Verfolgte Minderheiten im NS-System

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Gast, 24. November 2007.

  1. Gast

    Gast Gast

    könnte mir vielleicht jemand sagen, welche minderheiten, außer den juden, zeugen jehovas und das bündnis der jugend: "edelweisspiraten", noch verfolgt wurden??
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zunächst solltest Du sauberer zwischen Minderheiten und oppositionellen Gruppen unterscheiden. Minderheiten waren z.B. Juden oder Zigeuner (dieser Begriff ist umstritten, manche Sinti und Roma lehnen ihn ab, anderer bezeichnen sich selber so) aber eben auch die Zeugen Jehovas. Oppositionelle Übergruppen kannst Du einem Zitat des Pastors Martin Niemöller entnehmen:

    Bei Gruppen, wie den Edelweißpiraten gibt es noch weitergehende Schwierigkeiten. Dies waren zunächst erstmal Jugendliche, die sich nicht so vereinnahmen lassen wollten (das macht totalitäre Regimes aus, dass die versuchen alles Leben in den Dienst zu stellen) - bei manchen mag dabei schon anfänglich politischer Protest gewesen sein - diese Gruppierungen wurden aber offensichtlich vom Staat als eine Gefahr angesehen, weil sie sich nicht in die Volksgemeinschaft intigrieren ließen. Sie sind so gesehen also weder Minderheit, noch wirklich politische Opposition gewesen...
     
  3. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

    Ganz interessant sind für dich vielleicht auch die verschiedenen Kategorien von Häftlingen, wie es sie z. B. im KZ Dachau gab.
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Neben den Juden galten auch die Slawen als "Untermenschen". Polen, das Hitler sich anfangs noch als Verbündeten gedacht hatte, sollte zu einem Helotenvolk degradiert werden, das "in seiner Mehrheit aufzureiben war". Bereits 1939 wurden polnische Kriegsgefangene ermordet, wurden Adelige, Intellektuelle, Priester, Lehrer, etc. verhaftet und ermordet. Zigeuner galten als "asozial" und "rassisch minderwertig". Als Pervers galten Homosexuelle, als lebensunwert Kranke und Behinderte.

    "Weltanschauliche" Gegner waren Kommunisten und Sozialisten, liberale Intellektuelle, Freimaurer, aber auch überzeugte Christen. Hitler, Himmler und Goebbels waren bis zu ihrem Ende Mitglieder der katholischen Kirche, die bereits 1933 ein Konkordat mit den Nazis schloss. Überzeugte Christen waren dennoch Gegner der Nazis, und Himmler sagt in seiner Posener Rede ausdrücklich, dass die SS jeden Kommunisten, jeden Freimaurer, jeden Christen zu den Gegnern und Feinden rechnen müssten. Edelweisspiraten, Swingjugend oder bündische Jugend galten als "staatszersetzend" und "dekadent".

    Die Zeugen Jehovas oder Bibelforscher, wie sie damals genannt wurden, verweigerten den Kriegsdienst und jeglichen Eid, erfreuten sich als Gefangene, die auszubeuten waren, bei der SS einer gewissen Beliebtheit, weil sie keine Fluchtversuche unternahmen. In den Lagern wurden die Häftlinge nach Winkeln gekennzeichnet. Kommunisten trugen rote Winkel, die "Asozialen" schwarze, die "Berufsverbrecher" grüne, die Homosexuellen rosa Winkel auf der Anstaltskleidung.
     
  5. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Bei den Nazis wurde nicht nach Minderheiten unterschieden verfolgt.
    Es wurde alles verfolgt und vernichtet was ihnen nicht ins Weltbild passte:
    Juden, Zigeuner, Zeugen Jehovas, alle Slawen, Gegner des Nationalsozialismus, geistig Behinderte.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Warum schränkst Du das auf die geistig Behinderten ein? Es wurde verfolgt wer "asozial" oder "erbkrank" war. Das musste nicht gleich KZ bedeuten, aber Sterilisation. Darunter zählten auch vergleichsweise harmlose Verhaltensauffälligkeiten, wie Kleptomanie oder Alkoholismus, ein negatives psychologisches Gutachten...
    Die Slawen würde ich als Gruppe der Verfolgten erst mal heraushalten, weil diese ja erst durch den Krieg dazu kommen; sie können kaum als "Minderheit" bezeichnet werden, es handelt sich hier um eigene Nationen.
     
  7. Ja, das ist richtig. man muss stärker differenzieren. Juden, richtig. Sinti und Roma auch. Fakt ist auch, nicht jeder Behinderte ist vergast worden, Euthanisie war und ist keine deutsche Erscheinung. Eine Verfolgung der Slawen dürfte es kaum gegeben haben. Slawen galten im NS Regime zwar nicht viel, aber verfolgt hat man sie nicht. Oder war Pavelic kein Slawe?
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du sagst das so... Der Aktion T4 sind 100.000 Menschen zum Opfer gefallen.
     
  9. Außerdem ist nicht jeder, der mal ein paar Bier hatte unter den Nazis ins KZ geschickt worden. Eine Slawenverfolgung gab es überhaupt nicht. Bei meiner Oma wohnten im Krieg serbische (nicht kroatische) Offiziere zur Miete, die (deren Nachkommen) bis heute Postkarten schicken Kann bitte mal jemand einen Beweis für die Slawenverfolgung liefern?
     
