Verbot von Fremdsprachen im Dritten Reich

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Carolus, 8. Februar 2014.

  1. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Hallo,

    ich bin schon häufiger durch Gespräche mit Verwandten, Nachbarn, aber auch Medien darauf aufmerksam geworden, dass im Dritten Reich der Gebrauch von Fremdsprachen durch die deutsche Bevölkerung verboten war.

    In den zweisprachigen Teilen des Ostens hat es wohl Verbote gegeben, die polnische Sprache in der Öffentlichkeit zu benutzen. Anscheinend gab es da wohl Ausnahmen für den Gottesdienst der katholischen Kirche, in dem im wöchentlichen Wechsel Deutsch und Polnisch benutzt wurden.

    Mir hat vor einiger Zeit ein älterer Herr erzählt, dass sein Vater als Kriegsgefangener in Frankreich während des 1. Weltkriegs Französisch gelernt hat. Mit einigen anderen ehemaligen Kriegsgefangenen, die auch in der Gefangenschaft Französisch gelernt haben, hat er sich dann beim Kartenspielen in der Kneipe immer auf Französisch unterhalten. Als die Nazis an die Macht kamen, wurde das dann verboten (die Unterhaltung auf Französich, nicht das Skatspielen).

    Nach der Annexion Elsaß-Lothringens wurden auch Verbote erlassen, die französische Sprache zu benutzen.

    Ich habe leider nichts weiteres dazu finden können. Weiß jemand, ob es da entsprechende Anweisungen / Gesetze zu dem Verbot gab?
     
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  2. corto

    corto Aktives Mitglied

    Gerade heute morgen lief auf SWR2 ein Beitrag zu dem Thema, da wurden viele Elsässer interviewt die damals (zwangs)rekrutiert wurden, oder sich dem entzogen.

    Es wurde von einem Lager berichtet, in dem vorrangig Elsässer eingesperrt waren - unter anderem wegen dem öffentlichen sprechen der Französischen Sprache.

    solche Vorschriften kann ich also für Volksdeutsche bestätigen.
    SWR2 Wissen: "Wider unseren Willen" - SWR2 :: Programm :: Sendungen A-Z :: Wissen | SWR.de

    die Bildunterschrift spricht von "beutedeutschen" ;)
     
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  3. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Das Lager war das KZ Natzweiler-Struthof ? Wikipedia.

    Danke für den Hinweis zur Sendung.
     
  4. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Die dänisch-sprachige Minderheit in Südschleswig konnte wohl ihre Schulen auch zwischen 33-45 - wenn auch unter Druck - weiterbetreiben.
    Dänischer Schulverein für Südschleswig ? Wikipedia

    Darin sehe ich eine Ausnahme gegenüber der öffentlichen Nutzung von z.B. Polnisch oder Französisch. Dies könnte sich durch den NS-Rassenwahn erklären lassen ("Dänen als arische Blutsverwandte").
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Februar 2014
  5. excideuil

    excideuil unvergessen

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  6. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Im Zusammenhang mit der NS-Rassenideologie erscheint das logisch.

    Das dürfte ähnlich wie für den Gebrauch der polnischen Sprache im Osten gehandhabt worden sein. Immerhin waren das beide slawische Sprachen.

    Interessant ist auch die Politik der Umbenennung von Ortschaften (die Ersetzung von slawischen Ortsnamen durch deutsche). Gleiches gab es nach 1933 auch im deutschen Osten. Konsequent wäre gewesen, wenn man sämtliche slawische Namen ersetzt hätte. Dann hätte man aber auch die größte deutsche Stadt (Berlin) umbenennen müssen.:scheinheilig:
     
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  7. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    War nicht Germania im Gespräch für den neuen Namen von Berlin.
     
  8. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Das war irgendwie im Gespräch: Welthauptstadt Germania ? Wikipedia. Andererseits hätte man konsequenterweise jede Menge Orte, die auf römische, keltische oder slawische Namen zurückgehen, umbenennen müssen.

    Die ganzen Namensendungen -ow oder -itz in den östlichen Teilen Deutschlands zeigen eine slawische Vorbevölkerung an. Mainz kommt von einem Mogontiacum, hinter dem der Name eines keltischen Gottes sich verbirgt. Jülich kommt von Iuliacum (lateinisch), Köln von Colonia (auch lateinisch)....
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dieses -iacum ist eigentlich eine lateinisch wiedergegebene keltische Bildung.
    Im Übrigen war H. gar nicht sooooo germanentümelnd, wie etwa Rosenberg. Ich glaube nicht, dass der was gegen keltische oder lateinische Ortsnamen hatte.
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Mich würden Quellen zu offiziellen Verboten interessieren.

    Kennt jemand zu den Schulen die Publikation: "Englischunterricht im Nationalsozialismus". Was war mit den Universitäten?

    Bzgl. der Wehrmacht, bei der man sich das ebenfalls vorstellen kann, gibt der Absolon keine Quelle für Sprachverbote, es gab aber in der ersten Phase des Krieges wohl Einzelanweisungen in der Truppe bzgl. Feldpost und vorgeschriebener deutscher Sprache wegen der Zensur.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich denke, man muss hier zwischen familiär gesprochenen Minderheitensprachen (unerwünscht) und sekundär erlernten Fremdsprachen unterscheiden. Und ich meine, dass wir zum Thema Fremdsprachenunterricht im Dritten Reich einen ganz guten Thread haben.
     
  12. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Da sind wir schon zwei::winke:

    Meinst Du evtl. den hier? http://www.geschichtsforum.de/f66/sprachen-im-3-reich-27757/ (der ist allerdings nicht so besonders)
     
  13. beetle

    beetle Aktives Mitglied

    zum Thema selbst bekomme ich keinerlei Suchergebnisse (immer nur zum Fremdsprachenunterricht im Nationalsozialismus)
    Dafür habe ich etwas, was in eine ähnliche Richtung geht: Deutscher Sprachpurismus ? Wikipedia
     
  14. corto

    corto Aktives Mitglied

  15. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Inwiefern das hier reinpasst sei dahingestellt, ich finde es aber doch erwähnenswert. Das Verbot der Frakturschrift 1941 durch Hitler hatte auch interessante Ursachen bezüglich Sprache. So ging es hauptsächlich darum, dass deutsche Propaganda in besetzten Gebieten gelesen werden konnte.

    Dazu auch das Goebbels-Zitat: „Der Führer ordnet an, daß die Antiqua künftig nur noch als deutsche Schrift gewertet wird. Sehr gut. Dann brauchen die Kinder wenigstens keine 8 Alphabete mehr zu lernen. Und unsere Sprache kann wirklich Weltsprache werden."
     
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  16. Kosmokrat

    Kosmokrat Mitglied

    Und heute steht die Frakturschrift für die Nazis schlechthin...



    Meine Oma wurde 1940 eingeschult und musste im ersten Schuhljahr Fraktur lernen, ehe dann 1941 umgestellt wurde.
     

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