Verbrennung

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von Kassia, 6. Juni 2006.

  1. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Mal etwas naiv gefragt: Wieso wurden Hexen etc. eigentlich verbrannt?
    Zum Tode verurteilte Kinder wurden oft erst stranguliert oder enthauptet und dann verbrannt.
    Soweit ich mich erinnere, wurden die Berliner mit dem Kirchenbann belegt, nicht weil sie den Propst von Bernau erschlagen haben, sondern weil sie seinen Leichnam hinterher auch noch verbrannt haben.

    Die Idee von der Auferstehung des Fleisches war soch schon längere Zeit in der Versenkung verschwunden (?)
    Noch heute gestattet der CIC die Verbrennung nur, wenn sie nicht aus akatholischen Gründen erfolgt.
    Wieso dann also eine so umstrittene Todesart? Läuterung? Bibel beim Wort genommen (werft die Reben ins Feuer...)?

    Gibts dafür überhaupt eine monokausale Erklärung?

    LG Kassia
     
  2. keera

    keera Neues Mitglied

    Das ist ne gute Frage. Vielleicht sollten die Seelen der Hexen dadurch gereinigt oder erlöst werden. Ist nur ne Vermutung....:pfeif:
    LG
     
  3. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Aus: Kleines Lexikon zu Kirche & Glauben

    "Die Verbrennung von Verstorbenen findet sich in unterschiedlichen Kulturen, so war die Feuerbestattung und die anschließende Beisetzung der Asche in einer Urne auch bei den Römern bis ins zweite Jh. üblich, wurde dann aber von der Körperbestattung abgelöst.

    Das Feuer galt in den ältesten Kulturen als Gabe der Götter und damit heilig. Dementsprechend wurden in Heiligtümern Flammen entzündet und gehütet. Die Verbrennung eines Leichnams könnte also ursprünglich eine Rückgabe des Menschen an die Götter und Heiligung (und meistens auch Reinigung) der Verstorbenen meinen.

    Neben dem Aspekt der Reinigung und Heiligung spielen vielleicht auch Fruchtbarkeitsvorstellungen eine Rolle (Asche als Dünger), also Vorstellungen von Wiedergeburt.

    Von Bedeutung ist deshalb sicherlich auch die Mythologie des Vogels Phoenix, der die Seele des Sonnengottes verkörperte und sich in gewissen Abständen selbst verbrennen sollte, um aus der Asche neu aufzusteigen. In der christlichen Kunst wurde der Phoenix deshalb zum Symbol der Auferstehung Christi."

    Jacobum
     
  4. ning

    ning Gesperrt

    komplett ...

    Hex-hex Hexenschrift :devil: ... und liegst damit gar nicht weit weg.
    Liebe Kassia, das hab ich ganz zufällig gefunden:

    "2.4 Feuertod
    Eine Hinrichtungsmethode die sich aus der Antike über das Mittelalter bis in die Renaissance zieht ist der Feuertod. Der Delinquent wurde in diesem Falle mit Ketten an einen Holzpfahl gefesselt und bei lebendigem Leibe verbrannt. Ziel dieser Hinrichtungen war es, den menschlichen Körper komplett zu vernichten, um so Dämonen und Geister zu vertreiben, die durch den Hinzurichtenden wirkten. Teilweise wurde der Scheiterhaufen so hoch geschichtet, dass dem Publikum der Anblick des Todeskampfes verwehrt war. 5,6 Der Feuertod war in der Renaissance die führende Hinrichtungsmethode bei der Hexenverfolgung in Europa. In der Zeit bis 1782 fanden über 200.000 Frauen als Hexen den Tod durch Hexenverbrennung. Das letzte Opfer der Hexenverfolgung in Deutschland war eine Landstreicherin in Kempten im Allgäu. Man verurteilte sie zum Tode wegen Hexerei. Sie wurde allerdings nicht mehr bei lebendigem Leibe verbrannt, sondern man gewährte ihr 1775 den Tod durch das Schwert. Europas letzte Hexenverbrennung fand 1792 in Polen statt. Eine weitere Form der Hinrichtung durch Feuer wurde in Indien bis in das 20. Jahrhundert praktiziert. Hierbei wurden Frauen, deren Ehemänner verstorben waren, mit dem Leichnam ihrer Männer verbrannt. 7


    unkommentiert, aus:
    http://scholar.google.com/scholar?hl=de&lr=&client=safari&cluster=12990200322727806431
     
