Vorbilder Leonardo da Vincis

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Mittelalter" wurde erstellt von Gast, 23. August 2005.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hi,
    ich hätte mal eine Frage zu den Vorbildern da Vincis: im Internet konnte zwar einiges über ihn herausfinden, aber es ist mir nicht gelungen, welche Art von Leuten Vorbilder für ihn darstellten. Gehörten Herrscher wie Cäsar dazu oder eher Dichter? Vor allem würde mich interessieren, ob Homer eines seiner Vorbilder war, oder zumindest ob er ihn gelesen hat.
    Außerdem wäre ich sehr dankbar darüber, wenn mir auf die Frage antworten könnte, wo genau er überall herumgekommen ist, da ich nur sehr wenig gefunden habe.
    Ich bin um jede Antwort dankbar,
    Sara
     
  2. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

    Unter den Stichworten "Leonardo da Vinci+Loire" findest du mittels Suchmaschine Interessantes über Leonardos Aufenthalt/Arbeit in Frankreich, z. B. hier
    http://de.franceguide.com/adherents/fiche_atf.asp?z1=4UZtGRLi&idatf=661,
    http://www.netzwelt.de/lexikon/Leonardo_da_Vinci.html#Frankreich
    http://www.netzwelt.de/lexikon/Leonardo_da_Vinci.html (allgemein zur Biographie L.'s)
    usw.
     
  3. parago

    parago Neues Mitglied

    Soweit ich weiss ist es recht schwierig, genau zu sagen, 'wo daVinci ueberall herumgekommen ist', da man sich nicht einig werden kann, ob seine farbenpraechtigen Reisebeschreibungen tatsaechlich authentisch oder doch eher Fruechte seiner Fantasie waren.. Zumindest was seine angeblichen Reisen in den 'Osten', also nach Zypern, Armenien und in die Tuerkei angehen, gibt es keinerlei Belege, dass der Mann wirklich dort war - lediglich seine oben erwaehnten 'Reiseberichte', die eben durchaus fiktiv sein koennen..

    Was daVinci's medizinisches Interesse angeht, so hat sicher Marcantonio della Torre erheblichen Einfluss auf ihn gehabt. dellaTorre war Doktor an der Uni von Pisa und bekannt fuer sein morbides Faible, Leichen zu sezieren und zu dokumentieren.
     
  4. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Stimmt ganz genau. Die Reiseberichte die Jahre 1483/1484 stellen wohl eher Produkt seiner Phantasie dar. Würdigt man die Detailgetreue, mit der er über die Beschaffenheit und Ausdehnung des Taurusgebirge schreibt, neigt man dazu, da Vinci einen Aufenthalt in Asien zu glauben: "Dieser Taurusgrat ist so hoch, dass sein Schatten Mitte Juni, wenn die Sonne im Mittag steht, bis zum Anfang von Sarmatien reicht, d.h. zwölf Tagesreisen weit, und Mitte Dezember erstreckt er sich sogar bis zu den Hyperboräischen Bergen, die eine Monatsreise weit gen norden liegen..." Es versteht sich jedoch von selbst, dass Leonardo auch durch Schilderungen eines anderen Asienreisenden zu diesen Zeilen inspiriert worden sein könnte. Dies wird wahrscheinlich, wenn man über weitere Episoden aus seinen Reiseberichten stolpert, die er für authentisch verkaufen will. So berichtet er über eine Begegnung mit einem Riesen: "Als der Riese wieder zu sich kam und sich von der Menge fast bedeckt fand, fühlte er augenblicklich den brennenden Schmerz der Wunden und stieß ein Gebrüll aus, das einem furchterregenden Donnergrollen gleichkam; die Hände auf den Boden gestützt erhob er sein furchtbares Gesicht, und als er eine Hand an den Kopf führte, spürte er die zahlreichen Menshcen, die an seinen Haaren klebten wie die Insekten, die in den Haaren leben..."

    Mit den Vorbildern ist das so eine Sache. Leonardo war schon immer ein Einzelgänger, der vor angesehenen Persönlichkeiten nicht gerade auf die Knie fiel. Auch legte er mehr Wert auf eigenes Austesten als auf vorgefertigte Lehrmeinungen. "Viele werden freilich glauben, dass sie mir mit Recht zum Vorwurf machen können, meine Beweise stünden im Widerspruch mit der Autorität gewisser Männer, die nach ihrem unerfahrenen Urteil hochzuachten sind: denn sie werden dabei nicht bedenken, dass meine Lehren auf der einfachen, reinen Erfahrung beruhen, die ja die wahre Lehrmeisterin ist..." Mit über 30 Jahren macht sich da Vinci letztendlich doch daran, sich klassische Bildung anzueignen. Er versucht seine Lateinkenntnisse aufzufrischen und studiert die großen Philosophen und ihre Doktrinen. Vasari berichtet, dass er sich dabei in allen möglichen persönlichen Theorien verlor, die sehr von den Lehrgebäuden großer Denker wie Platon oder Aristoteles abweichten. Die Eigenschaft, vorgefertigte Häppchen nicht einfach zu schlucken, sondern überall individuelle Kritikpunkte anzubringen, macht es schwer, sich vorzustellen, dass da Vinci ein Vorbild hatte.
     

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