Voltaires Ziele

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Gast, 22. September 2008.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hi! Für ein Poster in Geschichte muss ich etwas über die Ziele Voltaires herausfinden. Da diese Frage aber auch mittels googeln nur unzureichend beantworten kann, wollte ich fragen, ob ihr mir vielleicht helfen könnt... ^^°
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ziele?

    Hm, keine so einfache Frage.

    Also ich denke er ließ sich von einer pazifistischen Grundhaltung, die er u.a. im "Candide" durchschimmern lässt, und seinem Wunsch nach religiöser Toleranz leiten. Wahrscheinlich wurde er in seiner Zeit bei den Jesuiten geprägt. Die Ereignisse der französischen Geschichte selbst, v.a. solche wie die Bartholomäusnacht sollen Voltaire in seiner Ansicht bestärkt haben, dass es zu einer umfangreichen Toleranz eigentlich keine Alternative gibt.
    Also dies würde ich als zwei seiner wesentlichen philosophischen Ansichten bezeichnen.

    Ansonsten verfolgte er auch Ziele hinsichtlich der Dramatik. Voltaire galt zu seiner Zeit wahrscheinlich mehr als heute, auch als einer der bedeutensten Dramatiker. Dabei hatte er nach einer anfänglichen Begeisterung für Shakespeare, mit dem er nicht zuletzt durch seinen Englandaufenthalt in "Kontakt" kam (d.h. er hatte die Möglichkeit Stücke von ihm zu sehen), ein großes Anliegen, nämlich das französische Theater zu erhalten. So verfasste er verschiedene Traktate, welche das französische Theater als besonders hervorragend herrausheben. Während er Shakespeare eine gewisse Genialität zubilligt, sieht Voltaire aber in ihm eine Gefahr für das eigene französische Theater in der großen Tradition von Racine, Corneille und Molière. Letztlich bleibt auch Voltaire diesen großen Vorbildern in seinen eigenen Werken verpflichtet.
    (Eigentlich ist das ein ganz ähnlicher Streit, wie der Rameaus und der königlichen Partei gegen die Buffonisten.)
     
  3. Rest-Romane

    Rest-Romane Neues Mitglied

     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    1. Da würde ich zwischen seiner grundsätzlichen Toleranz und seiner anderen Seite, des sich bei den Herrschern anbiedernden Aufklärers, unterscheiden. Du hast Recht, dass das eigentlich nicht zu seiner pazifistischen Einstellung passt. Sein "Anbiedern", so nehme ich stark an, ging in dem Fall sehr weit. D.h. er sprach sich für eine Politik aus, welche die Zarin ohnehin schon anvisierte. Da gibt es sicherlich Parallelen zu seinen Lobeshymnen auf Louis XV. Voltaire war hierin das Gegenteil von Rousseau, denn Voltaire meinte, er müsse in die Gunst der Herrscher gelangen. In dieser Gunst allein, konnte er sie ändern und sozusagen zu einer aufgeklärten Regierungsweise hinführen. Dies war scheinbar der Weg, den er bevorzugte.

    2. Du spieltst auf "Le fanatisme ou Mahomet le Prophète" an?

    3. Mein Französisch ist leider nicht so besonders und daher kenne ich Marivaux eher am Rande, habe mich noch nicht intensiv genug mit dessen Werk befasst, um die zwei Dramatiker miteinander zu vergleichen. Bei Voltaire würde ich mir keine Einschätzung anmaßen, zum einen, da ich noch keine Aufführung einer seiner Tragödien gesehen habe, zum anderen weil dazu schon sehr viel Sachkenntnis gehört, die ich nicht habe. Ich kann nur sagen, dass einige Werke von Voltaire sehr erfolgreich aufgeführt wurden oder nicht. Heute zu sagen, ob sie an der Stelle richtig waren oder nicht oder ob Voltaires Einstellung zur französischen Theatertradition richtig war oder nicht ist schwierig. Wenn Voltaire Erfolg hatte (sein Triumphzug von 1778 deutet darauf hin), muss man ihn damals als einen großen Dramatiker empfunden haben.
     
  5. Rest-Romane

    Rest-Romane Neues Mitglied

    Marivaux

    Noch heute ist in Frankreich die Marivaudage – nach geringschätzung im 19. Jahrhundert – wieder sprichwörtlich für eine galantes Prosa-Geplauder in brillant gestrickten Komödien.

    In "Les habits échangés" streiten sich ein schwuler Fürst und seine hetero-Frau über die Neuankömmlinge am Hof (inwieweit hier Monsieurs Eskapaden verarbeitet wurden...;-)) In dem Moment, da der Fürst seiner Gattin eröffnen will, daß er sich – anstatt in einen Mann*– in eine Frau verliebt habe, erklärt sie ihm, daß sie ihn erstmals wirklich verstehen könne, denn sie habe sich homoerotisch verliebt. Es ist natürlich die gleiche und, alles beim alten, in Wirklichkeit ein Mann.

    Aber mal von geschickt gebauten Szenenfolgen abgesehen: Es ist der Beginn der psychologisierenden Erklärung WARUM ein Mann in Frauenkleidern überhaupt auftritt (die Mutter hatte ihren Sohn als Fau erzogen, nachdem ihr Vater im Krieg und ihr Gatte im Duell umgekommen waren (man sieht die Mutter förmlich im Kindbett liegen und den blutüberströmten Ehemann zur Türe hereinkommen = Anmerkung des Regisseurs), um ihrem Sohn ein derartig gewaltsames Leben zu ersparen) wie die Folgen dieses Umpolungsprozesses: "Ich fühle mich zerrissen, als ob eine Kutsche an beiden Enden angespannt wäre!"

    (!!!) Ah les Francais!

    Dagegen finde ich - bei aller Wertschätzung der Zeitgenossen – Voltaires Evokationen eher staub- als puderlastig. Wenngleich er natürlich seinen Wert hat... z. B. als Verfasser spitzzüngiger Gehässigkeiten. http://www.geschichtsforum.de/images/smilies/rofl.gif
     
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