Warum kam es zu keiner weiteren Expansion der Griechen?

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Griffel, 26. Juni 2022.

  1. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Die Frage der Ambitionen auf ein Grossreich/Weltreich lässt sich für Rom und vergleichbare Reiche m.E. erst ab einer gewissen Größe stellen, die frühestens nach dem 2.punischen Krieg,eher aber sogar erst unter Caesar erreicht war.

    Vorher lag der Schwerpunkt eher auf der Bewältigung von Konflikten mit rivalisierenden lokalen Mächten, ab dann aber zeigt sich ein eindeutig gesteigerter agressiver Expansionsdrang z.B. in Gallien,Rätien,Ägypten,Britannien oder ggüb. Dakern. und Germanen
     
  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Da stellt sich doch glatt die Frage, wieso das nicht öfter gelungen ist, wenn es so einfach ist. Warum scheiterten z. B. Crassus und Marcus Antonius an den Parthern und kamen auch spätere römische Feldherren gegen die Parther und Sassaniden nicht über Mesopotamien hinaus? An militärischen und wirtschaftlichen Ressourcen konnten sie Alexander locker überbieten, und vor allem das Partherreich war innenpolitisch oft recht instabil und schwach.

    "Einfach übernommen" ist übrigens auch vereinfacht. Lokal (Halikarnassos, Tyros) stieß Alexander auf heftigen Widerstand, und nach Dareios' Ermordung (sein Mörder und Nachfolger Bessos konnte sich als neuer Großkönig nicht wirklich durchsetzen) zerfiel das östliche Perserreich und musste neu zusammenerobert werden.
     
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  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich denke, El Quichote ging es gar nicht mal darum, Alexanders Leistungen kleinzureden, sondern darauf hinzuweisen, dass es einen bedeutenden Unterschied für einen Eroberer ausmacht, ob er auf vorhandene Infrastrukturen und Herrschaftsstrukturen durch Übernahme zurückgreifen kann oder erst solche installieren muss.

    In Kleinasien stieß Alexander vielerorts auf wohlwollend eingestellte einheimische Bevölkerung, viele der Satrapen gingen zu Alexander über und öffneten ihm die Tore. Gleichzeitig machte Alexander auch immer deutlich: Legt euch nicht mit mir an! Wer seine Herrscherlegitimation anerkannte, wer sich ihm unterwarf, behandelte Alexander in der Regel gut. Sisygambes die Mutter Dareios bewahrte ihm zeitlebens ein positives Andenken, König Poros behandelte er ritterlich. Er verschonte in Theben aber nur Pindars Geburtshaus und ließ die Verteidiger von Tyros kreuzigen.

    Dort wo Alexander auf Widerstand stieß, wo ihm niemand Tore öffnete, wo er Bergfestungen erst mühsam erobern musste wie in Baktrien ging Alexanders Vormarsch recht mühsam nur voran.

    Das Vorbild Alexanders des Großen inspirierte mehrere Römer von Pompeius bis zu Trajan. In Feldzügen konnten die Römer immer wieder Seleukia-Ktesiphon einnehmen, unter Lucius Verus stießen die Römer im Gegenstoß bis Medien vor. Das Zentrum des Imperiums lag aber in Europa, das Imperium war saturiert, und es machte wenig Sinn, das Reich nach Osten zu überdehnen.

    Trajan konnte der Versuchung nicht widerstehen, zu versuchen, das Partherreich zu einem Klientelfürstentum zu machen. Die Römer eroberten Ktesiphon, erbeuteten den Thron der Arsakiden und errichteten in Mesopotamien zwei neue Provinzen, zunehmender Widerstand und ein gefährlicher Judenaufstand in Ägypten und der Cyrenaika führten aber dazu, dass die Römer unter Hadrian die Eroberungen wieder räumten.
     
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Niemand hat gesagt, dass es einfach (im Sinne von leicht) sei. Es ist aber einfacher ein großes Reich zusammenzubekommen, wenn man erfolgreich ist, ein großes Reich zu erobern, als wenn man gegen zwanzig Reiche kämpfen muss und es jedes mal vom Neuen schaffen muss, die Reichsführung zu ersetzen und alles unter einer gemeinsamen Herrschaftsstruktur zusammenzuführen.

