Walhalla Regensburg

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von Menelor, 13. Juli 2015.

  1. Menelor

    Menelor Neues Mitglied

    Huhu:winke:

    Ich habe neulich die Walhalle bei Regensburg besucht. Dabei ist mir Verschiedenes aufgefallen:
    - Warum wird Friedrich II als einziger in der ganzen Halle auf Latein vorgestellt?
    - Wilhelm I hat den Beinamen "der Siegreiche" bekommen. War das zu der Zeit üblich? Ich habe den noch nie vorher gehört.
    - Friedrich II, Wilhelm I und Karl Philipp zu Schwarzenberg haben als einzige einen Lorbeerkranz auf. Warum ist Karl Philipp diese Ehre zugekommen? Im Vergleich war er ja wirklich unwichtiger.
     
  2. Rhys

    Rhys Mitglied

    Hi,
    die Beinamen wurden aus verschiedenen Quellen erteilt. Einige Könige gaben sich selbst Beinamen, andere wurden meist " innoffizell" vom Volk verliehen, andere wiederum waren ( meist postum ) von Historikern vergeben worden. Diese waren auch nicht immer schmeichelhaft.
    Z.B. aus einem anderen Forum:
    Albrecht (II.) der Entartete, Landgraf von Thüringen-Meißen 1240-1315
    Arnulf der Böse, Herzog von Bayern, -937
    Karl der Böse, König von Navarra
    Maria die Blutige, Königin von England, 1516-1585
    Vlad Dracul der Pfähler, rumänischer Fürst, 1430-1477
    Iwan der Schreckliche, Zar von Russland, 1530-1584
    Peter der Grausame, König von Kastilien, 1334-1369

    Dann gibt es auch noch kleine, große, dicke, dünne oder auch mittlere
    Karl der Dicke, fränkischer König, Kaiser HRR, 839-888
    Friedrich der Fette, Markgraf von Brandenburg, 1422-1463 (dicker als Karl ???)
    Friedrich der Kleine, Markgraf von Meißen, -1316
    Pippin der Kurze, fränkischer Hausmeier und König, 717-768
    Wladislaw der Dünnbeinige, Fürst von Großpolen, -1231
    Pippin der Mittlere, fränkischer Hausmeier, 638-714

    Oder mit körperlichen oder geistigen Gebrechen:
    Friedrich der Gebissene, Landgraf von Thüringen, 1257-1324
    Johanna die Wahnsinnige, Königin von Spanien, 1479-1555
    Ludwig (II.) der Stammler, karolingischer König,-846
    Wilfried der Behaarte, Graf von Barcelona
    Karl der Kahle, karolingischer Kaiser, 823-877
    Boleslaw Schiefmaul, Herzog von Polen, 1085-1138
    Otto mit dem Pferdefuß, Graf von Geldern, -1272 (oder ist da ein anderer Pferdefuß gemeint?)
    Karl der Hinkende, König von Neapel, 1246-1309

    Manche sind arm oder mit charakterlichen Defiziten
    Friedrich mit der leeren Tasche, Herzog von Österreich, 1382-1439
    Heinrich der Ohnmächtige, König von Kastilien, 1425-1474
    Harald Hasenfuß, König von Dänemark, -1040
    Heinrich der Zänker, Herzog von Bayern, 951-995
    Ludwig der Nichtstuer, König von Frankreich
    Wenzel der Faule, König von Böhmen, König HRR ,1361-1419

    Oder schlicht rätselhaft
    Johann der Unechte, König von Portugal, 1385-1433
    Friedrich mit dem silbernen Bein, Landgraf von Hessen-Homburg, 1633-1798
    Pandulf der Eisenkopf, Herzog von Capua und Benevent, -981 (immer mit Helm oder dickköpfig?)
    Ethelred der Unberatene, englischer König, 968-1016


    Hier ein Beispiel wie es zu einem Beinamen kam:

    Von Friedrich, dem Gebissenen
    Als die beiden Söhne Albrechts, den die Geschichtsscheiber den Unartigen nennen, zu ihren Jahren kamen, daß Friedrich sechzehn, Diezmann aber vierzehn und ein halbes Jahr alt war, kamen sie zu streiten mit ihrem Vater, um des Unrechts willen, das er an ihrer Mutter gethan, die des Nachts sich mit Seilen von der Wartburg lassen mußte und um seiner Buhlerin Kunigunde von Eisenberg aus dem Lande fliehen, während er jene stattlich bei sich hielt, gleich einer Landesherrin, mit Jungfrauen und Dienern. Viele Grafen und Ritter hielten zu den jungen Herren, andre aber,/ so die Grafen von Käfernburg, Mühlberg, Gleichen und andre zu dem Grafen Albrecht. In diesem Streit nahmen die jungen Herren den besten und vertrauten Rath des Landgrafen, einen Bischof des Teutschherrenordens zusammt seinem Gesinde und seinen Wappnern gefangen und führten sie auf das Schloß der beiden Junker von Schlotheim, die zu Friedrich und Diezmann hielten.

