Warum enden Dörfer oder Städte auf -hagen?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Leachen., 30. Januar 2010.

Schlagworte:
  1. Leachen.

    Leachen. Neues Mitglied

    Hallo
    Also wir sollen herausfinden warum Städte wie zum Beispiel Nienhagen
    mit -hagen ende?
    Hat da einer eine idee vielleicht war das ja auch irgend ein berühmter Held der Hagen hieß?
     
    1 Person gefällt das.
  2. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das leitet sich von -hagen für umfriedete Grundstücke her. Im Nordosten sind diese Orte Neugründungen aus dem 12./13. Jahrhundert.
     
  3. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    -hagen – Wiktionary

    Reicht dir das oder geht es zusätzlich um die verschiedenen -hagen und die Verteilung?
     
    1 Person gefällt das.
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Hallo Leachen,

    nein, mit Hagen von Tronje hat dieser Zusatz nichts zu tun. Sollte dessen Name irgendwo in einem Ortsnamen enthalten sein, wäre eher zu erwarten, dass er der erste Bestandteil wäre. Also *Hagensstadt, *Hagensdorf, *Hagen(s)rode oder ähnlich. Das Sternchen <*> bedeutet jeweils, dass es diese Orte nicht gibt, sie sollen nur veranschaulichen, wo ein Personenname in einem Stadtnamen auftaucht.

    Nun gibt es ja mehrere Nienhagen, eines be Bad Doberan, ein anderes bei Celle, das -hagen könnte also unterschiedlichen entstanden sein. In Mecklenburg-Vorpommern könnte es sich sowohl um einen deutschen Namen handeln, aber auch um eine Eindeutschung eines slawischen Namens. Dagegen ist in Niedersachsen (also zumindest westlich der Elbe) eher mit einer deutschen Namensbildung zu rechnen. Dann hat das vermutlich etwas mit Hag(en) zu tun:

    Und damit ich dir deine HA nicht ganz mache, kämpfst Du Dich für den Rest jetzt durch diesen Artikel:
    Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm
     
  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Niendorf und Nienhagen gibt es in MVP fast im Dutzend. Heißt sozusagen Neudorf.
     
    1 Person gefällt das.
  6. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Und woher kommen dann die Nachnamen, zB. Nina Hagen?
    Weil sie umfriedet waren? Oder weil sie aus einem "Hagen" kamen?
     
    1 Person gefällt das.
  7. Mercy

    Mercy unvergessen

    Weil sie am Hag wohnten :winke:
     
    2 Person(en) gefällt das.
  8. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Dass altbekannte (männliche) Vornamen gleichzeitig auch als Nachname auftreten, ist doch nix Besonderes.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Januar 2010
  9. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Da ich in einer Hagenecke geboren wurde, musste ich doch weitersuchen Die deutsche Sprache und ihre ... - Google Bücher
    Nett finde ich die Begründung der Benennungsmoden. Auch wenn Neusiedler aus einem Ort mit -büttel, -heim usw stammten, nannten sie das neue Dörfchen nicht etwa Neuheim sondern Neu(Nien)hagen, weil -hagen im 12./13. Jhdt. eine zeitgemäße Dorfendung war. Diese Hagendorfer wurden also überwiegend in jener Zeit angelegt und befanden sich oft auf den schlechteren Böden, weil die guten eben schon besetzt waren.
    Wahrscheinlich findet man deshalb in Norddeutschland so viele Orte mit -hagen. Meine Geburtshagen wirtschaften übrigens auch auf schlechtem Acker.
    Dann sollten die anhaltinischen -lebendörfer älter sein und auf besserem Grund ackern, stimmt das? Die -lebenecke ist mir beim Durchfahren immer aufgefallen.
     
    1 Person gefällt das.
  10. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Die "Lebensdörfer" in Sachsen Anhalt haben die höchste Bodenwertzahl in Deutschland.
    Diese Bodenwertzahl wurde als Grundmesser für alle anderen Gegenden angenommen.
    Siehe Börde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Januar 2010
  11. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Schwarzerde, dachte ich´s mir doch. :yes:
     
    1 Person gefällt das.
  12. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Wenn es da regnet, darf kein Traktor mehr auf das Feld fahren.
    Die rutschen aus.
     
