Untreue Aristokraten und intrigante Mätressen?

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von geschichtsfan07, 24. Oktober 2008.

  1. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Das Thema "Mätressen" steht immer mal mit im Blickfeld der Diskussionen und wird kritisiert. Zu Recht?
    Damit bin ich auch schon beim Inhalt des Threads. Eigentlich recht simpel zu beantworten, könnte man meinen, doch als ich heute in einem Buch las, welches sich einzig mit den Liebesabendteuern von August dem Starken beschäftigt, kamen mir viele Gedanken, welche teilweise, zu meinem Leid, ohne Lösung blieben.
    Es ist außerdem vorweg zu sagen, dass ich meine Überlegungen schreibe, ich nicht gedenke hindurch Festschreibungen zu tätigen und es nicht mein Wille ist Beeinflussung jeglicher Art vorzunehmen.
    Mein Wunsch ist es, dass verschiedene Meinungen geäußert werden und dass Argumente und Thesen zu einer angenehmen Diskussion führen.

    Nun...
    Ich denke, dass es nicht einfach war an einem großen Hofstaat zu leben. Zum Einen herrschten teilweise Intrigen und Neid von so weitem Ausmaß vor, dass einem Angst und Bange wird. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass man nicht selten von geplanter Kriminalität sprechen kann. Zum Zweiten war das Glück und der Zufall von Nöten, dass man einer Kabale und womöglich dadurch dem Tod, der Haft oder der Verbannung entging. Was konnte einen dazu drängen eine Intrige zu spinnen? - Eigener Vorteil und Egoismus. Doch brauchte man dies auch nicht um zu bestehen? Man spielte sich also aus, man konnte kaum jemandem vertrauen, man musste jeden Tag darum bangen und um möglichst nicht der schwarze Peter zu sein, nahm man selbst eine Intrige gegen die "Konkurrenz" auf und machte eifrig mit (quasi dem eigenen Unglück zuvorzukommen und zu versuchen es von einem abzuwenden). Kann man also von einer Art Gruppenzwang reden? Ich denke ja und ist Gruppenzwang verwerflich? Ich denke schon, jedoch sind es nicht viele Menschen die "gegen den Strom" schwimmen und wenn sich ein Höfling getraute seinem Herrn entgegen dessen Befehlen zu handeln dann waren Sanktionen so sicher wie das Amen in der Kirche.
    Auch wieder verständlich, aus der Sicht des Monarchen; er konnte es sich nicht erlauben Schwäche zu zeigen sonst war er bald schneller seine Autorität los als er gucken konnte.
    So und nun in dem Ganzen die Liebe.
    Heiraten dienten eh nur für die Politik und Liebe war wohl fast immer für diese ein Fremdwort. Gegenseitige Achtung kam schon öfters vor, wobei auch die Etikette und die hohe Geburt der Eheleute Einiges bewirkte.
    In den meisten, mir bekannten, Beziehungen war der Monarch der Urheber des Ganzen. Er erblickt sein "Opfer", findet ihr Aussehen hinreißend, empfindet ihren Geist liebenswürig und gut und verliebt sich Hals über Kopf in die junge Frau, welche oft noch nicht lange am Hof verweilte und die oft harten Gepflogenheiten noch kaum vollends kennengelernt hatte.
    Sie wird überrannt mit den Liebesbezeugungen des hohen Herrn, schmilzt beim Anblick der prachtvollen Geschenke dahin und erliegt dem Versprechen der ewigen, ungeteilten Liebe. Sie durfte sich nicht seiner Gunst entziehen. Die Folgen wären oft nicht angenehm gewesen.
    Nun existiert eine geheime Beziehung, welche sich dahin ausweiten konnte, dass die Erwählte dem Hof vorgestellt wurde. Doch um dies zu erreichen benötigt die Geliebte nicht nur ein wundervolles Aussehen, sondern auch einen hohen Geist, um den Herrscher bestmöglich zu unterhalten und um ihn an sich binden zu können.
    So und nun ist der Punkt gekommen Kritik auszusprechen. Die Kirche kam dem nach, indem sie drohte dem Monarchen bei Beibehaltung der Beziehung die Absolution nicht zu erteilen.
    Die aufkommenden Lehren der Aufklärung dulteten nicht, dass die Ehe so offenkundig gebrochen wurde und heute sind Monarch und Mätresse verschwenderische, unmoralische Irgendwas.
    Tja aber ist es ihnen denn so absolut zu verübeln, dass man sie teilweise so scharf kritisiert und als das schwarze Schaf der Zeit denunziert, wie es Albrecht der Entartete für die Wettiner war?
    Ich bin der Meinung, dass solches Sinnen zu weit gehen würde, wobei es natürlich nicht vollkommen gerechtfertigt werden kann.
    Der Monarch hatte eine Vorbildfunktion und hat sich gewissermaßen gehen lassen, indem er sich eine Geliebte nahm, doch er war auch ein Mensch und ich bin mir sicher, dass ich nicht nennen brauche, was Liebe alles anrichten kann.
    Ich bin der Meinung, dass die Untreue der Aristokraten durchaus, jedoch eingeschränkt, gerechtfertigt werden kann. Mein Argument hierfür ist es auf die menschliche Natur zu verweisen.
    Hierzu kommt mir ein etwas abwegiger Gedanke. Kann das Mätressendasein so schandhaft gewesen sein, wenn ein so hoher Geist wie Voltaire Madame de Pompadour schätzte und Aurora von Königsmarck voller Bewunderung "Die berühmteste Frau zweier Jahrhunderte" nannte?

