrachtungen von "Tafelfreuden" haben jedenfalls keine makroökonomische Basis.
    Auch hier nichts Neues, sondern das ist Gegenstand der "Fleischkontroverse".
    Das 19. Jahrhundert ist dagegen recht gut erforscht, was "Warenkörbe" angeht, gibt aber nichts her für die Diskussion zum Mittelalter.

    Was lässt das für Rückschlüsse auf den gesamten Konsum von Nahrungsmitteln und deren Zusammensetzung zu?


    Solche "Warenkörbe" sind selbst für das 19. Jahrhundert nicht unproblematisch. Vor 1850 gibt es keine empirische Datenbreite, mangels Daten.


    Da fragt man sich, wie bei Unterschreiten des Existenzminimums die Existenz fortgeführt wurde.

    Wie wird der Warenkorb für das 16. Jahrhundert ermittelt? Über Preise und Löhne gibt es diverse (ausreichende) Quellen. Interessant sind doch hier die Wechselwirkungen, so die relativen Preisentwicklungen. Was sagt uns das, wenn Nahrungsmittelpreise sich verdoppeln, Löhne geringfügiger steigen, und Preise von Textilien sich verdreifachen, und Kohle/Holz sinken?

    Welche Bedeutung hat denn der Eisen/Lohnpreisvergleich in dem Zusammenhang?
    Wäre es nicht zielführend, Getreidepreise mit den übrigen Komponenten des "hypothetischen" Warenkorbes zu vergleichen, also Miete, Textilien, Genussmittel, Brennstoffe etc. Welche Umschichtungen fanden hier statt? Welche Bedeutung haben die Marktpreisentwicklung in Bezug auf Bereiche der Selbstversorgung, welche Bedeutung die Verteilung von städtischen und ländlichen Gebietsstrukturen?
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    1.
    Das sehe ich auch so.
    Ne andere Baustelle, aber vielleicht nicht so arg hinkend als Vergleich: Ich höre immer wieder, dass eine große Körperfülle im 18.Jh. als erstrebenswert gegolten habe. In keiner Quelle aus der Zeit ist davon die Rede. Als Beleg wird immer wieder der Körperumfang (nicht nur damals oft gewogen, sondern auch anhand von erhaltenen Kleidern nachweisbar) von August dem Starken herangezogen. Dieser Beleg ist natürlich nicht nur singulär, sondern nichtmal als solcher belastbar, weil ich nirgendwo finden kann, dass sein Gewicht irgendwie als besonders reizvoller Aspekt seiner Erscheinung empfunden worden wäre.

    Man kennt heute recht gut die Speisefolgen von damals. Aber was belegt uns das? Wissen wir deshalb, dass alles das auch von jedem Anwesenden verzehrt wurde?
    Aus der FNZ sind dahingehend die Quellen etwas brauchbarer, ob Beschreibungen von den Herrschern, Porträts (die häufig korpulenten Landesfürsten wurden ja bereits angeführt) oder ähnliches.

    2.
    In irgendeinem Aufsatz, ich glaube über Preise im frühneuzeitlichen Linz, wurde auch ein Handwerkerlohn im Vergleich zur Menge des dafür erwerbbaren Rinderfleisches dargestellt. Warum da so sehr auf dem Rinderfleisch rumgeritten wurde, war mir auch nicht begreiflich.

    Unterhaltsamer, wenn auch nicht unbedingt zielführender, wären für mich Biographien von Personen, die nachweislich übergewichtig waren und bei denen sich dies auch auf die Gesundheit ausgewirkt hat. Ich erinnere mich an irgendeinen Edelmann, der sich wegen seiner Fettleibigkeit einer brutalen Behandlung unterzogen haben soll, um sich einem Feldzug seines Lehnsherrn anzuschließen. Muss nochmal schauen, wer das war. :)
     

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