Was gehört zur einer Gesellschaft?

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von alevimelek44, 27. Mai 2011.

Schlagworte:
  1. alevimelek44

    alevimelek44 Neues Mitglied

    Hallo zusammen,:D


    ich hab mal ne frage... also

    Was gehört zu einer Gesellschaft..?

    es geht um folgendes...ich muss über die gesellschaft von frankreich schreiben...und weiß garnicht nach welchen Kriterien!

    was ist eine gesellschaft und was bz. wer gehört dazu???


    würde mich freuen wenn ihr mir helfen könntet!!:)

    lg:winke:
     
  2. Kobi

    Kobi Neues Mitglied

    Das ist eine schwierige Frage, die du da stellst.
    Eine Gesellschaft zu definieren, ist nicht so einfach und leider konnte ich auch in keinem Lexikon etwas passendes dazu finden.

    Aber ist eine Gesellschaft nicht eine Lebensgemeinschaft verschiedener Individuen, welche in Beziehung zueinander stehen?
    Ich gehe von Hobbes und seinen Gesellschaftsvertrag aus.
    Die Individuen leben nach bestimmten Regeln zusammen, denen sie verpflichtet sind. Durch Geburt, oder wie bei Thomes Hobbes durch die Billigung eines Vertrages.
    Dabei gibt es immer einen, oder mehrere, die die Gesellschaft anführt.
    Sei es ein Monarch, oder ein gewähltes Parlament.
    Eine Gesellschaft definiert sich weiterhin durch bestimmte Strukturen und Moralvorstellungen und durch eine Judikative. Also einer Gesetzgebung mit Sanktionen, deren die Mitglieder dieser Gesellschaft unterworfen sind.

    Das ist glaube ich ein Anfang. Es kann gern gegenargumentiert und ergänzt werden.
     
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  3. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

    Es wäre hilfreich, wenn du mitteilen könntest, über welchen Zeitraum, z.B. in der gegenwart oder zur Zeit der Französischen Revolution oder im ausgehenden 19. Jahrhundert, du schreiben sollst?

    Vermutlich geht es um die gesellschaftlichen Strukturen, d. h. die Stände, Klassen oder Schichten und die entsprechend spezifischen Lebens-und Arbeitsbedingungen in einer bestimmten historischen Phase..
     
  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Der Begriff als analytisches Konstrukt ist noch nicht so alt. In seinem Stichwort "Gesellschaft weist Bülow (Bernsdorf (Hg):Wörterbuch der Soziologie, Stuttgar, Enke, 1969,S.355) darauf hin, dass Ferguson (1767) den Begriff der "bürgerlichen Gesellschaft" als erster eingeführt hat.

    Gesellschaft (Soziologie) ? Wikipedia

    In der Folge ist es ein von allen bedeutenden Soziologen, Politologen oder Nationalökonomen verwendetes Konstrukt.

    Im Prinzip grenzt es sich gegen die Gruppe, die Gemeineschaft ab, unter dem Aspekt der Vergesellschaftung. Eine Gesellschaft unterscheidet sich im wesentlichen durch diese kleineren sozialen Einheiten durch ihre höhere Komplexität und durch ihre stärkere Differenzierung.

    Unter rechtlichen und politologischen Gesichtpunkten ergeben sich andere Aspete bzw. Sichtweisen!

    Zur Gesellschaft gehören eine Vielzahl von Elementen, die erfüllt sein können, aber sicherlich nicht müssen.

    Im einzelnen könnten es sein:
    - gewisse Formen der sozialen Arbeitsteilung
    - Formen der ökonomischen Arbeitsteilung
    - Formen der gesellschaftlichen Differenzierung
    - Formen der Hierarchisierung

    Aber es gibt keine "Baukasten", aus dem Gesellschaften zusammen gesetzt werden.

    Das gilt umso mehr vor dem Hintergrund einer zeitlichen Betrachtung. In sogenannten "primitiven Gesellschaften" werden sich andere Gewichtungen finden lassen wie in modernen "Industrie-Gesellschaften".
     
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  5. alevimelek44

    alevimelek44 Neues Mitglied


    der Zeitraum ist im 17. jahrundert
     
  6. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Weil du wahrscheinlich Schüler bist, dürfte dieser Satz aus dem oben angeführten Wikipeda-Artikel als Definition genügen:
    Dann hätte Klaus P. recht. Wobei man noch die Beziehungen zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen hinzufügen könnte.

    Geht es wirklich um das 17. Jahrhundert - oder um die Jahre mit 17 am Anfang, also das 18. Jahrhundert?
     
  7. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Nichts gegen den "Essay on the History of Civil Society" - aber Manfred Riedel meint [1]:
    "Der Naturrechtsbegriff der societas civilis wird am Ende des 17. und zu Anfang des 18. Jh. im deutschen Sprachbereich mit 'Buergerliche Gemeinschaft' oder 'Buergerliche Gesellschaft' wiedergegeben, wobei die letztere Bezeichnung allgemein überwiegt. Seine Verbreitung im 18. Jh. geht also auf eine wörtliche Übernahme aus dem Lateinischen zurück und ist keineswegs unter dem Einfluß der englischen (civil society) oder französischen (societé civile) Aufklärung in den deutschen Sprachraum eingedrungen."
    Natürlich wandelt sich der Begriffsinhalt. Pufendorf (1672) bzw. sein Übersetzer (1711) hält dafür, "daß mit dem öfters vorkommenden Worte Bürgerliche Gesellschaft nicht anders zu verstehen gegeben und gemeinet seie als die zusammen verbundene Obrigkeiten und Untertanen welche ein gewisses Reich Republic u. dgl. ausmachen" [2].


