Vergleich Japan und China

Dieses Thema im Forum "Indien | Ferner Osten" wurde erstellt von ssanis, 25. Januar 2008.

  1. ssanis

    ssanis Gast

    Hallo,
    ich muss in der Schule einen Vergleich zwischen Japan und China (etwa 17. -20. Jahrhundert) schreiben.
    Kann mir jemand wichtige Merkmale hirfür sagen?
    Schonmal vielen Dank
     
  2. Ming_Loyalist

    Ming_Loyalist Neues Mitglied

    Eine wichtige Veränderung für die gesamte chinesische Kultur und Mentalität und Wirtschaft:
    in der Mitte 17. Jahrhundert wurde China von den kriegerischen Halbnomaden"Mandschus" erobert.Diese Mandschus machten anfangs aus freien chinesischen Bauern ihre Leibeigne.Die Mandschu
    Fremdherrscher führten eine viele strengere Isolierunspolitik von der restlichen Welt ein,u.a. der sogenannte "Jing Hai Ling" Befehl,dass sämtliche chinesischen Fischleute,Händler und andere Menschen an der Küste ins Landesinneren abgeschoben wurden.

    Die Mandschus haben das befohlen um die ständige
    Invasion der Chinesen von Taiwan zu bekämpfen und sie von den Festlandchinesen zu isolieren.Diese Poltik der "Jing Hai Ling" ,Isolierungspolik,die China komplett von der Aussenwelt abschnitt, setzte sich trotz der Eroberung Taiwans bis nach 1841 fort.


    Viele Massaker während der Invasion der Mandschus in China.
    Schätzungsweise mindestens dutzend Millionen starben in China,Metropoole wurden ausgelöscht
    (Sieh Yangzhou Ten Day Massacre Far Outliers: The Yangzhou Massacre of 1645

    three time massacres of Jiading...)

    Allein die Bevölkerung von der Provinz Sichuan
    wurde wegen vielen Massaker, die von
    den Bauernrebellen und Mandschus nacheinander begangen wurden, dramatisch verringert.

    Im Jahr 1578 (Ming Dynastie)zählte die Bevölkerung in Sichuan 3.102.073 (Chronik 明会要)Einwohner.

    Im Jahr 1685 (Mandschu Qing Dynastie) waren lediglich nur noch 18.090 Einwohner in Sichuan.(Chronik嘉庆《四川道志》

    明会要》卷五十载:万历六年(1578年)四川省有“户二十六万二千六百九十四,口三百一十万二千七十三”。到了康熙二十四年(1685年)减至“一万八千零九十丁”(嘉庆《四川道志》卷十七)

    Die Chinesen mussten wie die Mandschus Zöpfe tragen.Wer keinen Zopf hatte wurde hingerichtet.
    Millionen Chinesen rebellierten gegen diesen Befehl(Zopf tragen),wurden aber gnadenlos brutal niedergeschlagen,da zu dieser Zeit China bereits besetzt worden war.



    Ein noch wichtiger Punkt:

    In jeder chinesischen Dynastie gab es Hunderte von Denkern,Wissenschaftlern.
    In der Mandschu Qing Dynastie(1644-1911)wurden aber Meinungsäußerungen, Denken Wissenschaft brutal unterdrückt.Deshalb gab es während dieser Fremdherrschaft kaum Wissenschaftler,von Denkern gar nicht die Rede.

    In der späten Ming Dynastie (Ende 16. Jahrhundert) gab es wissenschaftlichen,philosophischen Umtausch und Zusammentreffen zwischen Konfuzianern und westlichen christlischen Missionare.Etliche westliche Werke wie Euklids Elemente wurden ins Chinesische übersetzt und von den chinesischen Gelehrten studiert.
    Unter der Mandschu Herrschaft wurde diese Verbindung
    gebrochen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Januar 2008
  3. hyokkose

    hyokkose Gast

    Über Deine Antipathien gegen die Mandschus hast Du ja schon etliche Beiträge geschrieben, Ming-Loyalist. Nur: was haben diese mit dem Vergleich zwischen China und Japan zu tun?
     
  4. Ming_Loyalist

    Ming_Loyalist Neues Mitglied

    Es sind Fakten,und ich empöre mich darüber dass die Menschen von heute so wenig davon wissen, und immer noch Chinas Untergang im 19.Jahrhundert allein der chinesischen Kultur die Schuld geben.