  5. Vercingetorix01

    Vercingetorix01 Gesperrt

    :eek: Einfach nur so? Ich meine, so ganz ohne strafrechtlichen Grund? Da müssen die Bräute damals aber ziemlich lebensmüde gewesen sein. :grübel:
     
  6. keera

    keera Neues Mitglied

    Stimmt. Unter solchen Bedingungen würde ich jedenfalls nicht heiraten.:nono:
     
  7. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Ohne strafrechtlichen Grund, denn es war ..... "freiwillig". Das Suttee (so nennt man diese Verbrennung) geht zurück auf ein Götterpaar, bei dem die weibliche Gottheit über den Tod ihres Partners so erschüttert war, daß sie nicht mehr leben wollte und sich aus Kummer in die Flammen gestürzt hat (Genaueres kann ich leider nicht sagen, aber hier findet sich wohl ein Kundigerer, der uns weiterhilft). Eine so vorbildliche Ehe samt Trauer sollten dann auch die Sterblichen führen.

    Es muß besonders für die Frauen, die mit erheblich älteren Männern verheiratet wurden, ganz furchtbar gewesen sein - da kannst du dir deine Halbwertzeit an einer Hand abrechnen. Oder Frauen, die mit einem kleinen Jungen verheiratet wurde, angesichts der Kindersterblichkeit.
     
  8. Hotte143114

    Hotte143114 Aktives Mitglied

    Also nix mit Erbschleicherei nach dem Motto: Such Dir nen ollen Millionär und Du hast ausgesorgt :rofl: :still: :grübel:
     
  9. Mercy

    Mercy unvergessen

  10. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

  11. ning

    ning Gesperrt

    Ich weiß ...
    Ich hätte wohl nur die Hexen-Quintessenz hier hereintragen sollen, dann wären wir jetzt nicht in Indien...

    Das Schräge ist die gekürzte Breite. Meinst du doch?
    Nur: zum "komplett sicheren Auslöschen" und der Überzeugung, die (Hexen-)Seele säße im Herzen oder 1 cm überm 3. Rippenbogen von der Thorax aus gemessen fand ich keinen unschrägeren Satz.

    ("Was Ihr auch heute mit mir tobt ..." - 3. Akt, vor linkem und rechtem Lecharm)
     
  12. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die Straßberger Hexe von 1742 wurde begnadigt.

    Die Buchauer Fürstäbtissin begnadigte sie zum Kopfabhacken vor der Verbrennung.

    Grüe Repo
     
  13. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Ich verweise auf Fachliteratur zum Thema:

    Jules Verne, In 80 Tagen um die Welt

    Grüße Repo

    NS Alles gar nicht so schlimm! Muss nur ein sterblich verliebter Held in der Nähe sein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Juni 2006
  14. Irene

    Irene Neues Mitglied

    Die Sati in Indien wurde auch trotz Verbotes der Briten weiter praktiziert und auch heute werden Frauen noch immer dazu gezwungen, hinzu gekommen ist eine neue Form der Verbrennung. Man gibt die Zahl mit mindestens 8000 Frauen/Jahr an. Die Dunkelziffer ist erheblich höher. Mädchen werden verheiratet und gleich nach der Hochzeitszeremonie mit Kerosin oder Benzin übergossen. Alle staatlichen Maßnahmen reichen nicht aus, um dies zu verhindern. Es ist ein einträgliches Geschäft für die Familien der Männer. Die in den meisten Kasten sehr hohe Mitgift (Familien der Mädchen verschulden sich dabei oft bis zum Ende ihres Lebens) verbleibt in der Familie des Witwers.

