War Ludendorff adelig?

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von Jacobum, 11. Mai 2012.

  1. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Wurde Erich Ludendorff eigentlich jemals geadelt? Ich habe noch nie seinen Namen in Verbindung mit einem Adelstitel gesehen, nicht einmal ein einfaches "von" wurde ihm verliehen.

    Immerhin war er einer der herausragenden Gestalten im Deutschen Reich während des 1. WK und hätte wohl mehrmals in den Adelsstand erhoben werden können, um nicht zu sagen: müssen. Militärische Orden hat er ja auch en masse bekommen.

    Hinzu kommt, dass im Kaiserreich mit der Beförderung zum Generalleutnant normalerweise der persönliche Adel verbunden war. Das wäre bei Ludendorff Ende 1914 der Fall gewesen, nach den Schlachten von Tannenberg, Masuren und Lodz.

    Dennoch ist mir nichts über einen persönlichen oder erblichen Adel bei ihm bekannt.

    Weiß jemand näheres?
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    In diversen Vermerken des Generalstaatskommissars Kahr zum Hitler-Putsch, der ansonsten pingelig die Titel aufführt, wird er jedenfalls schlicht als (General) "Ludendorff" geführt.

    In einer Ausgabe seiner "Kriegserinnerungen" kommt er laut google-books als "Erich von Ludendorff" daher. Muss aber nichts heißen, die DNB führt ihn auch ohne "von" :fs:
     
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  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Auch beim bayrischen Militär Max Josephorden erhielt der Träger einen persönlichen Adelstitel "als Ritter von". Der Pour le Merite wurde Ludendorff verliehen für seine "Einnahme" von Lüttich, wo er die Belgier in der Zitadelle zur Übergabe aufforderte. Ludendorff war Wilhelm II. noch unsympathischer, als Hindenburg, zumal er rhetorisch und militärisch mehr drauf hatte, als Hindenburg und die treibende Kraft in diesem Duumvirat war. Eigentlich ist schon auffällig, dass er nicht Generalfeldmarschall wurde.

    Den Titel wollte ihm Hitler, nachdem sich die Ludendorffs äußerlich mit ihm ausgesöhnt hatten verleihen, was Ludendorff aber als Affront ansah, denn von einem Gefreiten wollte er sich nicht befördern lassen.
     
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  4. Alexander II.

    Alexander II. Neues Mitglied

    Was vlt. auch noch erwähnt werden sollte ist das Ludendorff - trotz formal fehlendem Titel - ein Abkömmling aus höchsten Kreisen ist. Müttlicherseits stammt von denen "von Tempelhoff" (allerdings kein Alter Adel sondern 1784 nobilitiert) ab, einer seiner Ur-Urgroßvätern war der preußische General Georg Friedrich von Tempelhoff, ein früher Förderer Scharnhorsts. Väterlicherseits handelte es sich zwar nur um eine Kaufmannsfamilie, jedoch konnte auch diese bis zum Schwedenkönig Erik XIV. zurückverfolgt werden.
    Erik XIV. (Schweden) ? Wikipedia
     
  5. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied


    Hallo Alexander, das stammt aus Wikipedia und ist mir bekannt. Leider geht es auf meine Frage nicht ein. Im Übrigen geht die Familie weiter als bis Erik zurück, da auch Eriks Vorfahren bekannt sind, v.a. im schwedischen Wikipedia nachlesbar.

    Interessanter ist der Hinweis auf die Verleihung von Orden, die mit der Erhebung in den Adelsstand verbunden sind. Kann es sein, dass Ludendorff geadelt wurde, jedoch ohne den Zusatz "von" ? Der ja im Übrigen nicht unbedingt ein Indiz für einen Adelstitel ist.
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Der Max Josephorden erhob wohl nur bayerische Nichtadlige in den Ritterstand (zb Ritter von Leeb). Beim Pour le Merite dürfte das auch nicht der Fall gewesen sein, siehe Rommel u.a.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Mai 2012
  7. MvAugustenburg

    MvAugustenburg Neues Mitglied

    Erich Ludendorff sollte 1916/17 (da bin ich mir nicht mehr ganz sicher) durch den Kaiser in den Adelsstand erhoben werden. Er sollte Grundbesitz in der Provinz Posen oder Schlesien erhalten und einen entsprechenden Titel (Graf, Fürst) führen. Ludendorff wurde in dieser Angelenheit sogar bereits vom Kaiser empfangen, dort erklärte er jedoch nicht in den Adelsstand erhoben werden zu wollen, da er seine Leistungen als soldatisch selbstverständlich ansah und dem persönlich nicht viel abgewinnen konnte.

