Warum war das Verhältnis zwischen England und seinen Kolonien lange konfliktarm?

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Unwissender24, 16. Oktober 2012.

  1. Unwissender24

    Unwissender24 Neues Mitglied

    Hallo an alle in diesem Forum,

    ich bin neu hier und habe direkt mal eine Frage, die ihr hoffentlich beantworten könnt ;)!


    Warum war das Verhältnis zwischen England und seinen Kolonien lange konfliktarm?

    Vielen Dank!!

    MfG

    Der Gast, nicht der Graf!
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Erstmal eine Nachfrage, zum Verständnis:

    Was verstehst Du denn unter konfliktarm?
     
  3. Unwissender24

    Unwissender24 Neues Mitglied

    Unter konfliktarm verstehe ich:

    Erstes kein Krieg, zweitens keine großen Interessenkonflikte oder Aufstände. Z.B. Boston Tea Party. Die Frage wäre dann weiter warum wurde es konfliktreich und warum war es vorher konfliktarm^^.

    Vielen Dank schonmal!
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Also sind in erster Linie die amerikanischen Kolonien vor 1773 gemeint, nicht das spätere Kolonialreich mit Australien, diversen afrikanischen Staaten, Indien etc.?
     
  5. Unwissender24

    Unwissender24 Neues Mitglied

    Ja richtig, die Nordamerikanischen Kolonien!
     
  6. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Die Einschränkung kam gerade noch rechtzeitig - ich wollte Dich schon bitten, Deine These mal dem einen oder anderen IREN vorzutragen. :winke:

    Die Verschlechterung des Verhältnisses zu EINIGEN DER nordamerikanischen Kolonien ist eine der Folgen des Sieges im French-and-Indian War (vulgo: Siebenjähriger Krieg). (Es gab da auch noch die ganz neuen ex-französischen Erwerbungen, und die Südstaaten; der Konflikt nahm in den Neuenglandstaaten seinen Ausgang.) Ist wie so immer in Amerika: Laß sie in Ruhe und sie lassen Dich in Ruhe. - Um die Franzosen vom Kontinent zu werfen, wurden erstmalig ganz erhebliche Beiträge der Kolonisten erhoben. Sie mussten nicht mehr nach eigenem Gusto ein paar4 Milizen ausheben, sondern auch reguläre Einheiten erst unterbringen, dann finanzieren und dann auch noch unterhalten. Die gefühlte massive Steigerung der Steuerbelastung der Kolonisten, die der Finanzierung der jetzt nicht mehr benötigten zentralstaatlichen Kontrolle (Steuereinnehmer und reguläre Truppen) diente und die nicht durch parlamentarische Beteiligung (z. B. zur Mitbestimmung über die Verwendung der Steuern) austariert war, machte insbesondere die Händler und Kaufleute Neu-Englands maulig. Außerdem fanden die Kolonisten vor Ort, die sich mit Landspekulation und -veräußerung gerne reich verdienen wollten, die indianerfreundlichen Londoner Restriktionen bezüglich der Landnahme westlich der Appalachen ziemlich doof. Auf britischer Seite hielt man es hingegen für nur fair, dass die Kolonisten sich angemessen an der Sicherstellung ihrer Sicherheit beteiligten. Und so kam man zu Blocks - Geld stinkt zwar nicht, aber verdirbt trotzdem den Charakter...

    For rurther Reading:

    Anderson, Fred, Crucible of War - insbesondere der Schluss, wie die Briten den Sieg / Frieden verloren;

    und

    Ferling, John, Almost a Miracle. The American Victory in the War of Independence - insbesondere der Anfang, wie es über politische zu militärischen Gewalttätigkeiten kam.
     
  7. Unwissender24

    Unwissender24 Neues Mitglied

    Vielen Dank für die sehr fundierte Antwort. Bleibt eigentlich nur eine Frage, warum war es gab es vorher keine Unstimmigkeiten zwischen England und den Nordamerikanischen Kolonien? Warum gab es vorher einen scheinbaren "Frieden".

    Vielen Dank nochmal!
     
  8. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Was heisst "scheinbarer Friede"? Es hat seit der Landnahme fast ständig Kämpfe gegeben, nur waren diese gegen die "Anderen", also Indianer, Franzosen, Holländer, Spanier. Die Kolonisten waren und fühlten sich überwiegend als Briten.

    Erst als die Kolonisten sich als zweitklassig behandelt fühlten, ("No taxation without representation") kam es zur Zäsur.
     
  9. Unwissender24

    Unwissender24 Neues Mitglied

    "Die Kolonisten waren und fühlten sich überwiegend als Briten."
    Das mag sein, aber dies war sicherlich nicht der einzige Grund. Warum fühlten sie sich nicht schon früher als "zweitklassig".

    Danke für die Antwort übrigens!
     
  10. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Weil die Krone die Kolonisten weitestgehend in Ruhe ihren Geschäfte nachgehen ließ und weder allzuviel Kontrolle ausübte, noch allzuviele Steuern einheimsen kam. Zusätzlich war es lukrativ, Kolonist in Amerika zu sein (wenn man nicht gerade von Magua und den Huronen besucht wurde): in der maritimen Branche wie in der Landnahme konnte man sein Auskommen oder sein Glück finden und London war weit.
     
  11. Dog Soup

    Dog Soup Neues Mitglied

    Weil hier vorhin spezifisch die Boston Tea Party erwähnt wurde, die drei Jahre zwischen 1770 und 1773 - also der vorläufigen Niederlegung der Nichtimporte englischen Tees und der Boston Tea Party - werden tatsächlich typischerweise "the period of calm" genannt, auch wenn das natürlich nur im Verhältnis zu dem Chaos galt, das davor und danach herrschte.

    Diese Period of Calm war nur die Ruhe vor dem Sturm, ehe es so richtig losbrach. Allerdings gab es auf der britischen Seite wohl einige, die glaubten, dass die leidige Geschichte mit den widerspenstigen Kolonisten und dem Tee jetzt endlich erledigt sei.

    Wenn dich diese ganze historische Entwicklung um die Boston Tea Party herum interessiert, dann schau dir am besten mal "The Boston Tea Party" von Benjamin Woods Labaree an. Das Buch ist alt (1964), aber ziemlich schön und nuanciert geschrieben. Wohlgemerkt ein totaler Klassiker. ;)
     

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