Währungen und Maße Westfalen und Holland Ende 18. Jahrhundert

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von anfängerfragen, 1. August 2016.

  1. anfängerfragen

    anfängerfragen Neues Mitglied

    Hallo,

    ich bin neu in diesem Forum und hoffe, dass ich meine Fragen hier an der richtigen Stelle platziert habe. Für ein Projekt möchte ich, nachdem ich durch die Google-Recherche nicht richtig fündig geworden bin, Folgendes wissen:

    (1) Welche Währungen gab es in Westfalen bzw. den westfälichen Fürstentümern Ende des 18. Jh.? Wenn ich mich nicht täusche, waren verschiedene Formen von T(h)alern verbreitet. Stimmt das und gab es weitere Währungen?
    (2) Wie war das in Holland? Guineen und Gulden?
    (3) Welche Längenmaße gab es in beiden Regionen? Zoll und Fuß? Meile?

    Vielen Dank für eure Hilfe

    Dirk
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Generell kursierten in Deutschland alle möglichen Währungen. Es war auch nicht so, dass man wie heute an der Grenze eine gewisse Währung umtauschte.

    In den Niederlanden gab es
    Gulden
    Dukaten (zilveren rijder)
    Stüver (stuyver)
    Pfennig (Penning) usw.. (siehe Link!)

    Recht nützlich fand ich immer diesen Umrechner: Nederlandse Guldens : Reichs-Gulden - Currency Converter

    Der Taler hatte in Süddeutschland einen anderen Fuß als der in Norddeutschland. Zumindest innerhalb der Reichskreise wurde sich allerdings lange Zeit noch um eine gegenseitige Anerkennung der Währungen bemüht.
     
  3. anfängerfragen

    anfängerfragen Neues Mitglied

    Guinee

    Danke für die schnelle Antwort, die mir schon ein Stück weitergeholfen hat.

    Gab es in Holland nicht auch die Guinee (entsprechend 12 Gulden)?

    Und noch kurz zu den Talern: War das also quasi so, dass man in "Deutschland" bzw. dem HRR von einem Fürstentum ins andere reiste und es immer andere "proprietäre" Taler gab, die aber gleich viel wert waren?
     
  4. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    @ Taler: Es gab eine Reichsmünzordnung. 1524 wurde festgelegt, dass die Kölner Mark für Münzen verbindlich wurde. 1559 wurden Gold- und Silbergulden festgelegt und 1566 der Reichstaler. Es gab Münzverschlechterung und Reichsstände prägten ihre eigenen Taler, mussten sie eben relativ zur Kölner Mark beschreiben. Im 18. Jh. wurden im Reich häufig auch Französische Münzen genutzt.

    Der Wikipedia-Artikel 'Taler' gibt da schon einen gewissen Überblick.

    Der Reichstaler entsprach 36 Mariengroschen oder 30 Silbergroschen oder 24 gute Groschen oder 21 Schilling. Die Mark entsprach 12 Schilling. Der Reichstaler 252 Pfennige und die Mark 144 Pfennig.

    @ Maße und Gewichte:

    Wolfgang Trapp, Kleines Handbuch der Maße, Zahlen, Gewichte und der Zeitrechnung, Stuttgart 1992 bei Reclam ist da hilfreich und günstig.

    Fuß, Elle, Meile und auch Zoll variieren natürlich je nach Ort. Die Amsterdamer Meile war 5857,9 m lang, die Berliner 7532, 5 m.

    Der Trapp beinhaltet nicht alle Maße, nur die wichtigsten. Die Paderborner Maße fehlen zum Beispiel. Und selbst bei solch kleinen Territorien gab es noch Besonderheiten. Das Paderborner Scheffel z.B. galt nur in 3 Ämtern, wobei noch 3 Dörfer ausgenommen werden müssen. So etwas ist wohl am einfachsten bei Archiven vor Ort zu erfragen.

    Wo es auf Vergleichbarkeit ankam, wurden bekanntere Maße genannt, die im Trapp zu finden sein sollten.

    So gesehen ist Deine Frage wesentlich zu ungenau.
     
  5. anfängerfragen

    anfängerfragen Neues Mitglied

    Paderborner Maße

    Interessant, dass du explizit Paderborn ansprichst. Das interessiert mich nämlich (neben anderen) ganz besonders.

    Das Buch von Trapp werde ich mir umgehend zulegen, so viel steht fest. Aber, da du schreibst, dass PB dort ausgeklammert ist: wo kann man nachlesen, was für PB galt, abgesehen von deinem Hinweis auf Archive vor Ort?

    Weist du zufällig, welche Längenmaße es in PB gab? Meile? Zoll? Fuß?
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. August 2016
  6. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

  7. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    OK. Erste Adresse für solche und ähnliche Fragen ist wohl der "Noback" (1851), siehe für Paderborn: Band 1, S. 784 f.
     
  8. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    In Göttmann, Hüser, Jarnut, Paderborn Geschichte der Stadt in ihrer Region, Band 2, Die frühe Neuzeit Gesellschaftliche Stabilität und politischer Wandel, Paderborn 1999, S. 562/563 findet sich eine Aufstellung.

    Auch bei Neuwöhner, Andreas (Hg.), Im Zeichen des Mars.Quellen zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges und des Westfälischen Friedens in den Stiften Paderborn und Corvey (Studien und Quellen zur Westfälischen Geschichte 35), Paderborn 1998, S. 482f, sollte man schauen.

    Paderborner Fuß/Markschuh war 0,291 m. Die Rute zu 16 Fuß.

    Meilen wurden in der Regel nach bekannteren Maßen angegeben, auch Französisch und Preußisch.

    Das Zoll war üblicherweise 1/12 des Fuß. Bei der Elle bin ich mir nicht so sicher. Regelmäßig waren das 2 Fuß. Allerdings gab es häufig Abweichungen. Da die Stadtgeschichte die Abweichung bei der Rute nennt, würde ich von 2 Fuß ausgehen. Neuwöhner, Im Zeichen des Mars habe ich nicht hier. Da würde ich zur Sicherheit nachschauen.
     
  9. anfängerfragen

    anfängerfragen Neues Mitglied

    Vielen Dank für alle Literaturempfehlungen. Da werde ich sicher fündig, freue mich schon auf die Recherche.

    Klasse! :winke:
     
  10. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Der Noback ist bei Google books bequem einzusehen, ist aber durchaus problematisch:

    Paderborner Pfund nach Noback: 470,444 g, Stadtgeschichte: 476,53 g.

    Beim Paderborner Maß ist Noback mit 1,3389 l wohl einfach genauer. Aber die Bezeichnung Kanne war zwar 1851 klar, aber eben nicht die korrekte Paderborner Bezeichnung.

    Den Scheffel gibt er mit 36,4509 l an. Da gab es Experimente. Die 36,6 l der Stadtgeschichte sind sozusagen korrigierte Werte.

    Bei der Elle ist das Problem, dass sie nicht ins Paderborner System gesetzt wird. Der Noback war ja für die damalige Gegenwart geschaffen, und bringt alte Größen nur insofern sie noch genutzt wurden und so wie es damals hilfreich war.

    Schön ist natürlich, dass angegeben wird, welche Münzen tatsächlich geprägt wurden. Und man kann sich schnell informieren. Bei Paderborn sind es eben besonders viele Fehler. Ganz zuverlässig ist er aber auch sonst nicht.
     

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