    [1] in: Geschichtliche Grundbegriffe. Band 2, S. 738
    [2] S. 739
     
  8. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Schau mal ob in einer Bib in deiner Nähe folgende Bücherreihe vorhanden ist: Geschichtliche Grundbegriffe

    Hier im Band 2, müsste es einen Aufsatz zu "Gesellschaft" geben.


    _____
    seh grad, dass jschmidt das Buch schon genannt hat :S
     
  9. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Könnte die MODs bitten, meinen Beitrag zu löschen. Hier gilt die kölsche Maxime: Man kennt sich, man hilft sich! :yes:
     
  10. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die Definition von Liborius ist mindestens unvollständig. Als Ergänzung die Formulierung, die Tönnies (Gemeinschaft und Gesellschaft, 1963 8. Auflg / 1935, S. 40) anbietet und die nicht ungebräuchlich ist.

    "Die Theorie der Gesellschaft konstruiert einen Kreis von Menschen, welche wie in der Gemeinschaft, ...nebeneinander leben..., aber nicht wesentlich verbunden, sondern wesentlich getrennt sind, und während dort verbunden bleibend trotz aller Trennungen, hier getrennt bleiben, trotz aller Verbundenheit".

    Eine Erklärung für diese etwas umständliche Formulierung findet sich in #4.
     
  11. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Das liest sich relativ "neutral", aber Tönnies schreibt über seine "dualistische" Konstruktion auch [1]:
    "Gemeinschaft ist das dauernde und echte Zusammenleben, Gesellschaft nur ein vorübergehendes und scheinbares. Und dem ist es gemäss, dass Gemeinschaft selber als ein lebendiger Organismus, Gesellschaft als ein mechanisches Aggregat und Artefact verstanden werden soll."
    In einer anderen Schrift überschreitet er dann die Grenze vom Soziologen zum Geschichtsphilosophen [2]:
    "Die 'Gesellschaft' bezeichnet den gesetzmäßig normalen Prozeß des Verfalls aller 'Gemeinschaft'."
    [1] G.u.G., 1. Aufl., S. 5
    [2] zit. bei Ziegenfuß in: ders. (Hg.), Handbuch der Soziologie. Stuttgart 1956, S. 147
     
  12. bnk89

    bnk89 Neues Mitglied

    Hallo, ich muss den untschied von der feudalen zur Bürgerlichen gesellschaft erklären. Die Feudale Gesellschaft hatte ja 3 Stände und in der bürgerlichen gesellschaft gibt es ja keine Stände mehr, aber gibt es noch andere Unterschiede bzw. Merkmale der Bürgerlichen Gesellschaft?


    Hoff mir kann jemand helfen
     
  13. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Die Feudalgesellschaft setzt ein Abhängigkeitsverhältnis der Untertanen zu einem Feudalherren voraus. Politische Partizipation der Untertanen gab es nicht oder nur im geringen Ausmaße (z. B. freie Reichsstädte, die unmittelbar dem Reich unterstanden).

    Die bürgerliche Gesellschaft kennt solche Abhängigkeitsverhältnisse nicht. Alle Bürger haben gleiche Rechte und Pflichten.

    Einen Übergang von der Feudalgesellschaft zur bürgerlichen Gesellschaft stellt die Französische Revolution von 1789 dar. Die Vorrechte des Adels und der Kirche wurden beseitigt. Souverän der neuen Ordnung waren die Bürger, die Nation, die in allgemeinen Wahlen ihren Willen zum Ausdruck brachten.
     
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  14. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Die Aufhebung der personalen Abhängigkeitsverhältnisse ist sicher ein wichtiges Kriterium, aber gleiche Rechte haben auch bürgerliche Gesellschaften ihren Mitgliedern erst im Laufe der Zeit gewährt. Das Wahlrecht erhielten besitzlose Männer in den meisten Ländern erst gegen Ende des 19. Jh., Frauen mussten idR bis ins 20. Jh. warten. (Und ob die Gesellschaft der USA auch vor den 1860 eine bürgerliche welche war müssten man dann auch fragen, immerhin wurden da noch Sklaven gehalten...)

    Neben unveräußerlichen Grund- bzw Menschenrechten und dem (wie gesagt zunächst oft eingeschränkten) Wahlrechthingen mit der Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft das Recht auf Eigentum und dessen weitgehend ungehinderte Nutzung zusammen. Unternehmertum und Marktwirtschaft auf der einen (bürgerlichen oder bourgeoisen) Seite, freie, aber von Lohnarbeit abhängige Arbeiter bzw Proletarier auf der anderen Seite.
     
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