    Schauen wir uns die arabische Expansion an. Die Araber konnten innerhalb von wenigen Jahrzehnten ein Territorium besetzen, wofür die Römer und Perser Jahrhunderte gebraucht hatten, um es zu erobern. Warum? Religiöser Impetus? Allah-gewollt? Oder weil sie letztlich "nur" die Römer und Perser besiegen mussten und ein paar kleine lokale Fürsten, die das Machtvakuum an sich gerissen hatten? Womit musste sich Alexander auseinandersetzen, als Dareios tot war? Mit ein paar Fürsten, die das Machtvakuum an sich rissen.

    Schauen wir uns die Eroberung Mexikos oder Perús an. Sicher die Spanier kamen mit einer überlegenen Technologie: Feuerwaffen, Stahl, Rüstungen, Hunde, Pferde, das kannten die Indigenen in Mexiko oder Perú alles nicht. Aber die Spanier mussten eben auch nur Tenochtitlán und Cuzco/Cusco erobern, um die Völker weitgehend unter Konmtrolle zu bringen. Die Großreiche der Azteken und Inka eroberten sie schneller als die Gegenden drumherum, wo es eben kein Zentrum gab, sondern viele Zentren.


    Ihnen gelang eben nicht der große vernichtende Schlag.
     
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Crassus schon- leider gelang ihm der große vernichtende Schlag aber nur gegen die eigene Armee.

    Einen plausiblen Grund hatte Crassus nicht, Spannungen die einen Krieg nötig machten gab es nicht. Crassus wollte den Grund in Ktesiphon verraten, soweit kam er aber nicht. Die Kataphrakte und Bogenschützen setzten den Römern schwer zu. Cassius begründete seinen Kriegsruhm, indem es ihm gelang, sich geordnet nach Syrien zurückziehen zu können. Crassus wurde geschlagen, er musste um Waffenstillstand ersuchen, bekam Streit mit einigen Parthern und wurde erschlagen.

    Plutarch schreibt, dass eine Schauspielertruppe am Hof von Ktesiphon die Bachantinnen des Euripides aufführte. In dem Stück rächt sich Dionysos an der Stadt Theben. Die Frauen versetzt er in Ekstase. der König Pentheus belauscht die Bachantinnen und wird weil sie ihn für einen Löwen halten, von ihnen in Stücke gerissen.

    Als die Truppe die berühmten Verse zitierte:

    "Wir bringen vom Berge
    Nach Hause getragen
    Die herrliche Beute das kostbare Wild"

    soll der Schauspieler Crassus Kopf als Requisite präsentiert haben, was sehr zum Erfolg der Inszenierung beitrug.
     
  6. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    So ganz schlüssig erscheint mir das nicht. Die Araber versuchten zweimal, den entscheidenden Schlag gegen das römische Zentrum zu führen, beide Male behielt Konstantinopel die Oberhand.
     
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  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ja, aber sie eroberten in kurzer Zeit das persische Reich bis Indien und das römische Reich von Syrien bis Marokko.
     
  8. Clemens64

    Clemens64 Aktives Mitglied

    Wenn die Geschichte stimmt, zeigt sie, dass es kulturell durchaus zu einer weiteren Expansion der Griechen gekommen war.
     
  9. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Die Perser hatten das gleiche Gebiet unter Kyros und Dareios I. auch recht schnell unterworfen - damals aus den gleichen Gründen, weshalb Alexander oder die Araber erfolgreich waren:
    Sie ließen die lokalen Eliten fast unangetastet, begnügten sich mit deren Eingliederung in ihre Herrschaft.

    Die Römer waren militärisch weitaus überlegener, trafen aber oft auf viel härteren Widerstand, weil hier die Romanisierung das Ziel war, die Zerschlagung der vorherigen Kulturen.

