Was ist das "bataillon carrée" von N. Bonaparte?

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von GiggleGix, 19. März 2009.

  1. GiggleGix

    GiggleGix Neues Mitglied

    Wir nehmen gerade das französische Militär(ca.1800) durch.
    Die französischen Truppen und Generäle waren äußerst motiviert -auch im
    Angriff- da sie ja über persönliche Rechte "verfügten" und Leistung über Karriere entschied usw....
    Diese Motivation wurde dann auch ausgenutzt: Die Linienregimenter der Franzosen waren nicht -wie etwa Österreiche oder Preussen- durch ständige Fluchtgefahr(da unfrei:cry:) oder ähnliches unflexibel. Diesen Vorteil konnten die Franzosen(Nap.) dann natürlich ausnutzen und weiteten die Linien oder teilten in Gruppen einzeln zum Angriff ein. Auch stellten sich vorallem die franz. Inf. Kavallerieanstürmen entgegen.
    Ich hoffe mal bis hier stimmt es im großen und ganzen...
    Nun ist mein Problem: Ich verstehe nicht inwieweit die mir gezeigte
    Quadratformation(franz: quarré??) sinnvoll gegen Reiterei sein soll:grübel:
    Mir wurde sie so gezeigt:

    OOOOOOOOOOOOOO O=Soldat
    OOOOOOOOOOOOOO
    OO-------------------------OO
    OO-------------------------OO
    OO-------------------------OO
    OO-------------------------OO
    OO-------------------------OO
    OO-------------------------OO
    OOOOOOOOOOOOOO
    OOOOOOOOOOOOOO

    Ich glaube auch schon öfters davon gelesen zu haben..
    Aber diese Aufstellung würde doch keinen Sinn machen, da ein großteil nach dem Aufprall/Ansturm entweder tot oder zu weit weg(auf der nicht angegriffenen Seite) ist um sofort gegen die Kavallerie vorzugehen. Ich hätte ehrlich gesagt ein ganz gefülltes Quadrat gebildet - oder eigentlich einen gefüllten Kreis(Angriffsfläche)
    .
    Sry, falls das schon mal besprochen wurde.

    mfg,
    GiggleGix
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. März 2009
  2. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Die "Flexibilität" der Franzosen ging ursprünglich auf die mangelnde Ausbildung der Revolutionstruppen zurück. Im 18. Jahrhundert kämpfte man überwiegend in langen dünnen Formationen (2 bis maximal 3 Reihen) um möglichst viele Gewehre zur Wirkung zu bringen. Das erfordete jedoch hohe Disziplin und gute Ausbildung, die man in der Regel bei langgedienten Berufssoldaten vorfand. (Diese waren zwar oft gepresst, liefen in der Schlacht aber nicht so häufig weg, dass man sie nicht hätte richtig aufstellen können).

    Die Revolutionsheere hatten weder die Zeit, noch die Disziplin um diese Taktiken einzuüben, dagegen viel Elan und Kampfgeist so dass sie sich eher in massiven Formationen aufstellten und in Kolonnen voranstürmten.
    Unter Napoleon hat man dann mit steigendem Ausbildungsgrad die Taktiken dann etwas verfeinert, die Kolonne blieb jedoch die Lieblingsangriffsform.
    Bei der Einführung der Massenheere in den anderen Mächten auf den Kontinent (Preussen Östereich, Russland) hat man dann die französischen Taktiken übernommen. Nur die Briten und ihre direkten Allierten auf der Iberischen Halbinsel blieben bei der Linearformation.

    Das Karree war aber keine typisch französische Formation, sondern damals allgemein üblich zur Abwehr von Kavallerieangriffen. Es ist eigentlich nur eine zusammengefaltete doppelte Schützenlinie, Ihr deployement erfordert auch übung.

