Was wäre die Konsquenz für die BRD und Adenauer gewesen?

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von Griffel, 29. März 2021.

  1. Griffel

    Griffel Mitglied

    Schönen Abend oder Nachmittag. Aus purer Langeweile habe ich mich mal einem alten und bekannten Thema gewidmet.:rolleyes: Alt deswegen weil, es schon seit Anbeginn dieser Republik existiert. Die Parteienfinanzierung oder besser gesagt, die (legale) Korruption in der Politik.

    Es ist zwar nicht gerade schön, aber auch ein System der Schwarzen Kassen, 50 Jahre am Leben zu erhalten, ist eine Leistung.:cool:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Ruscheweyh

    Von diesen ersten "zarten Anfängen" über die Lockheed Affäre bis zu Herrn Kohl. Ist es nun mal eine Strecke! Wie wir alle heute wissen, hatte der gute Doktor Adenauer ziemliches Glück. Auch dank alliierter Rückendeckung. Doch möchte ich mal die Frage aufwerfen, was wären die Konsequenzen für die junge BRD und den Alten aus Rhöndorf gewesen wenn, es ein findiger Reporter tatsächlich geschafft hätte, die ganze Sache aufzudecken?!

    Sofern die Westalliierten, nicht alles unternommen hätten, um ihren Mann Adenauer zu schützen, wäre die Geschichte der BRD sicherlich anders verlaufen. Es dürfte wohl feststehen, das wäre die Sache damals publik geworden, Adenauer wohl keine weitere Amtszeit gehabt hätte. Geschweige den 3.

    Vor allem für den Osten wäre das sicherlich ein gefundenes Fressen gewesen!;) Da drängt sich doch gleich die Frage auf: Wer hätte als Alternative bereitgestanden?
    Da Adenauer, sein Amt sicherlich nicht hätte behalten können.
    Franz Josef Strauß, wäre natürlich eine mögliche Alternative aus dem eigenen Lager gewesen. Aber! Er war damals noch zu jung und zu unerfahren.

    Herbert Ernst Karl Frahm alias Willy Brandt, aufseiten der SPD, welche sicherlich Oberwasser gehabt hätte, war damals für Viele noch nicht wählbar.

    So und nun genug von mir. Jetzt sind Andere an der Reihe. Viel Spaß
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es wäre auch wohl eher nicht Brandt am Zug gewesen, sondern Ollenhauer. Der war nach Kurt Schumacher der große Mann in der SPD und '53 und '57 ihr Kanzlerkandidat, Brandt erstmals 1961.
     
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    @ Griffel: Leider vor allem eine Skandalisierung von Politik ohne wirkliche Substanz, obwohl es durchaus Substanz gegeben hätte.

    Köhler geht beispielsweise in seiner Adenauer-Biographie auf solche Randfiguren wie Ruscheweyh nicht ein. Eher eine dieser Personen, die hervorragend in Verschwörungs-Plots passen. Allerdings will ich gar nicht abstreiten, dass es durchaus eine hohe Wahrscheinlichkeit gab, dass er "krumme Geschäfte" getätigt hatte.

    Dabei war die Beschaffung des HS-30 durchaus von dubiosen Begleiterscheinungen geprägt, in deren Kontext, Bestechung bzw. Korruption eine Rolle gespielt haben.

    Wiki:
    Durch Recherchen von Journalisten der Frankfurter Rundschau und des Nachrichtenmagazins Deutsches Panorama wurden Zusammenhänge der HS-30-Beschaffung mit Schmiergeldzahlungen an mehrere Personen hergestellt. Auf Antrag der FDP richtete der Deutsche Bundestag 1967 einen Untersuchungsausschuss ein, der zahlreiche Zeugen vernahm und 1969 einen Bericht veröffentlichte.

    Unter den Empfängern von Schmiergeldzahlungen war unter anderem der persönliche Referent des damaligen Verteidigungsministers Franz Josef Strauß, Werner Repenning, der 2,3 Millionen DM erhalten haben soll. Der CDU-Politiker Otto Lenz soll 300.000 DM erhalten haben; die gleiche Summe soll der Arzt und mutmaßliche Waffenhändler Otto Praun erhalten haben. .....

