Von eckigen zu runden Befestigungstürmen

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Gegenkaiser, 25. März 2011.

  1. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Eckige Türme sind einfacher zu bauen, aber hexagonale und vor allem runde Türme haben den Vorteil, Mineuren und Steinwurfgeschützen weniger Angriffsfläche zu bieten. Spätestens mit Einführung der Gegengewichtsblide im 12./13. Jh. und der Bombarde im 14. Jh. mussten Türme und Eckbastionen konsequent gerundet werden, um der erhöhten Durchschlagskraft der neuen Belagerungsmaschinen entgegenzuwirken.

    Interessanterweise gab es einen vergleichbaren Trend bereits früher, im Altertum. Der hellenistische Militärtechniker Philo von Byzanz:

    Kann man daraus schliessen, daß es vor der Erfindung der Artillerie nur eckige Türme im Befestigungsbau gab? Ja, ich weiß, der allerälteste Stadtmauerturm überhaupt, der von Jericho, ist rund konstruiert, aber in Ermangelung jedweder mechanischer Belagerungstechnik und damit entsprechender Abwehrmaßnahmen damals ist die Ähnlichkeit rein oberflächlicher Natur. Hat jemand schon einmal Rundtürme im altorientalischen Festungsbau gesehen? Ich jedenfalls nicht. Babylon, Hattusa, Fehlanzeige.
     
  2. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Es gab aber auch nach dem Mittelalter zahlreiche Festungen mit eckigen Türmen ,die im 16. und 17. Jh. gebaut wurden. Selbst auf der, mit den damals fortschrittlichsten Befestigungsanlagen versehenen Insel Malta sieht man jede Menge eckige Türme.
    Datei:Red Tower Malta 2009-2-2.jpg ? Wikipedia
    Datei:2194 - Salzburg - Festung Hohensalzburg from Richterhöhe.JPG ? Wikipedia
    Bei den Römern gab es schon runde Turmbauten wie man bei den Toren der aurelianischen Mauer in Rom sehen kann.
    Datei:Roma-Porta San Paolo.JPG ? Wikipedia
     
  3. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    In einem anderen Thread wird doch über die Megalith-Bauten auf den Balearen gesprochen. Die dort errichteten "Talayots" sind rund, wie auch die Nuraghen auf Sardinien und die Torres auf Korsika. Bleibt natürlich die Frage ob es tatsächlich Wehrbauten waren.
     

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  4. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Ein Vorteil der runden Form ist es, dass man für die gleiche Grundfläche weniger Baumaterial benötigt. Vielleicht spielte dieser Aspekt hier und da eine Rolle(?).
     
  5. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Nicht im orientalischen Festungsbau. In Portugal aber zum Beispiel gibt es aber aus der Kupferzeit eine Reihe kleiner bis mittelgroßer Befestigungen mit recht wuchtigen, an Bastionen erinnernden Mauerstrukturen, deren Türme eher rund sind. Eine der bekanntesten dieser Anlagen ist Zambujal. Hier ein Foto der Ober-"Burg":
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/e/ed/Zambujal-MK-1994-25-18.jpg

    Die Ruinen direkt am Gehöft vergessen, das ist neueren Datums. Unterhalb davon aber gut erkennbar die kupferzeitlichen Befestigungen mit teils verwirrender, für diese Anlagen allerdings typischer Architektur. Zambujal war eine der größeren Anlagen, die äußeren Befestigungsringe sind auf dem Foto allerdings nicht sichtbar.
     
  6. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Ich wage fast zu behaupten, daß der Bau von Verteidigungstürmen sich nach der "Mode" des jeweilen Architekten richtete.

    Es gibt wirklich nur den Grund, ob etwas rund oder eckig gebaut wurde, nach der Medothe des Baumeisters und seiner Fähigkeiten im Turmbau und ganz wichtig, in der Gründung des Fundamentes.
    Es gibt je nach Form , Vor- und Nachteile, vor allem im direkten Angriff mit Geschossmaschinen oder Kanonen.

    Ist der Turm rechteckig oder gar quadratisch, dann sind Geschosse nur wirklich wirksam, wenn diese direkt im 90 Grad- Winkel auf diese abgefeuert werden. Stehen diese nicht in 90ig Grad-Winkel, wird die Aufprallenergie gemindert, je nach Aufprallwinkel.

    Ist der Turm rund, ist es für die Angreifer eigendlich leichter, den direkten Aufprallwinkel mit den Geschossaperaten zur erzeugen, was letzlich dazuführt, daß jeder Angriff, egal aus welcher Position im Rechten Winkel erfolgt und somit die gesamte Geschossenerige aufnimmt.

    Nun bleibt also die Frage, was wirklich besser ist, ein runder Turm oder ein eckiger Turm?!
     
  7. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Dazu sei noch erwähnt, dass in der römischen Spätantike - als jene Befestigungsanlagen entstanden, die mit Fug und Recht als architektonische Vorläufer der mittelalterlichen Burgen gelten können - ein buntes Nebeneinander von Anlagen mit runden wie recht- und mehreckigen Türmen existierte. Rundtürme waren allerdings ein wenig häufiger.
     
  8. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Ich glaube auch, dass der jeweilige Baustil die Richtung vorgab. Babylonische und assyrische Bauten waren alle eckig. Bei den Römern waren runde Formen bei Theatern, Amphitheatern und Rundtempeln nichts ungewöhnliches und folglich gab es auch runde und halbrunde Türme.
    Bei englischen und Schottischen Castles findet man sowohl eckige als auch runde Türme, auch noch nach dem Mittelalter. Ein Geschoss ablenken hätte nur ein Turm mit sehr kleinem Durchmesser gekonnt. Ein dicker Bergfried bot genügend Angriffsfläche für eine Kanonenkugel oder einen Steinbrocken da die Wölbung zu gering war.
     
  9. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Habe bei Marsden noch einmal weitergelesen und dort scheint er eher geneigt zu sein, die Einführung von hexagonalen Türmen als Reaktion auf das Aufkommen mechanischer Artillerie zu werten.
     

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