    Zur Zeit der arabischen Expansion etwa änderte etwa für die Bewohner der Levante fast gar nichts. Die Steuern gingen nach Mekka oder Damaskus anstatt nach Byzanz, aber sonst?
    Selbst der religiöse Unterschied dürfte zwischen dem damaligen Ost-Christentum und dem neuen Islam nur gering gewesen sein, zudem waren zumindest die ersten Khalifen hier äußerst tolerant - ähnlich wie Kyros und Dareios Jahrhunderte zuvor.
     
  10. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Die Araber profitierten allerdings auch davon, dass sich Römer und Perser zuvor jahrzehntelang bis zur beiderseitigen fast völligen Erschöpfung gegenseitig zerfleischt hatten. Syrien, Palästina und Ägypten waren erst wenige Jahre vor dem arabischen Angriff von den Römern zurückerobert worden, nachdem sie zuvor teilweise bis zu 20 Jahre unter persischer Herrschaft gestanden hatten. Die Araber trafen also auf alles andere als wohlgeordnete Reiche.
    Und dennoch gelang es den Arabern nicht, das römische Reich einfach zu übernehmen. Kleinasien blieb noch viereinhalb Jahrhunderte fest in römischer Hand.
    Das Reich zu übernehmen und die Reichsführung einfach zu ersetzen glückte erst den Türken - da war allerdings das Reich bereits auf die unmittelbare Umgebung Konstantinopels, ein paar Ägäisinseln und ein Eck der Peloponnes geschrumpft.

    Das Perserreich der Achaimeniden hingegen war an sich recht stabil als Alexander eintraf. Dareios III., der nur aus einer Nebenlinie der Dynastie stammte, saß erstaunlich fest im Sattel und konnte sogar ein paar Jahre verheerender Misserfolge überleben. Der große Satrapenaufstand lag drei Jahrzehnte zurück, und Dareios III. hatte auch die Ränke am Königshof, denen seine Vorgänger zum Opfer gefallen waren, beendet. Vor wenigen Jahren war sogar die Unterwerfung Ägyptens als letzter großer Erfolg geglückt.

    Und der machte den Unterschied.

    Es bietet sich der direkte Vergleich mit Parmenion an: Er, auch ein fähiger Organisator und Feldherr, war bereits von Philipp II. mit durchaus beachtlichen Truppen nach Kleinasien vorausgeschickt worden, richtete dort aber nichts Entscheidendes aus.

    Die parthische Führungsschicht war recht hellenistisch beeinflusst, außerdem gab es im Partherreich ja zahlreiche Stadtgründungen Alexanders des Großen und seiner hellenistischen Nachfolger, die nicht verschwanden, als die Parther große Teile des Seleukidenreichs schluckten. Seleukeia am Tigris etwa war eine der größten Städte der Welt und konnte ihren hellenistischen Charakter und ihre Stadtautonomie auch unter parthischer Herrschaft noch lange wahren.

    Also eigentlich haben die Römer gerade keine zielgerichtete Romanisierung betrieben in dem Sinne, dass sie neue Untertanen zur Übernahme ihrer Kultur gezwungen hätten. Die Romanisierung war ein langfristiger Prozess allmählicher Integration, der sich außerdem im Wesentlichen auf den westlichen Teil des Reiches und Teile des Balkans beschränkte. Die hellenistischen Gebiete des Ostens, aber auch Ägypten, wurden fast gar nicht romanisiert. Im Osten schritt stattdessen auch unter römischer Herrschaft die Hellenisierung noch weiter voran.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Juli 2022
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  11. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    So langsam ging das nicht, wenn man schon gleich mit Militärlagern und Stadtgründungen begann. Im Westen wurde in wenigen Jahren ein hoher Grad an Romanisierung erreicht, teilweise auch in Nordafrika.
    Dass man im Osten dabei griechisch sprach, ist kein Widersspruch, man war dennoch römisch.

    Klientelkönigreiche und ähnliches duldete man nur kurzzeitig, danach wurde eine straffe, durchorganisierte römische Verwaltung aufgebaut, geleitet von römischen Adligen. Umgekehrt dauert es lange, bis Einheimische hier aufsteigen konnten.

    Man hat die Provinzen romanisiert, man hat nicht aktiv die Romanisierung der Bevölkerung vorangetrieben, der blieb gar nichts anderes übrig, da sie sonst gar nichts mehr zu melden hatte.
     