    Intrigante Mätressen?
    Herzensgute Damen verschwanden nach einer Weile von der Seite des Monarchen, wie bspw. Louise de la Vallière.
    Intrigen rührten vom Eigennutz heraus und Damen wie Madame de Montespan wurden daraufhin die Frau an der Seite des Monarchen. Doch zu gewagter Eigennutz brachte die Quittung mit sich, welche Madame de Montespan oder die Gräfin Cosel erreichte.
    Doch die Mätresse hatte unaufhörlich zuzusehen, dass ihre Position nicht angreifbar war. Wenn sie sich nicht einiger Intrigen bequemte, so war ihre Position oft passé und damit ihr sonst recht angenehmes Leben.
    Oftmals kam es auch zu Auseinandersetzungen, wenn die Mätresse die Eifersucht der Gemahlin des Monarchen zu spüren bekam. Doch kurzum ist hierzu zu sagen, dass kluge, rechtschaffende Frauen, die sich mit der Gemahlin des Herrschers verstanden einen weiseren Weg einschlugen, als die Damen, welche ihre Rivalin aus dem Rennen schlagen wollten.

    Verwerflich ist das Mätressendasein nicht, finde ich, denn ich meine, dass die menschliche Natur Argument genug dafür ist und Raum für Kritik offen lässt. Doch nimmt man nicht damit eine kritische Haltung gegenüber dem menschlichen Wesen und damit ferner sogar sich selbst gegenüber ein?

    Abschließend bin ich fürs Erste der Meinung, dass der Monarch einfach mal Mensch war, wenn er sich verliebte, und dass die spätere Mätresse nicht selten sich dem Willen des Herrschers ergab um zu verhindern, dass sie sein Zorn erreichte. Solche inneren Konflikte sind wirklich nicht gerade toll, welche eine Frau, wie Aurora von Königsmarck, zu lösen hatte.

    Welcher Mensch bereitet selbst den Weg zu seinem eigenen Unglück?
    (Monarch und Mätresse betreffend)
     
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  2. Vercingetorix01

    Vercingetorix01 Gesperrt

    War das wirklich so oft aus Liebe? Ich dachte immer, das liefe meist nur auf sexueller Basis ab. :grübel:
     
  3. Soleil Royal

    Soleil Royal Neues Mitglied

    Ich denke man muss da auch jeden Monarchen gesondert betrachten.

    Bei Louis XIV sollte es eigentlich für jeden nachvollziehbar sein, warum er Maitressen hatte.
    Seine Frau, die Infantin von Spanien, sprach kaum französisch, war kaum gebildet, interessierte sich nur für Hunde und ihre "Zwerge" zudem kam noch dazu, dass sie nicht gerade hübsch war um es vorsichtig zu beschreiben und keinerlei sexuelle Reize hatte.
    Durch die spanische Mode wurde sie schon als Mädchen so zugeschnürt, dass sich kein richtiger Busen entwickeln konnte.
    Und bedenkt man die Mode am frz. Hof, wo gerade dieses Merkmal mehr als hervorgehoben wurde, fällt es mir nicht leicht, die Anekdote zu glauben, die nach dem ersten Treffen des jungen Königs mit der Infantin berichtet wird:
    Er heulte sich beim großen Conde fast die Augen aus.