    Es war der beste Kompromiss zwischen einer ausreichend großen Anzahl an Gewehren die zur Wirkung kommen konnte und einer geschlossenen Form die sich in alle Richtungen verteidigen konnte, ohne schwache Flanken oder ungedeckte Rückseiten. Mehrere Karrees konnten sich auch gegenseitig Decken, wie das Feuer einer Festungsfront.

    Das Karree war eine effektive Formation. Nur wenige Male ist es geschehen, dass sie von Kavalleristen ohne Infanterie- oder Artillerieunterstützung gesprengt worden wäre. Reiter und Pferde sträubten sich dagegen in eine von Bajonetten gespickte Menschenwand zu reiten. Gelegentlich passierte es jedoch, dass ein Pferd durchging oder getroffen noch weiterschlitterte und eine Bresche riss. Dann war es möglich hineinzureiten und den Block auseinander zu jagen womit es für die Infanteristen dann gelaufen war, da sie einzeln den Reitern eine fast hilflose Beute waren. Kleine Gruppen versuchten dann "Trauben" zu bilden um sich so gegenseitig die Rücken zu decken.

    Sehr gut gedrillte Infanterie war jedoch auch in der Lage Kavallerie aus der Linie heraus zurück zu schlagen.

    Bei der Schlacht von Fuentes de Oñoro schaffte es eine Schwadron Polnischer Lanciers mit einem seitlich geführten Angriff ein britisches Karree zu sprengen und aufzureiben. Die etwas weiter vorne in Linie aufgestellten spanischen Truppen konnten jedoch die gegen sie gerichteten Attacken zurückschlagen. Beides war eine ausgesprochene Seltenheit.

    Sehr ungeübte Soldaten stellte man mit vorliebe in sehr große massive Karrees auf, so Teile der Hannoveraner bei Waterloo.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. März 2009
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  3. Loudon

    Loudon Neues Mitglied

    Das Problm ist, es wird kein Aufprall stattfinden. die Pferde werden sich weigern in eine Mauer Bayonette hineinzulaufen. D.h. die Viecher bremsen vor dem Aufprall ab, es sei denn, sie sind verwundet und reissen eine Lücke ins Carree, was fast die einzige Möglichkeit ist, eins aufzubrechen.
    Auch ist die Arithmetik gegen den Kavalleristen. Bei 4 Reihen der Infanterie, hat er 8 Bayonette gegen sich. Die ersten beiden Reihen halten ihm nur den Stahl entgegen während die beiden hinteren Reihen laden und schießen.

    Angeblich soll es gelegentlich Ulanen gelungen sein ein Carree aufzubrechen, da die Lanze eine größere Reichweite als das Gewehr mit Bayonett hat, aber da müßte das Wetter mitspielen. Wenn es nicht regnet, würden die hinteren Reihen die Ulanen mit allergrößter Wahrscheinlichkeit abknallen.

    Ein von Veteranen geblidetes Carree ist für Kavallerie eigentlich nicht aufzubrechen. Daher hat Kavallerie auch recht selten angegriffen wenn Infanterie Carrees gebildet hat. Meist hat die Anwesenheit von Kavallerie, die feindliche Infanterie in Carrees gezwungen, was die eigene Artillerie dann ganz toll fand. Ebenfalls wird Infanterie in Linie ein Carree massakrieren, wenn sonst nix passiert.
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    1.
    Mit dem Punkt "unfrei" hat das Desertieren laut Delbrück und auch anderen Autoren und auch Zeitgenossen recht wenig zu tun. Ein wichtiger Aspekt bei den Preußen war, dass der Ausländeranteil, anders als bsw. in Sachsen, sehr hoch in der Armee war. Verschiedene Beobachter in der Zeit Friedrich II. stellten fest, dass sich demnach die regiden Strafen vor allem gegen die Ausländer in der Armee richteten. Diese waren als Durchreisende in die Armee gepresst worden und durch preußische Agenten im Heimatland der künftigen Rekruten angeworben worden. Entsprechend spielte Heimweh und das Gefühl fremd zu sein sicher eine nicht zu unterschätzende Rolle.