    Diese Faktoren (fast drei Jahrhunderte Fremdherrschaft der Mandschus) spielten wohl eine entscheidende Rolle warum China,im Gegensatz zu Japan, im 19.Jahrhundert und darüber hinaus bis zum Anfang 20 Jahrhundert erbärmlich scheiterte.

    Denn die Herrschenden (Mandschus) in China im 19. Jahrhundert dachten nicht mal an Reformen und Modernisierung der Armeen,nachdem sie den Opiumkrieg hoffnungslos verloren hatten.

    Können Sie vorstellen dass die Mandschu Qing Soldaten im 19.Jahrhundert hauptsächlich mit Säbel und Lanzen ausgerüstet waren,obwohl es schon im 16 Jahrhundert Bataillone von der Ming chinesischen Armee mit Schußwaffen,Kanonen und Minen gab?


    Und das falsche Bild wird zum stereotyp:
    Manche Europäer denken immer noch, dass die alten Chinesen Zöpfe trugen und dies aus den traditionellen Gründen tun.

    Wenn man bedenkt wie viele Chinesen im 1645 ihr Leben gaben um nicht wie die Mandschus den Vorderkopf zu rasieren und einen Zopf wachsen zu lassen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Januar 2008
  5. hyokkose

    hyokkose Gast

    Das ist hier aber auch nicht das Thema...



    Genau dasselbe gilt von den Herrschenden in Japan des 19. Jahrhunderts, nämlich den Tokugawa-Shogunen bis 1867. Bis sie eben gestürzt wurden. In China wurden die Herrschenden zu spät gestürzt, wenn man so will.


    Deine simple Formel "Die Mandschus sind an allem schuld" ist schlicht falsch.

    Das zeigt der Vergleich mit Korea. In Korea gab es keine Fremdherrschaft, dort ereignete sich dennoch im Prinzip dasselbe Desaster: Die Dynastie konnte sich zwar am Ruder halten, Aufstände und Umsturzversuche konnten niedergeschlagen werden, doch eine grundlegende Reform kam bis zum Schluß nicht zustande. Vielmehr schlingerte die Regierung zwischen extrem konservativem "Kurshalten" und halbherzigen Reformen hin und her, bis es zu spät war.


    Für die Zeit zwischen 1700 und 1867 möchte ich behaupten, daß China die dynamischere und fortschrittlichere Gesellschaft war; Japan war nahezu abgeschlossen von der Außenwelt (für Korea gilt dasselbe), und es herrschte auf vielen Gebieten Stagnation.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 26. Januar 2008
  6. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Wo bleibt den der Vergleich mit Japan ?
    @Ming_Loyalist
    Gute Zusammenstellung, aber doch ein wenig subjektiv oder?
    Will das aber nicht weiter vertiefen.

    Zu der Frage kann ich leider nichts an Inhalt beitragen, aber dir ein paar Tips geben.

    - Schau dir mal das politische System der beiden Länder in dieser Zeit an.
    - Welche Rolle spielte das Militär. Wie war die militärische Führung (Stichwort Samurai)
    - Wie wird mit Minderheiten verfahren.
    - Zum Stichwort Kriege zw. Japan u. China (leider nur Wiki)
    Erster Japanisch-Chinesischer Krieg - Wikipedia
    usw.
    Versuch doch z.b. die Unterschiede der beiden Länder und eventuell auch Ähnlichkeiten der beiden Länder darzustellen.

    Geschichte Japans: Hans Martin Krämer
    Religion in Japan, Geschichte, Fruehe Neuzeit
    Frühe Neuzeit digital

    Mglw. interessant.
     
  7. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Auch Japan war während der Isolation in vielen Bereichen recht innovativ. Wenngleich die Waffentechnik stagierte und teilweise sogar rückläufig war.
    Laut Noel Perrins Büchlein "Japans Weg zurück zum Schwert" stieg die Alphabetisierungsrate, die Infrastruktur wurde ausgebaut (Folge der Zentralisierung) und man nutzte wasserbetriebene Brechwalzwerke in der Gold- und Silberverhüttung.
    Ich muss aber hinzufügen, dass ich dem Buch nicht immer ganz traue, da er auch von einem Kartoffelplanzgerät schreibt, was mir recht unpassend erscheint.
     