    Bei Louis XIV sehe ich eher das, was geschichtsfan07 beschrieben hat, die natürliche Sehnsucht nach Liebe.
    Zwar hatte auch er eine Phase (ab 1675 - 1680) wo er zahlreiche Affären unterhielt die nichts außer Sex beinhalteten, aber im Gegensatz zu Charles II. oder seinem Enkel Louis XV war der Sonnenkönig eigentlich zurückhaltend und trieb es kaum schlimmer als die meisten Männer Heute.

    Charles II. den ich aufgrund seines Humors und seiner großen Kunstliebe, sehr schätze, wurde allerdings nachgesagt, dass er über 39 Maitressen hätte.
    Dazu gibt es auch wieder eine Legende.
    Charles wurde ja wegen seiner exzessiven Liebeleien vor ein Kirchengericht berufen.
    Dort wurde er befragt, ob es stimme, dass er soviele Maitresse habe.
    Er antwortete in gewohnter Weise
    "Sicher, für jeden Glaubensartikel der anglikanischen Kirche, eine Geliebte. Es gibt 39 nicht war ? So ergeben bin ich unserer Kirche"

    Aber auch Charles hatte ähnliches Pech, als er seine Frau, Katharina von Braganza sah, sagte er voller Entsetzen "sie haben mir eine Fledermaus geschickt!" (der Eindruck kam wohl durch die sehr spezielle Haarmode)
    Trotzdem scheint er zumindest mit ihr eine freundschaftliche und später auch liebevolle Beziehung gehabt zu haben.


    Bei Louis XV, fehlt mir allerdings bei einigen Dingen das Verständnis.
    "Der Hirschpark" ist einfach das allerletzte.
    Es wird berichtet dass dieses Bordell im Park von Versailles nur mit äußerst jungen "Hirschkühen" bestückt sei.
    Mit 15 Jahren waren sie bereits zu alt.
    Das ist pervers tut mir leid.
    Zudem muss er wohl eine beachtliche Sammlung an pornographischen Material im Petit Trianon zusammen getragen haben.
    Als Louis XVI das Chateau nach dem Tod seines Großvaters betrat, soll er schokiert rückwärts aus dem Palais gestolpert sein, und den direkten Befehl gebeben haben, alles zu verbrennen.
    Schade eigentlich, für die Kunstgeschichte, wäre eine solche Sammlung ein wahrer Schatz gewesen.... aber angeblich gibt es ja noch eine viel bessere Sammlung von Katharina der Großen.
    Nur die wird wohl unter Verschluss gehalten :motz:

    Boucher hat einige der Damen ja portraitiert, da erahnt man zwar nicht, dass es sich um 14 oder 15 jährige Mädchen handelte, aber es ist so gewesen:


    [​IMG]
     
  4. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Nunja ein Funken Liebe wird bei jeder Beziehung zwischen einem Monarchen und einer Mätresse bestanden haben, welcher dann früher oder später erlosch. Zumindest kann man davon sprechen, dass der Monarch sich in das Äußere der späteren Mätresse verliebt hatte.
    Wenn man von Liebe im 17./18. Jh. spricht, ich glaube, dann darf man nicht zu sehr an den heutigen Wertvorstellungen, in dieser Hinsicht, hängen.

