Wanderungsbewegungen von und nach Deutschland seit dem Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von Gast, 10. September 2010.

  1. Gast

    Gast Gast

    Wie sah die Wanderungsbewegungen von und nach Deutschland seit dem Mittelalter bis zur Gegenwart aus?
     
  2. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Da haben wir wohl erst einmal DIE große Wanderungsbewegung der deutschen Ostkolonisation, d.h. von Deutschland (alt) nach Deutschland (neu).
    Ansonsten fällt mir fürs Mittelalter nichts Größeres mehr ein.

    In der frühen Neuzeit werden in diversen Gebieten Norddeutschlands Holländer angesiedelt (das ist damals aber auch noch Deutschland-intern). Nach der Reformation haben wir die Einwanderung der Hugenotten (und diverse Binnenwanderungen von Glaubensflüchtlingen).
    Gleichzeitig geht die Auswanderung/Ansiedlung von Deutschen in Osteuropa/dem Balkan weiter.

    Im 19. Jahrhundert haben wir wg. Industrialisierung Einwanderung vor allem aus Polen, aber auch aus Italien - aber stark überlagert von innerdeutschen Wanderungen. Auch die Ruhrgebiets-Polen sind ja formal meist Deutsche aus dem östlichen Preußen.
    Viel stärker ist aber zeitgleich die Auswanderung von Deutschen nach Amerika und anderen Zielen in Übersee.

    Diese Übersee-Auswanderung setzt sich bis heute fort (die aktuellen Auswandererzahlen sind höher als in den Spitzenzeiten des 19. Jahrhunderts!).

    Nach dem ersten Weltkrieg gab es kleinere Umsiedlungen aus den Gebieten, die Deutschland abtreten mußte, vor allem von Elsaß-Deutschen. Dazu kommt die Einwanderung von vor der Revolution flüchtenden Russen.

    Dann kommen die vielen Umsiedlungen während oder wegen der Nazi-Diktatur bzw. des Krieges: Auswanderung deutscher Juden nach 1933, Zwangsumsiedlung der Südtiroler, Flucht/Vertreibung von Deutschen aus Osteuropa bzw. den deutschen Ostgebieten.

    Und umgekehrt haben wir nach dem Krieg die "Gastarbeiter"-Einwanderung aus diversen Anwerbestaaten (Türkei, Italien, Jugoslawien, Spanien, Griechenland, Portugal ...). Nach 1990 kommen noch die Rußland-Deutschen und die "Kontingent-Juden" aus der ehemaligen SU.

    Mehr fällt mir im Moment nicht ein, alle größeren Wanderungen sollten aber dabei sein.
     
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  3. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Absolut ja, relativ gesehen aber nicht.
     
  4. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Richtig. Aber auch relativ gesehen liegen die Werte im Spitzenbereich.
     
  5. Ostpreuße

    Ostpreuße Neues Mitglied

    In der Kategorie „diverse Binnenwanderungen von Glaubensflüchtlingen“ seien neben den Hugenotten insbesondere die Salzburger Exulanten von 1732 erwähnt. Hierbei handelte es sich um 30 000 vertriebene Protestanten, von denen etwa 17 000 in Ostpreußen einwanderten.

    Salzburger Exulanten ? Wikipedia
     
  6. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Bei Glaubensflüchtlingen, die ins Ausland auswandern, seien noch die Juden geannt. Im späten Mittelalter verließ ein Großteil aufgund anhaltender Progromstimmung der Juden Deutschland Richtung Polen-Litauen.
    In der Neuzeit blieben die verbliebenen Juden mobil und waren eifrige Binnenwanderer, immer wieder wanderten aus den Fürstentümern, die ihnen Steine in den Weg legten, zu den Fürstentümern, die sie als Schutz-Juden etc. einluden.

    Relativ früh und vor allem in alle Richtungen wanderten die Hutterer noch zur Zeit der Reformation aus. Sie teilten ihr Schicksal mit anderen protestantischen Bewegung (Täufer und Schwärmer), die kein lutherischen oder calvinistischen Bekenntnis hatten, daher fast überall unerwünscht waren. Es folgte eine jahrhunderte andauernde Odyssee über die nördliche Hemisphäre.

    Auch interessant: Im im 16. und 17. Jahrhundert wurden die späthussitischen Kirche Böhmische Brüder vollständig in Böhmen aufgerieben. Etwaige Glaubensflüchtlinge ließen sich in Brandenburg nieder, bewahrten die tschechische Sprache teilweise bis ins 20. Jahrhundert.
     

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