Warum werden Fundgegenstände gezeichnet?

Dieses Thema im Forum "Archäologie" wurde erstellt von Major Tom, 8. März 2009.

  1. Major Tom

    Major Tom Neues Mitglied

    Bei wissenschaftlichen Katalogen über die Auflistung archäologischer Funde von Ausgrabungen (aktuell z.B. "Katalog der römischen Funde vom Oberesch - Kalkriese") fällt mir auf, das sämtliche Fundgegenstände gezeichnet veröffentlicht werden.
    Das Einmessen der Gegenstände und die räumliche Darstellung beim Zeichnen muss doch sehr zeit- und auch kostenintensiv sein. Hat es bestimmte Gründe, warum die Fotografie nicht verwendet wird?
     
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  2. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ja, hat es.
    Bei einem Foto sieht man nur ein Bild ohne Dimensionen.
    Bei einer Zeichnung kann man dreidimensional arbeiten.
    Also Dinge hervorheben, die so auf einem Foto nicht zu erkennen sind.
    Das ist wichtig für die Archäologen.
    zB ein Zahn, kann man so von allen Seiten beschreiben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. März 2009
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  3. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Auf einem Foto gehen schnell feine Unterschiede unter,, zumal dunkle, klumpige, schwer zu identifizierende Objekte werden in der Zeichnung "verklart". Unser subjektives Auge ist hochtrainiert darin, Formen und Zusammenhänge zu erkennen: feine Ornamente oder Ritzzeichnungen sind für das subjektive Auge sichtbar -- im Foto gehen sie unter, weshalb Umzeichnungen dieser Objekte allemal ratsam sind.
     
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  4. Galgenpapst

    Galgenpapst Aktives Mitglied

    Es handelt sich bei den Tuscheumzeichnungen archäologischer Artefakte um technische Zeichnungen, die dem kundigen Betrachter z. B. auch Informationen mitteilen, die ein Foto nicht zu transportieren vermag. Ein Beispiel mag dies erklären: Bei einem gezeichneten Gerät aus Feuerstein, etwa einem Faustkeil, ist anhand der Schraffuren (die auf einer intern. Absprache im Fach beruhen) zu erkennen, aus welcher Richtung etwa der Schlag geführt wurde, der ein Abschlag- oder Absplissnegativ am Objekt hervorgerufen hat, wo genau der Auftreffpunkt von Schlagstein/Schlägel od. ähnl. Werkzeugen (Schlagpunkt) sich auf dem Objekt findet usw. Auch wird der Unterschied zwischen anthropogener Einwirkung auf das Objekt und Naturspielen (etwas einem Frostsprung) deutlich; letztere werden in der Umzeichnung nur umrissen, nicht aber schraffiert. Andere Phänomene, etwa Farbspiele oder Einschlüsse im Stein, die auf einer Fotografie ins Auge stechen, für die Herstellung und Funktion des Stückes aber ohne Relevanz sind, entfallen auf einer solchen Zeichnung. Es handelt sich also bei unseren Darstellungen von Bodenfunden um eine reduzierte technische Darstellung, die eine gewisse Vergleichbarteit von Fundstücken gewährleistet.

    LG gp
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 9. März 2009
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  5. Major Tom

    Major Tom Neues Mitglied

    Sehr interessant! Wenn auch mir persönlich als ambitionierter Fotograf ein fotografiertes Objekt immer noch aussagekräftiger erscheint als ein gezeichnetes. Aber den wissenschaftlichen Aspekt der Wiedergabe den Galgenpast beschreibt, kann ich dann nachvollziehen.
    Vielen Dank für die ausführlichen Informationen.
    Gruß von MT
     
  6. Johann

    Johann Neues Mitglied

    Sicherlich alles richtig, was da angeführt wurde.
    Aber einen wichtigen Punkt habt Ihr vergessen.
    Filme und vor allem Fotos sind nicht so dauerhaft wie Zeichnungen.
    Fotos verblassen mit der Zeit und werden undeutlicher.
    Auch kann man Zeichnungen problemloser vervielfältigen als Fotos.
    Das war in der Vergangenheit, mehr ein Problem als heute, aber auch heute werden Funde noch gezeichnet.
     
  7. Rafael

    Rafael Neues Mitglied

    Ich verstehe nun weshalb man die Funde in Zeichnungen wiedergibt, doch könnte es ja aufgrund anderer Fragestellungen hilfreich sein, auch die Dinge optisch zu sehen, die bei der Zeichnung aus von Galgenpapst beschriebenen Gründen wegfallen.
    Deshalb die Frage: Beschränkt man sich heute bei der Archäologie nur auf Zeichnungen oder zieht man auch, wie man in Dokus öfter sieht, Fotos zur Hilfe heran? Sie können schließlich auch von allen Seiten eines Objekts gemacht werden und bieten bestimmt einige Vorteile bei der Arbeit.
     
  8. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Je nach Art des Objektes beides. Vor allem Metallfunde werden auch fotografiert.
    Die Zeichnung bietet aber nach wie vor die beste Möglichkeit des Vergleiches mit anderen Objekten.
    Mittlerweile gibt es auch von ein nicht kleinen Anzahl von Objekte 3D-Scans.
     
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