    Nach Aussagen des Zeugen Werner Plappert (Fabrikant, CDU-Politiker und ehemaliger Oberbürgermeister von Heidenheim), der 1974 tot im Bodensee aufgefunden wurde, soll die CDU im Zusammenhang mit der HS-30-Beschaffung 50 Millionen DM für die Finanzierung des Bundestagswahlkampfes 1957 entgegengenommen haben: „Auf deutscher Seite war das Panzergeschäft nur ein Mittel zur illegalen Parteienfinanzierung. Was dann geliefert wurde, war sekundär.“


    HS-30-Skandal – Wikipedia

    Die Entsprechenden Protokolle der Bundestagsuntersuchungsausschusses (S. 78 ff) sind durchaus interessant, nicht zuletzt weil Plappert in einem "merkwürdigen Licht" erscheint.

    Bericht des BT von 1969
    http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/05/045/0504527.pdf

    Allerdings wird man im Ergebnis resümieren müssen, dass eindeutige Beweise für Bestechung nicht vorgelegt worden sind. Und es gab auch keine Beweise für Zahlungen in diesem Kontext an die CDU.

    zur Aufarbeitung des HS - 30 Skandals:
    Peter Barth, Rüstung und Öffentlichkeit in den fünfziger und sechziger Jahren - Das Beispiel HS 30, in: Dülffer, Jost (Hrsg.): Parlamentarische und öffentlich Kontrolle von Rüstung in Deutschland 1700- 1970, Düsseldorf 1992, S. 219-240; zur Aufarbeitung der Vorgänge rund um den HS-30 im Bundestag und in den Medien vgl. ausf. Dieter H. Kollmer, Rüstungsgüterbeschaffung in der Aufbauphase der Bundeswehr. Der Schützenpanzer HS 30 als Fallbeispiel 1953-1961 (Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Band 93), Stuttgart 2002, S. 250-262.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. März 2021
  4. Griffel

    Griffel Mitglied

    Man muss die damaligen Umstände bedenken! Natürlich ist auch mir klar, dass sowohl Konrad Adenauer, als auch die Westalliierten in einem gewissen Zugzwang waren.:cool: Fest steht aber auch, dass Dr. Konrad Adenauer, sicherlich nicht der einzige Mann gewesen wäre, welcher sich als Kanzler geeignet hätte.

    Von seiner Ausrichtung, war Adenauer, den Alliierten sicherlich lieber, als irgendein SPD er.;) Auch wenn, diese Einschätzung sicherlich nicht ganz stimmt. Bei der SPD gab und gibt es vernünftige Leute. Ich bin der Letzte, der das nicht zugestehen würde!

    Allerdings, galten die Sozialdemokraten damals natürlich als unsicherer Kantonisten. Aufgrund Ihres Programmes. Vermutete man doch in Washington und London, dass sie den Kommunisten zu nahe standen. Was wohl nur zu einem geringen Teil gestimmt hat! In der SPD gab es schon immer verschiedene Gruppen oder Flügel. Wie in fast jeder Partei!

    Aber selbst wenn, man berücksichtigt, dass das Ganze sich am Beginn des Kalten Krieges abgespielt hat, kommt man nicht umhin, festzustellen, dass damit eine Reihe von Ereignissen in Gang gekommen sind, die das Vertrauen in die Demokratie nachhaltig hätten erschüttern können! Wenn, man ihr Ausmaß damals schon gekannt hätte.

    Und wie ich bereits geschrieben habe, führten diese Vorkommnisse fast nahtlos zur Starfighter Affäre und zum HS-30 Skandal. Diese Ereignisse, haben sicherlich nicht dazu geführt, dass die Menschen in Westdeutschland besonders viel zutrauen in die Politik entwickelten.

    Auf alle Fälle, wäre Konrad Adenauer wohl nicht die Leitfigur geworden, die er heute noch ist. Was mich in diesem Zusammenhang besonders wundert; selbst sein wichtigster Berater Hans Globke, hat ihn vor diesem Herrn gewarnt. Wieso also, hat Adenauer diese Warnung in den Wind geschlagen? Es hätte sicherlich auch eine andere Möglichkeit gegeben, erstens die Finanzierung des Wahlkampfes zu bewerkstelligen und zweitens die Bewaffnung des Bundesgrenzschutzes zu gewährleisten. :rolleyes: Im Rahmen der EVG-Verhandlungen wurde ja über solche Dinge gesprochen. Und da hätte es sicherlich Möglichkeiten gegeben, sich geeignetes Material zu beschaffen.

    Aber ich schweife ab. Wie ich in der Überschrift ja schon angedeutet habe, wären die Auswirkungen für die junge BRD sicherlich erheblich gewesen, wären diese Vorgänge durch die Presse bekannt geworden! Das Verhältnis der damaligen Deutschen zur Demokratie und zu Parteien war ja alles andere als prickelnd. Aus Sicht der Betroffenen nicht zu Unrecht wenn, man sich an die Zustände in Weimar und dem Reichstag erinnert.