    Das Desertieren war allerdings grundsätzlich ein enormes Problem besonders der Preußen. So versuchte man Nachtmärsche und weiter entfernte Vorposten zu vermeiden, weil bsw. beides ein Desertieren erleichtert hätte.

    2.
    Wie schon Bdaian sagte war das Quarré weder etwas speziell französisches, noch erst zu der Zeit entwickelt worden.

    Das Problem einer Linienformation ist natürlich die Angreifbarkeit in den Flanken. Im Prinzip, wenn die Linie an ein natürliches Hindernis "angelehnt" ist und man ihr nicht in die Flanke fallen kann, muss man auch nicht unbedingt ein Quarré bilden.

    Ich mal mal was.

    KKKK KKKK......


    F
    FIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIII.....
    F
    F
    F

    F=Fluss
    I= Infanteristen 3 Glieder tief
    K attackierende Kavallerie beliebig tief

    Hier wäre der Fluss ein Hindernis der Infanterie in die Flanke zu kommen.


    3.
    Zur Tiefe der Linien:
    Hierin besteht oft eine Diskussion ab wann und auf welche Tiefe die Linien ausgedünnt wurden. Manche nehmen an, dass schon früh im 18. Jh. die Linien auf 2 Mann Tiefe (also 2 Glieder von Männern hintereinander) ausgedünnt wurde. Im französischen Reglement von 1791 finden wir allerdings noch eine 3-gliedrige Aufstellung als Normalfall. Nur in Ausnahmen wird von einer 2-gliedrigen Aufstellung darin geredet, z.B. wenn beim Exerzieren nicht alle Mann anwesend waren. Bezeichnenderweise soll Kaiser Napoléon I. noch im Herbst 1813 während seines Aufenthaltes in Düben (heute Bad Düben) extra eine zweigliedrige Aufstellung statt einer dreigliedrigen angeordnet haben. Diese Anordnung erschiene im rechten Licht, wenn man bedenkt, dass die Verbündeten in der kurz darauf geschlagenen Völkerschlacht bei Leipzig nummerisch bedeutend überlegen waren und die Reduzierung auf 2 Glieder Tiefe eine Verlängerung der Front der französischen Linien bedeutete.
     
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  5. Molinarius

    Molinarius Neues Mitglied

    Wie Loudon und Bdaian schon sagten,war das Quarré gegen Kavallerie sehr wirkungsvoll,da es keine angreifbaren Flanken gibt.
    Allerdings hat das Quarré eine Schwäche und die ist die Artillerie.Wenn die nämlich in eine kompakte Formation so vieler nah beieinander stehender Soldaten trifft,kann sie sehr grossen Schaden anrichten.
     
  6. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Wer sich ein bischen einlesen møchte, in die Taktiken Kavallerie vs. Infanterie in napoleonischer Zeit, muss sich mal diesen Thread hier reinziehen:

    Taktik von Kavallerieattacken - Diskussionsforum von Napoleon Online

    ...lohnt sich, zu ende zu lesen.

    Fazit: ein Karree war eine wirkungsvolle Formation gegen Kavallerie.

    Ein Erfolg oder Misserfolg hing von vielerlei Faktoren ab.
    Die zwei wichtigsten:

    - wer hatte die besseren Nerven (das hængt auch mit der Ausbildung zusammen)
    - gab es ggf. Unterstuetzung der einen oder anderen Seite durch andere Waffengattungen

    Wie es bei Waterloo ausgesehen haben kønnte, kann man hier ganz gut sehen:
    http://www.widerhallderzeit.de/JJH/Bilder/JJH%20Bilder/Angriff%20auf%20ein%20Carre2.jpg

    und auch im kleineren Rahmen funktioniert's: (ein Reenactment-Bild)
    http://www.napoleon-online.de/phpBB2/files/preuss._karre_167.jpg

    Gruss, muheijo
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. März 2009
  7. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Sind die Pferde gut ausgebildet, dann rennen die auch in eine geschlossene Bajonettwand.
    Allerdings sind solch gut ausgebildeten Schlachtrösser selten.
     