  12. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Dass ein erobertes Gebiet militärisch gesichert wird, ist doch wohl normal.
    Was die Städtegründungen betrifft, war wohl niemand emsiger als Alexander, der in jedem Winkel seines neuen Reiches ein "Alexandria" platzierte. Somit hätte er auf den härtesten Widerstand überhaupt treffen müssen.

    In Nordafrika hielt sich die punische Sprache unter den Römern jahrhundertelang.

    "Kurzzeitig" ist bei den Klientelkönigreichen relativ. Im 2. Jhdt. v. Chr. kamen die Staaten des östlichen Mittelmeerraums mehr oder weniger unter römische Vorherrschaft, und das blieben sie teilweise jahrhundertelang. Kappadokien wurde erst unter Tiberius römisch, Pontos unter Nero, Kommagene und Teile Palästinas erst unter den Flaviern. Das Bosporanische Reich wurde nie in eine Provinz umgewandelt.

    Das sollte man nicht unterschätzen. Im allgemeinen historischen Bewusstsein dominiert der Beginn von Alexanders Feldzug mit den spektakulären großen Schlachten am Granikos, bei Issos und Gaugamela. Was danach kam, interessiert - abgesehen vom Indienfeldzug - nicht mehr, weil es weder große Namen noch große Schlachten bot, geht daher in der Wahrnehmung leicht unter und wird in Darstellungen gerne übersprungen. Die Realität sah aber anders aus, wie schon die Zahlen zeigen: 334 begann der Krieg, 331 fand die Schlacht bei Gaugamela statt, 330 wurde Dareios ermordet. Von 330 bis 327 war Alexander damit beschäftigt, den kollabierten Osten des Perserreiches zu erobern, also ebenso lang wie er für die Unterwerfung des Levantebereichs und Mesopotamiens sowie die Besiegung Dareios' benötigt hatte. Mit welchen Mühen das tatsächlich verbunden war, kann man erahnen, wenn man die Darstellung bei Arrian liest. Um die unübersichtliche chaotische Region überhaupt in den Griff zu bekommen, musste Alexander auf Detachierungen von Truppenteilen und Feldherrn (wie Ptolemaios) setzen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Juli 2022
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  13. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Wo hast Du das denn her? Gibt es zu dieser These irgendwelche Belege?
    Ich wüsste nicht, dass die Römer zu irgend einer Zeit systematisch daran gegangen wären, in den unterworfenen Provinzen einheimische Sprache, einheimische Trachten, einheimische Musikstücke, einheimische Architektur, einheimische Kochrezepte zu verbieten.
    Die Römer legten Wert darauf, dass die Unterworfenen spurten und sich in die römische Rechtsordnung fügten. Die Romanisierung war nicht das Ziel, sondern bestenfalls Mittel zum Zweck.

    Was außer Recht und Verwaltung war denn römisch? Inwiefern wurde die hellenistische Kultur "zerschlagen"?

    Was die Sprachen betrifft: Im Osten war Aramäisch neben Griechisch eine bedeutende Verkehrssprache. In Ägypten blieb das Koptische Alltagssprache, im einstmals karthagischen Nordafrika blieb bis mindestens ins 5. Jahrhundert n. Chr. das Punische die Volkssprache.
     
  14. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Da muss ich zurückrudern. Zerschlagung der Kulturen trifft es nicht, aber Zerschlagung der Strukturen durchaus.
    Egal wie dort geredet wurde, man hatte einen römischen Staat, der nach römischer Sitte die Provinz ausbeutete und der römischen Oberschicht diente. Dieses System setzten sie überall durch.
    Und wie besonders die "Vesper von Ephesos" zeigte, machten sie sich damit eben nicht gerade beliebt.
     
  15. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    @Sepiola zwei kleine Ergänzungen:
    erzählt Sueton nicht von einem "Druidenverbot" in Britannien unter Claudius? Wenn ich mich richtig erinnere, war diese rigide Vorgehensweise allerdings eher eine Ausnahme.
    auch wenn die von dir aufgezählten Sprachen als Verkehrssprachen gebräuchlich waren, die Amtssprache war Latein.
     
