Warum überlebten manche Menschen die Pest

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Little_Tiger, 8. September 2021.

  1. Little_Tiger

    Little_Tiger Neues Mitglied

    Im 14. Jahrhundert wütete die Pest in Europa.
    Vor allem in den Städten wie Venedig oder auch London.

    Dennoch überlebte ein erheblicher Teil der Menschen auch in den Städten die Pest.

    Was waren die Gründe hierfür?
    Gab es eine Immunität gegen die Pest?
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Aus Keil, Gundolf: Pest. In LexMA, Bd. VI, Sp. 1918-1920:

    Präzise Initial-Beobachtungen trug in Avignon Guy de Chauliac über Infektiosität (Ansteckung durch die Luft), Verlaufsformen (Bubonen-/Lungen-P.; Haut-P.), Mehrfachansteckung sowie Letalität zusammen (bei der Bubonenp. mit 80%, bei der Lungenp. als absolut eingeschätzt). Altersabhängige Immunitätsunterschiede registrierte Hans v. Parma 1349 in Trient, und abartiges Verhalten pestkranker Nager stellte Johann v. Sachsen fest (1392-1409), der in seinem Pesttraktat auch auf Todesfälle bei Haustieren abhebt.​
     
  3. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Die 7 junge Damen und 3 junge Männer aus Florenz überlebten auch.

    Wahrscheinlich weil sie 1348 aus Florenz in ein 3 km weit entfernten Landhaus vor der Pest flohen und sich dort die Zeit mit Geschichten (so wenigstens erzählt man uns) aus dem Leben erzählten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. September 2021
    Little_Tiger und Ugh Valencia gefällt das.
  4. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Du meinst das Decamerone. Die Flüchtenden überlebten aber die Pest, weil sie vor ihr flohen, um sich gar nicht erst zu infizieren.

    Ich habe die Frage eher so verstanden, ob man eine Pestinfektion überleben konnte und ob dies eine Immunität zur Folge hatte. Es gab generell mehrere Krankheiten, die man als "Pest" bezeichnete. Am bekanntesten waren die Lungenpest, die im Regelfall tödlich verlief, und die Beulenpest, die man überleben konnte, sofern es nicht zu Folgeerkrankungen kam, wie etwa Pestsepsis oder eben die Lungenpest. wiki erwähnt noch die "abortive Pest" als harmlosere Abart der Krankheit: "Nach überstandener Infektion werden Antikörper gebildet, die eine langanhaltende Immunität gegen alle Formen der Krankheit gewährleisten."
     
  5. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Ein namentliches Beispiel fällt mir da im Moment nicht ein.

    Sicher hat es die gegeben, denn auch der Geheimrat aus Weimar schreibt ja darüber...

    Alter Bauer:

    „Fürwahr, es ist sehr wohlgetan, dass ihr an frohen Tagen erscheint;
    habt ihr es vormals doch mit uns an bösen Tagen gut gemeint! Gar mancher steht lebendig hier, den Euer Vater noch zuletzt der heißen Fieberwut entriß, als er der Seuche Ziel gesetzt.
    Auch damals ihr, ein junger Mann, ihr gingt in jedes Krankenhaus, gar manche Leiche trug man fort, Ihr aber kamt gesund heraus; bestandet manch harte Proben: dem Helfer half der Helfer droben.“
     
  6. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Gibt sicher viele, aber mit deren Namen ist das so eine Sache.

    Da hätte ich einen.

    Name: Agnolo di Tura.

    Er war ein Chronist und auch ein Schuhmacher und auch ein Zöllner. Er wohnte in Siena/Italien.
    Hier bitte weiter mit einem Bericht dazu von ihm:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Agnolo_di_Tura
    Bitte ggf. googel Übersetzer.

    Habe auch mal unter den Päpsten nach gesehen.
    Da fand ich aber nur Papst Clemens VI. (1342-1352 – Sitz in Avingon/Frankreich) der sich mit einen Bulle am 04.07.1348 gegen die Verfolgung der Juden als Verursacher der Pest wandte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. September 2021
    andreassolar gefällt das.
  7. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Hier mal noch die Pestsäule in Karlsbad/Tschechin.

    Solche Säulen findet man ja in vielen Städten Europas und wenn man davor steht überfällt einen oft der Schauer, wird’s einen gruselig.

    upload_2021-9-10_10-50-47.jpeg
     
    andreassolar gefällt das.
  8. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    In Zürich wütete 1519 die Beulenpest, an der Huldrych Zwingli im September erkrankte - im Oktober rang er mit dem Tod und im November ging es ihm dann besser. Er litt noch ein Jahr lang an den Folgen der Erkrankung.

    Zwingli legte alles in Gottes Hände:

    Das Pestlied von Zwingli

    Hilff, Herr Gott hilff
    in dieser not!
    Ich mein, der tod
    sig an der thür;
    stand, Christe, für,
    dann du jn überwunden hast!
    Zuo dir ich gliff.
    Ist es din will,
    züch uss den pfyl,
    der mich verwundt,
    nit lasst ein stund
    mich haben weder ruow noch rast!

    Wilt du dann glych
    tod haben mich
    in mitz der tagen min,
    so soll es willig sin.
    Thuon, wie du wilt;
    mich nüt befilt.
    Din haf bin ich;
    mach gantz ald brich!
    Dann, nimmst du hin
    den geiste min
    von dieser erd,
    thuost du’s, das er nit böser werd
    ald andren nit
    befleck jr Läben fromm und sit.

    Tröst, Herr Gott, tröst!
    Die Krankheit wachsst;
    Wee und angst fasst
    min seel und lyb.
    Darumb dich schyb
    gen mir, einiger trost, mit gnad,
    die gwüss erlösst
    ein yeden, der
    sin hertzlich bgär
    und hoffnung setzt
    in dich, verschetzt
    darzuo diss zyts all nutz und schad.

    Nun ist es umb;
    min zung ist stumm,
    mag sprechen nit ein wort;
    min sinn sind all verdort.
    Darumb ist zyt,
    das du min stryt
    fuerist fürhin,
    so ich nit bin
    so starck, das ich
    mög dapfferlich
    thuon widerstand
    des Tüffels facht und fräffner hand.
    Doch wirt min gmuet
    stät blyben dir, wie er joch wuet.

    Gsund, Herr Gott, gsund!
    Ich mein, ich ker
    schon widrumb här.
    Ja, wenn dich dunck,
    der sünden funck
    wird nit mer bherrschaen mich uff erd,
    so muoss min mund
    din lob und leer
    ussprechen mer,
    dann vormals ye,
    wie es joch gee,
    einfaltigklich on alle gferd.

    Wiewol ich muoss
    des todes buoss
    erlyden zwar ein mal,
    vilicht mit grösserm qual,
    dann yetzund wer
    geschähen, her,
    so ich sust bin
    nach gfaren hin,
    so will ich doch
    den trutz und boch
    in dieser wält
    tragen frölich umb widergelt
    mit hilffe din
    on den nüt mag vollkommen sin.
     

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