Von Kernspaltung bis zu Atombombe - Wieso waren Amerikaner erfolgreicher?

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von c0ke, 21. Februar 2011.

  1. c0ke

    c0ke Neues Mitglied

    Hallo ihr Lieben,
    wieso waren die Amerikaner am ende erfolgreicher mit der entwicklung der Atombombe? Die deutschen haben doch gut vorgelegt, im bereich der Kernspaltung, mit Otto Hahn und wie sie alle heißen.
    Naja besser gefragt, wieso gingen die deutschen Physiker alle nach Amerika? Hatten sie einfach Angst vor den Nazis oder hat das auch noch andere Gründe? Wurden sie aktiv von den Amerikanern abgeworben? Wo gibt es dort einen zusammenhang?

    lg
     
  2. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Meine Güte!

    Wenn Du Dich auch nur im Ansatz mit dem Thema auseinandergesetzt hättest, wärst Du mit 1-2 Klicks, z. B. über die Suche nach "Wernher von Braun", ziemlich schnell auf die "Operation Overcast" der USA gestoßen, bei der es darum ging, "nach der Niederlage des Deutschen Reiches im Zweiten Weltkrieg deutsche Wissenschaftler und Techniker und deren militärtechnisches Können und Wissen für eigene Zwecke zu rekrutieren."

    Operation Overcast ? Wikipedia



    Angst hatten die NS-Raketenforscher vor den Nazis wohl kaum - schließlich konnten sie auf massive Unterstützung des Regimes bauen, siehe z. B. KZ Mittelbau-Dora ? Wikipedia
     
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  3. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Die hatten mit der Entwicklung der Atombombe nichts zu tun. Die dafür maßgeblichen Leute wie Albert Einstein, Enrico Fermi, Niels Bohr oder Edward Teller waren schon früher aus Europa geflohen, oder wie Robert Opppenheimer in den USA geboren. Dazu kommt das gewaltige Industriepotential, das die USA für die Entwicklung aufwenden konnten.
    Manhattan-Projekt ? Wikipedia
    Hanford Site ? Wikipedia
    In Deutschland verbliebene Kernphysiker wie Otto Hahn hatten wohl auch kein Interesse daran, den Nazis die Bombe frei Haus zu liefern und verzettelten sich lieber in Klein-Klein-Forschung.
    Forschungsreaktor Haigerloch ? Wikipedia
     
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  4. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Viele deutsche Kernforscher in Deutschland der '20er waren Juden. Deutsch war die Sprache in der Atomwissenschaft. Einstein ist wohl das bekannteste Beispiel. Alles weitere ergibt mit dem Machtantritt der Nazis wohl von selbst.
    Auch Oppenheimer war deutsch-jüdischer Abstammung, obwohl er selbst in den USA geboren wurde.
    Aber auch in Japan forschte man am Atom Yoshio Nishina, und das nicht unbedingt erfolgloser als in Deutschland.
     
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  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ich dachte, Einstein hätte mit der Atombombe nur bzgl. des Appells an Roosevelt zu tun gehabt :confused:

    siehe zB hier:
    Der Beitrag Einsteins zum Bau der Atombombe
     
  6. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Stimmt was den direkten Anteil betrifft, aber ist das nichts?
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Doch, klar ist das etwas.
     
  8. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Völlig richtig. Da ist mir etwas durcheinander geraten. Entschuldigt bitte.


    So ganz "unmaßgeblich" waren die in Deutschland verbliebenen Kernforscher aber auch nicht, was die Nuklearforschung angeht.

    Auch die Frage, ob diese Leute tatsächlich

    kann nicht unbedingt als geklärt angesehen werden, siehe z. B. Carl Friedrich von Weizsäcker ? Wikipedia
     
  9. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Heisenberg beschrieb, dass er von Hitler gefragt wurde, wie groß eine Isotopentrennanlage sein müsste. Er habe geantwortet : "Dreimal so groß wie Krupp in Essen", woraufhin die Sache für Hitler als nicht realisierbar erledigt gewesen sei.

    Es gab eben höhere Prioritäten, auf die man die Mittel konzentrieren wollte, insbesondere die V2.

    Andererseits beschrieb er, dass das Kriegsministerium sich enttäuscht über die geringe Höhe der von ihm beantragten Mittel gezeigt habe, da diesem wohl eine andere Größenordnung der Forschungsanstrengungen vorschwebte. Dazu gehört auch die Vermutung, dass die Haupt-Motivation für den Überfall auf Norwegen die gewesen sei, dass man an das für die Kernspaltung benötigte Schwere Wasser kommen wollte, das in den dortigen - mit den reichlich vorhandenem Wasserkraftwerken betriebenene - Elektrolyseanlagen anfiel.

    Er erzählte auch eine merkwürdige Anekdote, mit der er (nach dem Krieg) offenbar zeigen wollte, dass die Physiker eigentlich nicht so recht wollten : Danach hätten die Forscher, um Aktivität zu demonstrieren / vorzutäuschen und um etwas zum Rauchen zu bekommen, behauptet, dass mazedonischer Tabak besonders reich an Schwerem Wasser sei und prompt mit einer beträchtlichen Menge beliefert worden seien.
     
