Unterschiede Merkantilismus - Planwirtschaft

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Joachim, 6. März 2006.

  1. Joachim

    Joachim Neues Mitglied

    ... der heutzutage bekannten Planwirtschaft. Grob gesehen haben wir doch bei beiden die Monopolisierung der einzelnen Betriebe und die Vorgabe und Kontrolle der Produktion der Güter durch den Staat,der allgemein den gesamten Ver lauf der Wirtschaft im eigenen Land in die Hand nimmt.Kann man den Merkantilismus also als Vorläufer der Planwirtschaft sehen oder gibt es doch grundlegende Unterschiede ,die ich übersehe?
    Mfg:grübel:
     
  2. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Ich würde es folgendermaßen formulieren:

    1. Merkantilismus ist eine Form der Planwirtschaft. Planwirtschaft ist also der Überbegriff.

    2. Es gibt auch innerhalb "unserer" Marktwirtschaft partielle Planwirtschaft. Die Krankenkassen, etwa, sind in Deutschland staatlich bzw. planwirtschaftlich organisiert.

    3. Die sozialistische Planwirtschaft, die Du sicher meinst, ist eine Extremform von Planwirtschaft. Die gesamte Produktion, die Landnutzung, die Preisbildung und die Verteilung von Gütern war staatlich gelenkt. Bis auf wenige Ausnahmen waren sämtliche Marktgesetze ausgeschaltet...

    4. Der Grad der Zentralisierung war im Zeitalter des Merkantilismus sicherlich hoch, aber keineswegs hoch genug, um wirklich alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche zu durchdringen. Der König bestimmte sicherlich nicht, was ein Bauer bei Lyon anzubauen und abzuliefern hatte.

    Es gäbe dazu noch viel mehr zu sagen, aber ich habe grade keine Lust den Alleinunterhalter zu spielen ...

    Der Nächste, bitte!
     
  3. Joachim

    Joachim Neues Mitglied

    Aber was die Herzustellenden Exportgüter sein sollten wurde doch vom Staat vorgegeben ,die Landwirtschaft wurde ja gröstenteils ignoriert ; klar das dein Bauer in Lyon da nicht sehr viel von mitbekommen hat:winke:
     
  4. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Der Aussenhandel war sicherlich der wichtigste Aspekt. Dazu gab es aber auch andere staatliche Monopole, wie schon in den Jahrhunderten davor...
     
  5. Steph

    Steph Neues Mitglied

    Ja, sicherlich war der Außenhandel der wichtigste Aspekt. Aber bitte neben Monopolbildungen nicht vergessen: eine wichtige Funktion des Merkantilismus war die Vereinheitlichung von Maßen und Gewichten, die Beseitigung der Binnenzölle und eine aktive Bevölkerungspolitik.
    Charakteistisch für den Merkantilismus ist ja auch, dass er ein "Sammelsurium" verschiedener wirtschaftspolitischer Ideen und Politiken ist.
     
  6. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Das ist aber Aufgabe JEDES Staates und war zu allen Zeiten enorm wichtig für die Wirtschaftsabäufe.
     
  7. Joachim

    Joachim Neues Mitglied

    Nur wurde es damals wahrscheinlich zum ersten mal konsequent durchgesetzt
    :winke:
     
  8. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

    Nicht nur die Lenkung erfolgt durch den Staat oder/und gesellschaftliche Organisationen, z.B. die Gewerkschaften, sondern - ganz entscheidend - das produktive Eigentum liegt von minimalen Ausnahmen abgeshen beim Staat bzw. gesellschaftlichen Organisationen.
    Das gibt's im Merkantilismus nicht.
    Von daher ist der Merkantilismus kein Vorläufer sozialistischer Planwirtschaft, sondern eher den von Pope angesprochenen "planwirtschaftlichen", aber "privat"wirtschaftlichen Elementen eines marktwirtschaftlichen Systems.
     
  9. Joachim

    Joachim Neues Mitglied

    Also für den Blöden(mich) ausgedrückt : Im Sozilismus gibt der Staat den Etat vor und im vor und im Merkantilismus haben die Eigentümer ihren eigenen Geldbetrag ,müssen aber die Vorstellung des Staates umsetzen ,oder wie?!:grübel:
     
  10. Penseo

    Penseo Neues Mitglied

    Da ich heute nur wenig Zeit habe:

    1. Mit dem Merkantilismus wurde zum ersten Mal eine neue wirtschaftliche Sichtweise praktiziert.
    Im Mittelalter galt übermässsiges Gewinnstreben als moralisch verwerflich. Der Merkantilismus zielte aber auf den Profit ab. Die Wirtschaft stand dabei im Dienste des (absolutistischen) Staates. Mit den Einnahmen aus dem Handel ( entweder über Besteuerung der Handelsgewinne oder über direkte staatliche Beteiligung am Handel) sollten höfische Macht- und Prunkentfaltung finanziert werden. (Finanzierung eines dauerhaften, repräsentativen Herrschaftssitzes mit Hofstaat, eines Heeres).
    Staatlicher Reichtum wurde in Gold gemessen. Mit dem Export von im Lande veredelten Gütern (es musste wertmässig mehr exportiert als importiert werden) floss Gold ins Land, das Land wurde also reicher.
    Dazu wurden Importe mit Zöllen belegt (künstlich verteuert), während der Export auf unterschiedliche Weise gefördert wurde (künstlich niedriges Lohnniveau zur Senkung der Produktionskosten, Vergabe von Monopolen, um Monopolgewinne zu sichern, Einführung kostensparender Produktionsmethoden, sprich Manufakturen). Diese Sichtweise erklärt die starke Aussenhandelskomponente.
    Ebenso wichtig waren Kolonien, um Rohstoffe und Absatzmärkte zu sichern.