  16. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Das Druidenverbot, dessen Hintergründe m. W. unbekannt sind, ist allerdings eine Ausnahme. Die Teilnahme an Druidenkulten wurde (unter Augustus, meine ich) den römischen Bürgern verboten, später soll Claudius ein allgemeines Verbot ausgesprochen haben. Welche Wirksamkeit diese Verbote entfalteten, weiß ich nicht.
    Es gab auch zeitweise Tendenzen, die Verbreitung orientalischer Kulte in der Stadt Rom zurückzudrängen, die letztlich erfolglos blieben. (Näheres müsste ich nachlesen.)

    Im Osten war tatsächlich Griechisch Amtssprache.
     
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  17. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ich wüsste nicht, inwiefern Strukturen in einem Ausmaß zerschlagen wurden, das über andere Staaten hinausging.
    Die hellenistischen Städte des Ostens behielten auch unter römischer Herrschaft ihre Autonomie (teilweise wurden Städte sogar erst nach der römischen Eroberung autonom). In Ägypten wurde sogar die ganze Verwaltungsstruktur bis zu den Severern beibehalten.
    Viele Städtebünde blieben auch unter römischer Herrschaft bestehen oder wurden sogar neu errichtet.

    Im Übrigen stimmt es zwar, dass das Altpersische Reich anfangs eher eine Personalunion verschiedener Reiche (Persien, Medien, Babylonien, Ägypten) war, aber das änderte sich unter Dareios I., der sehr wohl die überkommenen Strukturen zerschlug und durch Satrapien ersetzte. Die Satrapen wurden überwacht (und mitunter auch hingerichtet), und das Reich wurde mit einem Netz an Infrastruktur überzogen, z. B. der berühmten „Königsstraße“.
    In Ägypten gab es außerdem immer wieder Probleme wegen mangelnder Rücksichtnahme auf die heimischen religiösen Befindlichkeiten und Abgaben, eitel Wonne war also auch die Perserherrschaft nicht. Entsprechend häufig kam es zu Aufständen.
    Nicht zu vergessen natürlich die Aufstände der Griechen Westkleinasiens, die die Perserherrschaft ebenfalls nicht mochten. Bei ihnen griffen die Perser ebenfalls in überkommene Strukturen ein, indem sie in den Griechenstädten gerne Tyrannen installierten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Juli 2022
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  18. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Ja - wobei das griechische als "Bildungssprache" eine Sonderrolle inne hatte. Ansonsten war überall Latein die Amts-, Verwaltungs- & Militärsprache. Der im Ostteil des Reichs 438 vollendete Codex Theodosianus ist lateinisch, Latein war als Rechtssprache im Ostteil bis ins 6. Jh. gültig.
    Ich nehme an, dass im Ostteil bzw in den hellenisierten Gebieten des römischen Imperiums das griechische aufgrund seiner histor.-kulturellen Bedeutung für "die Römer" (Bildungssprache, Anspruch auf das Erbe des Hellenismus etc) - die gehobenen Stände waren zweisprachig, Latein & Griechisch - gar nicht so sehr als Fremdprache wahrgenommen wurde. Jedenfalls besteht die Sonderrolle des griechischen darin, die einzige Sprache neben dem Latein gewesen zu sein, die (im Osten) auch Amtssprache war.
     
  19. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Es gab aber griechische Kolonien in der Cyrenaika und auch in Ägypten. In der Cyrenaika sind vor allem Kyrene und Apollonia zu nennen, aber auch Taucheira, Barke und Euphespherides waren bedeutende griechische Kolonien in Nordafrika. In Ägypten war Naukratis eine griechische Kolonie, die lange vor Alexandria gegründet wurde.

    Alexandria war bei weitem die bedeutendste der zahlreichen Städte die Alexanders Namen trugen. Alexandria entwickelte sich zu einem Zentrum der griechisch hellenistischen Kultur. Alexandria war nach Rom die größte Stadt des Imperiums. Neben Alexandria wurde in hellenistischer Zeit aber noch weitere Städte gegründet. In Ägypten entstanden in hellenistischer und römischer Zeit auch eine Reihe von Gründungen wie Ptolemais Hermeiou am Nil, und Ptolemais of the Hunt am Roten Meer, das für den Indienhandel wichtig wurde.

