Unabhängigkeit latein-amerikanischer Staaten durch Krieg in Europa?

Dieses Thema im Forum "Lateinamerika | Altamerikanische Kulturen" wurde erstellt von xXNatsuXx, 20. Dezember 2013.

  1. xXNatsuXx

    xXNatsuXx Mitglied

    Hallo liebe Community,

    ich weiß, der Titel ist vielleicht ein wenig ungünstig, was ich jedoch meine ist:

    Ich habe in einem Magazin über Lateinamerika gelesen, dass ein entscheidender Grund für Loslösung vieler Kolonien (von Spanien) Kriege waren, in denen Spanien verwickelt war.

    Leider ist nichts genaueres erwähnt, nur dass ein Krieg gegen England und ein weiterer gegen das mapoleonische Frankreich verloren wurde, daher meine Fragen:

    1.) Haben diese Kriege einen Namen?
    2.) Wann (genau) fanden diese Kriege statt?
    3.) Was waren die Auslöser?
    4.) Wo fand der Krieg gegen England statt? Bei Frankreich ist es denkbar, liegt ja direkt neben Spanien, aber wo konnte ein Krieg gegen England stattfinden?

    Vielen, lieben Dank im Voraus! :winke:
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    auf hoher See.

    spanische Armada hie, da Sir Francis Drake
    Francis Drake ? Wikipedia
    von dort aus findest du weiteres Material
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Zur Zeit der Französischen Revolution und Napoleons.

    Kürzest zusammengefasst: Spanien griff Frankreich an, verlor und geriet völlig unter französische Kontrolle. Schließlich wurde Spanien sogar von französischen Truppen besetzt und ein Bruder Napoleons zum König gemacht. Dem Volk passte das alles aber überhaupt nicht, und es kam zum blutigen Widerstand.

    Einerseits zur See: Frankreich zwang Spanien zu einem Bündnis gegen Großbritannien - mit der Folge, dass u. a. die Verbündeten gemeinsam die Seeschlacht von Trafalgar gegen die Briten verloren.
    Andererseits aber auch zu Lande: Die Briten landeten in Portugal und stießen von dort aus nach Spanien vor.
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Zu den historischen Ereignissen in Europa haben andere Forianer schon einiges gepostet. Zur Freiheitsbewegung in Lateinamerika geben diese Artikel Auskunft:

    Simón Bolívar - Wikipedia, the free encyclopedia
    Antonio José de Sucre - Wikipedia, the free encyclopedia
    José de San Martín - Wikipedia, the free encyclopedia

    Beim Freiheitskampf der heutigen Staaten Kolumbien, Ecuador und Bolivien spielte auch ein hessischer Kavallerieoffizier eine bedeutende Rolle.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Philipp_Braun
     
  5. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Eher Anlass als Grund.

    Zwei Länder müssen ja nicht unbedingt nebeneinander liegen um Krieg zu führen. Die Taliban wohnen auch nicht gleich hinter der Oder.


    Seeeehr kurz aber nicht ganz korrekt. Spanien hat zwar in den Pyrenäen-Krieg einen Niederlage erlitten und musste ein Teil seines Territoriums durch die Abtretung von Kolonien (Teile von Santo Domingo) "zurückkaufen." Das Bündnis mit Frankreich kam jedoch erst später auf Betreiben des Premierminister Manuel Godoy zustande, der damit seine eigenen Ziele verfolgte. (Dazu muss man bedenken, dass Frankreich ein Traditioneller Alliierter Spaniens war, die Briten dagegen ein alter Feind gegen den man in der Zeit zuvor zwei lange Kriege geführt hatte).

    Portugal wiederum widersetzte sich der von Napoleon verhängten Kontinentalblockade gegen Großbritannien, der sich Spanien angeschlossen hatte. Spanien in Allianz mit Frankreich erklärte 1801 Portugal den Krieg und besetzte ein Teil des Landes (Orangen-Krieg). Dieser Konflikt dauerte jedoch nur 18 Tage und es waren weder Briten noch Franzosen beteiligt.

    Erst 1807 schickte Frankreich, mit der Genehmigung Godoys, eine Armee unter Junot nach Portugal, worauf die Briten ebenfalls Truppen sendeten. Diese waren jedoch völlig auf der Defensive, bis 1808, nachdem Napoleon den spanischen König abgesetzt und durch seinen Bruder ersetzt hatte, die Spanier rebellierten und die Seiten wechselten. Erst danach konnten die Briten auf spanisches Territorium vorstossen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Dezember 2013
  6. xXNatsuXx

    xXNatsuXx Mitglied

    Vielen, lieben Dank!!!

    Ich bin echt erstaunt, dass die Geschichte so viel mehr zu bieten hat als in der Schule!
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Um zur Ausgangsfrage zurückzukehren: Die meisten Kolonien erreichten die Unabhängigkeit von Spanien in der Folge der bereits erwähnten napoleonischen Besetzung Spaniens und der spanischen Widerstandsbewegung. Cádiz, die nie von napoleonischen Truppen besetzt werden konnte, wurde gewissermaßen zum politischen Zentrum der spanischen Welt, wo Deputierte aus Spanien und den amerikanischen Kolonien eine liberale Verfassung ausarbeiteten, die vor eindreiviertel Jahr ihr zweihundertjähriges Jubiläum feierte:
    http://www.geschichtsforum.de/f16/d-de-la-pepa-200-jahre-41943/
    Hier wurden einerseits die Interessenkonflikte zwischen Konservativen und Liberalen deutlich, auf der anderen Seite aber auch die zwischen Amerikaspaniern und Europaspaniern. Viele derer, die später an der Ausfertigung der Verfassungen der jungen lateinamerikanischen Staaten beteiligt waren, waren in den Jahren 1810/11 als Deputierte in Cádiz und wirkten an der Verfassung mit.
    Ein weiterer wichtiger Punkt war die Infragestellung des absoluten Primats des Königs. Zwar nahm die Verfassung von 1812 auf, dass Fernando VII., wenn er aus der napoleonischen Gefangenschaft befreit sei, wieder König von Spanien und seinen Kolonien sein solle, aber seine Machtbefugnisse wurden stark eingeschränkt. Dies wiederum ließ sich Fernando, als er dann 1814 tatsächlich freikam, nicht gefallen und setzte die Verfassung wieder außer Kraft - was den Deseado, den 'Ersehnten' durchaus Beliebtheit kostete. Aber erst 1820 kam im Zuge von Meutereien durch Offiziere zum trienio liberal, also zu einem dreijährigen Zeitraum, in dem die Verfassung von Cádiz wieder in Kraft gesetzt wurde. In diesem Zeitraum zwischen 1808 und 1820 gingen für Spanien die meisten Kolonien verloren.
     

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