    2. Der Begriff Planwirtschaft ist so etwas ungenau. Natürlich wird innerhalb einer Wirtschaft immer irgendwo etwas geplant. Einzelne Unternehmen planen ihre Strategie, ein einzelner Konsument plant seinen Konsum usw.
    Das ist aber noch keine Planwirtschaft.
    Nach Weber ist die Planwirtschaft dadurch gekennzeichnet, dass sie sich nicht daran orientiert, einen Gewinn zu erzielen (Weber spricht vom Nutzen von Erwerbschancen). Geplant wird die Bereitstellung von Gütern zur Befriedigung der ( vorher ermittelten) Nachfrage. Im Grunde genommen könnte das System ohne monetäre Zwischengrössen auskommen, da die Preisbildung als Koordinierungsgrösse zwischen Angebot und Nachfrage keine Rolle spielt.

    3. Im Falle von Merkantilismus würde ich nun nicht von einer Planwirtschaft sprechen wollen. Ganz entscheidender Antrieb für wirtschaftliche Betätigung ist im Merkantilismus die Erzielung von Gewinn. Der Preismechanismus bleibt erhalten.
    Was ist planerisch am Merkantilismus? Nunja, durch die aktive Wirtschaftspolitik des Staates (Monopolvergabe, Subventionen, Lohnfestsetzungen, gar staatliche Manufakturen) wirkt der Merkantilismus sehr geplant. Allerdings halte ich das Wort "geplant" in diesem Zusammenhang für unglücklich. Meines Erachtens ist der Begriff "gelenkt" wesentlich passender, da in dem Fall das private Gewinnstreben als Antriebsfeder für Wirtschaftsprozesse erhalten bleibt.
    Durch den staatlichen Eingriff werden lediglich die Gewinnchancen der Unternehmer erhöht (und damit auch die staatlichen Einnahmen durch höheres Steueraufkommen).

    Schönen Abend noch
     
  11. Joachim

    Joachim Neues Mitglied

    Zum 3. Punkt von Penseo :
    Versteh ich dich richtig in der Annahme ,dass du mit deinen letzten Sätzen AUCH meinst ,dass der Merkantilismus im Gegensatz zur Planwirtschaft die Produktionsmenge/-art nicht im Voraus bestimmt hat ,sondern erst die Nachfrage beachtete?:grübel:
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. März 2006
  12. Penseo

    Penseo Neues Mitglied

    Nein, verstehst Du nicht richtig. Jedes Unternehmen plant seine Produktionsmenge und die Art, wie es produziert. Es plant, von wo es Rohstoffe bezieht, wie es absetzt, wo wohl der Markt mit den grössten Gewinnchancen liegt usw.
    Es plant aber unter der Massgabe, einen Gewinn zu erzielen.
     
  13. Freund07

    Freund07 Mitglied

    Der große Unterschied zwischen der sozialistischen Planwirtschaft und den Merkantilismus liegt in den Eigentumsverhältnissen an Produktionsmitteln (Webstühle, Mühlen etc.) und an Land sowie den Zielen dieser Wirtschaftssysteme.
    In einer soz. Planwirtschaft gehören die Produktionsmittel dem Staat. Land (Boden) gehört den Genossenschaften die unter staatlicher Kontrolle liegen. Der privatwirtschaftliche Sektor (kleine Handwerksbetriebe etc.) spielt keine entscheidende Rolle.
    Im Merkantilismus gehören die Produktionsmittel Privatpersonen.
    Nun zu den Zielen. Die soz. Planwirtschaft hatte das Ziel durch fortwährende Steigerung der Produktivität etc. den Boden für den Übergang zum Kommunismus zu bereiten. In Krisenzeiten ging es dann auch um die erfolgreiche Führung eines Krieges (Sowjetunion 1941-45).
    Der Merkantilismus hatte vorallem zum Ziel das stehende Heer, diverse Kriege und nicht zuletzt die teure Hofhaltung (1788 knapp 10% der Staatsausgaben) zu finanzieren.
     
  14. Penseo

    Penseo Neues Mitglied

    Es gab damals auch staatliche Manufakturen.
    Aber auch diese sollten Gewinn erzielen.
     
  15. Freund07

    Freund07 Mitglied

    Hallo Penseo,

    du hast natürlich recht. Es gab auch staatliche (königliche) Manufakturen. Aber der übergroße Teil des Bruttosozialproduktes wurde im privatwirtschaftlichen Sektor erzielt.
     

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