    Das ist doch gerade schön. :D

    Ich stimme zu, dass der "Hirschpark" nicht gerade für meine Argumente spricht, doch kann man nicht auch dafür eine mildere Verurteilung finden?
    Fakt ist jedoch, dass es reine Naivität wäre den "Hirschpark" mit waghalsigen Thesen rechtfertigen zu wollen.
    Wenn ich mich recht entsinne stand der "Hirschpark" jedoch lange Zeit unter der Leitung von Madame de Pompadour. Müsste ihr nicht also ein erheblicher Anteil der "Schuld" zukommen?
    Welche Motive hatte sie diese Aufgabe zu übernehmen? Ich denke diese Frage kann man damit beantworten, dass sie darauf Einfluss nehmen wollte, dass sie ihre Position durch derartige Aufgaben schlichtweg festigte und vielleicht Eventualitäten hindurch entgegen kam.
    Ist es unverzeihlich, dass die Mädchen so jung waren? Ja und nein.
    Vom ersten Gedanken her ist es verwerflich, dass sich junge Mädchen dem Willen der Mächtigen beugen mussten, doch Madame de Pompadour hatte dadurch den Vorteil, dass ihre Position gefestigt war. Dass die Mädchen noch ziemlich naiv waren und die kurzen Affären des Königs keine Bedrohung für sie (Madame de Pompadour) darstellte. Die Mädels waren einfach nicht in der Lage sie durch Intrigen überlisten und "stürtzen" zu können.
    Tja eigentlich hätte man von einer so geistreichen Frau, welche die Aufklärung nicht scheute mehr erwarten dürfen, doch ist ihr dieses Handeln, meiner Meinung, nach nicht übel zu nehmen.
    Nun wie könnte man die Position des Königs vertreten? Im ersten Gedanken würde ich seine aufgezwungene Ehe mit Maria Leszczynska anbringen und auf seine Kindheit verweisen. Eine Kindheit hat er wohl nie gehabt bzw. wurde ihm nicht erlaubt, was dem Betroffenen bitter zu Herzen geht und es die Folge sein kann, dass Rechtschaffenheit als ein rudimentärer Charakterzug erscheint.
    Aber im Ganzen ist der "Hirschpark" einfach nicht zu rechtfertigen, wäre auch schlimm, wenn man Solches anstreben würde.
    Doch daran soll der Ruf Ludwig XV. nicht zu Grunde gehen. An ihm ist es mindestens hoch zu schätzen, dass er eine so innige Liebe und spätere Freundschaft zu Madame de Pompadour hatte, wie sie in dieser Zeit kaum ein zweites Mal vorkam.

    Soleil Royal ich danke dir für deinen schönen Beitrag. :winke:
     
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  5. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Was mir noch dazu einfällt, ist, dass eine Mätresse über jeden Tadel erhaben zu sein hatte. Während der König "herumhuren" konnte, und seine Mätressen wechseln konnte, wie es ihm gerade passte, musste seine Mätresse sich ganz auf ihn festlegen.
    Wäre eine Madame de Pompadour auf jedes Stelldichein, das man ihr zweifelsohne angeboten hat, eingegangen, wäre sie wohl nie die große Dame geworden, als die sie bekannt ist.

    Generell möchte ich auch nicht die Herrscher verurteilen, die sich die Liebe anderswo suchen, als in der arrangierten Ehe.
     
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  6. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ob man da überhaupt von Liebe reden kann?
    Ich habe da immer das Bild von der Hure und dem Freier im Auge.
    Wenn ich eine junge, hübsche Frau anbaggere, lässt sie mich eiskalt stehen. Habe ein paar Millionen auf dem Konto, zerfetzen sie sich untereinander, nur um mich zu bekommen.
    Ist doch heute nicht anders.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die "Dame" wirkt schon äußerst kindlich.

    Was mich allerdings wundert, ist die Überraschung, welche besagte Monarchen bei Erstkontakt mit ihren Gemahlinnen gehabt haben sollen. Sie bekamen doch zuvor Bilder von der Bräute, die zwar - natürlich - geschönt waren, aber doch nicht über die Äußerlichkeiten hinweg täuschen konnten. Und Majestät wird den Usus der schmeichelnden Portraitmalerei gekannt haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Oktober 2008
  8. Vercingetorix01

    Vercingetorix01 Gesperrt

    Ich glaube nicht, dass man Liebe damals anders empfunden hat als heute. ;)
     
  9. Soleil Royal

    Soleil Royal Neues Mitglied

    Egel wie gut man Personen auf Gemälden auch getroffen haben mag.
    Jeder weiß, dass jemand schon auf einem Photo immer noch anders wirkt, als in der Realität.
    Auf einem Gemälde ist der Unterschied ja noch krasser, zumal da eben noch geschönt wurde.
    Die Realität ist eben immer noch etwas anderes.

    Ich finde die Reaktionen deshalb nicht ganz so abwegig.
    Denn ob einem ein Mensch sympathisch ist, entscheiden ja noch ganz andere Faktoren, selbst der Geruch spielt eine wichtige Rolle, ganz abgesehen von der Persönlichkeit, den Bewegungen usw.


    P.S.

    die Liebe war auch vor hunderten Jahren nichts anderes als Heute.
    Man muss sich nurmal die Theaterstücke, Opern, Gemälde oder Briefe ansehen, die bewegen Heute noch genauso.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Oktober 2008
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  10. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Liebe und Ehe waren aber zwei Paar Schuh. Die älteren Leute am Land erzählen noch dass es bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts als Unglück galt wenn man aus Liebe heiratete. Die Ehen waren arrangiert und pekuniäre Gründe standen im Vordergrund, zumindest bei den besitzenden Klassen.