  8. Ming_Loyalist

    Ming_Loyalist Neues Mitglied

    Ich habe nicht behauptet dass die Mandschus an allem schuld waren.ich bin eher der Meinung dass sie Chinas Entwicklung(Kultur,Wissenschaft,Denken u.Philosophie, Schußwaffen usw) beträchlich ins Negative beeinflußt hatten.Damals bestimmte der Mandschu Kaiser und seine Mandschu Adligen das Schicksal Chinas.

    Die Mandschus haben sich nie als Teil des chinesischen Volkes anerkannt,sondern immer klare Kriterien zwischen "Da Qing" und "China" unterschieden.
    Da Qing(Großes Qing [Reich]" wollten die Mandschus beschützen,aber nicht China.Sie waren jederzeit bereit in die Mandschurei zurückzuziehen,wenn ein Aufstand der Chinesen Erfolg haben sollte.

    Als die Europäer Peking im späten 19.Jahrhundert besetzten, sagte die Mandschu Kaiserinwitwe Cixi :"Lieber unserer ausländischen Freunden Geld zu schenken, als es für unsere Haussklaven zu behalten"

    Ich erinnere mich nicht dass je ein chinesischer Herrscher seine Untertanen als"Haussklaven" bezeichnet hat.

    Ich gebe zu dass ich in dieser Sache mit zu viel Emotionen diskutiert habe.Aber die Grausamkeit der Mandschus war einfach nicht zu vergessen.

    Selbst meine alte Heimatstadt Nanxun wurde mehrmals von den Mandschus massakriert. Die Bevölkerung zählte im Jahr 1643 10.000 Familien(nach chinesischem Verhältnis würde ich auf 40.000 Einwohner so schätzen)

    Im Jahr 1654 kamen die Mandschus in Nanxun und befahlen den Einwohnern der Stadt die Mandschu- Kleidungen zu tragen und Zöpfe wachsen zu lassen.Ein gewisser Zhu Rong aus Nanxun leistete Widerstand mit tausenden Menschen.Der Aufstand wurde niedergeschlagen und viele Einwohner von Nanxun mussten mit ihrem Leben bezahlen.Die Mandschus haben ihnen die Köpfe oder Arme und Beine abgehackt,ihre Leichen auf den Feldern verstreut.

    Wie viele Menschen damals gestorben waren,
    ist unklar aber klar ist dass erst im 1756 die Bevölkerungszahl von Nanxun 20.036 Personen erreichte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Januar 2008
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zur Erinnerung, das Thema heißt: Vergleich Japan und China
     
  10. Ming_Loyalist

    Ming_Loyalist Neues Mitglied

    Das hängt alles damit zusammen.Japan hat von Chinas Fehlentwicklung profitiert.

    Denn wenn diese Mandschu Kaiserinwitwe Cixi lieber das Geld auf die Marine statt ihren Palastbau gesetzt hätte, wäre der 1.chinesischer-Japanischer Krieg vielleicht anders verlaufen.

    Die Mandschus würden damals nie eine Reform dulden zumal ihre Fremdherrschaft dadurch bedroht werden könnte.
    Zur Erinnerung: die Europäer haben die Idee des Nationalismus nach China gebracht,worauf die Han Chinesen die Mandschu-Herrschaft im 1911 stürzten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Januar 2008
  11. Ming_Loyalist

    Ming_Loyalist Neues Mitglied

    Japan,im Gegensatz zu China,hatte keine großen,langfristigen und anhaltenden Bürgerkriege im späten 19.Jahrhundert(abgesehen von den kleinen Auseinandersetzungen während der Meiji-Restauration,beispielsweise der Boshin Krieg,der jedoch sowohl von dem Ausmaß und als auch vom Menschenverlust her nicht zu vergleichen war wie der Taiping Aufstand in China.)

    In China gab es aber der Taiping-Aufstand,welcher 20 Milllionen Menschenopfer forderte.

    Der Taiping-Krieg war sowohl ein Bauernaufstand,als auch ein Völkerkrieg zwischen Chinesen und Mandschus.

