(Ver)wunderliche und kuriose Heilmethoden

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von Saint-Simone, 19. Mai 2011.

  1. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Gerade gelesen: Im Laufe des 17. Jahrhunderts hat ein englischer Mediziner names Robert Hooke zur Behandlung und Beruhigung psychisch kranker Patienten vorgeschlagen, man solle ihnen Marijuana zu rauchen geben. Er habe das im Selbstversuch ausgetestet und könne daher sagen, daß es - seines Erachtens nach- keinerlei schädliche Effekte habe, sondern stattdessen bekäme man gute Laune, schliefe eventuell ein und wache sehr, sehr hungrig auf. "There is no cause for fear, tho' possibly there may be laughter" schreibt er (Übersetzung: Es gibt keinen Anlass zur Furcht, doch möglicherweise zu Lachen.)

    (Anmerkung: Damit möchte ich in keinster Weise zum Konsum aufrufen, noch Drogen verharmlosen.)





    Quelle: Catharine Arnold (2008) "Bedlam: London and Its Mad", Simon & Schuster. Seitenzahl kann ich leider nicht angeben, da mir das Buch als Kindle vorliegt, aber da ich davon ausgehe, daß Fußnoten in jeder Ausgabe gleich nummeriert sind - das Zitat und die Zusammenfassung sind zwischen Fußnoten 38 und 40 zu finden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Mai 2011
  2. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Bei einer Gelbfieberepidemie in New Orleans um 1855 ließ die Stadtverwaltung ständig Kanonen abfeuern, um so die Luft durch den Donner zu reinigen.
    Überliefert von diesem Herrn, der es vor Ort erlebte.
    János Xántus ? Wikipedia
     
  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Mindestens 2 US Präsidenten haben gekifft, wobei Bill Clinton nicht inhalierte, während George Washington sich auf Mount vermont als Outdoorpflanzer betätigte, wobei er schrieb, dass er die Männchen beseitigte.

    Hanf wird in seiner Vielseitigkeit als Arzneipflanze und Analgetikum nur von Mohn übertroffen. Die traditionelle chinesische Medizin kennt Dutzende von anwendungen, und in den letzten Jahren wurde die medizinische Potenz des Hanfs sozusagen wiederentdeckt. Washington könnte ihn als Hausmittel gegen seine Zahnschmerzen verwendet haben, und auch unter den schwarzen, denen Alkohol verboten war, war Hanf sehr beliebt, weshalb Marc Twain ihn ironisch "niggerweed" nennt.

    Mit der Harrison Act von 1914 wurde Hanf kriminalisiert, gleichzeitig wurde1917 kamen Kokain, Heroin und andere Pharmadrogen dran, denn der Stoff war made in Germany. Mit der Prohibition fanden zunehmend auch Weiße Gefallen am Gras, was Harry anslinger zutiefst empörte. 1944 gab New Yorks Bürgermeister La Guardia eine Studie in Auftrag, die zu einem ähnlichen Schluss kam, wie Mr. Hook.
     
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Und der Maria Theresia soll ihr Arzt Dinge "verschrieben" haben, da bekomme ich "rote Ohren".
    Und davon schreiben geht schon gar nicht.

    Wenn es wahr ist.
    Quelle weiß ich natürlich nicht mehr:pfeif:
     
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  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ich nehme mal an, es ging um ihre anfängliche Kinderlosigkeit. Der Arzt war gut mit seinem Ratschlag (Ich suche den Spruch noch in Latein...), es wurden dann 16 Geburten. Obwohl zunächst nur Mädchen. Den ersten Sohn begrüssten die Wiener mit "Unser Franz, er kanns !", weil er als (vermutlicher:D) Kindesvater endlich mal "alles gegeben hatte".
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Mai 2011
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Sehr interessant.
    Was/wen wollte er denn damit behandeln? Depressive?

    Seine Schlussfolgerungen sind ja einleuchtend, v.a. da er ja nur die "äußerlichen" Reaktionen scheinbar beurteilen konnte.
     
  7. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    In erster Linie, wie du vermutet hast, anscheinend Patienten die unter "Melancholie" litten. Seiner Theorie zufolge schliefe man durch den Konsum von Marijuana sehr gut, was heilsam für den Patienten sei. Ach ja, und die appetitfördernden Qualitäten seien ebenso heilsam.
     