    Dass Aussehen der Partner war dabei meist egal. Auch Louis XIV erfüllte ohne Murren seine ehelichen Pflichten bevor er zur Montespan ging.
     
  11. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Der Hof wußte immer, wenn Ludwig seine ehelichen Pflichten erfüllte, denn Maria Theresas Gesicht leuchtete dann immer, und sie ging am darauffolgenden Tag zur Beichte. Als er in den Krieg nach Holland zog, brachte es der Sonnenkönig fertig, neben der Königin auch Louise de La Valliere und Athenais de Montespan mitzubringen. Die Damen reisten übrigens in derselben Kutsche.
     
  12. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Zu dem abgebildeten Gemälde von Boucher ist anzumerken: es handelt sich um Mademoiselle Marie-Louise O'Murphy aus Irland. Zu Zeit der Entstehung des Gemäldes war das Fräulein 14 Jahre alt.
    Allerdings dürfte sie schon das Alter 15 Jahre gehabt haben als sie Mätresse König Ludwig XV. wurde.

    Und mal ehrlich: dass das Gesicht nicht einer 18- oder 20-jährigen Dame gehört, sieht man ihr noch heute an.
     
  13. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

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  14. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Zur Sammlung der ähnlichen Threads wären mir eigentlich eher die zwei eingefallen:

    1.
    http://www.geschichtsforum.de/f76/m-tressen-favoriten-co-19970/

    Hier wurden auch schon einige Einzelschicksale angesprochen. Soleil Royal betonte ja sehr richtig, dass man immer von Fall zu Fall schauen muss, wie das Verhältnis zwischen Herrscher und Mätresse ausschaute und welche Auswirkungen dasselbe hatte.

    2.
    http://www.geschichtsforum.de/f75/bis-zum-letzten-atemzug-diener-der-krone-18857/

    An der Stelle geht es ja um jene, welche sich bemüht hatten, sich im Sinne des Herrschers aufzuopfern. Solche Adligen wurden verschiedentlich zu Gruppen von sich selbst oder anderen zusammengefasst und "Alte Schule" oder "Partei des Königs" genannt.

    Es gab also solche und solche und auch ein grundsätzlicher Anhänger des Königs konnte als Intrigant gegenüber Konkurrenten auftreten oder aus einem Manne, der einem Herrscher persönlich nahestand kann ein Rebell werden wie der Prince de Conti, der gegen Louis XV später opponierte, während er anfangs ein Teil des näheren Kreises um den König selbst gewesen war.
     
  15. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    Ich hätte da mal eine blöde Frage:
    Woher weiß man das mit dem Hirschpark eigentlich? Ich persönlich habe das bisher nur in der Biographie über Mme. de Pompadour der Goncourt Brüder gelesen und diese Bio ist mehr als fraglich. Das 19.Jh. liebte es ja bekanntlich sich an allen verruchten Einzelheiten des "lüderlichen" 18.Jh. zu laben...
     
  16. Soleil Royal

    Soleil Royal Neues Mitglied

    Gute Frage, ich kenne das nur im direkten Zusammenhang mit den Mädchenportraits die Boucher angefertigt hat.

    Ich habe auch bisher nicht den Ort lokalisiern könne, wo denn dieses Gebäude im Park gestanden haben soll.
    Ich habe mitlerweile einen ziemlich lückenlosen Überblick darüber, wie der Park sich bis zur Revolution veränderte, ab den frühesten Dokumenten aus der Zeit Louis XIII.

    Aber gerade das war bisher ein ungeklärter Fall. Und man ist sich wohl auch nicht wirklich sicher ob es nicht doch eine Legende ist - dafür spechen eben die Bilder von Boucher.

    Der alte Hirschpark von Versailles (ob das identisch sein soll kann ich nicht sagen) lag vor dem Schloss.
    Also im "Quartier Saint Louis" also direkt vor dem Gemüsegarten des Königs (Portager du Roi)

    Mit der Stadt Versailles hab ich mich noch nicht so ausführlich auseinandergesetzt.