    Denn die Schlachtrufe der Taiping Armee lauteten:
    die Tataren(gemeint waren die Mandschus) aus China zu vertreiben.
    Die Grausamkeit des Völkerkriegs zeichnete sich nicht zuletzt dadurch dass die Taiping Soldaten die gesamte Mandschu Bevölkerung in Nanking massakrierten, als sie Nanking eroberten.

    Dennoch wurde das Manschu Reich von den chinesischen Großbauern und Konfuzianern unterstürzt, da die Taiping Armee den Konfuziasmus und die Eigentürmer der Grundbesitzer ebenso auslöschen wollte .Ausserdem waren sie "Christen", zumindest im wörtlichen Sinne.Das konnten die tradionellen Chinesen auf keinen Fall dulden.Deshalb kämpften die Anhänger der Großbauern und Konfuzianer verbissen auf der Seite der Mandschus,während die Anhänger der Taiping Armee genauso verbissen gegen sie kämpften,um die Mandschus Herrschaft ein Ende zu setzen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Januar 2008
  12. Ming_Loyalist

    Ming_Loyalist Neues Mitglied

    Nach der Gründung der Republik China im 1911 übernahm unglücklicherweise der konservative Yuan shikai die Macht und nannte sich der Präsident der Republik China.Im 1915 bestieg er den Kaiserthron und gründete das Kaiserreich China wieder.Die Chinesen wollten wegen des Traumas an die Mandschu Kaiser die Monarchie nicht mehr und rebellierten gegen Yuan shikai .Er starb wenige Monate später an Nierenversagen.

    China geriet in einen Bürgerkrieg, bis 1928 China endlich dank des Nordfeldzugs von Chiang Kai shek zumindest formal unter der Flagge der Republik China wieder geeinigt wurde.Dennoch beherrschte Chiang Kai Shek und die KMT in der Wahrheit nur die Ostküsteprovinzen in Südchina.
    Andere Provinzen wurden von den Kriegslords und Großgrundbesitzern kontrolliert.China war lange nicht so einig wie Japan.

    Japan entwickelte sich währenddessen dank der Ausbeutungen in der Mandschurei und der riesigen Summe von Kriegsentschädigungen(30.000.000 Silber-Tael) des Mandschu Regimes an Japan schnell zu einem industriellen Land.

    Die japanische Marine und Armee modernisierten nach dem europäischen Standard und entwarfen Expansionspläne in Ostasien.

    Was dann geschah, wisst ihr alle.

    Einmarsch der Japaner in die Mandschurei 1931-1932

    Der Zweite Chinesisch-Japanische Krieg(1937-1945)
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Januar 2008
  13. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Bedenke bitte, das Japans Bevölkerung deutlich kleiner war und Aufstände mit im Vergleich zu China geringen Opferzahlen und Außmaßen das Land sehr treffen konnten.
    Die Meijirestauration war mit Sicherheit eine sehr kritische Zeit für Japan, das zuvor 300 Jahre keine größeren Erschütterungen erlebte. Die späteren Samuraiaufstände erfassten zwar nur kleine Teile dieses Standes, aber um den Satsumaaufstand (immerhin zwischendurch ca 30.000 Mann) musste der Kaiser einiges aufbieten.
     
  14. Alkarzar

    Alkarzar Neues Mitglied

    Ihr verharrt euch viel zusehr auf diesen einen Faktor.
    Es ist wichtig das man die Stellungen der beiben Länder Japan und China wärend des Imperialismus beachtet. Wärend China nur eine von den Briten unterworfene Kolonie darstellte wurde Japan mit hilfe der USA modernisiert und industrialisiert, man sollte das zwar nicht gleich zuhoch schätzen aber es war immerhin etwas.
     
  15. Ming_Loyalist

    Ming_Loyalist Neues Mitglied

    Ich muss darauf hinweisen,dass das Mandschu Reich zwar von den Briten besiegt, aber nicht erobert wurde.
    Man bezeichnet es als "Halbkolonie",d.h.die europäischen Mächte hatten ihre eigenen Einflüsse und Handelsprivilegien in bestimmten Provinzen Chinas.

    Die Geschichte von dem Wiederaufbau/Industrialisierung Japans mit Hilfe der USA kam erst nach dem zweiten Weltkrieg.

