Völkermord oder Bürgerkrieg?

Dieses Thema im Forum "Das Osmanische Reich" wurde erstellt von Germturk, 17. Januar 2013.

  1. Germturk

    Germturk Neues Mitglied

    Hallo zusammen,

    in der Vergangenheit wurde ja schon heftigst über die Armenier und ihr Schicksal im Osmanischen Reich diskutiert.

    Ich habe mich schon häufig mit diesem Thema auseinandergesetzt und ich bin auch sehr schnell zu dem Schluss gekommen das es ein Genozid gewesen ist. Für mich spielt es dabei keine Rolle ob nun 1,5 Millionen Armenier ihr Leben verloren haben oder ob es nur 10 waren; Völkermord bleibt Völkermord.
    Allerdings gibt es auch zahlreiche und nicht nur türkische Stimmen die das anders sehen; eben nicht von einem Völkermord sondern von einem Bürgerkrieg sprechen der im Ergebnis die Armenier schwerwiegender getroffen hat als andere Minderheiten im osmanischen Reich.

    Wie ich eingangs schon erwähnt habe, stammt ein Elternteil von mir aus der Türkei. Ich bin in Deutschland geboren und habe eine Zeit lang in der Türkei gelebt; zwecks Auslandssemester & Praktikum. Ich hab die Türken ansich als ein sehr gastfreundliches und herzliches Volk empfunden allerdings haben mir auch eigene Erfahrungen gezeigt das sie ein sehr nationalistisch geprägtes Volk sind; was ich persönlich eher traurig finde.
    Aus den Gesprächen mit Türken bzgl. Völkermord an den Armeniern habe ich in der Regel immer die gleiche Antwort erhalten: "Es gab keinen Völkermord; das sei eine erfundene Story, quasi eine Lüge.
    Aus den westlichen bzw. deutschen Medien hört man aber immer das komplette Gegenteil. Für mich ist es wie gesagt ein Völkermord. Mein türkischer Kommilitone hat mich nach einer langen Diskussion gefragt warum man in den Medien nie etwas von den türkischen Opfern hört. Während dem Zusammenbruch des osmanischen Reichs haben auch hunderttausende Türken ihr Leben verloren. Er könne erst dann zugeben das es ein Völkermord ist wenn auch diese türkischen Toten berücksichtigt werden.

    Ich wollte jetzt einfach mal wissen wie ihr die Geschehnisse interpretiert?
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Aufrechnungsgedanken oder Bedingungen für die Anerkennung, wie das Dein Kommilitone andeutet, sind sicher kein guter Ansatz, sich dem Ereignis zu nähern.

    Ebenso wenig kann man heute die Menschen für das Ereignis in eine Verantwortung stellen, man kann aber über dem Umgang mit der Erinnerung nachdenken und man kann Fragen stellen, wie es dazu kam.

    Das Stichwort "Bürgerkrieg" geht schon in die richtige Richtung. Es gibt hier im Forum auch Diskussionen dazu. Das ist Teil der Vorgeschichte und der Abläufe 1915/1918. Stichworte zur Vorgeschichte:

    - die Vertreibungen aus dem Kaukasus und dem Balkan in das Gebiet des Osmanischen Reiches in den Jahrzehnten vor 1914
    - die Entwicklung Anfang des Ersten Weltkrieges, Kriegseintritt des OR, Einmarsch in den Kaukasus, bewaffneter Widerstand in den östlichen Gebieten (zB Van), Furcht vor einer Anheizung der Konflikte durch Russland
    - Gallipoli
     

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