"Utopia" by Thomas Morus: Treffen zwischen Henry VIII. & Carlos V.

Dieses Thema im Forum "Krisenzeiten und Renaissance (14. - 15. Jhd.)" wurde erstellt von El Quijote, 23. Juni 2006.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Bei mir herrscht gerade hochgradige Verwirrung: in den ersten Zeilen des Berichtes des vortrefflichen Herren Raphael Hythlodeus über die beste Staatsverfassung herausgegeben von dem berühmten Herrn Thomas Morus, Bürger und Vicecomes der weltbekannten britischen Hauptstadt London heißt es direkt im ersten Satz:



    Nun, mit Karl von Kastilien kann nur Carlos I./Karl V. gemeint sein. Allerdings berichtet Thomas Morus, dass er ein Jahr an dem Bericht gearbeitet habe, wobei natürlich der Anfang der Zählung (nämlich der Tag an dem Raphael Hythlodeus dem Thomas Morus und seinem Amsterdamer Freund Petrus Ägidius seine Geschichte erzählt) ein fiktiver Punkt ist. Er hat aber die „Utopia“ 1516 herausgegeben, und Karl wurde erst 1516 spanischer König, und solange sein Großvater Ferdinand von Aragón noch lebte, der Karls jüngeren aber mit ihm gleichnamigen Bruder Ferdinand als spanischen Thronerben bevorzugt hätte, war Karls Erbe des spanischen Throns noch extrem unsicher.
    Daher meine möglicherweise etwas blöden Fragen: war Karl mit dem Tod seines Vaters Phillip schon formal kastilischer Herrscher, oder ist das möglicherweise nur eine niederländische bzw. englische Sichtweise gewesen? Im "Apparat" meiner Ausgabe wird jedenfalls behauptet, Karl sei seit 1506 kastilischer! König gewesen. Meines Wissens wurde er aber erst nach dem Tod seines Großvaters in Brüssel als spanischer König inthronsiert.
    Thomas Morus berichtet, dass er im Zuge der erwähnten Meinungsverschiedenheiten von Heinrich VIII. in diplomatischer Mission nach Brügge gesandt worden sei. Weiß jemand, um was für Meinungsverschiedenheiten es sich da handeln könnte, oder sind die von Morus nur erfunden, um seine Begegnung mit Raphael Hythlodeus noch ein wenig realistischer zu gestalten?
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Juni 2006
  2. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Eigentlich wäre Karl erst mit dem Tod seiner Mutter, 1555,rechtmäßiger König gewesen.

    Nach dem Tod Isabellas von Kastilien, 1504, wurde ihre älteste Tochter Johanna rechmäßige Königin.
    Deren Mann, Philipp "der Schöne", wurde nur aufgrund seiner Ehe mit ihr König.
    Nach dessen Tod, 1506, setzte Ferdinand von Aragon, Johannas Vater, alles daran seine Tochter für regierungsunfähig zu erklären um so für sie die Regentschaft zu führen.

    Karl war seit 1506 lediglich Erbe der Ländereien seines Vaters.
    Als Ferdinand 1516 starb, konnte man Johanna nicht einfach so wieder für gesund erklären. Zumal dies nicht im Interesse Karls gelegen haben mag.
    Mit dem Unterschied zu Ferdinand, lies sich Karl noch zu Lebzeiten der rechmäßigen Herrscherin zum König krönen.
    Bis 1555 war er ganau genommen nur der Mitkönig seiner Mutter.
    Da diese weiterhin für geisteskrank gehalten wird führte allerdings nur er die Regierung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Juni 2006

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