    Im späten 19. Jahrhundert hat Japan hauptsächlich nach dem europäischen Vorbild und mit Hilfe der Ausbeutungen der Ressourcen aus der Mandschurei und Kriegsentschädigung von dem Mandschu Reich an Japan industralisiert.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Februar 2008
  16. TGDarmstadt

    TGDarmstadt Neues Mitglied

    Zurück zum Thema:

    Bei dieser Aufgabe geht es darum zwei Entwicklungen darzustellen, die zunächst recht ähnlich verlaufen, dann aber völlig andere Wege gehen:

    Sowohl Japan als auch China schotteten sich ab dem 16. bzw. 17. Jahrhundert von der Außenwelt ab. Hier wäre zunächst zu klären, ob diese Abschottung absolut war, oder ob es Schlupflöcher gab.
    Im Falle von Japan gab es die holländische Handelsniederlassung Dejima in Nagasaki, durch die in bescheidenem Maße Handel getrieben wurde und durch die auch europäische Schriften nach Japan gelangten. Es waren aber sehr bescheidenen Verbindungen.

    Wie es mit China aussieht, weiß ich leider nicht im Detail. Es gab wohl Seehandel mit den Europäern, doch dieser wurde von China stark reglementiert. Vielleicht kann da jemand anderes etwas zu sagen.

    In der Mitte des 19. Jahrhhunderts gelangten beide asiatische Staaten in den Blickpunkt der europäischen Mächte und der USA. In beiden Fällen wird die Öffnung des Landes mit Waffengewalt erzwungen, in China während der beiden Opiumkriege (1839-1842 und 1856-1860).
    In Japan erzwang der amerikanische Commodore Matthew Perry 1853 die Öffnung von "Vertragshäfen" für den Handel zwischen Japan und dem Westen.

    Bis dahin verläuft die Geschichte ähnlich. Dann kommt es aber zu unterschiedlichen Entwicklungen:

    China gerät immer mehr unter die Kontrolle der Europäischen Mächte, was schließlich in der Entstehung europäischer Kolonien an der Chinesischen Küste führt.

    In Japan hingegen erkennen einige Samurai, besonder Saigo Takamori, dass sich Japan modernisierung muss, will es nicht auch von den Europäern unterworfen werden. Deshalb schickt er schon in den 1850ger Jahren junge Männer nach Europa, damit sie dort studieren sollten.
    Diese Entwicklung gipfelte in der Meji-Restauration, die die Herrschaft des Tokugawa-Shogunats beendete und das Kaiserreich Japan wiederherstellte. In den nächsten Jahrzehnten wurde Japan modernisiert, industriealisiert und begann schließlich selbst Kolonien zu erobern (1895 Taiwan, 1905 Korea, 1919 Kiautschou, Palau, Carolinen, Marshallinseln und die nördl. Marianen).
     
  17. t-mac-67

    t-mac-67 Neues Mitglied

    Das ist echt süß wie Ming-Loyalist sich über die Mandschu aufregt. Ich bin mir sicher während de 30 Jährigen Krieges sind auch ein paar meiner Verwandten gestorben und trotzdem hege ich heute keinen Hass gegen die Dänen.

    Der Einfluss der europ. Mächte in China sieht übrigens so aus das generell Handel betrieben wurde, jedoch wurden aus China nach Europa die Waren nur impotiert. 1793 versucht ein britischer Gesandter die Handelsbilanzen auszugleichen und europäische Produkte schmackhaft zu machen. Erfolgslos. Europäisches Silber floss weiterhin nach China. Daraufhin dealen die Briten verstärkt mit Opium und nach 1823 wird auch das Handelsmonopol der East Indian aufgelöst. Boom.. China wird überschwemmt vom Opium. Naja den Rest kennt ihr ja, 1.Opiumkrieg usw.:D
     
  18. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Das die Edo-Zeit als Zeit des "bescheidenen Handels" angesehen wird ist wohl auf die eurozentrische Perspektive vieler Forscher zurückzuführen. So sehr abgeschottet war Japan gar nicht. Japan stand während der gesamten sakoku-Zeit in Handelsbeziehungen zu Korea und China. Vom Schmuggel einmal ganz abgesehen, zu dem es leider, aufgrund der schwierigen Quellenlage, kaum Quellen gibt.