  8. Molinarius

    Molinarius Neues Mitglied

    Vielleicht sind sie ja gerade deswegen so selten,wenn man sie einfach in das nächstbeste Bajonett rennen lässt.;)
    Jetzt mal ernsthaft:
    Ich persönlich gehe davon aus,dass der Grossteil der Pferde vor so einer offensichtlichen Todesfalle gescheut hätte bis vielleicht auf die kleine von Legat angesprochene Minderheit!Pferde sind ja von Natur aus eher Fluchttiere,die nicht den offenen Kampf mit Feinden suchen.
     
  9. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Junkelmann hat in "Die Reiter Roms" beschrieben, dass Pferde sehr schwer und häufig gar nicht dazu zu bewegen sind, in einen geschlossenen Menschenhaufen hineinzurennen. Eine Kavallerieattacke würde also auch schon durch einzelne scheuende Pferde im ersten Glied erheblich an Geschlossenheit und Schwung verlieren.

    Auch selbstmörderisch tapfere Pferde hatten zu der Zeit das Problem, dass sie durch ihre schiere Größe recht gute Ziele darstellten, also auf 15 Meter Entfernung mit einer Muskete recht einfach zu treffen waren. Wenn sich ganz vorn erst mal einige getroffene Pferde wälzten und um sich schlugen, so ging der Schwung der Kavallerieattacke ganz schnell verloren. Dadurch wären die Hintermänner wie auf dem Präsentierteller eingekeilt gewesen.

    Ein noch nicht genannter Nachteil des Karrées war, dass es eine statische Formation war. Sie konnte sich bestenfalls äußerst langsam, meistens aber gar nicht mehr bewegen. Eine Bedrohung durch Kavallerie, die nicht durch eigene Kavallerie vertrieben werden konnte, war also das beste Mittel, Infanterie zum Stehen zu bringen. Dann hatte man erst mal genug Zeit, eigene Infanterie oder Artillerie heranzuführen...
     
  10. GiggleGix

    GiggleGix Neues Mitglied

    Vielen Dank für die tollen Antworten:winke:
    Hm jetzt wo wir schon bei den Pferden sind...:DIch habe einmal ein Bild gesehn auf dem waren französische Lanzenreiter(Pferde hatten auch Rüstung) zu sehen die eine Pikenformation frontal aufsprengten. Diese war aber vorher nicht von Zweihändern durcheinander gebracht worden. Was meint ihr dazu??? Ich suchs mal.(Reiter kommen von rechts wer sich vll erinnert:pfeif:)
    Außerdem habe ich noch einige Fragen:
    1.Wie lang(Mann) war die Seite eines Karrées(=Quadrat???)
    2.Welche Reichweite hatte denn ein Infaterist mir Bajonett um 1800 im Nahkampf?
    3.Bis zu welcher Zeit "spielte das Wetter" denn noch eine wichtige Rolle?

    mfg,

    GiggleGix

    Edit: Hab heute keine Gelegenheit mehr im Internet zu suchen. Werde estmal einige alte Geschichtsbücher durchforsten
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. März 2009
  11. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Ich kenne das Bild nicht, aber der Angriff von Kavallerie gegen Fußgänger ist eine hochpsychologische Angelegenheit.

    Stell Dir einmal 100 mal 600 kg Pferd mit jeweils einem brüllenden lanzenschwingenden weiteren Doppelzentner Reiter darauf vor, die in enger Formation ihre insgesamt 70 Tonnen Tod und Verderben im gestreckten Galopp (bei mitvibrierendem Boden) AUF DICH zubewegen, um DICH zu töten. Da muss man auch mit Hellebarde / geladener Muskete in der Hand verdammt kaltblütig sein, um da ungerührt stehen zu bleiben und dem Haufen die eigene Waffe entgegenzustrecken.