  8. Hulda

    Hulda Aktives Mitglied

    O.T.
    Ich muss der Dame vehement widersprechen:

    Rousseau plädierte nicht für ein "Zurück zur Natur". Das ist eine fälschliche Annahme. Rousseau entwarf den "Émile" und den "Contract social" als (utopische) Auswege aus dem herrschenden Gesellschaftsdilemma.
    Émile, ein Junge, der durch Ursache und Wirkung auch in der Natur erzogen wurde, sich also der Notwendigkeit dieser "natürlichen" Gesetzmäßigkeiten im Unterschied zu den gegebenen Herrschaftsstrukturen beugen musste.

    Das darf mE nicht mit einem romantisch verklärten "Zurück zur Natur" verwechselt werden, auch wenn sich in Folge des Rousseauschen Gedankengebäudes eine Naturfrömmigkeit herauskristallisierte und er als ein Wegbereiter der Romantik galt.
     
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Im Grunde ist ähnlich wie bei der Masturbation. Man sah von außen, dass viele Leute durch angeblich übermäßigen Geschlechtsverkehr hinfällig wurden. Dass dies mit den Geschlechtskrankheiten ganz stark zu tun hatte, kam bspw. in den zeitgenössischen Romanen/philosophischen Abhandlungen (ich würde mal Mirabeaus schlüpfrige Romane auch als philosophische Werke werten) kaum vor - ausgenommen einmal "Die schöne Cauchoise" (André-Robert Andrea de Nerciat). Oftmals befällt die Protagonisten oder aber Nebenrollen ein unbenennbarer Verfall, wenn sie es zu toll trieben. Die Verhütungsmittel, auf welche teilweise mit einer schon erstaunlichen Ernsthaftigkeit geschworen wird, spielen dabei fast keine Rolle, da sie in der Regel nur der Empfängnisverhütung (sehr abenteuerlich mit einem Schwamm in "Lauras Erziehung" von Mirabeau) dienen sollen.
     
  10. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied


    Zu den vagen Umschreibungen, die wahrscheinlich auch teilweise durch mangelndes Wissen und Verständnis von Krankheitsbildern bedingt waren, fällt mir spontan Heinrich VIII und sein "schlimmes" Bein ein, welches ja heutzutage zumeist als Zeichen von Lues gedeutet wird. Leider weiß ich nicht mehr wo und in welchem Zusammenhang ich es gelesen habe, aber glaube mich zu erinnern, daß irgendein britischer Historiker nach Auswertung von Briefen und Tagebüchern zu dem Schluß gekommen ist, daß Geschlechtskrankheiten im 18. Jahrhundert in adeligen Familien ganz besonders verbreitet gewesen seien, und dank selbiger so manche namhafte Familie ausgestorben sei. Leider erinnere ich mich nicht mehr wo ich es gelesen habe, aber ich erinnere mich, daß einer der Hauptpunkte des Ganzen war, daß vor Allem unbescholtene Ehefrauen keine Ahnung hatten worunter sie litten und wie sie dazu kamen, da von Männern erwartet wurde, daß sie sich austobten und von Frauen ein gewisses Maß an Ignoranz gewünscht war. Für moderne Augen sei die Diagnose der beschriebenen Symptome jedoch relativ eindeutig. Das erscheint mir ähnlich der Prophyrie Georgs III, die ja auch erst viele Jahre später, nachdem der Patient schon lange tot war vermutet und dann festgestellt wurde.

    Zur Empfängnisverhütung finde ich das Schwämme noch nicht mal als am abenteuerlichsten. Immerhin hat sich da anscheinend mal jemand ein paar Gedanken gemacht, wohingegen wenn ich an anderes Halbwissen oder regelrechtes Unwissen was zum Teil noch heute herumschwirrt, das noch etwas abenteuerlicher erscheint. Laut Wiki wurde das Verhüten mit Schwämmen schon 300 n Chr von Rabbinern geraten. Mir ist es verschiedentlich aber aus dem 17. Jahrhundert (genau wie dir anscheined aus Frankreich) bekannt, neben anderen Methoden zweifelhafter Wirksamkeit.
     
  11. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Kennt man hier "Ballistol"?

    Eigentlich schlichtes Waffenöl.
    Die Jäger verwenden es aber ziemlich universell, für die Flinte, für die Schuhe, die Schlösser ihrer Autos schützen sie damit gegen Frost,

    für Verletzungen ihrer Hunde sowieso, für solche des Jägers aber ebenfalls.
    Als Rheumasalbe wird es verwendet.
    Und manche schwören darauf als ...... Hustensaft!