    War Saigô nicht gerade der große Gegner der Modernisierung? Dein Link sagt genau das auch.

    Korea wird 1910 japanische Kolonie.
     
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  19. Mariu

    Mariu Neues Mitglied

    Für die Schule wird der OP es wohl nicht mehr brauchen können. Aber das Thema ist interessant.

    Ich denke in China haben den radikalen Kräfte für eine Modernisierung zum Ende hin die Durchsetzungskraft und Dynamik gefehlt und das die Europäischen Großmächte es wegen seiner Größe und Ressourcen interessanter fanden als Japan.
    Man hatte in China ja auch erkannt das man sich Modernisieren musste: Self-Strengthening Movement

    Denke Okubo Toshimichi war eigentlich gemeint.
     
  20. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Definitiv ein interessantes Thema, allerdings leider auch anfällig für große Verzettelung. Leider kenne ich mich auf dem Gebiet der chinesischen Geschichte nicht genug aus, um ausreichend gesicherte Aussagen bezüglich der gescheiterten Modernisierungsbemühungen zu machen.

    Mir ist lediglich in Erinnerung geblieben, dass sich die konservativen Kräfte Chinas aus Angst um die eigenen Pfründe stets gegen Modernisierungsbestrebungen gestellt haben. Ein weiteres Problem war wohl die enorm korrupte Beamtenschaft, die überall Gelder abgezweigt hat, insbesondere solche, die für den Aufbau einer schlagkräftigen Marine gedacht waren.


    Auf japanischer Seite sind meines Erachtens folgende Punkte von Bedeutung: Zum Einen, wie Du schon gesagt hast, sahen die Westmächte davon ab, sich zu sehr in die innerjapanischen Angelegenheiten einzumischen.
    Zwar untersützten die Briten unter anderem Chôshû und die Franzosen das Bakufu, in der Bakumatsu-Zeit, als es dann aber richtig ernst wurde, schlossen die Westmächte eine Neutralitätsvereinbarung ab, sodass sich niemand von Außen einmischte.

    Im Gegensatz zur chinesischen Revolution hatte sich nach der japanischen "Revolution" kein Einzelner an die Spitze geschwungen. Die Führer der Revolution hatten es verstanden die Macht so aufzuteilen, dass es zu wenig Spannungen kam, und das nicht nur an der Spitze, sondern bis in die Kommunen hinein. Überall wurde den ehrgeizigen Leuten Möglichkeiten zur politischen Partizipation eingeräumt.

    Ebenfalls wichtig ist die wirtschaftsliche Struktur Japans gewesen. In der Edo-Zeit wurden Seide, Baumwolle und andere Produkte zunächst massenweise importiert, was dazu führte, dass sich viele Familien nach der Feldarbeit ein Zubrot mit der Anfertigung von Textilien verdienen konnten. In der späteren Edo-Zeit wurden Importe den Daimyô und Shôgun zu teuer, sodass man erfolgreich selbst den Anbau von zuvor importierten Gütern anstrebte.
    Als die Meiji-Revolution kam, war schon längst eine leistungsstarke Textilindustrie entstanden, die sich teilweise moderner Technik bediente und im späten 19. Jahrhundert eine tragende Rolle für den Wirtschaftsaufschwung Meiji Japans spielen sollte.
    Die Landreformen der neuen Regierung machte ein riesiges Resservoir an Arbeitskräften frei, die man in den aufzubauenden Schlüsselindustrien einsetzen konnte. Bergbau, Schwerindustrie und Textilindustrie wurden vom Staat gefördert. Später wurden Staatsunternehmen zu billigen Preisen an private Unternehmen verkauft. Unternehmen, die unter der Knute der Tokugawa gestanden hatten und gleichzeitig ständig deren Willkür ausgesetzt waren. Reiche Geschäftsleute zu enteignen war ein beliebtes Mittel zur Geldbeschaffung gewesen. Unter dem Schutz der neuen Regierung aber konnten sie ihre Fähigkeiten voll zur Geltung bringen.

    Zusammenfassend kann man denke ich sagen, in Japan war auf der wirtschaftlichen Seite schon längst eine Art vor-industrielle Grundstruktur und die Voraussetzungen im know-how vorhanden, und lediglich gesetzlicher Schutz und Investitionen fehlten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Juli 2010
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