    Insbesondere unerfahrene, demotivierte oder schlecht ausgebildete Infanterieeinheiten hatten nicht unbedingt genügend Nerven, angesichts anreitender Kavallerie gelassen in Formation stehen zu bleiben, sondern lösten sich auf, ehe es zum Aufprall kam. Kavallerie hatte also immer eine Chance, unerfahrene, schlecht geführte oder schlecht ausgebildete Infanterie in Panik zu versetzen. Und war die Formation erstmal aufgebrochen, hatten die Reiter leichtes Spiel...
     
  12. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Nun ritten Kavalleristen aber keine Wildpferde aus der Natur, sondern gezüchtete und trainierte Menschen.
    Menschen haben es geschafft, dass Hunde sich um Schafe kümmern, da gelang es ihnen auch Pferden den Fluchttrieb abzugewöhnen.
    Heutige Pferde lassen sich dazu sicherlich nicht bewegen, aber heute wird im Umgang mit Pferden wahrscheinlich weniger Gewalt gewagt und mehr Rücksicht auf das Tier genommen.
    Timo kann noch mehr dazu schreiben (und tat es auch schon in verschiedenen Mittelalterthreads)
     
  13. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Nunja, einen Unterschied sehe ich da schon. Bei Hütehunden wird ja meines Wissens die Anlage des Rudeljägers genutzt und weiterentwickelt, seine Beutetiere zusammenzudrängen. (Ich lasse mich hier allerdings gern eines besseren belehren, von Hunden weiß ich nicht so viel wie von Pferden.)

    Das Pferd hat von Natur aus erstmal genau das Gegenteil der Anlage, Menschen(ansammlungen) über den Haufen zu trampeln. Das heißt, das Pferd muss gegen seinen Instinkt bewusst "überzeugt", "abgestumpft" oder "brutalisiert" werden. Zusätzlich muss das Pferd ja auch die übrigen optischen und akkustischen Reize eines Schlachtfeldes dulden lernen, oder notfalls dagegen abgestumpft werden. Das geht alles, aber weder schnell noch individuell zuverlässig.

    In den Konflikten des Schwarzpulverzeitalters herrschte ein immenser Pferdeverschleiß. Die Leistungsfähigkeit der Kavallerie war, was die Ausbildung der Pferde anging, zu Anfang eines Konfliktes in der Regel am höchsten. Je länger der Konflikt anhielt, desto mehr der gut ausgebildeten Pferde gingen verloren. Die Ausbildungshöhe des Nachschubs wurde auf Grund der nicht zur Verfügung stehenden Zeit immer niedriger. Zusätzlich litt bei wirklich langen Konflikten auch die körperliche Qualität der Tiere, da man irgendwann aus purem Mangel diejenigen nehmen musste, die man zwei Jahre zuvor noch abgelehnt hätte.
    Zusätzlich kam während langer Feldzüge auch noch die Ernährungssituation hinzu. Man liest immer wieder von Gefechten am Ende längerer Feldzüge mit angespannter Versorgungssituation, in denen die Pferde gar nicht mehr die Energie zur Carrière hatten.

    Edit: Übrigens ist der gemeine mitteleuropäische Warmblüter bei weitem nicht so ausdauernd, wie man das häufig meint. Selbst ein durchtrainiertes und ausgezeichnet ernährtes Pferd ist relativ schnell erschöpft - die nicht mehr lebenden Beispiele sieht man sehr häufig auch heute noch bei Military Wettkämpfen.