    Mehrere Jahre währte der Krieg, als der römische König Rudolph in das Land kam, der sandte nach Albrechts Söhnen und versöhnte sie mit dem Vater, daß keine Parthei der andern mehr schaden sollte. Friedrich sollte Meißen und Diezmann das Osterland behalten, und sollten gegen ihren Vater unterthänig sein, wie es frommen Kindern ziemt, wo sie nur könnten. Da sprach Friedrich der Gebissene: Das alles könnte ich wohl thun, gedächte ich nicht an den Biß, den mir meine betrübte Mutter in diesen Backen biß, da sie zuletzt von mir schied und davon ich noch die Narbe trage; das kann und will ich nie vergessen. …

    Aus : Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes von Ludwig Bechtstein.
     
  3. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Was König/Kaiser Friedrich II (erst König dann Kaiser) anbelangt.
    Ich meine es hängt mit seinem „Falkenbuch“ zusammen.
    Diese Buch, in lateinisch geschrieben, gilt wohl noch heute als Standardwerk über die Beizjagd.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Gemeint sein dürfte allerdings nicht der Staufer sondern der Zoller: Fridericus Rex.
     
  5. Menelor

    Menelor Neues Mitglied

    Genau so ist es:)
     
  6. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied


    :) Klar, es geht um Fridericus II/Rex.

    Denn auf der von Schadow geschaffenen Büste steht:
    „Fridericus II/Rex".
    Auf der von Tieck geschaffenen Büste steht:
    „Friedrich.II Kaiser“.
     
  7. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Wilhelm I. hatte auf dem Kaiserdenkmal in Berlin, wie auch auf dem Reiterstandbild am Deutschen Eck den Beinamen "der Große", einen Beinamen, den Wilhelm II. ihm am liebsten gab. Ansonsten wäre mir nicht bekannt, dass er noch Beinamen hatte (außer "Kartätschenprinz" aus der Revolutionszeit).
     
  8. Menelor

    Menelor Neues Mitglied

    Auch wenn die Frage sehr ins Detail geht würde ich gerne eine Vermutung von euch hören:)

     
  9. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Einen der wenigen Männer, die Napoleon auf den Schlachtfeld zweimal besiegt haben bezeichnest Du als unwichtig?
     
  10. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Manche Verehrer (z. B. Felix Dahn in etlichen Gedichten) nannten ihn in bewusster Verklärung und Anlehnung an Friedrich Barbarossa auch "Weißbart" bzw. "Barbablanca".
     
  11. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Vielleicht findest Du eine (die) Erklärung in der „Inaugural-Dissertation“ zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie der Ludwig-Maximilians-Universität München, vorgelegt von Simone Steger.

    Siehe hierzu Seite 554.

    Ist wohl eine Anweisung von Ludwig I.

    Siehe auch Inhaltsverzeichnis Seite 234 - 238
     
  12. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Bei einer geführten Reise wurde uns zur Walhalla erklärt, dass das Aufstellen einer Büste gewöhnlich davon abhängig ist, dass eine historische Person vorgeschlagen werden muss, z. B. von Politikern/innen, Vereinen, Gesellschaften, Institutionen etc., die sich auch um die Finanzierung kümmern müssen.

    Wenn die Information der Reiseleiterin tatsächlich stimmt - gerade vor 1914 dürfte ein erfolgreicher Feldherr der Napoleonischen Kriege eine sehr gute Chance gehabt haben, als "Kriegsheld" in einer Halle wie der Walhalla aufgestellt zu werden.

    (Zweifel an der Information der Reiseleiterin sind von meiner Seite insofern angebracht, als mich diese Reisegleiterin auf der Reise selbst (in der die Walhalla aber kein Hauptthema war) nicht gerade durch ihr kompetentes Wissen überzeugen konnte. Andererseits klingt ihre Information nicht unglaubwürdig, da so auch andere Personenehrungen zustande kommen, so z. B. Selig- und Heiligsprechungen, wo es ebenfalls Interessenten/innen geben muss, die den Antrag beim Hl. Stuhl etc. stellen und Ähnliches.)
     