    Zu Sati - Frauen, die Sati machten galten nach ihrem Tode als Halbgöttinnen und deren Familien erhielten dadurch einen hohen Stellenwert innerhalb der Gesellschaft. Der Imagezuwachs war und ist enorm. Frauen, die Sati verweigerten wurden aus der Gesellschaft, der Familie ausgestoßen und auch der Stadt gejagt. Dieser psychologische Druck wird noch heute ausgeübt, per Gesetz werden jetzt aber die Familien bestraft, die weiter den Vergötterungskult betreiben, wobei man wahrscheinlich hofft, wenn dieser Aspekt wegfällt, dass dann auch der Druck auf die Mädchen und Frauen nicht mehr ausgeübt wird.
     
  15. SRuehlow

    SRuehlow Neues Mitglied

    Ich wollte nur anmerken, dass die traditionelle Sati, so der indische Ausdruck für die Witwenverbrennung, noch heute teilweise praktiziert wird. Die Britten hatten diese grausame Opferung der Frauen strengstens untersagt. In der indischen Verfassung findet sich ebenfalls ausdrücklich ein solches Verbot. Trotzdem hört man von Zeit zu Zeit immer wieder von solchen Selbstverbrennungen. Neuerlich hatte sich eine Frau in Nepal verbrannt. Die umherstehende Menge feuerte sie an, durchzuhalten. Die Dunkelziffer liegt weit aus höher, als man vermutet. Nicht immer folgt eine Witwe ihrem verstorbenen Ehemann so freiwillig in den Tod. Manchmal wird sie auch gezwungen. Man kann sich streiten, ob diese Art Brauchtum ein absoluter Treue- und Liebesbeweis ist oder eine grausame Art, die Versorgung der Witwe zu umgehen.
     
  16. SRuehlow

    SRuehlow Neues Mitglied

    Sorry, hab meine Vorschreiberin glattweg übersehen!
     
  17. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Danke für den Einblick in die indische Kultur, mir ging es aber tatsächlich um Mitteleuropa in der frühen Neuzeit. Nur so nebenbei.

    Gruß
    Kassia
     
  18. askan

    askan Neues Mitglied

    Eine Frau die ihre eigene Fruchtbarkeit überlebt hat und deren Ehemann nicht mehr existent ist, die trägt die Umkehrung ihrer Bestimmung in sich. Das bedeutet aus der Quelle des Lebens wird die Ursache für Leíd und Tod, also eine Hexe im traditionellem Sinne. Wenn also eine Frau soviel "Sebstaufopferung" und `"Verantwortungsgefühl" aufbringt ihre Familie und Umgebung von einem sich entwickelden Hexenwesen durch Verbrennung zu befreien, dann gebührt ihr hohe Verehrung sie wird zur Sati. Vor einigen Jahren gab es mal einen Geo-Bericht darüber.

    Also gibt es schon eine gewisse Beziehung zum Fanatismus unserer Ahnen.

    Ich habe mal irgendwo gelesen, das die Verbrennung als Akt des Mitleid empfunden wurde. Es ersparte die Zeit im Fegefeuer, da das Feuer ja schon im dieseits die Sünden wegbrannte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Juni 2006
  19. Irene

    Irene Neues Mitglied

    In Indien basiert das auf einer alten Legende. Sati war die Tochter Dashkas und erlangte durch eine List die Heirat mit Shiva. Aus Schmerz, dass Dashka diese Verbindung und Shiva ablehnte, stürzte sich Sati in das Feuer. Sie wurde später wiedergeboren.

    Im Hinduismus selbst ist Sati nicht vorgesehen und auch nicht Gesetz. Nach den Regeln des Hinduismus darf eine Witwe, nachdem sie eine Nacht am Totenbett ihres Mannes zugebracht hat, dessen Bruder heiraten.

    So gesehen, ist zu den Hexen des Abendlandes eigentlich keine Verbindung.
     
  20. Mercy

    Mercy unvergessen

    Hexen waren auch wegen Ketzerei angeklagt und Ketzer wurden bekanntlich verbrannt.

    Da entstammt deine Erinnerung der Sage, die das Faktum Mord nachträglich schönte.

    Das ist keine Idee, das ist gemeinsame christliche Lehre.
    Zum Wandel der Bestattungskultur gibt es ein erläuterndes Wort der Deutschen Bischofskonferenz.
    http://www.katholische-kirche.de/2461_8874.htm
     

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