Vergleich Absolutismus Russland/Frankreich

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Gast, 11. Februar 2007.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo,
    ich muss einen Vortrag über Russland zur Zeit des Absolutismus halten. Mein Lehrer will aber auch das ich noch etwas über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Absolutismus in Frankreich sage.
    Meiner Meinung nach sind die Reformen bzw. die Ansätze in Russland denen in Frankreich ziemlich gleich, bloß die Umsetzung erfolgte viel magelhafter aufgrund dem Widerstand der Bevölkerung. Ich bezweifel bloß ob das reicht, also wäre es schön wenn ihr mir ein paar Denkanstöße liefern könntet...
    Hoffe mal auf baldige Antwort
    Schöne Grüße
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich finde eine Vergleichbarkeit mit dem absolutistischen Frankreich recht schwierig. Schau mal, in Russland besaß der Adel noch einen großen Einfluss in der Fläche, gerade der Hochadel, welcher demgegenüber in Frankreich schon sehr an den Hof in Versailles im 18.Jh. gebunden worden war. Die gesellschaftlichen Strukturen waren in Frankreich auch andere. Das starke Bürgertum gab es in Russland zu der Zeit noch wenig, was auch am Mangel an Urbanisierung liegen mag. Vergleiche mal die Lage der russischen Leibeigenen mit der der französischen Bauern in der Regel!
    Ich nehme auch an, dass die Bildung in der Fläche in Frankreich weit höher war als in Russland zu der Zeit. Natürlich gab es auch schon Eliten in Russland. Nicht umsonst bildete der Hof in Sankt Petersburg einen Anziehungspunkt auch für Denker des Auslandes.
    Dennoch gibt es einfach viele Aspekte, welche einen durchweg anderen Absolutismus in Frankreich als in Russland begründen.
     
  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Sicher Petersburg und Moskau waren kaum mit Versailles zu vergleichen. Vor allem aber gab es in Rußland auch kein selbstbewußtes Bürgertum. Der Grad der Urbanisierung war deutlich geringer. Doch es gab durchaus auch Parallelen. Unter Zar Peter I. etablierte sich ein neuer Dienstadel der vom Zaren abhängig war und in Verwaltung, Armee hohe und höchste Stellen besetzte und nach Leistung befördert wurde. Andreas Ostermann, ein Gastwirtsohn aus Westfalen stieg in den Grafenrang auf und begründete ein traditionsreiches Adelsgeschlecht. Menschikow stieg zum Fürsten und allmächtigen Höfling auf. Peter Shafirow war ein konvertierter Jude. Aber auch die alten Bojarengeschlechter, die unter Peter I. immer wieder mal frondierten, die Naryschkins, Dolgorukis, Lopuchins mußten sich der Politik der Europäisierung beugen, wenn sie im Zarenreich weiterhin höchste Stellen bekleiden wollten, mußten sich anpassen. Sie übernahmen europäische Kleidung und bald auch europäische Titel. Der general Scheremetjew und der Diplomat Peter Tolstoi nannten sich bald Fürst oder Graf. Der Zar ordnete an, daß aus den Adelsfamilien mindestens ein Sohn eine sorgfältige Ausbildung machen mußte, und er zwang die Adeligen sich in St. Petersburg anzusiedeln, damals noch eine wilde Sumpflandschaft und sich dort mehrstöckige Häuser zu bauen. Wer vom Zaren etwas erbitten wollte und sich seiner Gunst erfreuen wollte, der mußte sich seiner Politik der Europäisierung anpassen. Peter übte ein System von Anreiz und Zwang auf den alten Adel aus, die mittun mußten, wollten sie nicht völlig von Peters neuem Dienstadel und Parvenues überspielt werden.
     

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