  13. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Mich regte dieser Thread an, bei der Rückreise eines Urlaubs in Südtirol im September nun doch mal endlich dort reinzuschauen.
    Während meiner Dienstzeit bin ich dort oft vorbei gefahren.
    Wenn ich mir so – in der erwähnten Doktorarbeit – durchsehe wer dort alles einen Ehrenplatz hat, findet man viel Interessantes.

    Z.B.: in Erfurt gibt es einen Dalbergsweg.
    Die Büste von Johann von Dalberg findet man in Walhall. Dalberg hat in Erfurt Philosophie studiert.

    Auch Neidhardt von Gneisenau studierte in Erfurt Mathematik, Artilleriewesen, Befestigungskunst und Kartografie. Gibt auch eine Gedenktafel in der Marktstraße an dem Haus wo er wohnte.

    Und viele, viele Namen die alle in Erfurt waren, studierten und wohnten.
     
  14. Menelor

    Menelor Neues Mitglied

    Im Vergleich zu Friedrich und Wilhelm: ja.

    So scheint es zu sein:)
    Das wäre dann geklärt, vielen dank:hoch:
     
  15. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Wäre noch eine Frage offen.

    Klar ist ja wie Friedrich II. zu den Namen "Fridericus II/Rex" gekommen ist.
    Nach meiner Kenntnis, Ausgang des 2. Schlesischen Krieges – Friedensschluss in Dresden.
    Das ist aber nicht die Frage.

    Die Frage ist, warum auf dieser Büste in Walhalla?
    Besagte Doktorarbeit könnte darüber auch Aufschluss geben.
    Siehe Seite 500, Quelle 78.7.
     
  16. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Hat nun endlich einmal geklappt.
    Bei meiner Rückfahrt aus dem Pustertales, mit einem Zwischenaufenthalt in Hohenschwangau, habe ich Walhalla einen Besuch abgestattet.
    Es hat mich sehr stark beindruckt in diesen Sinne:

    245.JPG
     
  17. Morifea

    Morifea Neues Mitglied

    Am Montag wollte ich eigentlich auch auf der Heimfahrt vom Urlaub reinschauen, da wir unseren Hund aber nicht draußen alleine lassen wollten konnten wir nur einen kurzen Blick reinwerfen.... Somit keine Erstarkung und Vermehrung des deutschen Sinnes bei unserem Hund.

    Der Blick über das Donautal war aber Entschädigung genug.

    Was ich von draußen Interessant fand: Die Büsten Heinrich der Löwe und Friedrich Barbarossa stehen direkt nebeneinander, schon gemein wenn man bedenkt welche Probleme die einander bereitet haben.

    Am Rande auch interessant, wie viele Menschen dort scheinbar schon Schäden an Leib und Leben davongetragen haben.....
     
  18. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Was meinst Du mit den Schäden?
    Durch die überall ungesicherten Kanten?
    Jedenfalls, es wird einen schon mulmig an eine dieser vielen Kanten heranzutreten (ist wie ein Blick in den Abgrund) oder die Treppen herunter zu laufen. Tritthöhe (Steigung) geht, aber die Breite (Auftritt), gerade mal so um die 30ig cm.
    Bin etwas aus der Übung. Früher, da ich bis 90ig meine Berufszeit in einem Baukombinat verbracht habe, machte mir das nichts aus an ungesicherte Kanten heranzutreten.
    Hier ein Bild mit einen bescheidenen Blick zur Donau:


    Walhalla - Blick zur Donau.JPG
    Was die Herrschaften anbelangt...
    Ich begeistere mich immer auch an diesen, auch wegen den 1. Satz der Holländischen Nationalhymne:


    233.jpg
     
  19. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Oder passend:scheinheilig: : Die beiden haben zunächst von einander profitiert. Außerdem hätte Heinrich wohl kaum zunächst seine Macht so ausbauen können, wenn ihm sein Cousin dabei nicht Unterstützung gegeben hätte, und für diese Unterstützung wird er auch einiges bekommen haben ...
     
  20. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Wenn ich richtig gesehen habe werden 2 Persönlichkeiten in dieser Halle verehrt, gewürdigt die von den Nazis umgebracht worden.
    1. Edith Stein und
    2. Sophie Scholl.
    Habe ich was übersehen?
     

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