    Griechische Kolonien konzentrierten sich vor allem in der Cyrenaika und in Ägypten, dort hatten Griechen aber einen beachtlichen kulturellen Einfluß. Während Nordafrika in der Kaiserzeit zu den stark romanisierten Provinzen gehörte, blieben Kyrene und Ägypten griechischsprachig. In Ägypten und der Cyrenaika gab es früh auch starke jüdische Gemeinden. Als Jesus unter der Last des Kreuzes zusammenbrach, soll ein Simon von Kyrene es getragen haben. In Ägypten, der Cyrenaika und Kleinasien lebten auch viele Juden, die kein Hebräisch oder Aramäisch mehr sprachen, sondern Griechisch. Die konnten vielleicht noch aus der Tora rezitieren, waren aber sonst auf die Übersetzung der Septuaginta angewiesen. Die Septuaginta wurde so auch zu einem christlichen Buch und so erklärt sich, dass auch das Neue Testament in Griechisch verfasst wurde.
     
  20. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Bevor Makedonien unter Philipp II. zur Hegemonialmacht in Griechenland wurde, etablierte sich zunächst für gut zehn Jahre Theben unter Epaminondas zur Vormacht in Griechenland.

    Epaminondas gelang es dank der revolutionären "schiefen Schlachtordnung" Sparta 371 eine vernichtende Niederlage zuzufügen. Bis dahin galten die Spartaner in offener Feldschlacht als unbesiegbar.

    Bei der Phalanx war es bis dahin üblich gewesen, die besten Truppen auf dem rechten Flügel zu konzentrieren. Epaminondas aber konzentrierte seine besten Truppen auf dem linken Flügel und wählte eine besonders tiefe Staffelung der Phalanx.

    371 v. Chr. gelang Epaminondas ein triumphaler Sieg über die Spartaner, und der Sieg verlieh Theben für etwa eine Dekade die Hegemonialstellung in Griechenland. Epaminondas fiel allerdings 362 v. Chr. bei Mantineia, und Theben büßte bald darauf seine Hegemonie wieder ein.
    Epaminondas "Erfindung" der "schiefen Schlachtordnung war der wohl erste Versuch der Schwerpunktbildung und Konzentration. Es ließen sich damit auch stärkere Armeen besiegen, indem an einem strategisch wichtigen Punkt eine numerische Überlegenheit hergestellt wurde.

    Ein später Nachahmer des Epaminondas war König Friedrich II. von Preußen, der seine Taktik in Anlehnung an Epaminondas ebenfalls als "schiefe Schlachtordnung" bezeichnete.

    Beim Debut der Taktik, 1741 bei Mollwitz klappte das schon recht gut, aber noch nicht wie am Schnürchen. Die österreichische Kavallerie unter Römer fegte die Preußen vom Schlachtfeld, und seine Majestät war auf der Flucht, als die schnell und präzise schießende preußische Infanterie unter dem Kommando von Schwerin das Blatt wendete. Friedrich hat das Schwerin nie verziehen, und er nahm sich vor, nie wieder von einem Schlachtfeld zu fliehen.

    Als Musterbeispiel für die neuzeitliche schiefe Schlachtordnung kann die Schlacht bei Leuthen 1757 betrachtet werden. Friedrich gelang es, eine weitaus größere österreichische Armee zu schlagen, indem er an einem wichtigen Punkt eine punktuelle Überlegenheit herstellte.

    Die schiefe Schlachtordnung des Epaminondas haben Philipp II. und Alexander (III.) übernommen und sie als Kombination der makedonischen Phalanx mit einer starken Kavallerie perfektioniert. Philipp II. lebte einige Jahre als Geisel in Theben, und die Erfahrungen im Militärwesen und in der Diplomatie, die Philipp in Theben sammeln konnte, sollten ihm später sehr zugute kommen.
     

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