    Aber unter Louis XV fanden da enorme Umgestaltungen statt, das Chateau Clagny, das Louis XIV für Madame de Montespan hatte errichten lassen wurde abgerissen.
    Ein riesiger See - noch größer als der "Schweizer See" an der Orangerie schloss dierkt am Neptunbecken an in Richtung der Stadt Versailles.
    An dessen Ende gab es eine typische Parkanlage von Le Nôtre und das von Mansart geplante Chateau.
    Die Renovierung war wohl zu teuer und so wurde der gesamte Bereich platt gemacht und mit Häusern zugebaut. Die Umrisse des Sees sind aber noch immer durch die Straße zu sehen.

    Auf der anderen Seite war eben dieser Hirschpark, der dann ab 1750 oder einige Jahre später ebenfalls mit Gebäuden zugebaut wurde.
    Das "Qautier Saint Louis"

    Angeblich soll das Haus ja noch stehen, aber alles was bleibt sind eben die Gemälde - ob das aber ein wirklicher Beweis ist, das wird man wohl nie genau wissen,
     
  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Mit "die Bilder" meinst Du das eingesetzte Gemälde, von dem es zwei Versionen gibt, das die Marie-Louise O’Murphy zeigen soll? In dem Buch "Meisterwerke der französischen Genremalerei im Zeitalter von Watteau, Chardin und Fragonard" (2004) vom Dumontverlag, wird die Sicherung der These, dass es sich um die besagte Mätresse von Louis XV handeln soll, nach wie vor hinterfragt, auch wenn das deutsche Wikipedia ( Marie-Louise O?Murphy ? Wikipedia ) anderes behauptet.
     
  18. Soleil Royal

    Soleil Royal Neues Mitglied

    Ja mir sind auch nur zwei Gemälde bekannt, dass aber beide die gleiche Dame darstellen sollen kann ich nicht bestätigen oder wiederlegen - ich finde sie allerdings doch recht unterschiedlich, so das ich eher dazu tendiere dass es auch unterschiedliche Mädchen sind.

    Damit kein Mißverständnis auftaucht, es gibt noch ein weiteres Gemälde in ähnlicher Pose, das farblich auch ganz anders ist, man suche bei Google nach Boucher, da kommen die entsprechenden Bilder sofort.

    Bei Wikipedia geht es ja nur um das eine Bild, das in zwei Versionen erhalten ist.


    Allerdings gibt es noch einige Skizzen und wahrscheinlich noch mehr Gemälde in dieser Richtung. Ich sage nur "Leda und der Schwan" - bei Rubens viel mir schon die Kinlade runter, aber Boucher..... ts ts ts
    Es ist zwar nur zugeschrieben (es gibt noch ein "züchtiges") aber es ist doch interessant was alles so auftaucht.




    Man weiß halt auch nicht, was Louis XVI alles hat vernichten lassen.
    oder in den Archiven unter Verschluss gehalten wird, weil es die bisherige Kunstgeschichte etwas in Verwirrung stürzen könnte.

    Es wird Zeit, dass die "versauten Gemälde" endlich gezeigt werden =)
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Oktober 2008
  19. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Natürlich ist es dazu an der Zeit, aber einiges wurde auch schon unwiederbringlich zerstört wie die bestimmten frivolen Gemälde, welche im 18.Jh. zur "Erziehung" eines französischen Prinzen angefertigt wurden und in "Gefährliche Liebschaften" vom Knesebeckverlag* ( Gefährliche Liebschaften, m. Audio-CD: Jacqueline Queneau, Jean-Yves Patte, Alexandre Bailhache: Amazon.de: Bücher ) zu sehen sind - dort allerdings nur in Schwarz-Weiß, da die Originale einem Brand zum Opfer fielen.

    Zu den großen Meistern des frivolen Faches neben Fragonard, Schall und Boucher sollte man vielleicht ein dankbares eigenes Thema aufmachen.:rolleyes::yes:

    *
    Queneau, Jacqueline u. Jean-Yves Patte
    "Gefährliche Liebschaften. Frankreich zu Zeiten der Libertins"
    München, Knesebeck, 2002
     
  20. Josephine

    Josephine Neues Mitglied


    Eine gute Frage.
    Ich meine den Hirschpark aus einem Buch über eine französische Mätresse gelesen zu haben - die den bestehenden Hirschpark wiederbelebt haben soll, um den König bei Laune zu halten und sein sexuelles Interesse von ihr etwas wegzulenken.

    Leider weiß ich nicht mehr, wann und wo ich das gelesen habe - ich habe es mir damals einfach gemerkt, weil ich es bemerkenswert fand.

    Gruß........
     

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