Verfassungen 1818/19 trotz Metternich?

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von Struuve, 18. März 2011.

  1. Struuve

    Struuve Neues Mitglied

    Hallo,

    ich schreibe demnächst mein Abitur, hätte dazu noch zwei Fragen:

    Wenn Metternich und seine fürstlichen Kollegen so strikt gegen die national-liberale Opposition vorging, wieso konnten sich dann Staaten wie Bayern, Baden und Württemberg Verfassungen geben? Das wollte Metternich doch mit allen Mitteln verhindern?

    Zudem verstehe ich nicht ganz, weshalb den Bürgern von den Kräften der Reaktion in der Bundesakte Verfassungen in Aussicht gestellt werden, war es doch ein Grundsatz des Wiener Kongress, Verfassungen strikt abzulehnen.
    Wie kam es also zu diesem Entgegenkommen?

    Ich hoffe, ihr könnt mir das noch kurz erklären..


    Grüße



    PS: Auch die Situation 1848/49 ist etwas bizarr: Wieso waren die deutschen Einzelstaaten plötzlich nicht an einer Verfassung, die zur selben Zeit in der NV ausgehandelt wurde, interessiert?
     
  2. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Hey,

    also in der Bundesakte (im Wiener Kongress verabschiedet) gibt es eben diesen berühmten Artikel 13.
    Dieser besagt:

    In allen Bundesstaaten wird eine landständische Verfassung stattfinden.

    Das ist ein bisschen bizarr, aber ursprünglich war der Artikel 13 dafür gedacht, dass der Bund - wenn es Not tut die Bundesakte gegen die Opposition zu verteidigen - möglichst schnell in die Souveränität der Einzelstaaten eingreifen kann.

    Denn bevor die eigentliche Bundesakte zustande kam, gab es mehrere Entwürfe - darunter Metternichs "12-Punkte-Plan".
    Dieser sah eben einen solchen Artikel 13 in Verbindung mit einem Bundesgericht vor.
    Später wurde die Idee eines Bundesgerichts gekippt, der Artikel blieb stehen.

    Ich zitiere:
    "Die liberal anmutenden Verfassungsparolen der Zeit, die sich dann vermeintlich auch im Artikel 13 der Bundesakte niederschlugen, hatten tatsächlich einen restaurativen Ursprung. Die sozialgeschichtliche Dimension hieß, mit den Landständen eine inkarnierte Wiedererweckung adlig-patrizischer Lebenskräfte zu bewirken. Sie stärkten die alten Führungsschichten des Ancien Régime und bremsten den absolutistischen Zugriff der mittelgroßen Fürsten. Es ist freilich keine seltene Begebenheit in der Geschichte, daß ein Phänomen seinen ursprünglichen Charakter wandelt."
    (Siemann, Wolfram: Vom Staatenbund zum Nationalstaat, S. 317)

    Ist ein bisschen kompliziert, aber vllt. hilft es dir, wenn du dir einfach merkst:

    Art. 13 war eigentlich restaurativem Ursprung, wandelte dann aber seinen Charakter und wurde zur "Plattform des Bürgertums und der Verfassungsbewegung."
    Die Opposition hatte mit diesem Artikel etwas, auf was sie sich berufen konnte.
     
  3. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die Verfassungen waren in Artikel 13 der Bundesakte zwingend vorgeschrieben

    Die Frage stellt sich also eher umgekehrt, "wieso haben sich manche Bundesländer diese Verfassungen nicht gegeben"?

    1848 ist ein anderes, sehr komplexes Thema.
    Bemüh dazu mal die Forensuche, da gibt es hier einiges.
     
  4. Struuve

    Struuve Neues Mitglied

    Vielen Dank für die schnelle Rückmeldung zunächst, wurde mir damit etwas klarer..


    Es gaben sich doch mehrere Staaten - Württemberg, Baden, Bayern, Hessen, Sachsen.. - nacheinander Verfassungen? Offensichtlich zog die Opposition also ihren Nutzen aus dem Artikel.


    Stimmt, die Rev. 48/49 ist ziemlich komplex. Ich frag' mich, wie ich mir den ganzen Lernstoff (1800-1933) aneignen soll, da so gut wie jeder Themenbereich komplex ist und sehr viel umfasst..

    Grüße
     
  5. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Schau mal in eine (größere) Bibliothek in deiner Nähe.

    Für den Zeitraum 1815 - 49 kann ich dir empfehlen:

    Siemann, Wolfram: Vom Staatenbund zum Nationalstaat
    Geisthövel, Alexa: Restauration und Vormärz
    Huber, E.R.: Deutsche Verfassungsgeschichte. Seit 1789. Band II.
    Wehler, Hans-Ulrich: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, 2. Band.

    Die letzten beiden sind richtige Wälzer, aber gerade Hubers Darstellungen sind einfach genial.
    Vielleicht aber etwas zu komplex für das Abitur.
    Allein der Teil in Hubers "Verfassungsgeschichte", der die Revolution behandelt ist über 300 Seiten lang.

    Aber den Siemann solltest du dir vllt. mal anschauen in einer Bibliothek.

    Oh man aber das Thema ist so interessant...viel glück fürs Abitur!
     
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  6. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Bitteschön gerne.

    Allgemein sieht man das wie "die Geister die ich rief, die werd ich nicht mehr los"
    die Befreiungskriege gegen Napoleon hatten in bürgerlichen Kreisen Erwartungen in diese Richtung geweckt. Einige der größten Franzosenfresser von 1813, und hier schließt sich der Kreis, fanden sich dann als Abgeordnete in der Paulskirche. (Turnvater Jahn zB)

    Interessant ist aber auch, was
     
  7. Struuve

    Struuve Neues Mitglied

    Vielen Dank für die Literaturhinweise, leider steht die Prüfung schon nächste Woche an, da wirds schwierig, mir das noch alles durchzulesen. Zumal ich mir noch etwa 200 Seiten durchlesen muss und selber nicht weiß, wie ich mir den ganzen Stoff noch aneignen soll..
    Das Thema ist sicherlich sehr interessant, deshalb habe ich mich auch dafür entschieden. Dennoch ist es schwierig, sich den - doch sehr komplexen - Stoff zu merken, so ist der Prüfungsstoff (Liberale/Nationale Bewegung in Auseinandersetzung mit dem Obrigkeitsstaat u. Kaiserreich u. WP) ziemlich ausgiebig. Keine Ahnung, wo ich da Schwerpunkte setzen soll.


    Da Karikaturen oft Teil der Prüfungen sind, wäre es noch ganz praktisch zu wissen, welche Symbole damals verwendet wurden, bspw. die preußische Pickelhaube. Welche Symbole sind hier noch wichtig?

    Außerdem suche ich zurzeit noch Zitate - passend zur damaligen Zeit. Eventuell habt ihr da ja auch etwas parat :)
     

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