    1 Person gefällt das.
  13. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Zitat aus Wiki
    Weiß jemand mehr über dieses Hagenrecht aus der Regionalgeschichte, worin im einzelnen die Unterschiede zwischen freien Hägern und Hörigen bestanden?
    Hagenrecht - Mittelalter Lexikon
     
  14. Bauernjörg

    Bauernjörg Neues Mitglied

    Zitat: El Quijote
    Nun gibt es ja mehrere Nienhagen, eines be Bad Doberan, ein anderes bei Celle, das -hagen könnte also unterschiedlichen entstanden sein. In Mecklenburg-Vorpommern könnte es sich sowohl um einen deutschen Namen handeln, aber auch um eine Eindeutschung eines slawischen Namens.

    Wenn es eine " Eindeutschung" eines slawischen Namens war, dann wurde dies im Nationalsozialismus - besonders im Zeitraum 1936 - getan,aber nicht im 12/13 Jh!
    Die Namensendung -hagen ,-wald,-berg,-horst u.s.w. waren Ortsgründungen von deutschen Ostkolonisten im Hoch- und Spätmittelalter.
    Die Ortsendungen -ow,-in sind slawische Siedlungen und sind meistens auch, älteren Ursprungs.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. März 2010
  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Eine Eindeutschung muss nicht zangsläufig politischer Natur sein, wie das im Nationalsozialismus der Fall war. Diese kann genauso gut aufgrund von Lehnübersetzungen (Castra Regina - Regensburg) oder aufgrund von etymologisch falsch gesehenen Zusammenhängen vollzogen werden. So etwa, wie die Niederländer aus englisch hamoc, einem ursprünglich karibischen Wort (hamaca, span. hamaca, frz. hamac) hangmat machten und damit dem Wort einen Sinn verliehen. Lübeck könnte so ein Fall sein. Eigentlich Liubice wäre doch als Eindeutschung *Libitz o.ä. zu erwarten. -beck ist aber im Niederdeutschen eine beliebte Ortsnamenendung (Ahlbeck, Einbeck, Schönebeck, Sonsbeck, Schermbeck, Borbeck, Riesenbeck), die -bach bedeutet.
     
  16. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    In meiner Dorfgeschichte wird ein leider nicht weiter charakterisiertes Hagenrecht zitiert: "Das ist das beste Recht, daß kein Zinskorn vom Lande gegeben wird und zum anderen kein Maihaberschatz, Zehntfüllen oder Kälber, Mastschweine oder Schafe, zum dritten, daß Kinder und Erben frei sein und mögen binnen oder außerhalb des Landes ohne den Freibrief sich verheiraten, wohin Gott sie berufen hat."
     
    1 Person gefällt das.
  17. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    @Muspilli
    kannst du bitte den Maihaberschatz näher definieren? Ich habe nichts dazu gefunden ... Danke! :winke:

    Interessant, dass Ernte und Erzeugnisse im Land(-kreis) bleiben sollen, ansonsten aber jeder siedeln darf, wo er mag. :friends:
     
  18. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Ohne Gewähr:
    1.) Es sollte nicht heißen, dass nichts von der Ernte außer Landes durfte, sondern dass keine Abgaben davon zu leisten waren.
    2.)
    aus: http://www.hybro.de/data/documents//ueberraschungssieger.pdf
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. März 2010
  19. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Hatte ich wohl überlesen ... :red:
    Ist auch recht ungewöhnlich, weder Zins (Steuer) noch Zehnt(Kirche) von Korn, Kälbern und Säuen zu nehmen. :S
     
  20. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Das klingt fast so, als hätten die freien Häger gar keine Steuern und Abgaben zu zahlen brauchen. In meinem Wiki-Zitat vom 21.02. wird eine Freistellung für die ersten Jahre erwähnt. Das erscheint mir plausibel, der Grundherr gab den Hägern wildes, minderwertiges Land, dass sie zunächst roden mußten. Das war auch im Interesse des Grundherrn, denn langfristig wurde sein Besitz wertvoller und er hielt seine Leute von der Auswanderung in den Osten ab.

    Über den Maihaberschatz rätsele ich auch, Liborius Erklärung überzeugt mich nicht so ganz, es muss doch mit Abgaben zusammenhängen? Ist ein Zehntfüllen ein Fohlen, das an den Grundherrn ging, wenn man nicht Häger war.
    Ich glaube jedoch nicht, dass die Häger siedeln konnten, wo sie wollten, der Grundherr könnte bestimmte Gebiete freigegeben haben.
     

Diese Seite empfehlen