    Wie meine Vorredner bereits teilweise ausführten lässt sich der Stammbaum Ludendorffs auf das Geschlecht der Wasa und auch der Jagiellonen (litauschiche und polnische Könige) zurückverfolgen. Es gibt aber auch einen Zweig der zu Anna von Preußen führt, die Ehefrau des späteren Kurfürsten Johann Siegismund von Brandenburg.

    Ludendorff wurde übrigens deshalb nicht zum Generalfeldmarschall befördert, da er während des 1. Weltkriegs bereits zweimal befördert wurde, zuletzt zum General der Infanterie. Laut den damaligen Bestimmungen konnte ein hochrangiger Offizier nur zwei Beförderungen in einer Kriegssituation erhalten. Wahrscheinlich wäre er doch noch gegen Ende des Krieges zum GFM ernannt worden, wäre sein und das Ende des Kaisers nicht so plötzlich gekommen.

    Ich bin ein Ur-Ur-Großneffe Erich Ludendorffs, meine Großmutter kannte Ludendorff noch persönlich, durch sie habe ich sehr viel über ihn erfahren. Darunter auch viele Dinge, die in der Öffentlichkeit bis heute kaum bekannt sind.
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Vielen Dank für die interessanten Interna.:winke:

    Die Episode betreffend der nicht vollzogenen Erhebung in den Adelsstand ist offenbar auch in den Biographien nicht enthalten, jedenfalls ist mir nichts präsent (zB bei Nebelin).
     
  9. MvAugustenburg

    MvAugustenburg Neues Mitglied

    Gern geschehen, ich bin rein zufällig auf die Frage und das Forum hier gestoßen und habe mich direkt angemeldet. Ich beschäftige mich viel mit dem Kaiserreich und natürlich auch mit der Person Ludendorff, ich teile mein Wissen gerne, vor allem weil in weiten Kreisen bis heute ein falsches oder überzogenes Bild von ihm dargestellt wird.

    Das Erich Ludendorff und besonders seine Frau Mathilde zum Teil abstruse Gedanken vertraten, braucht nicht besonders erwähnt zu werden. Aufgrund ihrer antisemitischen Tendenzen wird meistens sofort der Stempel "Nazi" aufgedrückt, ohne dies weiter zu hinterfragen. Denn Nazis waren die Ludendorffs in keinem Fall. Man kann es wohl Zufall oder Schicksal nennen, dass sich sowohl die Nazis als auch die Ludendorffs in den Juden einen Bären gefangen haben, wobei die Ludendorffsche Lehre rein gar nichts mit den Greueltaten des 3. Reichs gemein hat.

    Mathilde Ludendorff betrachtete die Menschen ihren Rassen und Ursprüngen her auf einer Pyramide, die Juden und andere Völker waren die sog. "Schachtmenschen" weil sie das Licht Gottes im Gegensatz zu den "Lichtmenschen" nicht sehen konnten. Diese Gedanken liefen aber rein auf philosophischer Ebene. Aus heutiger Sicht natürlich alles Quatsch!
    In diese Philosophie hat sich Erich Ludendorff dann später eingefügt, als er sich von den "überstaatlichen Mächten" um den Sieg gebracht sah.

    Wie wenig (und vor allem schlecht) das ganze Thema bis heute aufbereitet wurde, kann man schon daran erkennen, dass bis vor einiger Zeit in fast sämtlichen Biographien und Lexika Tutzing als Todesort Ludendorffs stand. Dabei starb Ludendorff im (katholischen!!!) Josephinum Krankenhaus in München, meine Großmutter war dort sogar einmal am Krankenbett. Er hatte ja einen Krebstumor, der wie sich der Kaiser einmal erklärte "zu sehr auf sein Gehirn drückt" (womit er sich Ludendorffs Verhalten erklärte). Zur Beisetzung in Tutzing schickte er dann wie üblich General von Dommes als Bevollmächtigten des Hauses, Feldmarschall von Mackensen konnte krankheitsbedingt nicht teilnehmen. Erst auf diesen Hinweis hin wurde der Sterbeort inzwischen in den meisten Werken korrigiert.

    Falls jemand weiter über das Thema plaudern möchte, bin ich einem Gedankenaustausch nicht abgeneigt!
     

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