    Das heißt selbst während einer Schlacht unter guten Voraussetzungen war die Fähigkeit einer Kavallerieabteilung zum Schockangriff sehr begrenzt und wollte bedächtig dosiert werden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. März 2009
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  14. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Wie Junkelmann zeigt hat ein Pferd keine Probleme damit einen einzelnen Mann niederzureiten.
    Bei mehreren nebeneinander ist das schon ein Problem. Man muss das Pferd quasi verarschen indem man die Leute ausweichen lässt, sobald es in die Formation einbricht.
    Dann muss manes noch an Lärm gewöhnen, an (heftigem) Körperkontakt, etc und am Ende hat man ein Schlatfeldtaugliches Pferd, das ohne mit der Wimper zu zucken in ein Karrée rein rennt.
    Aber wie Neddy schon sagte: solche Pferde werden mit vortschreitendem Konflikt immer weniger.
     
  15. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Frankreich hatte unter Napoleon und besonders nach dem Russlandfeldzug ein sehr großes Problem mit dem Pferdenachschub. Die Exemplare die sie kriegten waren i.d.R. zu klein, zu schwach zu jung und konnten nicht mehr entsprechend ausgebildet werden. Aus diesem Grund und um bei den schlechter werdenden Ausbildungsstand die Formation halten zu können, ritten die Franzosen am Ende ihre Angriffe nur noch im Trott, sehr selten im Galopp.

    Gelegentlich haben sie sogar gegnerische Kavallerieattacken im Stand empfangen, so die Kürassiere bei La Chausée.

    Die meist sehr gut berittenen Briten (und Hannoveraner in britischen Diensten) ritten den Franzosen regelmäßig davon. Berittene Späher spazierten in Spanien vor den französischen Stellungen umher und waren von den Franzosen nicht zu schnappen.

    Die Kavallerie wurde deshalb auch die "Gläserne Waffe " genannt. Im richtigen Moment eingesetzt war sie schlachtentscheidend, falsch eingesetzt konnte sie jedoch auch zur Katastrophe führen da zurückgeschlagene Reiter leicht die eigenen Reihen in Unordnung bringen oder Panik verbreiten konnten. Sogar zuerst erfolgreiche Attacken konnten nachträglich zur Niederlage werden, da die Formation dabei fast immer in Unordnung geriet und die stehenden oder kreisenden Reiter leichte Beute für Ihre Kollegen waren. Die Scots Greys sind so nach ihrer berühmten Atacke bei Waterloo von den Lanciers aufgerieben worden.
    Die Pferdezahlen nahmen auch während eines Feldzuges sehr schnell ab. Neben den Verlusten im Kampf führten Krankheiten, Lahmheit und Erschöpfung zu einer schnellen Abnahme der Sollstärken. Die richtige Ernährung (Hafer) war dabei sehr wichtig da die Pferde sonst schwach oder sogar Krank wurden (unreifer Roggen ist anscheinend sehr gefährlich gewesen da er zu Durchfall führen soll).

    Während der Bürgerkriege nach der Unabhängigkeit in Argentinien, die hauptsächlich zu Pferde geführt wurden, soll eine Expedition aus Buenos Aires unter Lavalle angeblich gescheitert sein, weil die (ansonsten extrem widerstandsfähigen) Pferde aus der Pampa sich an dem Mio Mio, einem giftigen Gras in Nordargentinien vergifteten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. März 2009
  16. GiggleGix

    GiggleGix Neues Mitglied

    Nochmals vielen Dank für die Antworten. Dass der "Pferdeverschleiß" derart groß war, wusste ich nicht. Frage am Rande: Welchen Anteil in puncto Mann hatte eigentlich die Kavallerie an einer Armee Napoleons????
    Ich kann das Gemälde leider weder in Büchern noch im Internet finden.
    Hat jemand vll ne Ahnung wo man im Internet abseits von Google historische Gemälde finden/suchen kann?