  10. Ich sage, dass das kein NS Problem war (leider). Das gab es in den USA auch.Von der SU möchte ich nicht reden. Das war damals herrschende Meinung und das kann man belegen.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich sprach nicht von ein paar Bier sondern von Alkoholismus und nicht von KZ sondern von Zwangssterilisation.

    Bei dem Begriff Euthanasie muss man sehr vorsichtig sein, weil damit unterschiedliche Dinge bezeichnet werden. Euthanasie heißt eigentlich Gnadentod. Es gab in der Vergangenheit und seit einigen Jahren wieder, die Diskussion ob man Menschen mit Schmerzen von ihren Leiden erlösen solle/müsse/dürfe. Das hat aber nichts mit dem verschleiernd und euphemistisch gebrauchten Begriff zu tun, wie ihn die Nazis verwendeten. Denen ging es nicht um das Leid der Opfer sondern um "Rassenhygiene" und "Erbgesundheit". Von ähnlichen Programmen anderswo ist mir nichts bekannt (wohl von Gedankenspielen), täte aber auch nichts zur Sache - Massenmord lässt sich nicht relativieren.
     
  12. Nur vorsorgend, ich hasse das NS Regime (meine Familie hat gelitten), aber man sollte den Schrott realistisch betrachten. Wen es interessiert. ich kriege Zeitzeugenberichte zusammen (mein Opa war bei der Legion Condor) und und ich habe auch noch mit Leuten gesprochen, die in WK1 an der Somme aktiv waren.
     
  13. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Was wenig bekannt ist: Im neutralen Schweden kam es zu jener Zeit auch zur Verfolgung Behinderter und geistig angeblich Minderbemittelter. Zwar gab es wohl keine Morde, aber Zwangssterilisierungen und Kasernierungen. Heute erinnert man sich in diesem liberalen Land daran natürlich nicht mehr so gern.

    Ich hatte in den letzten Jahren beruflich viel mit Polen, Russen und Balten zu tun. Es ist mir aus deutscher Sicht völlig schleierhaft, wie germanophil die heute sind. Ich habe da Meinungen gehört, die ich hier nicht wiedergeben kann und will. Sie wären hierzulande ein klarer Fall für den Staatsanwalt. Es handelte sich, wohlgemerkt, nicht um irgendwelche Prolls, sondern überwiegend um promovierte Leute und Seeoffiziere.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. November 2007
  14. Ja, Mord lässt sich nicht relativieren. Wer die Täter sind und waren und wer überlebt hat und wo sie heute stecken. Und was das mit unserer Gesellschaft zu tun hat. 1945 fing die Geschichte nicht neu an. Keine Verschwörungstheorien.
     
  15. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Gut, dann auch Teile der seelisch Erkrankten.
    ...
    Ich habe angemerkt, dass die Nazis nicht nach Minderheiten ihre Verfolgung durchführten.
     
  16. M.E. glatt falsch, dann wäre die gesamte Wehrmacht sterilisiert worden. Wenn es eine Truppe in der Welt gibt, wo mehr gesoffen wird, dann die Russen, aber das war es auch. (England liegt auf Platz 3).
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Welch ein Faux Pas! Ich habe Sorben und Wenden unterschlagen. Die waren natürlich Minderheiten im Dritten Reich und denen wurde der Gebrauch ihres Brauchtums und ihrer Sprache untersagt.

    Nun ja. Im Generalgouvernement Polen wurden die Schulen geschlossen, Heydrich hatte eine Liste mit 60.000 Namen von zu liquidierenden Polen und die polnische Inteligencja wurde verfolgt. Der Unterschied zu Yugoslawien wird der gewesen sein, dass die Nazis hier nur sekundäre militärische Ziele hatten, weniger ihr Kernziel "Lebensraum". Hier störte die einheimische Bevölkerung nicht so die großmächtigen Träume. Und man sollte nicht vergessen: es gab nicht nur die Titopartisanen in Serbien, sondern auch eine prodeutsche Regierung, einschließlich allem, was dazu gehört. Die serbischen Offiziere, die Deiner Großmutter Miete zahlten werden kaum zu den serbischen Partisanen gehört haben.
     
  18. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das wird immer wieder behauptet und kolportiert, stimmt aber nicht. Wahr ist, das es ein verstärktes Germanisierungsbestreben gab, sprich keine sorbische Presse oder Schulunterricht (bei den Nazis, nicht in der DDR). Ich habe mehrere Jahre in der Lausitz gelebt. Abgesehen vielleicht von den Dörfern um Bautzen, gab es in den 80ern allenfalls ein paar uralte Omas, die Sorbisch verstanden. Die ganze Folklore etc. hatte nix mit der Realität zu tun, obwohl in der Gegend um Spremberg (Grodk), wo ich wohnte ca. 50% sorbische Nachnamen auftreten. Die Mädels von der Trachtentanzgruppe zogen sich um, waren entsprechend der Zeit vor 25 Jahren normale "Poppermiezen" und redeten Deutsch miteinander.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. November 2007
  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zu Alkoholismus und Zwangssterilisation: Gesetzgebung:

     
  20. Eben, auch meine Erfahrung, vieles verklärt sich auch. Aber z.B. in Italien hatte ich das auch. Nur gutes Gerede über die Deutschen.
     

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