  10. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Was Bohr und Heisenberg wirklich besprachen, ist wohl nie zu klären, beide machten später darüber unterschiedliche Angaben.
    Interessant wie Bohr aus Schweden, in das er zwischenzeitlich geflohen war, nach England gelangte. Er wurde 1943 in Stockholm (sic!, Neutralitätsbruch) von einer unbewaffneten schnellen Mosquito abgeholt und im Bombenschacht, wo er mächtig fror und die Luft bis hin zur Ohnmacht ziemlich dünn wurde, auf die Insel geflogen. Zudem hatte der Pilot angeblich den Befehl, ihn im Falle eines Falles einfach abzuwerfen, damit er nicht lebend in deutsche Hände fallen konnte.
    Diese Story wird in deutschen Sekundärquellen meist dezent verschwiegen, die engl. Wiki gibt es wenigstens verkürzt wieder.
    Siehe auch hier:
    http://wissen.spiegel.de/wissen/ima...6/03/13/PPM-SP196702600870100.pdf&thumb=false
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Februar 2011
  11. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Warum denn Neutralitätsbruch? Welche Art von Neutralität hatte denn Schweden? Da gibt es ja verschiedene Auslegungen.

    Und auf was bezieht sich denn das engl.Wiki und woher hast du denn deine Quelle?
     
  12. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    BB das ist jetzt aber nicht dein ernst?

    Kennst du David Irving? Der Autor dieses Spiegelartikels aus dem Jahr 1967?

    Das ist ein Geschichtsrevisionist und Holocaustleugner.

    Nicht nur das, gibt es keine neuen Forschungen?
     
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  13. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ist nachgereicht (Spiegel), ansonsten ausführlicher wird die Aktion in einem DDR-Sachbuch zur Atomforschung (genauer ist es mir leider nach über 25 Jahren entfallen) geschildert.

    Was die schwedische Neutralität betrifft: Alliierte oder deutsche Flugzeuge die es dorthin verschlug, wurden samt Besatzung interniert. Du weißt ja, dass die Schweiz es auch so handhabte.
    Man wird Bohr kaum ohne allerhöchste schwedische Zustimmung ausgeflogen haben...
     
  14. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Oops wie peinlich, auf den Autoren hatte ich gar nicht gesehen. :rotwerd:
    Das muss trotzdem nicht heißen, die Fluchtstory von Bohr wäre erfunden.
     
  15. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Habe ich gesehen und bin entsetzt. Du baust auf einen Holocausleugner. Der hat in den 70er Jahre nachweislich Quellen gefälscht etc. Das ist wohl keine seriöse Quelle. Ich denke da gibt es sicher Forschungen die Seriöser sind.


    Ja das weiss ich. Ja und wo ist der Neutralitätsbruch?

    Wie gesagt, welche Neutralität betrieben den die Schweden? Es gibt soviele Formen, das man diese nicht so einfach vergleichen kann. Die Neutralität gibt es eben nicht. Das ist ein Mythos.
     
  16. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Wer mehrmals Dokumente fälscht, das wurde nachgewiesen. Der erfindet gerne auch solche Storys, er hat ja auch andere erfunden.

    Deshalb wäre es interessant ob man andere seriöse Quellen dazu findet. Diese müssten dann ja in englischen oder schwedischen Archiven liegen. Oder in Aufzeichnungen von Bohr (wenn es die gibt).
     
  17. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das fragliche DDR-Buch, anscheinend auch in den 1990ern nochmal aufgelegt, war offenbar (bin wie gesagt nicht sicher):
    Von Dahlem nach Hiroshima - Die Geschichte der Atombombe

    Berlin Aufbau Verlag 1995
    ISBN 3351024290
     
  18. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ich will mal sehen, ob ich was finde - und danke für den Hinweis.
     
  19. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Ich habe mal ein bißchen in Archivdatenbanken gestöbert, könnte ein Einstieg sein, wenn jemand darüber arbeiten möchte.

    M.

    Archiv-Max-Planck-Gesellschaft (historisches Archiv KWI):

    Archiv der Max-Planck-Gesellschaft - Beständeübersicht | AbteilungI

    Bundesarchiv:

    NS 19/2871
    Einladung des Präsidenten des Reichsforschungsrats zur Arbeitstagung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik, Berlin-Dahlem, über Uran- und Atomforschung mit Programm und Vortragsfolge (u. a. Otto Hahn, Carl Friedrich von Weizsäcker)"

    http://startext.net-build.de:8080/barch/MidosaSEARCH/ns19/index.htm?search=ns%2019%2F2871&KontextFb=KontextFb&searchType=all&searchVolumes=all&highlight=true&vid=ns19&kid=904128B132E74FFA828E1C51EE42B0BA&uid=90593627A7104A9AB57CAD9CB94B184E&searchPos=1
     
  20. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das ist schon einen eigenen Thread wert, wenn man die einzelnen "Neutralen" so vergleicht. Die USA waren es vor Pearl Harbour eigentlich nur auf dem Papier, ich erinnere an die Diskussion zur Interpretation der Atlantik-Charta.
     

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