    Zwar ist das Gemälde wohl übertrieben: Welcher "geniale" Feldherr lässt schon seine Reiter in eine geordnete Pikenformation reinrennen:autsch:. Interessant aus psychologischer Sicht wäre jedoch zu wissen ob dies schon einmal vorgekommen ist. Piken sind ja einige meter lang und können in den Boden gesteckt werden. Da kann man sich als Fussoldat ziehmlich "sicher" fühlen:fs:, wenn die Kraft des Aufpralls auf mehrere Piken geteilt und annähernd der gesamte Rest dann in die Erde übertragen
    wird. Psychologisch am Ende dürfte da wohl Reiter und vorallem das Pferd sein. Meint ihr wirklich dass Pferde mit voller Geschwindigkeit in Pikenwände reingerannt sind??? Und wirkt sich Panzerung auf die Psyche des Pferdes aus???"Versteht" es dass es "geschützt" ist???Was meint ihr???

    Edit: Bdaian, vielen Dank;) Ich schau mich mal nach Beispielen zu 1. um:)...
    So hier erstmal ein Beispiel für die Zerschlagung eines Karrees:http://de.wikipedia.org/wiki/Gefecht_von_García_Hernández
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. März 2009
  17. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    1 Das hing von der Größe der Karree bildenden Einheit ab und konnte deshalb sehr unterschiedlich ausfallen.

    2. Normalerweise ca. 1 bis 2 Meter. Beim Stich mit ausgestrecktem Arm (wie mit einem Degen) sogar etwas mehr.

    3. Wenn du die Effektivität der Feuerwaffen meinst, bis zur Einführung der Metallpatrone nach 1871. Zur Zeit Napoleons wurden noch Schlachten wie Großbeeren oder Katzbach teilweise mit Kolben und Bajonett ausgefochten weil es sehr stark regnete.
     
  18. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ich vermute mal, dass das erwähnte Gemälde die "Sporenschlacht" von Courtrai darstellt. Das endete in der Tat sehr böse für die angreifenden Ritter Ansonsten waren Reiterangriffe gegen geschlossenen Pikenformationen selten.

    Pferde haben wohl nicht "gefühlt" dass sie geschützt waren. Man hat sie gelegentlich jedoch zu ansonsten untypischen Verhalten bringen können, in dem man ihnen die Augen verband. Das machte man mit Turnierpferden. Auf dem Schlachtfeld dürfte dieses jedoch etwas unpraktisch gewesen sein.

    Die Beschreiung von Garcihernandez ist der typische Fall vom stürzenden Pferd das eine Bresche reisst. Die anderen Karrees liessen sich dann durch eine Mischung aus Panik und durcheinander aufbrechen. Das vierte Karree hielt jedoch stand und erlaubte den Überlebenden sich geordnet zurück zu ziehen. Trotzdem haben 700 Dragoner der KGL bei 127 eigenen Verlusten ca. 1.100 Verluste (Tote, Verletzte und Gefangene) beim Gegner verursacht
     
  19. Loudon

    Loudon Neues Mitglied

    so zwischen 25-33%

    nein sind sie nicht. Wegen Piken wurde die Caracolade erfunden.
    bis zur Massenverbreitung der Perkussionszündung.

    Man hat als Battalion gekämpft, daher hat man auch Battalionsweise Carrees gebiled. Bei 3-4 Mann Tiefe kann man sich die Seitenlänge bei 800-1000 Mann leicht ausrechnen.

    Bei Gracia Hernandez wurden die sukkzessiven Carrees aufgebrochen weil es keine Veteranen waren. Die Greenhorns haben das Carreee göffnet um die Versprengten des ersten Carrees 'reinzulassen. Veteranen hätten sowas nicht zugelassen.
     
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  20. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Im Prinzip ja. Es wurden gelegentlich jedoch auch gelegentlich größere Karrees aus mehreren Bataillons gebildet, vor allem wenn diese nicht mehr auf Sollstärke waren.

    Das größte mir bekannte Karree wurde von den beiden Hannoverschen Brigaden (8 Bataillone) aufgestellt, die bei Waterloo einen Massiven Block von ca. 5.000 Mann bildeten.
     

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