Versorgung von Japan mit Rohstoffen, im besondern mit Öl während des II. Weltkrieges.

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Little_Tiger, 2. November 2020.

  1. Little_Tiger

    Little_Tiger Neues Mitglied

    Ein Hauptgrund auf den Angriff auf Pearl Harbor waren die US-Sanktionen auf Öl gegenüber Japan.
    Lt. Wikipedia kamen vor den II. Weltkrieg rund 90 Prozent des japanischen Öls von den USA.

    Meine Frage: Wie versorgte sich Japan mit Öl und anderen Rohstoffen während des II. Weltkrieges?
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Auf die Schnelle:
    1. Nach dem Eintritt Japans in den Krieg, war lediglich eine Bevorratung von ca 18 Monaten vorhanden.

    2. Den notwendigen Nachschub an Oil wollte sich Japan aus "Niederländisch Ost-Indien und dem nördlichen Teil von Sachalin" besorgen (Notiz von Kōichi Kido vgl. Literaturhinweis)

    Goldstein, Donald M.; Dillon, Katherine V. (Hg.) (2006, 2004): The Pacific War papers. Japanese documents of World War II. Washington, D.C.: Potomac Books.
     
  3. Little_Tiger

    Little_Tiger Neues Mitglied

    Und dann? Während eines Krieges kann man doch keine Erdölindustrie in Niederländisch-Indoniesien (Indonesien) aufbauen, oder?
     
  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

  5. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Aber eine bestehende übernehmen.
    Zwar ziemlich dürftig, aber immerhin: Indonesischer Unabhängigkeitskrieg – Wikipedia
     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Das Öl wurde gefördert. Auf Tanker verladen und nach Japan gebracht und dort entsprechend der weiteren Verwendung zu Treibstoff aufbereitet.

    Das zunehmende Problem für Japan war, dass die US-U-Boote erfolgreich diese Tanker bekämpften und es so im Verlauf des Krieges zu zunehmenden Enpässen kam.

    Darüberhinaus war Japan daran interessiert, eine eigene Industrie zur Herstellung von synthetischem Benzin aufzubauen.
     
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  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Zu Beginn des WW2 gab es eine Reihe bekannter Regionen, in denen Erdöl gefördert wurde. In Nord- und Süd-Amerika, im Nahen Osten und in Niederländisch Indien. Diese Gebiete wurden von potentiellen Gegnern der imperialen Japan beherrscht und es bestand keine Chance, diese Gebiete zu kontrollieren mit der Ausnahme von Niederländisch Indonesien. Aus Niederländisch Indien konnte Japan alle Arten von Öl beziehen.

    Seit den dreißiger Jahre war die japanische Marine auf Öl umgestellt worden (Peatti, S. 213, in Duus et.al.) Bis in die dreißiger Jahre war es für Japan kein großes Problem, die notwendigen Mengen an allen Arten von Öl auf dem Markt zu beschaffen. Das veränderte sich deutlich 1940/41.

    Ausgangspunkt waren die Planungen aus dem Jahr 1940, die eine Ausweitung der japanischen Produktion im Hinblick auf einen möglichen Krieg vorsahen, u.a. auch alle Arten von Öl- Zu den Mengen vergleiche Barnhart, S. 160.

    Im Herbst 1940 versuchte Japan, aufgrund der zunehmend ablehnenden Haltung der USA, einen Teil seines Bedarf in Niederländisch Indien zu decken. Die gewünschten Mengen lagen dabei deutlich über den angebotenen, da die westlichen Ölkonzerne nur eine geringe Bereitschaft zeigen, mit Japan zu kooperieren (Barnhart, S. 166)

    Die Planungen der japanischen Marine gingen davon aus, das beispielsweise im 3. Jahr nach Kriegsbeginn man einen Bedarf von 5400 (in 1000 Kiloliter) hätte. Davon sollten aus Niederländisch Indien ca 4700 beschafftt werden und man hoffte, 1500 als synthetisches Produkt herzustellen (Barnhart 261).

    Um den Transport sicher zu stellen hatte man eine entsprechende - optimitische - Mobilisierungsplanung für die Schiffahrt vorgenommen (vgl. Hara, S. 254, in Nakamura & Odaka).

    Aus diesem Grund war aus japanische Sicht die südliche Variante der Ausdehnung von zentraler Bedeutung, um eine gewisse Autarkie zu gewinnen.

    Barnhart, Michael A. (1987): Japan prepares for total war. The search for economic security, 1919 - 1941. 7. Aufl. Ithaca, NY: Cornell Univ. Press
    Duus, Peter; Myers, Ramon H.; Peattie, Mark R. (Hg.) (1996): Japanese Wartime Empire, 1931-1945. Princeton, New Yersey: Princeton Univ Press.
    Nakamura, Takafusa; Odaka, Konosuke (Hg.) (1999): The economic history of Japan 1600-1990. A dual structure. Volume 3. 3 Bände. Oxford: Oxford Univ. Press
     
  8. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Die Zahlen kommen mir niedrig vor. Und der Anteil synthetischem Tribstoff ist relativ hoch. Wobei ich die Leistngsfähigkeit der japanischen Industrie nicht richtig einschätzen kann. Spielten die koranischen Kohlevorkommen dabei eine große Rolle?
     
  9. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die Planungen sind im August 1941 durch das Navy Ministry Military Affairs Bureau vorgenommen und durch das wichtige und entscheidende "Planning Board" bestätigt worden.

    Dabei ging man für die ersten drei Jahre von einer identischen geplanten Menge beim Verbrauch aus, also 5400 Kiloliter (in thousand). Das wären 5.400.000 Liter * 1000, also 5.400.000.000 Liter, wenn ich korrekt rechne.

    Den realen Verbrauch habe ich nicht gefunden.

    Welche Kohlevorkommen primär relevant waren für die Herstellung des synthetischen Treibstoffs kann ich nicht sagen, müßte ich heraussuchen.
     
  10. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Hm, Militärs tendieren dazu, die benötigten Mengen nicht zu knapp zu kalkulieren. Wenn ich die Treibstoffproduktion mit der deutschen vergleiche, dann fällt die geringere Mechanisierung Japans auf. Aber natürlich wollten die Schiffe und Flugzeuge was zu schlucken haben. Auf den zweiten Blick lassen sich die Zahlen dann doch besser verstehen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. November 2020
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  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

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