    Natürlich hätten die Alliierten die Möglichkeit gehabt, dass Erscheinen entsprechender Artikel zu verhindern. Damals galt ja noch das Besatzungsrecht, das erst mit den Pariser Verträgen fast vollständig beendet wurde.
     
  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Den Bericht des Untersuchungsausschusses hast Du schon zur Kenntnis genommen? Nein, natürlich nicht und es interessiert Dich auch nicht, welche Zweifel an diesen Behauptungen vorhanden sind.

    An diesem Punkt wird es allerdings mal wieder dubios, weil geschickt zutreffende Befund mit zweifelhaften Aussagen kombiniert werden. Die entsprechenden Studien von Almond & Verba bzw. "OMGUS" (Merritt & Merritt) zur politischen Kultur nach 1945 in West-Deutschland zeigen eine gewisse Zurückhaltung gegenüber einer aktiven Teilnahme an der Demokratie, obwohl es in Teilen der Bevölkerung eine demokratische Kultur gab.

    Dass diese Skepsis dann mit den "Zuständen in Weimar und dem Reichstag" begründet werden, ist für die demokratieaffinen aus dem Umfeld der Sozialdemokratie sicherlich nciht zutreffen. Wenn eine Erosion der Demokratie und demokratischer Werte von Weimar praktiziert wurden, dann wurde es von den undemokratischen Parteien praktiziert und von den Wählern aus diesem Umfeld positiv beurteilt.

    Zudem erfolgte eine nicht massive Indoktrinierung während der NS-Periode und diskreditierte die Werte der Demokratie aus der Sicht von Teilen der Bevölkerung Mit einer teilweisen aktiven Bejahung der politischen Kultur der "Führer-Diktatur" über 1945 hinaus (vgl. OMGUS-Berichte)

    Erst die wirtschaftliche Erholung im Rahmen des sogenannten "Wirtschaftswunders" führte zu einer deutlichen Hinwendung der Bevölkerung zur Demokratie und einer Bejahung der "Überlegenheit" dieser Form gegenüber ihren Alternativen (vgl. Jarausch)

    Almond, Gabriel A.; Verba, Sidney (1965): The civic culture. Political attitudes and democracy in five nations. Boston: Little Brown.
    Jarausch, Konrad Hugo (2010): After Hitler. Recivilizing Germans, 1945-1995. Oxford: Oxford Univ. Press.
    Merritt, Anna J.; Merrit; Richard L. (1970): Public opinion in occupied Germany,. The Omgus surveys. 1945-1949. Urbana, Chicago, London: University of Illinois Press.
     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Und nochmal zur Intensität des Wirkens der Indoktrination während der NS-Periode und zu den massiven Nachwirkungen in der US-Besatzungszone.

    Merritt & Merritt (S. 31) konstatieren, dass trotz der skeptischen Sicht der "Amzon-Germans" ......

    "large numbers of postwar Germans in the areas under American control continued to express perceptions characteristic of National Socialist ideology (#19).

    To cite some examples, nine per cent agreed that "a civihan is an unworthy (lower) person compared to a member of the army"; ten per cent that "in all probability foreign nations and races are enemies; therefore, one should be prepared at all times to attack them first," and that "if a pure German marries a non-Aryan wife he should be condemned";

    1 2 per cent that "the horrors committed by the Germans are an invention of the propaganda of our enemies"; 15 per cent that "the Communists and the Social Democrats should be suppressed";

    18 per cent that "only a government with a dictator is able to create a strong nation," and that "this war was caused by a conspiracy between the International Bankers and the Communists";

    19 per cent that "the German people were the victims of a conspiracy by other nations"; 20 per cent that "it would have been much better for the Allies to have had a war with Russia instead of with Germany"; 29 per cent that "the publication of no book that criticizes a government or recommends any changes in government should be permitted";

    30 per cent that "Negroes are members of an unworthy (lower) race"; 33 per cent that "Jews should not have the same rights as those belonging to the Aryan race"; 37 per cent denied that "extermination of the Jews and Poles and other non-Aryans was not necessary for the security of Germans";

    and 52 per cent agreed that "territories such as Danzig, Sudetenland, and Austria should be part of Germany proper."


    Merritt, Anna J.; Merrit; Richard L. (1970): Public opinion in occupied Germany,. The Omgus surveys. 1945-1949. Urbana, Chicago, London: University of Illinois Press.
     

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