Warum enstanden Nationalstaaten gerade im 19. Jahrhundert

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von Harlequin, 30. April 2015.

  1. Harlequin

    Harlequin Neues Mitglied

    Hallo,

    Ich beschäftige mich gerade mit der Frage, warum die Nationalstaatenidee gerade im 19. Jahrhundert aufkam? (nicht nur in Deutschland!)
    Was waren die allgemeinen Vorraussetzungen, dass gerade in diesem Jahrhundert europaweit dieser Gedanke so gelebt wurde?

    Die bisherige Internetsuche ergab nichts befriedigendes. Hier wird in erster Linie die franzöische Revolution erwähnt. War dies wirklich der einzige und ausschlaggebende Grund?
    Wäre hier jemand vielleicht so freundlich und könnte mir erklären, warum die franzöische Revolution und die napoleonischen Kriege zu einem europaweiten Nationalstaatsgedanken führen?
    Anders gefragt: Warum waren diese Ereignisse so wirkmächtig? :grübel:
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. April 2015
  2. durruti

    durruti Mitglied

    Entscheidend war die Idee der Nation. Diese Idee gelang durch die französische Revolution vorerst regional die Überhand und verbreitete sich mit dem französischen Vormarsch. Der nationale Gedanke wurde dann auch von Monarchien zur Mobilisierung der Bevölkerung aufgegriffen und führte im Laufe des 19. Jahrhunderts zur Gründung der Nationalstaaten.
     
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Im Prinzip können drei Länder als Vorreiter für diese Entwicklung erkannt werden. Am frühesten setzte diese Entwicklung in England / GB ein, dann durch die Unabhängigkeitskriege in Nord-Amerika und auf dem Kontinent durch die bürgerliche französiche Revolution. Sie betonte "la patrie", zu dem sich - zunächst - alle Bürger - auch Ausländer - bekennen konnten um im Verlauf der härter werdenden Revolutionskriege daraus einen französischen Nationalismus zu entwickeln, vgl. Link

    Nationalstaat ? Wikipedia

    Der Prozess, der in Kontinental-Europa auf den Nationalstaat hinauslief, hatte seine Vorläufer und kann vor 1800 wie folgt erklärt werden

    Wirkungsmächtig war diese Entwicklung in Europa, weil die Privilegien durch die Geburt zunehmend durch die persönliche Leistung ersetzt wurden und dieses entsprach vor allem der Sicht des aufkommenden Bürgertums. Zudem es folgte dem Trend einer bereits eingesetzten Säkularisierung folgte, die die rationale Begründung - in einem umfassenden Sinne - in den Vordergrund stellte und somit Strukturen, die auf einer "Jenseitigen" Begründung basierten, als nicht mehr adäquat ablehnten. Und somit auch die bisherigen politischen Institutionen wie Monarchien und Kirche an Bedeutung verloren.

    Zumal die massiv einsetzende industrielle Revolution, im 19. Jahrhundert, neue Anforderungen an die Gesellschaften stellte und die Art, wie volkswirtschaftlicher Reichtum (Industrien) erzeugt, distribuiert (Handel) und verteilt (Steuern, Wohlfahrt) wird.

    Die politischen Eliten, allen voran Napoleon, erkannte die mobilisierende Bedeutung des Nationalismus für die territoriale Integration von Regionen - auch für das HRR - und den darin wohnenden Bürgern (vgl. beispielsweise auch Link). Die komplexen und größer werdenden Staaten hätten vermutlich nicht die gesellschaftliche Homogenität erreicht, wenn nicht der Nationalismus eine für die damalige Zeit angemessene "kollektive Identität" bereit gestellt hätte.

    http://www.geschichtsforum.de/f16/war-die-franz-sische-revolution-auch-nationalistisch-38266/

    Insgesamt ist es ein sehr komplexer, parallel ablaufender Prozess, den man mit Jaspers (Vom Ursprung und Ziel der Geschichte, S. 19 ff) in den Entwicklungsprozess der "Achsenzeit" einordnen kann und im Rahmen der "Moderne" bzw. der "Aufklärung" auch den "Nationalismus" zur Bedeutung im 19. und 20. Jahrhundert führte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. April 2015

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