    Wie die Erfahrungen als Empfängnisverhütungsmittel sind, weiß ich allerdings nicht.:D
     
  12. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Klar. Wenn es ein wahres Universal-Wundermittel gibt, dann ist es Ballistol (nein, ich bekomme keine Prozente!)

    Hier ein paar Infos dazu:

    Die Ballistol-Story ? Ballistol Wiki

    Gerade aus dem Bereich der Medizin liegen so viele positive Berichte vor, dass man geneigt ist, die Hausapotheke gegen ein paar Fläschchen Ballistol einzutauschen...
     
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  13. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Es gibt hier offensichtlich Leute mit umfassender Bildung.
    Respekt.

    Zusätzlich noch ein Päckchen Heftpflaster, eine Flasche Franzbranntwein und ein paar Aspirin.

    Den Rest der Erzeugnisse der Pharmaindustrie in den Sondermüll.


    Es ist natürlich zu simpel.
    Aber die Tendenz zumindest ist richtig.
     
  14. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Na das ist ja mal interessant, das kannte ich nicht. Bisher dachte ich immer, das Non Plus Ultra wäre mein Natron in der grünen 50er Jahre Verpackung :D mit der putzenden Frau vorne drauf. Das wird von mir zum Putzen, Abflussfreimachen, kochen, backen, als Badezusatz, als Getränk, bei Sodbrennen, bei Erkältung, bei Muskelkater und für noch etliche andere Sachen verwendet.

    So sehe ich das auch. Auch, wenn man mit dieser Methode wohl nach dem heutigen Peral Index kein wirklich gutes Ergebnis erzielen hätte können, so ist es durchaus wahrscheinlich, dass ein Großteil der eindringenden Spermien unschädlich gemacht wurde und das Risiko einer Schwangerschaft signifikant sank.
     
  15. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Bevor man sich nun fassweise Ballistol bestellt, das "echte" Wiki ist da etwas skeptischer als das Reklame-Wiki der Firma:

    Ballistol ? Wikipedia

    Dennoch werd ich mal gucken, ob's das auch in Norwegen gibt - ich kenne es auch von frueher.

    Gruss, muheijo
     
  16. Repo

    Repo Neues Mitglied

    In der Beziehung gibt es keine Erfahrungen zu Ballistol?:scheinheilig:
     
  17. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Mit dem Franzbranntwein ? Wikipedia hat meine Oma alle schmerzenden Stellen, besonders ihr Knie, eingerieben. Die Wirkung von Alkohol ist eben nicht nur eine innerlich anregende. Hätte sie danach Ballistoi oder ein anderes Öl auf die ausgetrocknete Haut aufgetragen, erscheint mir diese Heilmethode gar nicht kurios. In Alkohol oder Öl gelöste Wirkstoffe zu verwenden, gehört zu den altbewährten Heilmethoden. Bei Rausch- und Betäubungsmitteln wie Mohn, Hanf und Alkohol ist die Heilwirkung eine Frage der Dosierung.
    Kurioser sind da Methoden wie "Warzen besprechen", obwohl man da einen gewissen Placeboeffekt vermuten könnte. Überhaupt müssen Warzen früher verbreiteter gewesen sein als heute.
     
  18. beetle

    beetle Aktives Mitglied

    Ballistol wird auch heut noch verwendet: sei es bei Blasen oder als Wundpflege bei Dekubitus (wundliegen).
    Meine Mama schwört auf Heilerde. Ich hab gerade nachgelesen, dass die Artverwandte
    Bolus Armenicus ? Wikipedia schon sehr lange besteht.
     
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  19. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Fällt mir der "Klosterfrau Melissengeist" ein.

    Damit hat mein Großvater jeden Tag die Brust eingerieben, und anschließend noch eine Verschlusskappe voll gekippt.

    Muss mich mal gelegentlich darüber schlau machen, hatte ich jetzt Jahrzehntelang vergessen gehabt.
     
  20. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Jaja, Melissengeist und Franzbranntwein - darauf haben meine Großeltern auch geschworen.

    Daneben gab es noch Honig für eine bessere Wundheilung.

    Und Kamillenteebeutel, kurz in warmes Wasser gelegt, auf die Augen. Hilft bei Gerstenkorn, Augenbrennen und anderen Wehwehchen.
     
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